Deutscher Nationalismus nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte nicht nur der Nationalsozialismus, der zur nationalen und internationalen Katastrophe geführt hatte, abgewirtschaftet, sondern auch der Nationalismus als Ideologie und Bewegung war kompromittiert. Das ganze Ausmaß der Verbrechen wurde jetzt erst bekannt und drang ins öffentliche Bewusstsein. Nach einer Phase der Vergangenheitsbewältigung, der v.a. Hitler als Person und dessen Umgebung als Hauptschuldige galten, folgte in den 1960er Jahren eine vertieftere Aufarbeitung der Ursachen und der Schuld an den Verbrechen.
Die westeuropäischen Staaten gerieten im Kalten Krieg unter den Einfluss der USA, die osteuropäischen unter den der Sowjetunion. Beide Teile Europas schlossen sich nun eng unter dem Schutz ihrer jeweiligen Vormacht zusammen. Deutschland selbst war geteilt (Vgl. rechte Spalte Karte Deutschland 1945 - 1949. Aus den westlichen Besatzungszonen entstand die BRD, aus der sowjetischen Besatzungszone die DDR).
In dieser Situation wandelte sich in Westdeutschland der Nationalismus bzw. das, was von ihm übrig war. Der amerikanische kulturelle Einfluss wurde stark.
Bundesrepublik Deutschland
In dem Maße, wie man sich in der Bundesrepublik Deutschland von der eigenen Vergangenheit abwandte und diese auf den Nationalsozialismus verengte und die deutsche Teilung sich verstetigte, entfielen auch die bisherigen historischen und kulturellen Identifikationsangebote. Dies umso mehr, als die Leistungen in Wissenschaft und Kultur - gemessen an Kaiserreich und Weimarer Republik, wo die meisten naturwissenschaftlichen Nobelpreise eines Landes aus Deutschland kamen und die deutsche Kultur während der Weimarer Republik einen bedeutenden Beitrag zur Moderne leistete - trotz großer Erfolge relativ an Bedeutung verloren. Die Zahl der deutschen Nobelpreise ging zurück, eine Tendenz zum Provinzialismus war unübersehbar. Viele bedeutende Wissenschaftler und Künstler gingen v.a. in die USA oder wanderten nun nach dort aus. Der kulturelle Aderlass aus der Zeit des Nationalsozialismus war insgesamt nicht so einfach gut zu machen. Die deutsche Sprache verlor nicht nur als Wissenschaftssprache gewaltig an Bedeutung, sondern auch in der populären Musik.
Statt dessen war man stolz auf das Wirtschaftswunder bzw. die wirtschaftliche Leistungskraft Deutschlands und auf die fußballerischen Erfolge.
Außerdem begriff man sich, unter anderem als Konsequenz aus der Geschichte, teils auch als Ausweichen vor der eigenen Geschichte und im Zuge der fortschreitenden europäischen Integration, auch stark als Europäer, was den Einfluss des Nationalismus weiter minderte und neue Identifikationsangebote schuf.
DDR
Die DDR ging anders vor. Hier wurde auf der einen Seite an den Internationalismus der Arbeiterbewegung angeknüpft und die Verbundenheit mit dem großen Bruder Sowjetunion betont, andererseits zog man sich hinsichtlich der Schuld an den Verbrechen, die im Namen der Nation begangen worden waren, dadurch aus der Affäre, dass man diese einfach ganz allein auf das "Großkapital", die Konzerne und die Großagrarier abwälzte, denen die - so die Tendenz - unschuldigen oder machtlosen, lediglich verführten "Werktätigen" gegenüberstanden. Da die "Kapitalisten" in der DDR entmachtet und enteignet worden waren, hatte man damit aus Sicht der DDR auch die deutsche Nation rehabilitiert und sicher gestellt, dass so etwas nie wieder passieren konnte. Auf diese Weise fand nur eine verkürzte Auseinandersetzung mit Nationalismus und Nationalsozialismus statt.
Dazu kam, dass der Nationalbegriff in Anknüpfung
an die frühe Definition von Abbe´ de Siéyès und in der Tradition der
Jakobiner im Sinne der Lehre vom Klassenkampf reduziert wurde, wie dieser
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zeigt. Spätestens nach der Wiederbewaffnung der deutschen Staaten grenzte sich
die DDR vom Weststaat massiv ab, baute 1961 die Mauer und die Grenzsperranlagen zur Bundesrepublik und beanspruchte alle demokratischen und
fortschrittlichen Traditionen der deutschen Geschichte für sich.