Martin Luther und die Leipziger Disputation
Als wichtigster Aufenthalt gilt seine Teilnahme an der Leipziger Disputation, die im Sommer 1519 in der Pleißenburg - auf deren Grundmauern sich heute das Neue Rathaus befindet - stattfand. Der Anlass war, dass Luther erlebt hatte, wie Christen es vorzogen, die vom Leipziger Dominikaner Johann Tetzel marktschreierisch ausgebotenen Ablasszettel zu kaufen, anstatt vor Gott reumütige Haltung einzunehmen. Mit Hilfe von 95 Thesen lud er deshalb zu einer wissenschaftlichen Disputation über den Ablass ein. Die Leipziger Theologische Fakultät wehrte sich anfangs gegen eine Disputation zwischen Luther und dem Ingolstädter Theologieprofessor Johann Eck. Herzog Georg von Sachsen erzwang jedoch gegen den Willen der Universität die Durchführung der Disputation. Am 29.6.1519 hielt Luther in der Hofstube der Pleißenburg eine Predigt, die vom Leipziger Buchdrucker Wolfgang Stöckel in fliegender Eile gedruckt wurde.
Nach dem Tod von Herzog Georg wurde mit Predigten zum Pfingstfest 1539 die Reformation in Leipzig eingeführt. Am 12.8.1545 weihte Luther die alte Dominikanerklosterkirche St. Pauli als evangelische Universitätskirche ein. Erst die öffentlich geführte Disputation und Luthers zahlreich in Leipzig gedruckte Schriften haben vielen Menschen bewusst gemacht, dass das Mittelalter zu Ende war und dass eine neue Zeit begonnen hatte, die den freien Menschen braucht.
Eine steinerne Gedenktafel kennzeichnet jene Stelle in der Hainstraße, an der seinerzeit das “Haus zum Birnbaum” gestanden hat. Im Wohnhaus des Druckers Melchior Lotter – der u.a. Luthers 95 Thesen sowie dessen wichtigen “Sermon von dem Ablass und der Gnade” druckte - wohnten Martin Luther und Philipp Melanchthon während der Tage der Disputation.
Leipzig war für den Fortgang und die Stabilisierung der Reformation von besonderer Bedeutung, denn von der berühmten Buch- und Verlagsstadt aus wurden Luthers Schriften sowie zahlreiche evangelische Gesangsbücher in hoher Auflage verbreitet. Allein bei Melchior Lotter erschienen zwischen 1517 und 1520 weit über 40 Druckwerke des Reformators. Für die Nikolaikirche wurde 1521 eine spätgotische Kanzel geschaffen, die man “Luther-Kanzel” nennt, obwohl der Reformator nie auf ihr stand, sondern hier nur in seinem Geiste gepredigt wurde.
Die Bedeutung der Thomaskirche - das Wirken von Luther und Bach
Den engsten Bezug zu Luther hat jedoch die Thomaskirche. Am 27.6.1519 begann
hier die Leipziger Disputation mit einem Gottesdienst, an dessen Gestaltung
die Thomaner unter ihrem Kantor Georg Rhaw mitwirkten. Mit seiner Pfingstpredigt
in der Thomaskirche am 25.5.1539 führte dann Martin Luther die Reformation
in Leipzig ein. Im Innern der Kirche erinnert eine Bronzetafel an dieses
bedeutsame Ereignis. Die Kirche erhielt im Gefolge der Reformation ihr heutiges
Aussehen. Beim Umbau der Kirche Ende des 19. Jahrhunderts wurden in der Südwand
farbige Glasfenster eingefügt. Eines davon zeigt Martin Luther.
Text: Leipzig Tourismus und Marketing GmbH