Die Arbeiter in Friedrichshafen in der Zeppelinzeit
Woher kamen nun die zusammen etwa 800 Arbeitskräfte, die in einem guten Jahrzehnt zum Aufbau der Friedrichshafener Unternehmen neu benötigt wurden? In der Oberamtsbeschreibung heißt es: Eine "namhafte Zahl der Fabrikarbeiter stammt aus ländlichen Familien und hat vielfach nebenher noch einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb". Fast die Hälfte der Friedrichshafener Arbeiter pendelte aus dem Umland ein, ermöglicht durch die Eisenbahnverbindung. Aber dieses Reservoir reichte nicht aus, zumal bereits von bäuerlicher Seite sehr über "Landflucht und Leutenot" geklagt wurde und der Bedarf an landwirtschaftlichen Arbeitern nur durch Wanderarbeiter aus dem Ausland gedeckt werden konnte.
Einen Teil ihrer Arbeiter mussten deshalb sämtliche Friedrichshafener Betriebe, auch die Eisenbahnwerkstätte und Hüni, wie es so schön heißt, "aus nicht bodenständigen Elementen" rekrutieren.
Den Folgeproblemen der Versorgung dieser Arbeiterzahlen war, wie es Generaldirektor Colsman formulierte, die "früher fast allein auf Fremdenverkehr angewiesene Stadt" schon vor dem 1. Weltkrieg nicht gewachsen. Im Hinblick auf die Lebenshaltung war Friedrichshafen mit seinem raschen Wachstum zur teuersten Stadt Württembergs aufgerückt. So nahm auch diese Aufgabe der Konzern selbst in die Hand und gründete 1913 die "Zeppelin Wohlfahrt GmbH".
Vorausgegangen war 1911 die erste Streik- und sogar Massenkündigungsdrohung der Belegschaft, die Lohnerhöhungen aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten in Friedrichshafen forderte. Die Gründung der Zeppelin Wohlfahrt hatte deshalb nicht nur eine soziale Seite, sondern hatte in erster Linie die Aufgabe, in einer Situation des angespannten Arbeitsmarktes konsummarktregulierend Lohnkosten sparen zu helfen.
Sie sollte zu einer Senkung der Lebenshaltungskosten beitragen und bei kostendeckender Wirtschaft die Befriedigung aller Grundbedürfnisse zu nicht mehr als durchschnittlichen Preisen in Friedrichshafen sicherstellen. Dazu erwarb die Zeppelin-Wohlfahrt landwirtschaftliche Betriebe, richtete Bäckerei, Metzgerei, Gärtnerei ein, erwarb eine Ziegelei, betrieb eine vorausschauende Bodenerwerbspolitik, um der Grundstücksspekulation zu begegnen. 1913 wurde noch der Bau des Zeppelin-Dorfs in die Wege geleitet, um die Wohnungsnot in der Stadt zu steuern. Der Entwurf des Zeppelin-Dorfs [...] und seiner Häuser wurde einem berühmten Architekten, Paul Bonatz, übertragen, von dem auch der Stuttgarter Hauptbahnhof stammt. [...] Fertig gestellt wurden die Häuser erst im Krieg, erst dann und in der Nachkriegszeit entfaltete auch die Zeppelin-Wohlfahrt ihre volle Wirksamkeit.