Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Straßburg
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Straßburg

Einführung in die Stadtgeschichte

Straßburg ist eine Kunstmetropole, deren in Stein gemeißelte Vergangenheit noch zum größten Teil präsent ist. Jedes Stadtviertel, jedes Bauwerk legt Zeugnis ab von der bemerkenswerten Geschichte der Stadt, die 1988 ihr 2000-jähriges Jubiläum feierte und zum Weltkulturerbe von der UNESCO erklärt wurde.

Ab dem Jahr 12 v. Chr. befand sich auf dem Boden des späteren Stadtkerns ein römisches Lager namens Argentoratum. Durch die Rue du Dôme und die Rue des Juifs, vormals Hauptstraße und Prätorianerstraße, zogen damals die Legionen des Kaisers. Doch die eigentliche Blütezeit Straßburgs ist das Mittelalter, als die Stadt zum "Heiligen Römischen Reich deutscher Nation" gehörte. Sie zeichnete sich durch eine vorbildliche Stadtverfassung aus, die der große Humanist Erasmus von Rotterdam in Lobeshymnen pries.

Münster von der Place de l'Hôpital aus Zwischen dem 11. und dem 15. Jahrhundert wurde das Münster, das Wahrzeichen der Stadt, errichtet. Bauherr war zunächst der Bischof der Stadt, seit der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts trugen die Bürger der Stadt den Bau und errichteten mit dem monumentalen Westwerk ein Zeugnis ihres Bürgerstolzes. Noch heute legt der Bau ein beredtes Zeugnis ab von einer Zeit, in der die Kunst sowohl im Dienst des Glaubens als auch im Dienst der städtischen Politik stand. Er ragt inmitten winkeliger Gassen auf, die den Namen von Gilden und alten Märkten tragen und von denen ein mittelalterliches Flair ausgeht.

Ganz in der Nähe stößt man beim Rundgang durch die Stadt auf historische Gebäude, die einen guten Eindruck vom öffentlichen Leben der damaligen Zeit vermitteln, wie das Haus des Oeuvre Notre-Dame (Frauenwerk, die Münsterbauhütte), das im Zusammenhang mit dem Bau des Münsters entstand. Früher hatte die Steinmetzgilde hier ihren Sitz, heute befindet sich in seinen Räumlichkeiten heute eines der schönsten Museen Frankreichs, das u. a. die Kunst der mittelalterlichen Statuen in den Mittelpunkt stellt. Direkt am Ill-Ufer liegt die Ancienne Douane, das als „Altes Zollhaus“ bekannte Stapelhaus der in die Stadt eingeführten Waren - ein imposantes Gebäude mit Zinnen und Giebeln, das die schon damals rege Handelstätigkeit der Stadt veranschaulicht. Die Türme der Ponts Couverts ("überdachte Brücken") sind die bemerkenswert erhaltenen Überreste der Befestigungsanlage, die Straßburg im Mittelalter umgab, und durch welche die Verteidigung dieser freien Stadt gewährleistet wurde.

Die Stadt beherbergte im Mittelalter zahlreiche Kirchen:
  • St-Etienne, deren Chor und Querschiff auf das 12. Jahrhundert zurückgehen,
  • St-Thomas, eine seit der Reformation protestantische Hallenkirche, die nach dem Münster größte Kirche, zwischen dem 12. und dem 14. Jahrhundet errichtet. Im Chor das Grabmal des Marschalls von Sachsen, ein Werk von Pigalle.
  • St-Pierre-le-Vieux (Alt St. Peter), zugleich katholisch und evangelisch (12.-15. Jahrhundert),
  • St-Pierre-le-Jeune (Jung St. Peter, 12. – 14. Jahrhundert), mit einem schönen Lettner und einem sehr stilvollen Kreuzgang,
  • die Kirche St-Guillaume (St. Wilhelm), die 1301 geweiht wurde, und
  • St-Nicolas (St. Nikolaus), im 14. Jahrhundert  neu errichtet


Im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit, insbesondere im 16. Jahrhundert, in einer Epoche eines regen geistigen Lebens, wurde Straßburg zu einem Mittelpunkt humanistischen und reformatorischen Gedankenguts. Dessen Inhalte fanden durch die Erfindung des Buchdrucks, den Gutenberg im Rahmen seines Straßburgaufenthaltes entwickelte, eine größere Verbreitung. Erhalten sind auch schöne Renaissancebauten wie die frühere Grande Boucherie ("Große Metzig", heute Historisches Museum), die Industrie- und Handelskammer, das Kammerzell-Haus, die Hostellerie du Corbeau, und vor allem auch das Gerber- und Müllerviertel, „Petit France“ genannt, mit seinen Fachwerkhäusern, Dachschrägen und den Bogenspeichern.

Mit der Annexion durch Frankreich 1681 ging eine bedeutende politische, aber auch religiöse und geistig-ästhetischen Neuerung einher. Straßburg verlor zwar größtenteils seinen autonomen Status, wurde aber Regionalhauptstadt, da die Hohe Militärkommandatur und die Militärintendantur Elsaß unter anderen hier ihren Sitz nahmen. Mit unvorstellbarem Prunk wurde die Ankunft von Ludwig XV. und von Marie-Antoinette in Straßburg gefeiert. Mozart gab hier eine Reihe von Konzerten, und Goethe war einer der berühmtesten Studenten der bedeutenden Straßburger Universität. Im Angesicht des Münsters kam er zu einer Neubewertung der ehemals verachteten gotischen Baukunst.

Überall in der Stadt wurden schmucke Patrizierhäuser im Pariser Stil erbaut. Viele dieser Stadtresidenzen liegen im Bereich der Place Broglie und der Rue Brûlée: das Hôtel Klinglin (heute Hôtel des Präfekten), Hanau-Lichtenberg (heute das Rathaus), das Hôtel de Deux-Ponts (Palais Zweibrücken, heute Sitz des Militärkommandeurs), das Hôtel du Grand Doyenné (derzeit bischöfliches Palais). Aber das unzweifelhaft schönste und prächtigste Bauwerk ist das Rohan-Palais, das nach den Plänen von Robert de Cotte, einem der Architekten von Versailles, erbaut wurde und seinen Namen der Dynastie von Fürstbischöfen verdankt, die hier bis 1789 ihren Sitz hatten.

Chateau des Rohan von der Münsterplattform aus gesehen
Chateau des Rohan von der Münsterplattform aus gesehen. Bild: OT Strasbourg

Dennoch blieb Straßburg in weiten Teilen eine deutsch geprägte Stadt mit festen deutschen Traditionen.

Die Revolution von 1789 sowie die napoleonischen Kriege trugen zur weiteren Integration Straßburgs in die französische Nation bei. Hier komponierte Rouget de l'Isle 1792 das Lied der französischen Rheinarmee, das später die Nationalhymne Marseillaise werden sollte !

Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 bestanden die deutschen Nationalisten um Kaiser Wilhelm I., vor allem aus den Kreisen der Armee, auf einer Annexion des Elsass und der Stadt Straßburg, nachdem die Stadt zu Beginn des Krieges durch preußisches Bombardement unter anderen ihre wertvolle Universitätsbibliothek verloren hatte. Das Elsass erhielt allerdings nicht den Status eines Bundeslands, sondern wurde als „Reichsland“ unmittelbar vom Reich verwaltet.

Die Zeit der Zugehörigkeit zum deutschen Reich (1871-1918) ist durch eine umfassende Stadterweiterung in Richtung Nord-Ost, sowie einen architektonischen Stil, der den historischen Eklektizismus des Endes des 19. Jahrhunderts wiederspiegelt, gekennzeichnet: offiziell-repräsentative Bauten (Palais du Rhin, Präfektur, Bibliothek, Universität), Kirchen St-Paul und St-Maurice, zahlreiche Schulen und einige schöne Fassaden zeugen von der kurzen Blüte des Jugendstils um die Jahrhundertwende.

Palais du Rhin, der ehemalige kaiserliche Palast
Palais du Rhin, der ehemalige Kaiserpalast, an der Place de la Republique

Straßburg ist, wie Le Corbusier sagte, eine Stadt "die zu wachsen wusste". Es gilt für das Stadtviertel, das die europäischen Institutionen beherbergt – das beeindruckende Palais d’Europe (1975), das Palais der Menschenrechte (1995), und seit 1999 auch das neue Gebäude des Europaparlaments. Straßburg ist eine Metropole europäischer Größenordnung, die sich zugleich den Charme einer lebenslustigen Stadt bewahren konnte.

Textvorlage: OT Strasbourg, überarbeitet.

Didaktik
Vorschläge zur unterrichtlichen Umsetzung

Quartier de l'Europe
Institutionen und Gebäude des Europa-Viertels

Wohnhausarchitektur: Die Grand Rue
Lerngang durch die Grand Rue

Jung St. Peter (St. Pierre le Jeune)
Besuch der Kirche Jung St. Peter (St. Pierre le Jeune)

Das Straßburger Münster
Kurze Charakterisierung des Straßburger Münsters

Die Struktur der mittelalterlichen Stadt: Kirchen
Kurze Beschreibung der drei wichtigsten Kirchen in Straßburg

Ponts Couverts und Barrage Vauban
Festungswerke: Ponts Couverts und Barrage Vauban

Das Gerberviertel (Petit France)
Touristisches Highlight: Petit France

Das Kaiserliche oder Deutsche Viertel
Weitgehend unbekannt: Die Stadterweiterung der deutschen Zeit mit Bauten des Historismus und des Jugendstils

Karte: Straßburg im Mittelalter
Karte mit Einzeichnung der historischen mittelalterlichen Stätten der Stadt Straßburg

Informationen
Informationen zum Besuch Straßburgs

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