Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Der Nationalismus im Kaiserreich und im Zeitalter des Imperialismus
Skip to content

Der Nationalismus im Kaiserreich und im Zeitalter des Imperialismus

Als Ergebnis des Deutsch- Deutschen Krieges 1866 (vgl. Einigungskriege rechte Spalte) wurden nicht nur der Deutsche Bund aufgelöst und Österreich- Ungarn aus Deutschland hinausgedrängt, sondern auch die Liberalen spalteten sich in die Nationalliberale Partei und die Fortschrittspartei. Die industrienahen Nationalliberalen versöhnten sich mit Bismarck, der in Preußen mehrere Jahre lang gegen die Verfassung regiert hatte, und sahen im Kaiserreich in erster Linie die Erfüllung ihrer nationalen Wünsche, auch wenn die liberalen Anteile in der Verfassung des Kaiserreichs gering waren. Die linksliberale Fortschrittspartei dagegen spielte eine weniger wichtige Rolle im Kaiserreich.

Für den deutschen Nationalismus bedeuteten die Reichseinigung von oben durch Preußen, dass der Süden mit Österreich an zivilem und kulturellem Einfluss verlor und dass der Deutsche Nationalismus unter den politischen und kulturellen Einfluss Preußens geriet, das allein etwa zwei Drittel des Staatsgebiets des Reiches ausmachte, vgl. Karte des Kaiserreichs in der rechten Spalte.

Dies zeigte sich zum Beispiel daran, dass der deutsche Nationalismus sich deshalb mit der militaristischen und konservativen Ausrichtung Preußens verband. Die preußische Armee hatte den deutschen Nationalstaat ja erst ermöglicht, Zustimmung zu Heeres- und Flottenvorlagen wurden mit nationalistischen Argumenten begründet. Überproportionalen Einfluss hatten im Kaiserreich die konservativen Kräfte von Adel, Kirchen und Militär. Schon in der ersten Jahrhunderthälfte gab es ja bereits einen Icon externer Link konservativen Nationalismus, der liberale Gedanken als "undeutsch" ablehnte. Diese antidemokratische Richtung im Nationalismus verstärkte sich nun und dominierte zusehends.

Als das imperialistische Zeitalter anbrach, wurden die europäischen Nationalismen immer aggressiver. Das galt auch für den deutschen Nationalismus, der nach dem überheblichen Grundsatz handelte: "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen". Aber auch der französische und englische Nationalismus dieser Zeit besaßen ein ausgeprägtes kulturelles Sendungsbewusstsein.

Neben Frankreich als sogenannten "Erbfeind" trat nach dem Übergang des Kaiserreichs zu einer imperialistischen Außenpolitik immer mehr auch Großbritannien mit seinem Weltreich.

Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter der Industrialisierung (siehe rechte Spalte) und des Aufstiegs von Wissenschaft und Technik. Vor diesem Hintergrund wandelte sich der pseudoreligiös begründete Antijudaismus zum pseudowissenschaftlichen Antisemitismus, der seine Judenfeindschaft rassisch begründete. Die wichtigsten Vordenker des Rassismus waren der Franzose Joseph Arthur Comte de Gobineau und der Engländer Houston Stewart Chamberlain.

Rassismus war auch gegenüber den farbigen Völkern in den europäischen Kolonien eine alltägliche Erscheinung. Die militärische, industrielle und technische Unterlegenheit der europäischen Nationalstaaten beförderte den Rassismus und führte dazu, dass die Nationlismen häufig einen rassistischen Anteil bekamen.

Mit der Industrialisierung waren Arbeiterbewegung und Sozialismus entstanden. Der Nationalismus wurde nun zunehmend als Instrument gegen den insbesondere vom revolutionären Sozialismus gepredigten Klassenkampf, als Instrument der Eindämmung des sozialistischen Gegners und als Mittel der Sammlung aller antisozialistischen Kräfte eingesetzt. Die international ausgerichteten Sozialisten ("Der Feind steht rechts"; "Proletarier aller Länder vereinigt euch!") wurden als "vaterlandslose Gesellen" hingestellt. Mit nationalistischen Parolen konnte man Wahlkämpfe gegen links gewinnen.

Hatte der Nationalismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch Züge von Humanität, Demokratie und Fortschritt, wenn auch nicht überall und längst nicht durchgängig (vgl. Icon externer Link hier), so nahm er insbesondere im letzten Jahrhundertdrittel zunehmend konservative, sogar reaktionäre, aggressive und rassistische Züge an.

Die Spannungen entluden sich dann in zwei Weltkriegen, wovon der erste auch das Ende der alten Vielvölkerstaaten Österreich- Ungarn und Osmanisches Reich mit sich brachte. Der Vielvölkerstaat Sowjetunion zerfiel 1991 in eine Reihe von neuen oder wieder erstandenen Nationalstaaten, die aber selbst noch nicht alle stabil zu sein scheinen. Das gilt auch für das heutige Russland selbst. Die Tschechen und Slowaken trennten sich 1993 friedlich, während der Vielvölkerstaat Jugoslawien in einer Reihe blutiger Kriege und damit verbundenen sogenannten "ethnischen Säuberungen" zerfiel. Noch heute ist der Balkan höchst instabil.

Von diesem Server wird auf zahlreiche Seiten anderer Anbieter verwiesen, für die wir nicht verantwortlich sind und nicht haften.