Die keltischen Viereckschanzen
Kaum eine andere Fundgruppe wurde in den letzten hundert Jahren so konträr diskutiert, wie die keltischen Viereckschanzen. In der Grundform quadratisch bis rechteckig liegen die Grundflächen zwischen 0,4 und 1,2 ha. Alle Anlagen wurden auf den ackerbaulich günstigen Löß- und Schotterböden errichtet.
Der Innenraum ist von einer einfachen Wall-Graben-Kombination umgeben. Häufig befindet sich das größte Gebäude - das Wohnhaus - gegenüber dem Tor. Die weiteren Bauten weisen Bezug zu den Ecken auf, wodurch im Innenraum große Freiflächen entstehen.
Die Bezeichnung „Viereckschanze“ wurde 1910 von P. Reinecke in die Forschung eingeführt. Er verstand darunter befestigte Gutshöfe aus keltischer Zeit. Zwischen 1957 und 1963 von K. Schwarz durchgeführte Ausgrabungen in Holzhausen veränderten die Interpretation nachhaltig und führten zur Funktionsbestimmung als keltischen Kultbezirk.
Die heute wesentlich erweiterte Quellenbasis durch großflächig ausgegrabene Viereckschanzen ermöglicht ein differenziertes Bild, wodurch sich die Forschung wieder der Funktionsbestimmung des „befestigten Gutshofes“ zuwendet.
In Bayern sind derzeit 275 Anlagen bekannt. Gemeinsam mit den Fundstellen in Baden-Württemberg ist damit der räumliche Schwerpunkt umschrieben, der an die 500 Anlagen umfasst. Im Norden bildet der Main, nach Westen der Rhein die Grenze des Hauptverbreitungsgebietes. Im Osten wird die Linie Salzach – Inn kaum überschritten.
Nach W. Irlinger