Frauenemanzipation in den USA
Im 19. Jahrhundert waren Frauen in den USA und Europa noch massiv benachteiligt. Ein Studium wurde ihnen zumeist verwehrt, das Wahlrecht wurde ihnen vorenthalten, eine ganze Reihe von Berufen war ihnen nicht zugänglich, ihre Rolle wurde in bürgerlichen Verhältnissen auf Familie, Kindererziehung, Hausarbeit, Vermittlung religiöser Kenntnisse an die Kinder und auf ihre Rolle als treue Ehegattin beschränkt. Ihren Ehemännern waren sie zu Gehorsam verpflichtet, er konnte sie sogar züchtigen. Der folgende Link auf einen Artikel der Illustrirten Zeitung vom 19. Februar 1903 zeigt, wie die Verhältnisse in Europa noch 1903 aussahen. Auch in den USA lagen die Dinge ähnlich.
Aus der Frauenwelt. Illustrirte Zeitung, 19. Februar 1903
Als 1840 in London der Weltkongress für die Abschaffung der Sklaverei stattfand, wurde Lucretia Mott und ihren Mitstreiterinnen die Teilnahme verweigert. "Gemeinsam mit Elizabeth Cady Stanton mobilisierte sie andere Abolitionistinnen, was 1848 zu einem Frauenrechtskongress in Seneca Falls und der dort verabschiedeten Seneca Falls
Declaration führte. Der Kongress und die Deklaration gelten als Beginn der
US-amerikanischen Frauenbewegung." (
Quelle: Artikel Lucretia Mott, wikipedia
) Die Seneca Falls Declaration oder Declaration of Sentiment wurde von Elizabeth Cady Stanton entworfen. Der folgende Link enthält eine Übersetzung dieses wichtigen Dokuments:
Im Mai 1890 gründeten Elizabeth Cady Stanton und Susan B. Anthony die National American Woman Suffrage Association (NAWSA), eine Frauenrechtsorganisation, die sich für das Frauenwahlrecht einsetzte und durch den Zusammenschluss zweier schon 1869 gegründeten Vorgängerorganisationen entstand. (
Quelle: Artikel NAWSA, wikipedia)
Eine von ihnen war Victoria Woodhull. Die feministische Brokerin und Verlegerin war Führungsfigur der Ersten Internationalen in den USA.
Im April 1870 erklärte sich Victoria Woodhall in einem offenen Brief selbst zur
Präsidentschaftskandidatin. Ob legal oder nicht, war umstritten. Sie war zu jung, und
sie war eine Frau; sie hätte nicht einmal wählen dürfen. Dennoch, im New York Herald
schrieb die damals 32-Jährige: "Während andere die Gleichheit von Frauen und Männern
behaupteten, stellte ich sie durch erfolgreiches geschäftliches Engagement unter
Beweis; während andere zu zeigen versuchten, dass es keine gültigen Gründe gäbe,
Frauen Männern gegenüber als sozial und politisch minderwertiger zu behandeln, betrat
ich verwegen die Arena (…) der Geschäftswelt und übte die Rechte aus, die ich bereits
besaß. Deshalb beanspruche ich das Recht, für die stimmlosen Frauen in diesem Land zu
sprechen. Im Glauben daran, dass die noch bestehenden Vorurteile gegenüber Frauen in
der Öffentlichkeit bald verschwinden werden, erkläre ich mich hiermit zur Kandidatin
für das Präsidentschaftsamt." (
Quelle: Victoria for President, taz)
Eine weitere Aktion startete Susan Brownell Anthony. "Am 1. November 1872 erschien sie in einem Wahlbüro in Rochester (New York) und drohte
die Angestellten des Büros wegen Behinderung bei der Ausübung ihres Wahlrechtes zu
verklagen, falls sie nicht registriert würde. Sie wurde daraufhin für die
Präsidentschaftswahl registriert und gab am 5. November ihre Stimme ab. Über diese
Wahl wurde in zahlreichen Zeitungen berichtet und es kam schließlich zur Anklage. In
dem zweitägigem Verfahren berief sich Susan B. Anthony auf den 14. Zusatzartikel zur
Verfassung der Vereinigten Staaten. Das Gericht vertrat die Auffassung, das Wahlrecht
würde nicht hiervon erfasst, die so durch den Richter belehrte Jury verurteilte
daraufhin Susan B. Anthony zu einer Geldstrafe in Höhe von 100 $." (
Quelle: Artikel Susan B. Anthony, wikipedia)
1920 führten die Bemühungen der Frauenrechtlerinnen in den USA endlich zum Erfolg. Der 19. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten trat in Kraft. Er lautet: „Das Wahlrecht der Bürger der Vereinigten Staaten darf von den Vereinigten Staaten oder einem Einzelstaat nicht auf Grund des Geschlechts versagt oder beschränkt werden. Der Kongress ist befugt, diesen Zusatzartikel durch entsprechende Gesetze zur Durchführung zu bringen.“ Der Hintergrund ist der Erste Weltkrieg, in dem die Frauen in den USA (und in Europa) eine kriegswichtige Rolle gespielt hatten. Daher konnte ihnen das Wahlrecht nicht länger vorenthalten werden.
Damit waren faktische Benachteiligungen der Frauen in der Gesellschaft aber noch nicht überwunden. Erst nach weiteren Anläufen v.a. nach dem Zweiten Weltkrieg konnten weitere Fortschritte in der Frauenemanzipation erreicht werden.
Aufgaben:
- Woran lehnen sich die Formulierungen der Deklaration an? Warum?
- Greife einige der Forderungen der "Declaration of Sentiment“, die dir besonders wichtig erscheinen, heraus und erläutere sie.
- Inwieweit teilst du die Schuldzuweisung an den Mann, die in der Deklaration vorgenommen wird? Argumentiere.