Die Heuneburg - ein frühkeltischer Fürstensitz an der oberen Donau
Keltischer Fürstensitz Heuneburg - Allgemein
"Die Blütezeit der Heuneburg liegt in der frühkeltischen Eisenzeit (ausgehendes 7.- 5. Jahrhundert vor Christus). Die Grabungen haben ein regionales Machtzentrum erschlossen - einen Fürstensitz mit stadtähnlichen Bebauungsstrukturen - dessen wirtschaftlicher Hintergrund unter anderem im Bohnerzabbau und der Eisenverarbeitung zu sehen ist und von dem aus die alte, durch das Donautal ziehende Handelsstraße kontrolliert werden konnte.
Die nördlich der Alpen einzigartige Wehrmauer aus luftgetrockneten Lehmziegeln, Weinamphoren aus dem Mittelmeerraum und Fragmente griechischer Tongefäße sind eindrucksvolle Zeugnisse für die vielfältigen Kontakte der Burgherren mit den Hochkulturen des Mittelmeerraumes im 6. und 5. Jahrhundert v.Chr.
Es spricht vieles dafür, dass die von dem griechischen Geschichtsschreiber Herodot im 5. Jahrhundert vor Christus erwähnte Stadt Pyrene, die in der Nähe des Donau-Ursprungs gelegen sein soll, mit der Heuneburg identisch ist."
Quelle: Freilichtmuseum Keltischer Fürstensitz Heuneburg
Keltischer Fürstensitz Heuneburg - Burghügel
Die älteste keltische Besiedlung der Heuneburg fällt in das ausgehende 7. Jahrhundert v.Chr. Das Burgplateau wurde mit einer 5 m breiten Holz- Erde- Mauer befestigt. Tore lagen an der Westseite in der Nähe des heutigen Aufgangs und im Südosten am Abgang zur Donau. Die Bebauung des Innenraums zeigt die Struktur einer Ansiedlung mit Gehöften, zu denen Wohngebäude, Werkstätten und kleine Speicherbauten gehören. Die Hofstellen waren durch Zäune gegeneinander abgegrenzt, schmale Gräben besorgten die Ableitung des Oberflächenwassers.
Zugleich mit der ältesten frühkeltischen Heuneburg entstanden großflächige Ansiedlungen im westlichen und südwestlichen Vorland. Noch vor der Mitte des 6. Jahrhunderts v.Chr. erfährt die befestigte Siedlung eine grundlegende bauliche Umgestaltung. Die einheimische Holz- Erde- Mauer wird jetzt durch eine nördlich der Alpen einzigartige Lehmziegelmauer mittelmeerischer Herkunft ersetzt. Über ein Dutzend Wehrtürme beziehungsweise Bastionen verstärkt den Mauerring. Zwei Zugänge führten zur Burg. Das im Freilichtmuseum rekonstruierte sogenannte Donautor ermöglicht den Zugang zur Donau, wo eine Schiffsanlegestelle vermutet wird.
Der Innenraum der Burg zeigt eine dichte stadtähnliche Bebauung mit Wohn- und Handwerksquartieren. Die eng aneinanderstehenden Häuser waren in Reihen angeordnet und an Gassen und Wegen aufgereiht. Im Freilichtmuseum sind ein Wohn- und Werkstattgebäude sowie ein Speicher originalgetreu nachgebaut worden.
Noch im 6. Jahrhundert v.Chr. wird die lehmziegelummauerte Heuneburg nach einer Belagerung eingeäschert und vollkommen zerstört, wie auch die Siedlungen im Vorland. Der Neuaufbau zeigt eine völlig andere Bebauungsstruktur mit einer lückenhaften Aneinanderreihung einzelner Hofstellen und einem Großbau im Südosten des Burggeländes. Die Rekonstruktion des herrschaftlichen Bauwerks mit über 400 m² Grundfläche ist im Freilichtmuseum zu sehen. Gegen 400 v.Chr. fand die Heuneburg in einer verheerenden Feuersbrunst ihr Ende. Sie wurde gänzlich zerstört, von ihren Bewohnern verlassen und nicht wieder aufgebaut.
Die Heuneburg- Außensiedlung
Die sogenannte Außensiedlung wurde 1954 bei der Ausgrabung von Hügel 4 des Grabhügelfriedhofes im Gewann Gießübel und Wald Talhau entdeckt. Weitere archäologische Untersuchungen und Sondagen fanden zwischen 1954 und 2003 statt.
Nach dem derzeitigen Forschungsstand umfasst die Außensiedlung eine Fläche von mindestens 35 ha und übertrifft damit die nur 3 ha große Heuneburg um ein Vielfaches.
Im Gegensatz zur Heuneburg konnten bisher nur kleine Teilflächen der im ausgehenden 7. Jahrhundert v.Chr. gegründeten Ansiedlung archäologisch untersucht werden.
Für die ältesten Siedlungsabschnitte sind Gehöfte mit Wohn-, Wirtschafts- und Speicherbauten kennzeichnend, die von Zäunen oder Entwässerungsgräben umgrenzt waren.
Die einzelnen Hofstellen beziehen sich auf ein regelmäßiges Wegenetz. Um die Mitte des 6. Jahrhunderts v.Chr. finden sich auch mehrgeschossige Großbauten mit abgegrenzten Wohn- und Werkstattbereichen. Nachgewiesen sind handwerkliche Betriebe, darunter Metall verarbeitende Werkstätten und eine Tuchmacherei.
Unter den Funden sind mehrere Bronzefibeln und das Fragment eines bronzenen Spiegels hervorzuheben, weil diese Gegenstände im Südostalpenraum oder Oberitalien gefertigt wurden und als Import an die obere Donau gelangten. Eine Auswahl von Funden ist im Keltenmuseum Heuneburg in Hundersingen ausgestellt.
Gegen Ende des 6. Jahrhunderts v.Chr. wurde die Außensiedlung zusammen mit der lehmziegelmauerumwehrten Heuneburg gewaltsam zerstört.
Während die Heuneburg wiederaufgebaut wurde und zu neuer Blüte gelangte, wurde die Außensiedlung von ihren Bewohnern verlassen. Auf dem planierten Ruinenfeld der Siedlung ließen die neuen Burgherren vier monumentale Grabhügel aufschütten, die ihnen und ihren Familien bis gegen Ende des 5. Jahrhunderts v.Chr. als Bestattungsplatz dienten.
(Text mit freundlicher Genehmigung des Regierungspräsidiums Tübingen Referat 25, Landesamt für Denkmalpflege)
Der aktuelle Stand der Forschung zur Außensiedlung befindet sich im Kasten "LINKS" in der rechten Spalte, dort ganz unten unter "Heuneburg-Außensiedlung - Zentralort und Umland: Untersuchungen zur Struktur der Heuneburg- Außensiedlung und zum Verhältnis der Heuneburg zu umgebenden Höhensiedlungen".