Messinterfaces von CMA / NTL.
0.) Überblick.
Diese Messinterfaces und die dazugehörige Software entstanden aus einer
Kooperation des
CMA (Centre for Microcomputer Applications) an der
Universität Amsterdam, Holland und der
österreichischen
Lehrmittelfirma NTL. Dabei entwickelt CMA vor allem die Interfaces und die
Software, NTL stellt die Sensoren bereit, die man mit Hilfe einer sechspoligen
Steckverbindung der British Telekom (BT) einfach an alle Interfaces
anschließen kann. Diese Verbindung ist so etwas wie eine
übergroße Version der bekannten Western-Stecker, mit denen heute
häufig Telefone angeschlossen werden.
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Die Produktlinie umfasst vier verschiedene Interfaces und
zwei verschiedene Software Versionen. |
a) Hardware:
| Bezeichnung | Kurzbeschreibung / Einsatzort | Kosten |
| EuroSense | Ein einfaches Interface, in dem schon Sensoren enthalten sind
und an das ein Temperatursensor noch angeschlossen werden kann. Stromversorgung: direkt vom Computer über die USB Schnittstelle. Einsatz: einfache Schülerexperimente und Demonstration. |
ca. 170 Euro |
| EuroLab | Ein einfaches, unkompliziertes Interface für den
Anschluss von zwei analoge Sensoren. Stromversorgung: direkt vom Computer über die USB Schnittstelle Einsatz: Schülerexperimente und Demonstration. |
ca. 170 Euro |
| CoachLabII+ | Messwerterfassung mit bis zu vier analogen und zwei digitalen Sensoren. Steuern über acht Ausgänge bei bis zu 12 V, bis maximal 0,6 A pro Kanal belastbar. Stromversorgung: Anschluss über Steckernetzteil an 230V. Einsatz: als Demonstrationsinstrument und für Schülerexperimente |
ca. 400 Euro |
| ULab | Externer Datenlogger, mit dem man auch Messwerte unabhängig von einem
Computer und einer Spannungsversorgung erfassen kann. Die Daten können später auf einen Computer übertragen werden. ULab kann aber auch als Interface ganz normal an einen Computer angeschlossen werden. Stromversorgung: Batterien oder Steckernetzteil Einsatz: Outdoor Bereich, Umweltuntersuchungen, Physik auf dem Jahrmarkt |
ca. 500 Euro |
b) Software:
| Name | Beschreibung | Kosten |
| Coach6 Lite |
Ein Auswertprogramm, das den Interfaces beiliegt, das aber auch aus dem Internet heruntergeladen werden kann. Es genügt vollauf, um mit den erhältlichen Sensoren Messwerterfassung und einfache Steuerungen zu betreiben. | keine, in den Interfaces enthalten. |
| Coach6 Vollversion |
Die Vollversion ist viel mehr als nur eine Messwerterfassungssoftware. Sie enthält auch ein Tool zur Videoanalyse und ein Modellbildungssystem. Mit Coach 6 hat man alle Computeranwendungen für den Physikunterricht aus einem Guss. | ca. 700 Euro |
1) Interfaces / Hardware
a) EuroSense.
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Das rosarote EuroSense Interface hat schon ein Mikrofon und einen
Lichtsensor (bis 1500 Lux) eingebaut, ein Temperatursensor ist ebenfalls
enthalten. Die Software Coach6Lite ist auch mit dabei. Es wird direkt an die
USB-Schnittstelle angeschlossen und die Sensoren werden auch von dort
versorgt. |
Vorteil: eine einfache und sehr kostengünstige
Lösung mit der man Helligkeitsmessungen, Tonaufzeichnungen und einfache
Temperaturmessungen durchführen kann. Die Sensoren und die Software sind
bereits enthalten.
Nachteil: zwar ist die Firmware des Messinterfaces
upgrade-fähig, jedoch hat man durch die schon eingebauten Sensoren keine
Erweiterungsmöglichkeiten mehr - andere physikalische Größen,
etwa Stromstärken und Spannungen lassen sich mit EuroSense nicht
erfassen.
Dieses Interface ist also eher für einen Einsatz in der Unterstufe
(Naturphänomene) geeignet. Dabei erscheint dann der Temperaturmessbereich
(5 .. 45°) zu klein.
Tonaufzeichnungen lassen sich auch mit einem einfachen Computermikrofon
über die Soundkarte mit Freeware Programmen deutlich preisgünstiger
durchführen.
b) EuroLab.
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Im gelben EuroLab sind keine Sensoren eingebaut, es verfügt
über Anschlüsse für zwei externe, analoge Sensoren, die
über BT-Buchsen angeschlossen werden. Es gibt dabei zwei Typen von
Sensoren, die das System selbstständig erkennt, Sensoren für 0..5V
und Sensoren -10V bis +10V. |
Vorteil: eine einfache, kostengünstige Lösung,
speziell wenn man für Schülerexperimente mehrere Interfaces
anschaffen möchte.
Es kann eine Vielzahl verschiedener Sensoren angeschlossen werden, so dass
praktisch alle in der Physik vorkommenden Größen erfasst werden
können.
(vgl. Liste der lieferbaren Sensoren).
Daher wird es zum variablen Partner für alle Messungen von der Unterstufe
bis in den Sekundarbereich.
Die Software Coach6Lite ist enthalten.
Es ist kein externes Netzteil nötig.
Nachteil: Das Interface kann keine Versorgung der
Versuchsanordnung übernehmen, da die USB Schnittstellen nur mit etwa 100
mA belastbar sind. Die Spannungsversorgung muss über externe Netzteile
erfolgen. Mit EuroLab kann man also "nur" messen, aber nicht steuern.
c) CoachLab II+
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Das etwa tellergroße CoachLab II+ enthält noch etwas mehr
Komfort. An das CoachLabII+ können auch einige wenige digitale Sensoren
angeschlossen werden, die am EuroLab nicht funktionieren, z.B. ein
Ultraschall-Bewegungssensor und ein 3-Achsen Beschleunigungssensor. Diese
werden an den zwei digitalen Eingängen des CoachLabII+ angeschlossen.
Darüber hinaus verfügt CoachLabII+ über vier analoge
Messeingänge, zwei davon für die Sensoren mit BT-Steckern, zwei
für 4 mm Laborstecker. Dabei ist die Datenerfassung mit bis zu 100.000
Werten je Sekunde in etwa doppelt so schnell wie beim EuroLab. |
Vorteil: CoachLabII+ kann nicht nur messen sondern
auch steuern. Es können auch externe Geräte wie Spulen,
Lampen oder Motoren gesteuert werden. Damit sind dann auch vollautomatische
Experimentierstände, wie etwa eine ph-Wert-Messung mit einer
motorbetriebenen Bürette möglich.
Nachteil: Das System ist deutlich teurer als EuroLab.
CoachLabII+ funktioniert nur über das mitgelieferte externe
Steckernetzteil. Eine Versorgung über die USB-Schnittstelle aus dem
Computer ist nicht vorgesehen.
Damit sind z.B. Messungen außerhalb von Räumen erschwert, die mit
EuroLab im Prinzip möglich sind, wenn man einen Laptop verwendet und
dieser über die USB Schnittstelle die Spannungsversorgung übernimmt.
d) ULab.
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Möchte man häufig Messungen außerhalb des Klassenzimmers
durchführen, dann ist ULab wahrscheinlich die beste Wahl. An ULab
können wie an CoachLabII+ vier analoge und zwei digitale Sensoren
angeschlossen werden. ULab kann aber auch als ganz normales Messinterface eingesetzt werden, wenn
es während der Messungen direkt mit dem Computer verbunden ist. |
Vorteile: ein sehr robustes Interface, mit dem auch
Messungen außerhalb der Schule unabhängig von Computer und
Spannungsversorgung durchgeführt werden können. Das Interface kann
aber auch direkt am Computer als "normales" Interface betrieben
werden.
Nachteil: natürlich hat das Gerät seinen Preis. Es
wird sich daher nur für denjenigen wirklich lohnen, der häufiger
Messungen außerhalb des Klassenraumes durchführt. Steuerungsaufgaben
kann ULab nicht übernehmen.
2.) Kurzvergleich der Systeme und Empfehlung
| System | Sensoren | Steuern externer Geräte | Betrieb unabhängig vom Rechner | Spannungsversorgung |
| EuroSense | eingebaut | nein | nein | vom Rechner (USB) |
| EuroLab | 2 analog | nein | nein | vom Rechner (USB) |
| CoachLabII+ | 4 analog, 2 digital |
ja | nein | Steckernetzteil |
| ULab | 4 analog, 2 digital |
nein | ja | Akkus, Steckernetzteil |
Für welches System aus der CMA-Produktlinie sie sich entscheiden, wird
vor allem vom Etat und dem vorgesehenen Einsatzzweck bestimmt.
Das EuroSense ist durch seinen doch sehr eingeschränkten
Funktionsumfang für einen Einsatz am Gymnasium weniger empfehlenswert.
Wollen Sie das Messwerterfassungssystem vor allem in
Schülerexperimenten einsetzen, so erscheint mir EuroLab
die erste Wahl. Das Interface ist robust, preiswert, einfach zu handhaben und
zukunftssicher und es lassen sich die wichtigsten Sensoren anschließen.
In begrenztem Umfang kann EuroLab auch zu Messungen außerhalb
des Klassenzimmers eingesetzt werden, denn ein Laptop kann die
Spannungsversorgung des Interfaces und der Sensoren übernehmen.
Wollen Sie mit dem Computer nicht nur messen sondern auch
steuern, dann müssen Sie sich für CoachLabII+
entscheiden. Es ist etwas schneller als EuroLab und kann mehr Sensoren
verwalten. Es funktioniert aber nur mit dem Steckernetzteil, daher sind
Messungen außerhalb des Klassenraumes kaum möglich. Es hat seine
Stärken wahrscheinlich vor allem im Demonstrationsbetrieb und in
den Schülerexperimenten, sofern Sie über einen großen
Etat verfügen.
Für häufige Einsätze außerhalb des Klassenzimmers
bietet sich das ULab an, dessen Anschaffung sich allerdings nur dann
wirklich lohnen wird, wenn Sie von dieser Möglichkeit sehr häufig
Gebrauch machen.
3.) Software.
3.1) Coach6Lite.
Mit Coach6Lite, das allen Messinterfaces beiliegt, können relativ
schnell und intuitiv Messungen gemacht werden.
Fröhliches "Fensterln".
Zunächst etwas verwirrend ist die Vielzahl der geöffneten
Fensteransichten:
Das Fenster oben links ist dafür gedacht eine Versuchsanleitung
anzuzeigen. Es ist sozusagen das integrierte Arbeitsblatt. Solche Anleitungen
können von den Lehrkräften auch selbst geschrieben und abgespeichert
werden.
Das Fenster unten links zeigt das Interface und daran angeschlossene Sensoren.
Die aktuellen Messwerte der Sensoren werden über kleine Zahlenangaben
eingeblendet. Damit sieht man sofort, ob die Sensoren richtig arbeiten. Die
Sensoren werden automatisch erkannt.
Dann gibt es noch drei weitere leere Fenster rechts, die mit Elementen belegt
werden können. Man wählt dazu aus den Symbolen in der Kopfleiste ein
Symbol aus, wählt den dazugehörigen Sensor aus und klickt
anschließend (der Mauszeiger hat sich zum Symbol verändert) in eines
der leeren Felder.
Üblicherweise wird man den aktuellen Messwert, eine Tabelle und ein
Diagramm darstellen.
Nach sehr kurzer Zeit hat man sich aber diese Anordnung gewöhnt und
arbeitet mit Coach6Lite sehr intuitiv.
Durchdachte Exportmöglichkeiten
Die Unterstützung der einzelnen Elemente ist dabei sehr
vielseitig und durchdacht (rechte Maustaste):
Die Darstellungen können allesamt über die Zwischenablage in andere
Programme kopiert oder ausgedruckt werden.
Tabellen lassen einen Export der Werte in eine Textdatei zu. Dabei kann man das
Dezimaltrennzeichen (Punkt oder Komma) und das Trennzeichen für die Felder
wählen. Der Tabelleninhalt kann so leicht in ein
Tabellenkalkulationsprogramm wie EXCEL oder OpenOffice exportiert und dort
weiter ausgewertet werden. Umgekehrt können Messtabellen auch aus
Textdateien erstellt und dann in einem Diagramm dargestellt werden.
Diagramme können sich auf Mausklick an die gemessenen Werte automatisch
anpassen, man kann aber auch Bereiche herauszoomen.
Führt man mehrere Messungen aus, so bleiben die Messkurven der bisherigen
Messungen in verschiedenen Grautönen erhalten, so dass man man leicht
Vergleiche anstellen kann. Auf Wunsch können dann alle Diagrammwerte
gelöscht werden.
Sogar weiterführende mathematische Operationen wie das Bestimmen einer
Geradensteigung oder die Fläche unter der Kurve kann die Diagrammfunktion
ermitteln.
Messstart / Messmodi
Durch Drücken der grünen Starttaste wird das Experiment
gestartet. Dabei werden die Zahl der erfassten Messwerte und der zeitliche
Abstand der Erfassung vorher festgelegt. Danach hat der Experimentator selbst
für das Messereignis zu sorgen, das innerhalb des festgelegten
Zeitfensters erfolgen muss.
Coach6Lite sieht auch einen Messbeginn durch ein Triggerereignis vor (z.B. dass
die gemessene Spannung einen bestimmten Wert übersteigt, einen Impuls,
etc.).
Das erst Ende 2006 entwickelte EuroLab hat mit dieser Betriebsart aber noch
Probleme. Nach Auskunft von CMA werden die -10V ..+10V Sensoren derzeit bei
EuroLab und dieser Betriebsart nicht unterstützt. Dies sei aber nicht
systembedingt und werde in der nächsten Version von Coach6 behoben.
Möchte man nur Messwerterfassung betreiben, kommt man mit Coach6Lite vollkommen aus.
3.2.) Coach6-Vollversion.
Die Vollversion von Coach6 umfasst über 100 MByte und ist damit
deutlich mächtiger als Coach6Lite.
Neben Messwerterfassung und Steuerung enthält Coach6 auch ein integriertes
Modellbildungssystem, ein Tool zur Videoanalyse. Enthalten sind zahlreiche
Videoaufnahmen, auch solche, die mit Hochgeschwindigkeitskameras aufgenommen
wurden, die Sie kaum zur Verfügung haben werden.
Coach6 ist netzwerkfähig. Die Lizenz gilt dann für alle Rechner der
Schule.
Es ist daher ein Universal-Software-Paket für den naturwissenschaftlichen
Unterricht - auch über die Physik hinaus - aus einem Guss.
Ob Ihnen dieser Komfort 700 Euro wert ist, müssen Sie selbst entscheiden.
Wer nur gelegentlich Videoanalyse und Modellbildung mit einem Programmsystem
betreibt, findet hier mit
Viana und
Easysim auch kostenlose Alternativen im Internet.
Weitere Links und Informationen über das System:
Informationen über das System, Webseite der Universität Amsterdam
(englisch):
http://www.cma.science.uva.nl/english/index.html
Die Lieferung der Messinterfaces erfolgt über NTL:
http://www.ntl.at/
Liste der verfügbaren Sensoren von NTL zum System
http://www.ntl.at/cma/pdf/ntl_sensoren_liste.pdf
(PDF-Dokument) ![]()
Versuchsanleitungen für physikalische Versuche mit CMA/NTL kann man
hier herunterladen:
http://www.ntl.at/cma/pdf/ntl_physik.pdf
Bezugsquellen und Lieferadressen:
http://www.ntl.de/shop/partner.php
Für Baden-Württemberg zuständig sind:
- NTL competence center Germany
Johann-Hammer-Straße 26
97980 Bad Mergentheim
p.wohlgemuth@ntl.at
- SCHULHAUSER
Lehrmittel und Schulbedarf
Austraße 107
70376 Stuttgart
info@schulhauser.de
Der Landesbildungsserver bedankt sich bei Herrn Hauser für die kostenlose Überlassung der Messeinrichtungen zu Testzwecken.
Testbericht: Klaus-Dieter Grüninger, Landesbildungsserver Baden-Württemberg




