Burgen im Mittelalter
Burgenkunde in Kürze
Man unterscheidet bei Burgen zunächst grundsätzlich zwischen Höhenburgen und Niederungsburgen. Erstere nutzen den Geländevorteil von Steillagen und dienen auch soziologisch zur ständischen Abschichtung vom gemeinen Volk, letztere bedienen sich des natürlichen oder durch Kanäle herbeigeleiteten Wassers zur Schaffung der für die Verteidigung notwendigen Distanz.
Die gebräuchlichsten Typen der Höhenburgen wiederum sind Gipfelburg und Spornburg. Während – wie der Name schon sagt – erstere die Gipfellage und damit die allseitig schützende Geländeformation nutzen, liegen letztere, auch „Abschnittsburgen“ genannt, auf einem „Sporn“ genannten Ausläufer eines Bergs und haben nur zwei bis drei natürliche Verteidigungslinien. Hier musste beim Bau der Burg die Verbindung zum Berg durch die Anlage eines künstlichen Grabens („Halsgraben“) getrennt werden.
Während Gipfelburgen meist durch eine gleichmäßig rundum laufende Mauer um das Areal geschützt sind, wurde bei Spornburgen die Grabenseite meist durch eine betontere Schildmauer besonders geschützt.
Besondere Beachtung verdient der Turm, der so genannte Bergfried. Er steht bei älteren Anlagen noch mitten im Burghof, rückt aber besonders bei Spornburgen an die Grabenseite, wo er die Schildmauer verstärkt. Die Frage, zu was der Turm diente, ist so alt wie die moderne Burgenforschung. Meist wird er als letztes Refugium angesehen oder als Möglichkeit, noch die Krone der umgebenden Mauer beschießen zu können. Grundsätzlich stellt er jedoch ein Symbol der männlich orientierten Macht und Potenz dar, das weithin ins Land ausstrahlte. Burgen, deren Bauherr auf den Turm verzichtete, haben statt dessen ein „Hohes Haus“, einen mehrstöckigen geräumigeren Wohnturm.
Die Anordnung der übrigen Gebäude folgt den topografischen Gegebenheiten des Geländes und ordnen die Gebäude entweder frei im Hof oder entlang der Mauer an. Da bei Spornburgen die definierte Angriffsseite auch meist die Schauseite ist, verstärkt das auf dieser Seite errichtete Wohngebäude mit seinem massiven Untergeschoss den gleichermaßen abweisenden wie repräsentativen Eindruck. Der andere Fall, dass der Palas auf die dem Angriff abgewandte Seite verlegt wird, ist jedoch ebenso oft zu finden.
Der mittelalterlichen Definition des Adels als Krieger, als politischer Herren ihres Landes und als Wirtschaftsfaktor entsprechend sind diese drei Funktionen in einer Burg vereint. Turm und Mauer erfüllen Verteidigungsaufgaben, der Palas dient dem repräsentativen Wohnen, und die Wirtschaftsgebäude der Aufrechterhaltung des alltäglichen Betrieb und der Sammlung der bäuerlichen Abgaben. Je nach Größe der Anlage kann der Wirtschaftsbetrieb in eine minder befestigte Vorburg ausgelagert werden.
Im Lauf der frühen Neuzeit werden diese Funktionen getrennt: Die militärischen
Aufgaben werden in die großzügig geplante Festung verlegt, während
das Schloss die Aufgabe des Wohnens und der Repräsentation übernimmt.