Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Nationalismus und Nationalsozialismus
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Nationalismus und Nationalsozialismus

Der Nationalismus war ein bedeutender Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie (siehe rechte Spalte). Die Nationalsozialisten verstärkten und systematisierten alle antidemokratischen Elemente des bisherigen deutschen Nationalismus: Insbesondere Antisemitismus und Rassismus wurden als Rasselehre Kernbestandteil des NS- Nationalismus. Über die Zugehörigkeit zur deutschen Nation sollte jetzt nur noch die die "Rassezugehörigkeit" entscheiden. Deutscher war nicht, wer einen deutschen Pass und eine deutsche kulturelle Identität besaß und Deutsch sprach, sondern nur, wer den nun erforderlichen Ariernachweis erbringen konnte. Mit den NS- Rassegesetzen wurden Methoden der Tierzucht auf Menschen übertragen. Die Rasselehre wurde umgesetzt in Rassepolitik, und diese gipfelte in der Massenvernichtung von Juden, Sinti und Roma.

Auch die militaristische Komponente des bisherigen Nationalismus wurde systematisch verstärkt. Aus den Deutschen wurde ein Volk in Uniform, das möglichst in jeder Lebensphase einer NS- Organisation anzugehören hatte. Die militärischen Prinzipien von Befehl und Gehorsam, von führen und geführt werden wurden als "Führerprinzip" auf die gesamte Gesellschaft übertragen. Wie das Militär einen einheitlichen, im Gleichschritt marschierenden Körper bildete, so nun als "Volksgemeinschaft" das gesamte Volk. Wie im Kaiserreich der Monarch, aber auch z.B. Bismarck in der Öffentlichkeit und vor zivilen staatlichen Organen in Uniform auftraten, so nun Hitler und seine Parteiführer im Nationalsozialismus. Anders als bei früheren Nationalismen wurde nun aber dem Volk auch noch die nationalsozialistische "Weltanschauung" zwangsverordnet, der Staat wollte auch eine ideologische Einheit erzwingen (Totalitarismus).

Auch die Stoßrichtung des bisherigen Nationalismus blieb erhalten und wurde systematisch durch Mittel des Zwangs und des Terrors verstärkt: Es ging gegen alle Spielarten des Sozialismus, gegen Liberalismus und Demokratie. Ideologische und politische Gegner wurden durch die Gestapo (Geheime Staatspolizei) bespitzelt und verschwanden in Gefängnissen und Konzentrationslagern. Der traditionelle Nationalismus als Sammlungsbewegung wurde auf diese Weise mit staatlichen Zwangsmitteln verstärkt. 

Insgesamt steigerte sich die Aggressivität des deutschen Nationalismus nach innen und außen bis an die Grenze des Möglichen und Denkbaren, außenpolitisch auch durch die sozialdarwinistische Lehre (Übertragung von Darwins Lehre von der natürlichen Auslese auf die Gesellschaft), durch das nationalistisch- biologistisch begründete Ziel der Gewinnung von Lebensraum im Osten sowie durch die rassistische Herabsetzung insbesondere der Slawen als sogenannte "Untermenschen".

Hintergrund für diese Zuspitzung sind einmal die Biografie Hitlers (siehe rechte Spalte), der in der antisemitischen Atmosphäre Wiens und im national zerstrittenen Habsburgerreich politisch sozialisiert wurde, aber auch der verlorene Erste Weltkrieg, die Erfahrung der Revolution von 1918 (siehe rechte Spalte) und der Versailler Vertrag (siehe rechts), der von den Deutschen aller politischen Lager heftig abgelehnt wurde.

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