Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Fügeverfahren in NWT
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Das Fügen von Werkstücken - jenseits von Nagel und Heißkleber


Reinhard Hampel, NwT Technik-Multiplikator, hampel@scheffelgym.de
Titelbild
Die Standards NwT geben vor, dass die Schülerinnen und Schüler technische Produkte praktisch herstellen sollen. Hierzu ist ein Mindestmaß an handwerklichen Fertigkeiten besonders beim Fügen, dem Zusammenbauen von Einzelteilen notwendig. Neben den fachlichen Inhalten einer Unterrichtseinheit sollten die Lehrenden auch auf die Vermittlung einfacher handwerklicher Methoden achten. Dabei sind fachgerechte Materialauswahl, effiziente Materialausnutzung, fachgerechte Bearbeitung mit Handwerkzeugen, den für Schüler/innen zugelassenen Maschinen (siehe FoBi: Sicherheit beim Umgang mit Maschinen) und die Verwendung angemessener Verbindungsmittel (Nägel, Schrauben, Leime, Klebstoffe etc.) zu beachten. Im Unterschied zum Technikunterricht an Werkrealschulen oder technischen Gymnasien haben diese handwerklichen Fügemethoden im NwT-Unterricht der allgemeinbildenden Gymnasien nur eine unterstützende Hilfsfunktion.
Im NwT-Unterricht steht nicht die präzise Bemaßung und Verbindung eines Werkstücks an erster Stelle, sondern die modellhafte Verdeutlichung einer technischen Anwendung. Beobachtungen zeigen jedoch bei Schülerarbeiten manchmal nur einfach zusammengenagelte (Spanplatten-) Holzkonstruktionen. Des Öfteren sind heißgeklebte Teile zu sehen, da Schüler ohne eine gewisse Lenkung oft den Weg des geringsten Widerstands gehen und ihr technisches Modell im Nullkommanix zusammenkleben oder nageln. Umso enttäuschter sind sie anschließend, wenn sich herausstellt, dass diese Verbindungen nicht belastbar sind, oft ein großes Spaltmaß haben, welches die Funktion beeinträchtigen kann und weil heißgeklebte und genagelte Produkte optisch wenig ansprechend sind.
Diese FoBi soll den Unterrichtenden helfen, die für NwT geeigneten Fügeverfahren einzuüben und anschauliche Modelle davon für ihren Unterricht herzustellen.  Auch werden konkrete praktische Fragen nach Materialien, Werkzeugen, Verbindungselementen etc. beantwortet.

Was bedeutet  NwT geeignetes Fügen?

  1. Es dürfen nur für Schüler zugelassene Maschinen bei der Herstellung eingesetzt werden. (siehe: www.nwt-bw.de). Dies ist klassenstufenabhängig und schränkt die Fügemethoden ein, da nur Tischbohrmaschine, Dekupiersäge, Akkuschrauber und Teller/Bandschleifer verwendet werden können. Nut und Federverbindungen etwa, die den Einsatz von Kreissäge oder Oberfräse verlangen, sind somit nur beschränkt herstellbar, wenn gute und scharfe Sägen – am besten Japan/Zug-Sägen - vorhanden sind und die Länge der Verbindung ca. 10-15 cm nicht überschreitet.
  2. Da in NwT als dem technisch-naturwissenschaftlichen Fach am Gymnasium nur die Grundlagen praktischen technischen Arbeitens vermittelt werden können, sollten nur einfachste, grundlegende Verbindungen angewandt werden. Zeitaufwand bei der Herstellung ist ein nicht unwichtiger Aspekt. Ich halte es nicht für sinnvoll, nur aus Gründen der Optik schwierig herzustellende Verbindungen wie z.B. Zinken anzuwenden.
  3. Verbindungen sollten so beschaffen sein, dass sie einfach und schnell herzustellen sind, dass also keine stundenlangen Aushärtephasen in Pressen oder Schraubzwingen nötig sind, wie z.B. bei reinen Leimverbindungen mit Weißleim. Verbindungen sollten möglichst unmittelbar nach ihrer Herstellung belastbar sein, damit der Arbeitsfluss nicht unnötig unterbrochen wird.
  4. Grundlegende Prinzipien beim Fügen in NwT sollten sein:
- Möglichst wenige unterschiedliche Werkstoffe lagermäßig vorhalten
- möglichst eine beschränkte Anzahl verschiedener Verbindungsmittel
  vorhalten (z.B. nur Torx-Schrauben bestimmter Durchmesser und Länge)
- möglichst nur konventionelle Werkzeuge (Schraubendreher, Leimzwinge)
- möglichst keine zusätzlichen Hilfsmittel/~werkzeuge (Deshalb rate ich vom
  Dübeln ab, da Schüler/innen dafür spezielle Dübel-Lehren benötigen)

Auf solche Art hergestellten Fügungen sollten materialgerecht, haltbar, präzise (gymnasial angepasst s.o.) und schnell herzustellen sein; optisch sind sie sicherlich nicht in jedem Fall die ansprechendste Lösung (sichtbare Schraubenköpfe).

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