Fremdenverkehrsort Friedrichshafen
Von der Residenz profitierte der Fremdenverkehr, der ja damals noch kein Massentourismus war. Aber wie man heute gern von der Prominenz eines Nobelkurorts zehrt, so musste es damals prestigefördernd sein, dort seine Ferien zu verbringen, wo auch der König weilte.
Einen ersten Boom erlebte dieser Fremdenverkehr seit dem Eisenbahnanschluss Friedrichshafens nach 1850. Die Friedrichshafener hatten sich offensichtlich rasch an die wachsende Nachfrage angepasst und Zimmerpreise verlangt, die den Zustrom wieder dämpften. An Einrichtungen für die Gäste wurden bald nach 1850 erwähnt: 2 "komfortable" Seebadeanstalten", schön getrennt nach Damen und Herren, eine Art Pfahlbau-Kabinen, von denen man direkt ins Wasser steigen konnte, ohne vom Ufer in seinem Kostüm allzugenau gemustert werden zu können. Das Herrenbad wies sogar ein "elegantes Nobelkabinett" auf.
1862 kam eine türkische Badeanstalt als "Anstalt für warme Seebäder" dazu, die um die Jahrhundertwende in eine allgemeine Kuranstalt umgewandelt wurde. Für die gesellschaftlichen Bedürfnisse der Kurgäste wurde 1872 ein Kurhaus mit Kursaal für Konversation, Konzerte und Bälle und einer Restauration erbaut.
Ein "Corso-en-miniature" für die hier weilenden Badegäste bildete vor dem Aufkommen des Autoverkehrs die "Neustadt", der Straßenzug der Karl-, Friedrichs- und Olgastraße.
Als besondere Attraktion galt die Gelegenheit zum Trinken von Molken, von täglich frisch aus Appenzell importierter Ziegenmilch, wodurch offensichtlich die fehlenden Heilquellen ersetzt werden sollten, denn Leitbild des Selbstverständnisses der Stadt war offenbar der mondäne Badeort.