Schwingkreis mit der Soundkarte.
(1) Die Soundkarte als Speicheroszilloskop.
Möchte man die Eigenschwingungen einer Parallelschaltung von Spule und
Kondensator näher untersuchen, so benutzt man oft Spulen hoher
Eigeninduktivität L (einige 100 H) und große Kapazitäten C,
damit die Periodendauer T genügend groß wird. Man kann dann den
Spannungsverlauf am Kondensator mit einem Drehspulinstrument beobachten. Dieses
Verfahren eignet sich aber allenfalls für ein nicht quantitatives
Demonstrationsexperiment:
- das Drehspulinstrument beeinflußt durch seine Eigeninduktivität
die Eigenfrequenz mit
- durch Reaktionszeiten läßt sich die Periodendauer nicht exakt
stoppen
- für Schülerexperimente wird man kaum über eine größere
Zahl solcher Spezialspulen verfügen können.
Die üblichen Spulen in Sammlungen und Schülerübungssätzen
haben (ohne Eisenkerne) Induktivitäten von bis zu 0,5 H, die Kondensatoren
einige Mikrofarad. Es ergeben sich also Eigenschwingungen, die im
Frequenzbereich bis einige 100 Hz liegen.
Bei einer gedämpften
Schwingungen lassen sich - je nach Dämpfung - üblicherweise maximal 10
- 20 Perioden beobachten bis die Amplitude zu klein wird. Dies entspricht einer
nötigen Beobachtungszeit von etwa 0,1 s - für das Auge viel zu kurz!
Man kommt um eine Zwischenspeicherung also nicht herum. Dazu könnte
man Speicheroszillokope nutzen, aber in welcher Sammlung gibt es so etwas - wenn
überhaupt - schon in größerer Zahl, so daß Schülerexperimente
möglich wären?
Andererseits liegen diese Frequenzen im Hörbereich
und lassen sich daher mit Hilfe eines Computers mit Soundkarte gut erfassen,
auswerten und abspeichern. Dadurch wird ein Computer zum
Speicheroszilloskop, das Frequenzen bis ca. 20 kHz sehr gut verarbeiten kann.
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Ideal eignen sich dabei naturgemäß Laptops, da sie ohne großen
Aufwand neben den Experimentieraufbau gestellt werden können.(vgl. Photo)
Mit Hilfe eines Shareware Programms wie z.B. Goldwave kann man dann die Schwingungen aufzeichnen und
auswerten.
Mehr zum Programm und eine Bedienungsanleitung dazu
gibt es hier.
Alternativ kann man auch mit dem Freeware Programm Audacity arbeiten. Es ist
hier beschrieben.
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| Meßaufbau mit Schwingkreis,
Poti und Laptop | |
Die Laptops müssen nicht unbedingt die neuesten Modelle sein. Die für
die hier dokumentierten Messungen verwendeten Laptops sind IBM Thinkpads mit
einem Pentium II Prozessor mit 300 MHz Taktrate. Sie genügen hierfür völlig
und wurden meiner Schule von Hardware4Friends gesponsort.
(2) Wie wird der Meßaufbau mit der Soundkarte verbunden?
Der Line-In Eingang einer Soundkarte ist eigentlich für Tonüberspielungen,
also für Spannungssignale von 1 Vss, gedacht. Die sich ergebende
Wechselspannung am Kondensator wird in der Regel größer sein. Man muß
daher die zu "oszilloskopierende" Spannung regeln können.
Das verwendete Potentiometer darf das Schwingungsverhalten des LC-Kreises
dabei möglichst wenig beeinflussen. Es sollte daher ein hochohmiges
Kohlebahn-Potentiometer sein - ein niederohmiges Drahtpotentiometer ist weniger
geeignet.
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Bewährt hat sich ein Potentiometer mit 100 kOhm. Dies passt auch gut
zur Eingangsimpedanz der Soundkarte von ca. 20 kOhm. |
Das benötigte Anschlußkabel kann man leicht selbst löten. Es
erhält auf der einen Seite einen 3,5 mm Mono-Klinkenstecker zum Anschluß
an die Soundkarte, auf der anderen Seite Labor-Stecker. Ist das Kabel nicht zu
lang, braucht es auch nicht abgeschirmt zu sein, ein einfaches Lautsprecherkabel
genügt. Ein abgeschirmtes Kabel ist natürlich besser, aber schlechter
an die Labor-Stecker anzuschließen. Im Photo oben ist das
Verbindungskabel vom Potentiometer zum Soundkartenanschluß (rechts am
Laptop) gut zu erkennen. Es ist etwa 1m lang.
(3) Einige Meßbeispiele:
Vorversuch:
Zunächst wird man - bei geschlossenem Schalter - einen
Frequenzgenerator als Quelle nutzen und die Stromstärke in der Zuleitung
messen ("klassisch" mit einem Drehspul- oder Digitalmultimeter).
Dabei zeigt sich, daß bei der Resonanzfrequenz die Stromstärke
minimal wird. Bei einer idealen Spule wäre diese Stromstärke nicht
nur minimal, sondern sogar 0, d.h. die Parallelschaltung von L und C führt
ein "Eigenleben".
Genauere Untersuchungen:
Dieses wird nun mit dem Computer und dem Programm Goldwave näher
untersucht. Dabei ist es lehrreich, als Quelle zunächst weiterhin den
Funktionsgenerator zu nutzen, ggf. auch mit verschiedenen Kurvenformen und
verschiedenen Frequenzen.
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Alle hier gezeigten Originalmessungen können Sie als .wav-Datei
durch Klick auf die jeweiligen Bilder herunterladen. (Rechte Maustaste : ->Verknüpfung
speichern unter) und dann mit Goldwave weiterbearbeiten.
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Im hier dargestellten Beispiel wurde eine Spule mit 1200 Wdg.für
den Aufbau-Trafo von Phywe ohne Eisenkern (35 mH, 12 Ohm) einem Kondensator von
4 Mikrofarad parallelgeschaltet.
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| Die Resonanzfrequenz berechnet sich daraus mit |
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zu etwa 425 Hz. |
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a) Generator 200 Hz, 1200 Wdg., 4 Mikrofarad.
Als
Generatorfrequenz wurde zunächst 200 Hz eingestellt ( unterhalb der
Resonanz ). Dann wurde 3 Sekunden lang aufgezeichnet. Während dieser Zeit
wurde der Schalter geöffnet. Anschließend "zoomt" man sich
in die Aufnahme an die Umschaltstelle hinein. Man registriert also zunächst
die Frequenz des Generators solange der Schalter noch geschlossen ist ( links
des weißen Pfeils ). Danach zeichnet man die Eigenschwingungen des
LC-Kreises auf. |

Sehr schön ist das exponentielle Abfallen der Amplitude zu sehen. Mit
Hilfe der ebenfalls dargestellten Zeitachse kann man die Frequenz der sich
ergebenden Schwingung ermitteln. Zwei Perioden dauern 1,535 s -1.530 s also 5
ms, woraus sich eine Periodendauer T = 2,5 ms, also eine Frequenz f = 1/T = 400
Hz ergibt. ( gelbe Pfeile )
( Diese Pfeile wurden zur Verdeutlichung ergänzt, Goldwave zeichnet sie
natürlich nicht! )
Im folgenden Bild gibt der Generator bei gleicher Frequenz eine
Dreieckspannung aus. Nach dem Öffnen des Schalters ergibt sich dennoch eine
wieder eine Sinusschwingung mit gleicher Frequenz wie oben. ( gelbe und weiße
Pfeile )

b) Generator 1000 Hz, 1200 Wdg., 4 Mikrofarad.
Man sieht
auch, dass sich dabei unabhängig von der eingestellten Generatorfrequenz (
hier 1000 Hz ) nach dem Öffnen des Schalters anschließend wieder
dieselbe Eigenfrequenz ergibt. ( gelbe Pfeile )
c) Gleichspannungsquelle, 1200 Wdg., 4 Mikrofarad.
Auch
wenn man eine Gleichspannungsquelle verwendet, ergeben sich nach dem Öffnen
des Schalters wieder dieselben Eigenschwingungen des LC-Kreises. Leider kann man
die angelegte Gleichspannung aber in der Aufnahme nicht erkennen, da im Eingang
der Soundkarte ein Kondensator ist - das ist also wie bei einem Oszilloskop, das
in Eingangsstellung "AC" steht.

| Unabhängig von der eingestellten Frequenz und Form der Wechselspannung
(Sinus oder Dreieck), ergibt sich nach dem Öffnen des Schalters immer
dieselbe Schwingungsfrequenz - die Eigenfrequenz des LC-Kreises. Dies ist auch
beim Anlegen einer Gleichspannung so. |
Als nächstes wird man natürlich untersuchen, wovon diese
Eigenfrequenz abhängt. Dazu wird man die Werte von L und C nacheinander verändern.
e) Gleichspannungsquelle, 600 Wdg., 4 Mikrofarad.
Hier
wurde die Phywe Spule mit 600 Wdg. benutzt ( 9 mH, 2,5 Ohm ). Die Kapazität
bleibt zunächst bei 4 Mikrofarad. Da die Eigeninduktivität dieser
Spule nur etwa 1/4 der Eigeninduktivität der 1200 Wdg. Spule beträgt (
dort ist sie 35 mH ) ergibt sich die - nach der Theorie zu erwartende - doppelte
Schwingungsfrequenz. ( 4 Perioden auf 5 ms ), was man auf der Aufnahme gut
sieht.
Es wurde hier eine Gleichspannungsquelle verwendet. Am Anfang
war die Aufnahme etwas übersteuert. ( Man denke daran, dass der Kondensator
vor dem Öffnen des Schalters geladen ist und ein Strom in der Spule
fließt, also Energie gleichzeitig in beiden Bauelementen steckt ).

Ein ähnliches Schwingungsbild wird man bekommen, wenn man die
Eigeninduktivität der Spule bei 1200 Wdg. ( 35mH ) beläßt und
stattdessen einen Kondensator von 1 Mikrofarad verwendet.
| Wird die Kapazität C oder die Eigeninduktivität L auf 1/4 des
Werts verkleinert, verdoppelt sich die Frequenz der Eigenschwingung. |
Vergleicht man die Schnelligkeit des Abnehmens der Schwingungsamplitude mit
den Aufnahmen von oben, so fällt auf, dass die Schwingungen hier langsamer
abklingen. Dies liegt an der geringeren Dämpfung, denn der Spulenwiderstand
der 600 Wdg. Spule ist nur 2,5 Ohm. ( weniger Windungen und dickerer Draht ).
f) Generatorfrequenz 1000 Hz, 3600 Wdg., 2 Mikrofarad.
Als
letztes Beispielbild ist die Aufnahme der Schwingung der 3600 Wdg. Spule von
Phywe ( 0,3 H, 150 Ohm ) parallel zu einem Kondensator von 2 Mikrofarad
dargestellt (hier wieder mit Funktionsgenerator mit Generatorfrequenz 1000 Hz
als Quelle). Man sieht auch, dass diese Schwingung - bedingt durch den
relativ hohen ohm'schen Widerstand des Spulendrahts - recht stark gedämpft
ist. Die Schwingung kommt rasch zum Erliegen - man hat hier fast den "aperiodischen
Grenzfall" erreicht.

Je größer der ohm'sche Widerstand des Spulendrahts ist, desto höher
ist die "Dämpfung" des Schwingkreises. Beim ständigen
Umwandeln der Energie des E-Feldes ( Kondensator ) in die Energie des B-Feldes (
Spule ) und umgekehrt, geht dann ein größerer Anteil an Energie in
Form von Wärme dem Schwingungsvorgang verloren. Die Schwingungen
klingen schneller ab. |
g) Untersuchung von U und I gleichzeitig.
Natürlich kann man beide Kanäle der Soundkarte nutzen und so zu
einem 2-Kanal-Speicheroszilloskop gelangen. Möchte man den Zusammenhang
zwischen der Spannung am Kondensator UC und der Stromstärke IL
in der Spule untersuchen, so benötigt man dafür ein 3-poliges Kabel
und eine Stereo-Klinkenbuchse. In der folgenden Darstellung ist zu
sehen, wie man dies verdrahten muss:

Die "Spitze"des Klinkensteckers ( hier grün
gezeichnet ) ist der linke Kanal, der Mittelteil ( hier rot ) der rechte Kanal,
der hintere Teil ( hier grau ) ist die gemeinsame Masseleitung. Bei einem
normalen Audio-Kabel liegt hier das Abschirmgeflecht der Audio-Leitung. Für
die Messleitung kann man drei kurze einpolige Leitungen mit Laborsteckern
verwenden, die man, wie in der Skizze zu sehen, anschließt.
Der eigentliche Schwingkreis ist hier blau gezeichnet. An dem grau
gezeichneten 100 kOhm Widerstand wird, wie oben beschrieben, eine Teilspannung
der Kondensatorspannung abgegriffen und dem linken Kanal der Soundkarte zugeführt.
Im Schwingkreis liegt ein kleiner Messwiderstand. Die an ihm abgegriffene
Spannung wird dem rechten Kanal der Soundkarte zugeführt. Diese Spannung
ist der Stromstärke in der Spule proportional. Bei der Größe
des Widerstandes muss man u.U. etwas experimentieren. Wählt man den Wert zu
klein, erhält man kein vernünftiges Signal, wählt man ihn zu groß,
wird der Schwingkeis zu stark bedämpft ( s.o.).
Die folgende Abbildung zeigt eine aufgenommene Messung mit L = 35 mH und C =
4,0 Mikrofarad. Der Messwiderstand betrug 5 Ohm.
Oben ist der linke
Kanal zu sehen, der die Spannung am Kondensator aufzeichnete ( grün ),
unten der rechte Kanal, der die Spannung am Messwiderstand - also indirekt die
Stromstärke in der Spule - aufnahm ( rot ).

Die nachträglich eingetragenen, gelben Linien lassen schön
erkennen, dass beide Verläufe nicht phasengleich sind:
Zum
Zeitpunkt der Linie (1) ist der Kondensator ganz geladen und der Spulenstrom ist
0. Die ganze Energie steckt in diesem Augenblick im E-Feld des Kondensators.
T/4 später bei (2) ist die Stromstärke maximal und dafür die
Kondensatorspannung 0. Die ganze Energie steckt jetzt im Spulenfeld. Der
Kondensator ist ganz entladen und trägt keine Energie.
Bis zur
Linie (3) lädt sich der Kondensator wieder auf, aber entgegengesetzt. Hier
ist wieder sämtliche Energie im Kondensator und keine im Spulenfeld.
Insgesamt
klingt die Amplitude wegen der stärkeren Bedämpfung durch den
Messwiderstand etwas schneller ab.
Weiterführende Materialien:
Sie können hier ein Arbeitsblatt zu diesen Experimenten für ein Praktikum herunterladen:
Schwingkreis_mit_Soundkarte.doc 
Einen Vergleich des elektrischen Schwingkreises mit dem mechanischen Feder-Masse-Schwinger findet man
hier.
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