PHYWE: Cobra 4
0.) Überblick
Der bekannte Hersteller von physikalischen Lehrgeräten, PHYWE aus
Göttingen, hat sein seit Jahren bewährtes Cobra System neu aufgelegt
und um einige Möglichkeiten erweitert - es heißt nun Cobra 4. Die
passenden Sensoren werden über eine 15-Pol Submin-D Buchse an die
unterschiedlichen Messinterfaces angeschlossen. Diese Verbindung ist sehr
stabil und als "kleiner Bruder" - als 9 Pol Verbindung - seit Jahren
als serielle Schnittstelle in Computern bewährt. Diese Stabilität
wird durch das Klick-Steck-System noch verstärkt und sie minimiert den
"Kabelsalat".
Diese Art der Schnittstelle verwendet aber nur PHYWE, daher sind PHYWE-Sensoren
auch nur an PHYWE-Interfaces zu betreiben.
Bei der neuen Produktline Cobra 4 können die verschiedenen Sensor-Units über drei verschiedene Interfacetypen ihre Daten an einen Computer übergeben. Alle Sensoren können mit allen Interfaces betrieben werden.
Als Software dient zur Aufnahme Cobra 4 und zur Auswertung Measure.
Die Sensoren werden automatisch erkannt und vom Programm unterstützt. |
a) Hardware / Interfaces:
| Bezeichnung | Kurzbeschreibung / Einsatzort | Kosten (incl. MwSt.) |
| Cobra 4 USB-Link | Ein einfaches, unkompliziertes Interface, an das die
PHYWE-Sensoren direkt aufgesteckt werden. Stromversorgung von Interface und Sensoren: direkt vom Computer über die USB Schnittstelle. Einsatz: Schülerexperimente und Demonstration. |
ca. 200 Euro |
| Cobra 4 Mobile-Link | Das Mobile-Link ist ein externer Datenlogger, mit dem man auch Messwerte
zunächst unabhängig von einem Computer und einer Spannungsversorgung
erfassen kann. Stromversorgung: 2 Mignon-Akkus Einsatz: Outdoor Bereich, Umweltuntersuchungen, Physik auf dem Jahrmarkt, Schülerexperimente |
ca. 380 Euro |
| Cobra 4 Wireless | Das Cobra 4 Wireless-System bietet eine ganz neue
Datenübertragungsmöglichkeit, die es in dieser Form im Augenblick
wohl nur bei PHYWE gibt: die Datenübertragung über ein
Experimentier-Funknetz. Stromversorgung: Wireless-Manager (Computer) über USB vom Computer Wireless-Link (Messinterface) 2 Mignon-Akkus. Es versorgt auch die angeschlossenen Sensoren. Einsatz: Demonstrationsexperimente, Schülerexperimente |
ca. 100 Euro (Manager) ca. 300 Euro (Wireless-Link) |
b) Software:
| Name | Beschreibung | Kosten (incl. MwSt.) |
| Cobra 4 |
Das eigentliche Messprogramm | bei der Hardware dabei |
| Measure | Ein sehr mächtiges Auswertprogramm, das keine Wünsche offen lässt. | ca. 500 Euro als Schullizenz |
1) Interfaces / Hardware
a) Cobra 4 USB-Link.
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Mit Hilfe des Cobra 4 USB-Links können alle Cobra 4 Sensoren
über ein USB-Kabel direkt an einen PC angeschlossen werden. |
Vorteil: eine einfache, und noch kostengünstige
Lösung, speziell wenn man für Schülerexperimente mehrere
Interfaces anschaffen möchte.
Es sind keine externen Netzteile oder Akkus nötig, daher sind das USB-Link
und Sensoren immer sofort einsatzbereit
Nachteil: Zum Messen benötigt jeder Messplatz seinen
eigenen Computer / Laptop.
b) Cobra 4 Mobile-Link.
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Das Mobile-Link ist ein Datenlogger, der unabhängig von einem
Computer zunächst Messungen durchführen kann. Die Kommunikation mit
dem Anwender erfolgt dabei über eine relativ einfache, einfarbige
LCD-Anzeige und ein Navigationskreuz. Die Daten selber werden auf
handelsüblichen SD Cards von bis zu 2 GB gespeichert. Durch das PHYWE Stecksystem gibt es keine weiteren Kabel zwischen den Sensor-Units und dem Mobile-Link, was bei bestimmten Versuchen sehr vorteilhaft sein kann. |
Vorteile: ein relativ robustes Interface, mit dem auch
Messungen außerhalb der Schule unabhängig von Computer und
Spannungsversorgung durchgeführt werden können. Dabei spielt die
Entfernung zum Rechner, auf dem später die Auswertung erfolgt, keine
Rolle.
Nachteil: Das Mobile-Link ist fast doppelt so teuer wie das
USB-Link. Es wird sich daher nur für denjenigen wirklich lohnen, der
häufiger Messungen außerhalb des Klassenraumes durchführt, bzw.
Messungen durchführen möchte, die unbedingte Kabelfreiheit erfordern.
b) Cobra 4 Wireless-Link.
Das ist eine ganz neue Art der Funkdatenübertragung, die es so im Augenblick wohl nur bei PHYWE gibt (Stand Januar 2009). Das System besteht aus dem Wireless-Manager, der in seiner Form und
Größe an einen USB-Stick erinnert (vgl Foto mit Vergleich zu einem
USB-Stick). |
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Die Gegenstation ist das Wireless-Link, an das die Sensor-Units (hier z.B. für Beschleunigung) angeschlossen werden. Das Wireless-Link wird mit zwei Mignon-Akkus versorgt und übernimmt die Energieversorgung der Sensorboxen mit. In einem Messsystem können bis zu 99 Wireless-Link über den Wireless-Manager mit dem Computer kommunizieren, dieser weist ihnen eine Kanalnummer (hier die 01) zu. Beim Anschluss vieler Messplätze wird die für den einzelnen Messplatz zur Verfügung stehende Bandbreite (Datenübertragungsrate) natürlich geringer. Allerdings kann das durch mehrere Wireless-Manager wieder verbessert werden. |
Vorteile:
Der Messplatz kann an einer anderen Stelle sein als der Auswertrechner.
So könnte man z.B. eine Messung auf dem Pult durchführen und die
Messdaten auf einen in einem Medienschrank untergebrachten Rechner
übertragen, der dann über einen Beamer die Auswertung des
Experimentes anzeigt.
Besonders vorteilhaft kann diese Trennung in Messszenarien sein, wo an den
Arbeitsplätzen mit Flüssigkeiten / Chemikalien umgegangen wird, die
keinesfalls mit dem empfindlichen Computer oder Laptop in Berührung kommen
sollten. In Physik ist das eher selten der Fall, in Chemie hingegen
häufiger.
Nachteil: Natürlich emittieren die Geräte Strahlung
im Mikrowellenbereich, deren Auswirkungen immer noch nicht ganz geklärt
sind. Angesichts von nur 1 mW Sendeleistung dürfte das Problem nicht allzu
groß sein.
Wenn es im Raum andere Bluetooth Geräte oder ein WLAN gibt, ist die
Wahrscheinlichkeit gegenseitiger Störungen relativ groß, da diese
Geräte den gleichen Frequenzbereich für ihre Kommunikation
nutzen.
Wegen der Reichweite des Funknetzes darf der Messaufbau nicht weiter als 20 m
vom Rechner entfernt sein.
Sie könnten also z.B. die Wetterdaten aus einem Heißluftballon z.B.
über Funk nicht zur Empfangsstation übertragen, sondern müssten
hierfür wieder Datenlogger nutzen.
Vgl. hierzu auch
http://de.wikipedia.org/wiki/Bluetooth.
PHYWE weist in den Betriebsanleitungen auch auf dieses mögliche Problem
hin.
2. Sensor-Units
a) Spannungsversorgung.
Alle Sensor-Units werden über die Interfaces versorgt:
Bei USB-Link also direkt aus dem Computer über die USB-Schnittstelle und
ohne weitere Quelle, wie z.B. ein Steckernetzteil.
Beim Mobile-Link und beim Wireless-Link übernehmen die im Interface
eingebauten Akkus die Stromversorgung.
Lobenswert ist, dass hierfür keine teuren und schwer zu beschaffenden
Spezialakkus nötig sind, sondern, dass man auf handelsübliche
Mignon-NiMH-Akkus zurückgreifen kann.
Allerdings gibt es keine Möglichkeit die Akkus in der Interfacebox selbst
zu laden und es ist auch kein Ladenetzteil dafür vorgesehen oder gar im
Lieferumfang dabei.
Man muss die Akkus also mit einem handelsüblichen Ladegerät aufladen
und sie dazu jedes Mal ausbauen. Zwar lassen sich die Interfaceboxen an ihrem
Ende durch zwei eingeklickbare Laschen relativ einfach öffnen,
andererseits fragt man sich, wie lange die Kunststofflaschen dies wohl
mitmachen, bevor sie brechen.
b) Typen von Sensoren
Zu den Interfaces gibt es zahlreiche Sensor-Units. Ein Schwerpunkt liegt dabei offensichtlich auf Sensoren für Größen der Chemie: So werden verschiedene Sensoren zur Messung von Leitfähigkeit, Temperatur, pH-Wert etc. angeboten. Eine Trennung zwischen Messplatz und Auswertstation über ein Funknetz ist in Chemie sicher bedeutsamer als in Physik (s.o.)
Für den Bereich NwT bietet PHYWE auch einen "Wetter-Sensor" an, der Luftdruck, Luftfeuchte, Lufttemperatur, Helligkeit und Höhe messen kann. Allerdings hat dieser Kombisensor mit fast 300 Euro auch seinen Preis.
Speziell für den Bereich der Physik werden Beschleunigungssensoren und
Kraftsensoren angeboten, die auch relativ erschwinglich sind.
Natürlich darf im Angebot auch eine Sensorbox für Stromstärke
und Spannung nicht fehlen, wobei diese für 6 A und 30 V sehr praxisgerecht
ausgelegt ist.
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Wenn es auch gerade der Zeitströmung entspricht, im
Technologiebereich alle Begriffe auf Englisch zu benennen, so muss man doch
bedenken, dass die Produkte in Schülerhände kommen. Dass - in Analogie zur Beschleunigungsbox (Cobra 4 acceleration) die Sensor-Unit für Spannung / Stromstärke "Cobra 4 electricity" genannt wird, kann man noch verstehen. Warum muss man dann aber auch noch "voltage" statt "Spannung" und "current" statt "Stromstärke" auf die Box drucken? Viele Schülerinnen und Schüler haben schon im Deutschen Probleme die beiden Größen und ihre Messung sauber auseinander zu halten. Hier beschert man diesen Schülern (und ihren Lehrkräften!) durch die englischsprachige Benennung (bei auch noch gleich aussehenden Buchsen!) noch zusätzliche Probleme. Das muss nun wirklich nicht sein! |
Für viele Versuche der Physik wäre auch noch eine Box für zwei Spannungen schön. Die gibt es bei PHYWE derzeit leider ebenso wenig wie Sensor-Units zur Messung der magnetischen Feldstärke, Ladungen, Lichtintensität usw. Vielleicht kommen solche Sensoren aber später noch heraus, das System ist ja noch sehr neu.
PHYWE bietet dabei auch Kombinationsboxen aus Sensoren und Interfaces an,
die preislich interessant sind.
Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Webseite des Herstellers:
http://www.phywe.de
3. Software
Die Installation der Software in einer Testumgebung eines IBM T40 Laptops
unter Windows 2000 gestaltete sich völlig problemlos. Die
Software gliedert sich in zwei Anteile - Cobra 4, das für das
Messen zuständig ist, und Measure, das die Auswertung
übernimmt.
Beide Programmteile laufen aber ineinander. Umgeschaltet wird mit dem Symbol
des jeweiligen Programmteils in der Leiste mit den Befehlssymbolen.
Cobra 4
Die PHYWE-Messsoftware besticht durch eine klare Struktur, mit der
man sofort und ohne langes Wälzen von Anleitungen erste Messerfolge
erzielt. PHYWEs Anspruch, in 40 Sekunden eine Messung zu starten, ist so
gesehen durchaus richtig.
Sind Interfaces angeschlossen, zeigt Cobra 4 diese beim Programmstart
in einer Art Struktogramm in einem Fenster - genannt Navigator -
sofort an. Hier kann man auch die gemessenen Werte in einer Tabelle anzeigen
lassen und die Messeinstellungen (Messrate, Messstart und Messstopp)
festlegen.
Die Messung kann manuell per Tastendruck gestartet werden,
getriggert - falls eine bestimmte Größe einen Wert
über- oder unterschreitet, oder zu einer bestimmten Uhrzeit (das
ist für Langzeitmessungen interessant). Der Programmstopp kann durch die
gleichen Parameter erfolgen.
Weiterhin werden in kleinen Fenstern die aktuellen Messwerte angezeigt. Diese können groß geklickt werden, so dass man das System als Demonstrationsgerät einsetzen kann. Die Anzeige kann dabei wahlweise digital oder in einer analogen Form (Simulation eines Zeigerinstruments) erfolgen. Man kann die Messwerte hier bereits auch als Messkurven darstellen lassen.
Für viele Messeinsätze würde diese Funktionalität von Cobra 4 bereits genügen.
Bei meiner Testumgebung und in Measure 4.6 (aber vielleicht auch
nicht nur dort) stürzte Cobra 4 regelmäßig ab, wenn
das Wireless-Link ausgeschaltet wurde. Dann ließen sich noch nicht einmal
mehr die erfassten Messdaten sichern!
Hier wird PHYWE sicher noch nachbessern müssen, denn so etwas wird - vor
allem im einer Umgebung mit mehreren Wireless-Link - ziemlich sicher passieren.
Measure
Auch mit Measure kommt man intuitiv recht schnell zurecht.
Dabei ist dieses Programm ein sehr mächtiges Werkzeug, das bei
der Auswertung von Kurvenverläufen wahrscheinlich sogar mehr beherrscht,
als man in der Schule benötigen wird.
Extremwert- und Mittelwertbestimmung sind ebenso möglich wie eine
Integralbildung oder sogar eine Fourieranalyse der Messwerte. Die Kurven lassen
sich auch glätten und an vermutete Funktionen annähern
(Kurvenfitting). Natürlich lassen sich die Achsen anpassen und bestimmte
Bereiche der Messung zoomen.
Leider gibt es zu Measure keine kostenlose "Light-Version", wie andere Hersteller dies als Bestandteil der Hardware anbieten. Measure kostet als Einzel- und Schullizenz mit MwSt. fast 500 Euro.
Der Autor hat sich zum Einsatz von Funkübertragung bei
Messwerterfassung prinzipielle Gedanken gemacht. Wie Sie daran interessiert
sind, dann folgen Sie diesem Link:
Nachgedacht:
Messwerterfassung mit Funk - Spielerei oder Vorteil?
Testbericht: Klaus-Dieter Grüninger, Landesbildungsserver
Januar 2009



