Schülerinnen forschen- Einblicke in Naturwissenschaft und Technik
Die Industrie klagt über einen Mangel an Ingenieuren und weibliche
Ingenieure sind immer noch eher selten.
Wie kann man die Mädchen mehr für Naturwissenschaften begeistern
und sie dazu bringen auch naturwissenschaftlich orientierte Berufe zu
ergreifen?
Der "Girls' Day" ist hier nur ein Tropfen auf den
heißen Stein.
Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst
Baden-Württemberg hat daher in Zusammenarbeit mit der
Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für
Arbeit eine Aktion ins Leben gerufen, die das Interesse der Mädchen
an Naturwissenschaften nachhaltiger fördern soll. Zielgruppen sind dabei
die Mädchen in den Klassen 7 bis 10 an Gymnasien und Realschulen.
Mit im Boot sind die Universität Konstanz sowie die pädagogischen
Hochschulen in Heidelberg, Karlsruhe und Schwäbisch Gmünd.
Das Angebot gliedert sich dabei in Laborkurse und Feriencamps.
Das Institut für Erziehungswissenschaften an der Universität
Stuttgart begleitet die Aktion wissenschaftlich und evaluiert sie.
Weitere Informationen findet man auf unter
www.schuelerinnen-forschen.de
Organisationsformen an den verschiedenen Hochschulen.
Die verschiedenen Hochschulen haben ihr Programmangebot unterschiedlich organisiert:
- Die Universität Konstanz bietet 8-tägige Kurse an, die aber im
Augenblick weder terminlich noch personell genau definiert sind.
Die Schwerpunkte liegen hier auf der Physik. (Stand: 16. Dezember 2008) - Die PH in Karlsruhe setzt auf 4-tägige Kurse, sowohl in Physik als
auch in Chemie.
Es steht aber im Augenblick auch noch nicht fest, wann die Kurse angeboten werden. - Die PH in Heidelberg bietet derzeit einen 6-tägigen Kurs (6 Mittwoch-Nachmittage) im Bereich Chemie an.
- Die PH in Schwäbisch Gmünd ist schon am weitesten
fortgeschritten, hier laufen verschiedene Kurse bereits.
Dabei setzt man dort für den Einstieg vor allem auf 1-tägige Angebote.
Das Angebot in Schwäbisch Gmünd
Das Angebot der Schwäbisch Gmünder Hochschule baut auf drei Säulen:
- einen Experimentiervormittag für ganze Schulklassen.
Mädchen und Jungen führen die gleichen Experimente durch, werden aber
in getrennten Gruppen betreut.
Bis zu 33 Teilnehmer, Montag und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr, sowie nach Vereinbarung. - das offene Nachmittagsprogramm bietet interessierten
Mädels Gelegenheit zum eigenständigen Experimentieren und zum regen
Austausch von Ideen.
(Mittwoch nachmittag oder nach Vereinbarung auch an einem anderen Tag, bis 10 Teilnehmer) - Feriencamps für Mädchen hier sind die
Mädchen zu Spaß, Sport und Tüfteln eingeladen.
Das erste Feriencamp ist für die Osterferien zur geplant, Voranfragen gibt es schon. Bis zu 10 Teilnehmer.
Erste Erfahrungen mit dem Programm in Schwäbisch Gmünd
Das offene Experimentieren am Nachmittag wird derzeit noch
nicht so angenommen, wie von den Organisatoren erhofft.
Schülerinnen sollten hier bei eigenen Themen, etwa für eine
Projektarbeit oder einen Schülerwettbewerb, Hilfestellung finden.
"Gemeldet hat sich bisher aber nur ein Junge, der für ein
"Jugend forscht"- Projekt Unterstützung suchte", scherzte
Jasmin Sackmann, eine der Gmünder Betreuerinnen.
Man plant nun das Thema enger zu fassen und die Mädchen auch bei
Jahresarbeiten oder GFS-Referaten zu unterstützen.
Möglicherweise sind aber auch die zeitliche Auslastung - vor allem der
Gymnasiastinnen im G8 - und die vielleicht weite Anfahrt Gründe für
die fehlende Resonanz.
Deutlich mehr Erfahrung haben die Gmünder inzwischen mit den
Laborvormittagen für ganze Schulklassen gesammelt. |
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Im Januar und auch im Februar sind noch zahlreiche Termine frei. (Anmeldung s.u.)
Welche Erfahrungen machen Schüler und Lehrer an einem Laborvormittag?
Ich hatte Gelegenheit die Klasse 9 einer Realschule aus dem Ostalbkreis
einen halben Vormittag zu begleiten.
In dieser Gruppe fanden Jungen und Mädchen die Trennung nach Geschlechtern
gut, was bisher nicht von allen Gruppen so gesehen wurde.
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"Dann geht es zügiger voran und man muss nicht immer den Mädchen alles erklären" sagte einer der Schüler selbstbewusst. "Das ordentliche Aufräumen macht aber bei den Jungs manchmal Probleme" resümierte Benjamin Nagel, einer der Betreuer der Jungen, seine Erfahrungen. Er lobte hier aber die Realschüler für ihren Einsatz. "Es ist so herrlich ruhig ohne die Jungs", kommentierte eine
Schülerin. |
Der begleitende Lehrer beobachtete seine Schülerinnen fasziniert und
meinte "man lernt hier seine Schüler mal von einer ganz anderen Seite
kennen."
Am Laborvormittag kümmerten sich ständig 5 Mitarbeiter der PH um die
Schülerinnen und Schüler und der Kollege ergänzte "an der
Schule gibt es solche Möglichkeiten an Ausstattung, Räumlichkeiten
und Betreuung natürlich nicht, davon können wir nur
träumen".
Er sah den Laborvormittag als Bereicherung der Profilwoche der Schule
an.
Die Schüler hatten im Vorfeld einen anonymen Fragebogen der Uni Stuttgart über ihr Verhältnis zu den Naturwissenschaften, ihre Selbsteinschätzung, ihr Freizeitverhalten und ihre beruflichen Vorstellungen erhalten. Nach dem Besuch im Schülerlabor sollten sie diesen Fragebogen nochmals ausfüllen um die Einflüsse des Vormittags beurteilen zu können. Hier sollte dann auch das besuchte Labor beurteilt werden.
Eines ärgerte den betreuenden Lehrer, der zugleich Schulleiter der
Realschule ist, aber dann doch sehr:
Die Schülerinnen und Schüler mussten auch einen Bogen für
das Landesarbeitsamt ausfüllen - mit Namen und vollständigen
Anschriftdaten.
Er habe durchaus Verständnis dafür, dass die Arbeitsagentur als
Sponsor ein Interesse daran habe, zu erfahren, wer an der Aktion teilnimmt. Bei
der Offenlegung der vollständigen persönlichen Daten der Schüler
habe er aber datenschutzrechtliche Bedenken.
"Das ist den Eltern so nicht zu vermitteln. Wenigstens hätte man bei
der Ausschreibung darauf hinweisen können", so meinte er.
Informationen zum Programm in Schwäbisch Gmünd und Anmeldung:
http://www.schuelerinnen-forschen.de/schuelerinnen-forschen/kursdetail/kurs/alles-dreht-sich-ums-wasser-19/ort/paedagogische-hochschule-schwaebisch-gmuend-9.html
Weitere Informationen zum Programm aller beteiligten Hochschulen sowie
Online-Anmeldung zu den einzelnen Angeboten findet
man unter
http://www.schuelerinnen-forschen.de
Bericht: Klaus-Dieter Grüninger, Landesbildungsserver, Dezember 2008

