Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Das Völkerschlachtdenkmal
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Das Völkerschlachtdenkmal

Das Völkerschlachtdenkmal im Süden der Stadt Leipzig als nationales Denkmal des wilhelminischen Deutschland

Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig wurde 1898 – 1913 in Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig nach Entwürfen des Berliner Architekten Bruno Schmitz errichtet. Die bildhauerischen Arbeiten führten die Bildhauer Christian Behrens (1852–1905) und Franz Metzner (1870–1919) aus. Es ist das größte Denkmal Europas und als weithin sichtbare Landmarke mit markanter Silhouette eines der Wahrzeichen Leipzigs.

Völkerschlachtdenkmal, Frontalansicht

Anlass des Baus war die vom 16. bis 19. Oktober 1813 vor den Toren der Stadt Leipzig geschlagene sogenannte Völkerschlacht. Hier, in einer der Entscheidungsschlachten der Befreiungskriege, siegten die verbündeten österreichischen, preußischen, schwedischen und russischen Truppen über die Armeen Napoleons. Deutsche kämpften auf beiden Seiten mit. Der Sieg bei Leipzig führte den Zusammenbruch des Rheinbunds herbei und leitete den schnellen Niedergang Napoleons bis zum Einzug der Verbündeten in Paris am 31.März 1814 ein.

Von der Völkerschlacht ging eine große nationale Aufbruchstimmung aus, die schon bald nach der Errichtung eines Denkmals für diesen denkwürdigen „deutschen“ Sieg verlangte. Da Sachsen in der Schlacht als Verbündeter auf Seiten Napoleons mitkämpfte, sollte es eigentlich als „Strafe“ von Preußen annektiert werden, verlor letztlich jedoch nur die spätere preußische Provinz Sachsen (heute Teil des Bundeslandes Sachsen-Anhalt) an Preußen. Das Land zeigte daher wenig Interesse, dieser Niederlage ein Denkmal zu setzen. So kam es, dass die alten Pläne für ein Nationaldenkmal erst nach der Reichseinigung und der Gründung des Kaiserreiches 1871 angegangen wurden.

Die konkreten Planungen begannen 1895 mit einem Ideenwettbewerb des Deutschen Patrioten-Bundes und einem Entwurfs-Wettbewerb 1896. Da die eingereichten Pläne jedoch nicht den Vorstellungen von Clemens Thieme, dem Vorsitzenden des Patrioten-Bundes, entsprachen, wurde Bruno Schmitz, einer der Preisträger im Entwurfs-Wettbewerb, mit der Ausführung beauftragt. Bruno Schmitz hatte vorher das Kyffhäuser-Denkmal entworfen und sollte später mit der Planung von Rosengarten und Friedrichsplatz in Mannheim hervortreten.

Der Grundstein für das Denkmal wurde am 18. Oktober 1898, am 85. Jahrestag der Völkerschlacht, bei dem Dorf Probstheida in der Nähe des Schlachtorts im Südosten der Stadt gelegt. Den Entwurf von Bruno Schmitz führte als Bauherr Clemens Thieme, der Vorsitzende des Patrioten-Bundes und Leipziger Altlogenmeister der Freimaurerloge Apollo, aus. Auf ihn geht auch der Einbau der Krypta als Weihe- und Gedenkraum an die Gefallenen zurück. Finanziert wurde der Bau durch eine speziell eingerichtete Lotterie und durch Spenden. Am 18. Oktober 1913, am 100. Jahrestag der Schlacht, wurde das Völkerschlachtdenkmal in Anwesenheit des Kaisers und der sächsischen Königs eingeweiht.

Das Denkmal in der Nähe des damaligen Schlachtfeldes ist an der Basis 124 m breit und 91 Meter hoch, vom Fuß des Sockels bis zur Aussichtsplattform führen 500 Stufen. Es enthält einen einzigen Innenraum, der sich von der Krypta bis unter die Kuppel erstreckt.

An der Eingangsfront zu dem großen Vorplatz hin steht die Figur des Erzengels Michael, der als kriegerische Figur als Schutzheiliger und Beistand der Soldaten galt. Er steht als vollplastische Figur vor einem flach gehaltenen Relief im Jugendstildekor, das links und rechts auf zwei jeweils 19 Meter hohen und 30 Meter breiten Teilen den Erzengel in einem Streitwagen auf einem Schlachtfeld sowie weibliche Allegorien für die Kriegsfurie zeigt. Über der Figur des Erzengels steht die Inschrift „Gott mit uns“. Das war zunächst der Wahlspruch des preußischen Königshauses (seit 1701) und der deutschen Kaiser, wurde aber im Nachhinein als göttlicher Segen für den siegreichen Ausgang der Schlacht interpretiert und galt im Ersten Weltkrieg als militärisches Hoheitszeichen als Legitimation für die deutsche Kriegführung.

Die Krypta im Erdgeschoss der Halle stellt die symbolische Grabstätte der über 120.000 in der Völkerschlacht Gefallenen dar. In ihrer Mitte ist eine bronzene Grabplatte in den Boden eingelassen, an den Wänden wachen zwischen den Durchgängen vor riesigen Trauermasken (5,5 m hoch und 2 m breit) als Sinnbilder des Sterbens acht Zweiergruppen von in ernste Trauer versunkenen steinernen Kriegern.

Im durchfensterten Umgang darüber, der sog. Ruhmeshalle, symbolisieren vier sitzende 9,5 m hohe Skulpturen die Tugenden, die dieser Schlacht zugeschrieben wurden: Tapferkeit, Glaubensstärke, Volkskraft und Opferbereitschaft. Diese Sitzfiguren sollen nach dem Vorbild der Memnonkolosse im altägyptischen Theben gestaltet worden sein, entfernen sich jedoch von diesem Vorbild durch ihre unterschiedliche Ausarbeitung und Sinngebung.

In der Kuppeldecke der Ruhmeshalle ist ein Zug von 324 fast lebensgroßen Reitern in konzentrischen Ringen abgebildet.

Unterhalb der Plattform stehen außen 10 riesige Wächterfiguren. Sie vermitteln das Bild von Aufmerksamkeit und Verteidigungsbereitschaft.

In der Zeit der DDR galt das Völkerschlachtdenkmal als Denkmal für die historische deutsch-sowjetische (/russische) Waffenbrüderschaft.

In unmittelbarer Nähe des Denkmals steht an der Stelle der ehemaligen Quandtschen Tabaksmühle der Napoleonstein, ein weiteres Denkmal im Zusammenhang mit dem Schlachtgeschehen. Hier hatte Napoleon am 18. Oktober 1813 seinen Befehlsstand eingerichtet. Der Stein ist aus rotem Granit und trägt zur Erinnerung an den Feldherrn Kissen, Hut, Degen und Fernrohr. In Sichtweite des Denkmals schließlich steht zum Gedenken an die 22000 gefallenen russischen Soldaten die Russische Gedächtniskirche St. Alexej (1912/13).


Die Annäherung an das Völkerschlachtdenkmal kann einerseits über das Geschehen des Jahres 1813 und die darauf folgende nationale Begeisterung geschehen. Über diese museale Rezeption hinaus kann jedoch ein Besuch des Denkmals auch von der Wirkung auf die Besucher unserer Tage ausgehen, auf die spezifische Formensprache, die aus Erzengel, Krypta, Ruhmeshalle, Reiterzug und Wächterfiguren deutlich wird, eingehen. Man sollte heute die eher beklemmende Wirkung von Architektur und Skulptur nicht negieren, sondern in den Zeitzusammenhang kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs stellen. Dann wird das Memorial der Völkerschlacht von 1813 weniger zur Botschaft des Friedens, sondern eher zur „archaischen Kraftdemonstration“ und zur Botschaft der Wehrhaftigkeit und der Kriegsbereitschaft.

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