GIS an Schulen. Statusbericht der Fortbildungsreihe
Im Rahmen der Bildungspläne für die gymnasiale Kursstufe ebenso wie in den Bildungsstandards wird dem sachgerechten, kritischen Umgang mit konventionellen wie neuen Medien und Arbeitstechniken höchste Priorität eingeräumt. Geographische Informationssysteme (GIS) stehen im Lehrplan des Faches Geographie als fachrelevante Arbeitstechnik gleichberechtigt neben der Nutzung von Internet und Datenbanken, Multimedia-Anwendungen und Methoden der Fernerkundung.
GIS im Alltag
In vielen Bereichen unseres täglichen Lebens finden GIS - oft unbemerkt - ihre Anwendung. Sie vereinfachen und unterstützen Planungs- und Gestaltungsprozesse, die aufgrund ihrer Komplexität ohne Rechnereinsatz nicht möglich wären, z.B.: ·
- Unterstützung von Raum- und Landschaftsplanung (z.B. Flächenbilanzierung zur Festlegung von Ausgleichsflächen für versiegelte Bereiche als Bauauflage), ·
- Überwachung der Ausbreitung von Schadstoffen im Umweltmonitoring, ·
- Simulation von Hochwassersituationen zur dezentralen Planung von Schutzmaßnahmen, ·
- Argumentationshilfe bei Fragen der Standortentscheidung vom gewerblichen Einzelbetrieb über die Windkraftanlage bis zum Gewerbegebiet einer Gemeinde.
GIS im Geographieunterricht
Aus der umfassenden praktischen Bedeutung von GIS leitet sich die Priorisierung der Arbeitstechnik im Bildungsplan des Faches Geographie ab. Die Möglichkeiten der unterrichtlichen Umsetzung von GIS reichen von der einfachen thematischen Karte über die Unterstützung von Strukturanalysen bis zur Modellierung realer Problemstellungen. Thema kann dabei die Standortsuche für den Rohstoffabbau unter Berücksichtigung raumplanerischer Maßgaben und Nutzungskonflikte genauso wie die Verkehrswegeoptimierung oder die Erweiterung eines Gewerbegebietes sein. Doch wie soll der Zugang der Schülerinnen und Schüler zur komplexen Thematik von GIS erfolgen, wie soll die Lehrerin und der Lehrer, denen ein jahrelanges GIS-Studium nicht abverlangt werden kann, mit der Software im Schulalltag arbeiten?
Fortbildungskonzept
Zur Beantwortung dieser Fragen wurde die Multiplikatorengruppe "GIS an Schulen" ins Leben gerufen, deren Mitglieder aus allen Oberschulamtsbezirken Baden-Württembergs nach umfassender Einarbeitung in die GIS-Software ArcView der Firma ESRI konkret im Unterricht einsetzbare Bausteine erstellt haben. Ziel der Gruppe ist es, den Lehrerinnen und Lehrern in regionalen Fortbildungen neben den Grundlagen in der Handhabung der Software und dem Einsatz im Unterricht aufbereitete Datenbausteine zu liefern, welche für die Arbeit an den Schulen benötigt werden. Zur Umsetzung wurde folgende dreistufige Fortbildungsstruktur entwickelt:
Orientierungstag
An einem ersten Orientierungstag zum Thema GIS werden interessierten Lehrerinnen und Lehrern des Fachbereichs Geographie die Grundlagen der Thematik vermittelt. Die Kolleginnen und Kollegen sind danach in der Lage, Basiswissen über GIS zu vermitteln und die Struktur der Arbeit mit einem GIS nachzuvollziehen. Themen, die während der Veranstaltung behandelt werden, sind u.a. die zentrale Fragestellung, was sich hinter den Buchstaben GIS überhaupt verbirgt, einfache Übungen zur Kartografie mit GIS und die Bearbeitung eines Kleinprojekts mit dem ArcExplorer, einer freien Software (ESRI) zur Betrachtung von Geodaten sowie die Arbeit mit digitalen Karten wie der TOP50 des Landesvermessungsamtes Baden-Württemberg.
Vertiefungskurs
Für alle Kolleginnen und Kollegen, die sich ausgiebiger mit der Thematik GIS beschäftigen möchten, wird zeitnah ein Vertiefungskurs angeboten. Ziel dieses Vertiefungskurses ist es, anhand gegebener Unterrichtseinheiten die Fertigkeiten im Umgang mit der Software hinsichtlich ihres Einsatzes im Unterricht zu erlernen, zu üben und auf eigene Unterrichtsprojekte anwenden zu können. Die Teilnehmer erhalten darüber hinaus eine Einweisung, wie freie Daten aus dem Angebot des Landesvermessungsamtes bestellt werden können und erlernen Methoden, wie Raster- und Vektordaten zur Verwendung in einem eigenen Projekt aufzubereiten sind.
Regionalforum
Mehrere Kolleginnen und Kollegen an räumlich nahen Schulen werden im Anschluss an den Vertiefungskurs durch die Fortbildner betreut. Im Rahmen der Regionalforen sollen Unterrichtserfahrungen der Kolleginnen und Kollegen gebündelt werden und Probleme der Datenbeschaffung und -aufbereitung wie auch der unterrichtlichen Umsetzung eingegangen werden. Der Verlauf der Fortbildungsveranstaltungen zeigt die große Resonanz und Nachfrage nach den Fortbildungen zum Thema.
- Frühjahr 2003: Orientierungstage in den Oberschulamtsbezirken Karlsruhe und Stuttgart, an denen ca. 180 Kolleginnen und Kollegen teil nahmen.
- Sommer 2003: Ein erster Vertiefungskurs des Oberschulamtsbezirks Karlsruhe wurde auf der Akademie Donaueschingen mit 10 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt.
- Herbst 2003: Durchführung eines zweiten Vertiefungskurses im Oberschulamtsbezirk Karlsruhe mit 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, Ausrichtung des GIS-Day als regionale Lehrerfortbildung mit Workshops (Orientierungstag) in Karlsruhe (35 Teilnehmer). Durchführung von Orientierungstagen in den Oberschulamtsbezirken Freiburg (50 Teilnehmer) und Tübingen (50 Teilnehmer)
- Frühjahr 2004: Durchführung des dritten Vertiefungskurses im Oberschulamtsbezirk Karlsruhe (15 Teilnehmer). Teilnahme von Vertretern des Landes Rheinland-Pfalz zum Informationsaustausch. Ein erstes Regionalforum ist geplant.
Die Erfahrungen der Fortbildner sind größtenteils positiv. Trotz der zusätzlichen Belastung durch die Bildungsplanreform 2004 zeigen die Kolleginnen und Kollegen sehr großes Engagement und Fortbildungsbereitschaft. Die Situation der Datenverfügbarkeit ist inzwischen als zufriedenstellend zu bezeichnen. Es stehen Datensätze für Deutschland im Maßstab 1:250000 zur Verfügung, welche vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie zur Verfügung gestellt wurden. Darüber hinaus stellt das Landesvermessungsamt kostenlos Daten im Umkreis von 15 km um den Schulstandort zur Verfügung. Die Möglichkeit, diese Daten zu bestellen wird derzeit noch nicht in dem Maße wahrgenommen, wie vom Landesvermessungsamt gewünscht. Nähere Informationen zum Procedere sind beim Autor zu erhalten.
Ausblick
Die Multiplikatoren der Fortbildungsreihe "GIS an Schulen" arbeiten derzeit an Inhalten für die Klassenstufen 7-10, um mit dem Eintreten der ersten siebten Klassen in G8 Materialien zur Umsetzung der Bildungsstandards anbieten zu können. Dazu werden in laufenden siebten und achten Klassen sowie in GIS-Ags Erfahrungen gesammelt und Konzepte erarbeitet.
Autor
StR Rüdiger Engelhardt
Projektleitung GIS an Schulen - Baden-Württemberg
Otto-Hahn-Gymnasium
Im Eichbäumle 1
76139 Karlsruhe
Tel.: 0 721 / 133 45 56
Fax: 0 721 / 133 45 55