Handelsplatz Friedrichshafen
Für die Stadt Buchhorn, bis 1802 Reichsstadt, schien es eine Erlösung vom drohenden Bankrott, als sie nach einem 8jährigen bayrischen Zwischenspiel 1810 im Zuge der napoleonischen Neugliederungen des Reichsgebietes an Württemberg fiel. König Friedrich fasste 1811 das schon früher an ihn gelangte Dorf und ehemalige Priorat Hofen mit der Stadt Buchhorn zur Stadt "Friedrichshafen" zusammen. Der Name war ein Programm. Hier sollte der Außenhandel des neu arrondierten (abgerundeten) Königreichs Württemberg mit den Staaten südlich des Sees konzentriert und massiv gefördert werden.
1823 bis 1907 bezeichneten alle Auflagen der württembergischen Landesbeschreibung Friedrichshafen stereotyp als "Haupt-Speditions- und Handelsplatz für den Verkehr mit der Schweiz und Italien".
Der Handel in Friedrichshafen selbst war weniger bedeutend, es war vor allem der Transit von Gütern, die hier vom Land aufs Wasser oder umgekehrt umgeladen wurden. Dabei bleibt zu beachten, dass zumindest in der ersten Jahrhunderthälfte der Wassertransport noch wesentlich günstiger zu stehen kam als der Transport zu Lande. Exportiert wurden vor allem das oberschwäbische Getreide und Halbfabrikate für die alte Schweizer Textilindustrie, importiert wurden Textilfertigfabrikate, Käse und Kolonialwaren.
Einen entscheidenden Aufschwung nahm der Handel durch die Dampfschifffahrt. 1824 wurde das erste württembergische Dampfboot "Wilhelm" in Friedrichshafen stationiert und die Rechte der Segelschiffer abgelöst. Wichtiger aber noch wurde die Eisenbahn, die Friedrichshafen bereits 1847 erreichte und ab 1850 über die sogenannte württembergische Südbahn eine gute Verkehrsverbindung zu den nördlich gelegenen Zentren Württembergs und Deutschlands schuf. Die wesentlich mühseligeren regelmäßigen Frachtwagen-Verbindungen nach Ulm, Heilbronn, Cannstadt, Frankfurt und Leipzig wurden nun überflüssig. Ab 1869 konnte dann der Güterverkehr ohne Umladen über die neu eingerichtete Trajektverbindung nach und von Süden rollen.
Die Ost-West-Verbindung der Eisenbahn ließ wesentlich länger auf sich warten. Aufgrund konkurrierender Interessen der Nachbarländer konnte die nördliche Uferstrecke der Bodenseegürtelbahn erst ab 1901 befahren werden.