Was ist ein RCL?
Der Begriff ist eine Abkürzung und steht für
Remotely Controlled
Laboratory. Es handelt sich also um ein Labor
oder ein Experiment, das über das Internet ferngesteuert werden
kann.
Forschung und Industrie betreiben solche RCLs, die aber in der Regel nicht frei
zugänglich sind. Es gibt mittlerweile aber auch physikalische
Schulversuche im Internet, die online gesteuert und beobachtet werden
können, z.B. an der Universität Kaiserslautern.
Dabei kann ein Nutzer vom Computerraum einer Schule oder vom heimischen
Rechner aus ein Experiment ausführen, das an einem anderen Ort, irgendwo
auf der Weilt, sein kann.
Er kann dieses Experiment über ein Interface steuern, das sich zwischen
dem Experiment und dem Webserver am Ort des Experiments befindet.
Eine Webcam ermöglicht es dem Nutzer das Experiment in Echtzeit zu
beobachten und auf Displays angezeigte Messwerte abzulesen. Für den Nutzer
ist also lediglich ein PC und ein DSL Zugang zum Internet nötig.
Physik mit Realexperiment und modernen Medien
Bei RCLs wird das Internet genutzt, es werden also moderne
Medien interaktiv eingesetzt.
Die Schüler lernen dabei eine Technologie kennen, die in Wirtschaft und
Forschung in Zukunft wahrscheinlich eine immer größere Rolle spielen
wird.
Bei entsprechender Gestaltung kann das RCL auch ein Lernmedium sein.
Es ist jedoch immer ein Realexperiment und keine
Simulation. Realexperimente sind auch in einem modernen Physikunterricht immer
noch unverzichtbar, trotz einer Vielzahl von mittlerweile sehr guten
Simulationen, die im Netz verfügbar sind.
Gegenüber einem Realexperiment im Unterricht haben RCLs - bei einigen
ausgewählten Versuchen - aber einige entscheidende Vorteile:
- Es können auch aufwändige Experimente gemacht werden,
für die die Schule - aus Kostengründen - die Geräte gar nicht
haben kann.
Es ist evtl. aus wirtschaftlichen Gründen auch gar nicht sinnvoll, dass sich jede Schule ein solches Experiment beschafft, bei dem Geräte für Zehntausende von Euro einmal im Jahr für fünf Minuten eingesetzt werden.
Auch für ein Bundesland wäre hier ein zentral gepflegtes Experiment - z.B. an einer Hochschule - auch insgesamt günstiger, als wenn jede Schule die teuren Geräte selbst beschaffen und warten muss.
- Selbst wenn die Geräte vorhanden sind, kann hier die Physiklehrkraft
ein Experiment zeigen, ohne es erst in mühsamer Arbeit aufbauen und
austesten zu müssen.
Dies ist gerade bei Experimenten zu überlegen, bei denen der Aufbauaufwand in keinem Verhältnis zu der Zeit steht, in der das Experiment dann im Unterricht eingesetzt wird.
- Die Experimente können auch von Schülerinnen und Schülern Zuhause z.B. als Hausaufgabe bearbeitet werden, bzw. sie können das Experiment Zuhause noch einmal wiederholen. (Dies ist insbesondere ein Vorteil für Schüler, die krank gewesen sind, als das Experiment in der Schule gezeigt wurde).
Natürlich werden und können RCLs kein Praktikum und keine Realexperimente in der Schule ersetzen. Das sollen sie auch gar nicht. Aber sie können, an einigen ausgewählten Stellen, für die Schulphysik in der Kursstufe eine Alternative sein.
Eine ganze Reihe kostenlos nutzbarer RCLs sind im
RCL-Portal der AG Didaktik der Physik an
der TU Kaiserslautern zu finden.
Zu nennen sind u.a. Experimente zum Fotoeffekt, zu Beugung und Interferenz, zur
Elektronenbeugung, das Millikanexperiment, Versuche zur Lichtgeschwindigkeit
und zur Radioaktivität und Rutherford Streuung.
Die Wirtschaftsregion in Kaisersesch bietet darüber hinaus einen
Windkanal als RCL an, dieses
Experiment wird ebenfalls von der TU Kaiserslautern betreut.
Stand: November 2009