Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Die Wikingerzeit (Ca. 800 - 1000 n.Chr.)
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Die Wikingerzeit (Ca. 800 - 1000 n.Chr.)

Ein Wikinger war ein Skandinavier auf Beutefahrt. Die Wikinger plünderten in kleineren oder größeren Gruppen die Küsten Europas, tauchten plötzlich und unerwartet auf den Flüssen auf, überfielen Kirchen, Klöster und Städte und ermordeten die Einwohner. In Russland hießen sie Waräger, die Franken nannten sie Normannen.

793 überfielen sie das Kloster Lindisfarne an der nordenglischen Küste, einen der heiligsten Orte Britanniens, und wurden von dieser Zeit an zum Schrecken Europas. Ab 834 begannen alljährliche Plünderungszüge nach England, 859 – 862 attackierten sie Städte im Mittelmeer, darunter 860 Konstantinopel, 862 plünderten sie Köln, 878 – 888 wurden ganze Teile des Frankenreiches durch das dänische „Große Heer“ zerstört, 992 – 1013 plünderten dänische und norwegische Wikinger alljährlich England. Raub und Handel gingen oft Hand in Hand.

Die Überfälle der Wikinger auf West und Mitteleuropa fanden zeitgleich mit den Raubzügen der Ungarn nach Deutschland, Frankreich und Italien sowie mit den muslimischen Angriffen auf das Frankenreich, Italien und Sizilien statt.

Expansion und Staatengründung

Zugleich mit den Raubzügen wanderten Wikinger aus Dänemark und Skandinavien in den ganzen nordatlantischen Raum aus: auf die Orkney- und Shetland- Inseln, auf die Färöer und Hebriden, nach Irland, Wales und England, nach Island und Grönland. Nach der Unterwerfung von Northumberland und East Anglia entsteht in England ein Gebiet, in dem dänisches Recht herrscht, der Danelag. Ein halbes Jahrtausend vor Kolumbus entdeckten sie unter Leif Erikson Vinland (Nordamerika).

Darüber hinaus gründeten sie eine ganze Reihe von Staaten.

911 erhalten Wikinger, die sich an der unteren Seine niedergelassen hatten, unter ihrem Anführer Rollo die Normandie vom fränkischen König Karl dem Einfältigen als Lehen. Rollo lässt sich im folgenden Jahr 912 taufen und die Normandie wird nun Herzogtum, er selbst Herzog. Die Normannen nahmen die französische Kultur und Sprache an.

1059 werden die Normannenstaaten in Unteritalien päpstliche Lehen. Mit päpstlicher Unterstützung erobern sie Unteritalien und Sizilien von Byzantinern und Islam. 1130 vereinigt Roger II. Unteritalien und Sizilien zum normannischen Königreich Sizilien, das 1194 die Staufer erben.

1066 erobert Herzog Wilhelm von der Normandie (Wilhelm der Eroberer) in der Schlacht von Hastings England. Am englischen Hof wird nun französisch gesprochen.

In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts bilden schwedische Wikinger (Waräger) im nördlichen Russland um den Ladogasee Herrschaften um feste Burgen, die von Rurik zum Reich von Nowgorod vereinigt werden.

882 wird das Reich von Nowgorod mit dem Warägerreich um Kiew zum Großreich der Kiewer Rus vereinigt. Im Jahre 990 lässt sich Großfürst Wladimir I. im orthodoxen Glauben taufen und heiratet Anna, die Schwester des byzantischen Kaisers Basileios II.. Kiew- Nowgorod wird zu einer Keimzelle Russlands.

Ursachen für die Expansion der Wikinger

Als Ursachen gelten Übervölkerung, Landnot, innere Unruhen und Fehden. Der Fernhandel verschaffte den Wikingern Kenntnisse vom Reichtum Europas, der sie lockte.

Schiffsbau

Die Wikinger bauten Langschiffe, die besten Schiffe der damaligen Zeit, die es ihnen erlaubten, sowohl auf den Meeren als auch auf Flüssen zu fahren. An den Bootssteven brachten sie Drachenköpfe an, weshalb man auch von Drachenbooten spricht. Diese waren sowohl mit Segeln als auch mit Rudern ausgerüstet,waren offen und extrem schnell. Sie waren so leicht, dass sie auch über Land getragen werden konnten. Das wohl bekannteste Wikingerschiff ist das Oseberg-Schiff. Reiche Wikinger ließen sich in Schiffen bestatten. Als Seeleute waren die Nordmänner hervorragend.

Kultur

Die Wikinger waren ursprünglich heidnische Bauern, Fischer, Handwerker, Händler und Seefahrer. Sie kannten Geld und eine Runenschrift (Runensteine) und wohnten in Holzhäusern. Ihre wichtigsten Götter waren Odin und Thor. An der nur 16 km breiten Schleswiger Landenge errichteten sie die große, stadtähnliche Siedlung Haithabu am Ufer der Schlei, die 40 km landeinwärts reicht, und kontrollierten mit den Befestigungen des Danewerks den Heerweg nach Dänemark.

Christianisierung und Ende der Wikingerzeit

Die Kultur West- und Mitteleuropas wirken auf die Wikinger zurück. Insbesondere lassen sie sich nun missionieren und werden christlich. So werden sie kulturell zum Bestandteil des christlichen Europa. Mit der Entstehung der christlichen Königreiche Dänemark, Norwegen und Schweden geht die Wikingerzeit zu Ende.

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