Das Federseemuseum Bad Buchau
1.2 Geschichte |
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Vom Beginn der Besiedlungsgeschichte um 16.000 v. H. (Rentierjägerlager an der Schussenquelle) über mittelsteinzeitliche Stationen bis in die Jungsteinzeit am Federsee (bis 5.000 v. H. ) spannt sich der museumspädagogische Bogen für Schüler. In Führungen für Erwachsene oder auf speziellen Wunsch auch für Schüler wird die Bronzezeit am Federsee thematisiert. Regelmäßige Sonderausstellungen ermöglichen Einblicke in aktuelle Themen der Archäologie.
Der Federsee entstand durch die letzten zwei großen Eiszeiten: die Riss-Eiszeit und die nachfolgende, weniger kalte Würm-Eiszeit. Der Rheingletscher schob damals mit seiner Gletscherzunge Schotter und Sand bis weit in die offene Tundrenlandschaft. Die Moränen (Wälle aus Alpenschotter) markieren die Vorstöße des Gletschers und bilden die nördlichen und südlichen Begrenzungen des Federseebeckens. Nach der Erwärmung des Klimas vor rund 15.000 Jahren füllte sich dieses Becken mit Schmelzwasser. Der Ur-Federsee war damals ein etwa 30 qkm großer, flacher See, der rasch natürlich verlandete. Der heutige Federsee hat eine freie Wasserfläche von 1,4 qkm. An der Schussenquelle (südlich des Federseerieds) lagerten vor rund 16.000 Jahren, also gegen Ende der Altsteinzeit, Rentierjäger. Rentierknochen und Feuersteinabschläge (Klingen) wurden an diesem Schlachtplatz gefunden. Die mobilen Jäger lebten in Zelten, wärmten sich am Lagerfeuer, stellten passende Fell- und Lederbekleidung her und jagten mit der Speerschleuder, einer genialen Erfindung des Homo sapiens. Mittelsteinzeitliche Lagerplätze zeigen als typisches Inventar sogenannte Mikrolithen. Das sind kleine Feuersteinabschläge, die geschäftet z. B. als Harpune oder als Pfeil, aber auch als Messer mit Griff genutzt werden konnten. Ein früher Beweis für den Fischfang am Federsee ist eine Querangel (die noch im Köderfisch steckte, welcher von einem Hecht verschluckt wurde). Da mit der Klimaerwärmung nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren bei uns eine dichte Bewaldung einsetzte, hatte die Speerschleuder ausgedient (sie wird auch heute nur in offenen Landschaften oder auf dem Meer eingesetzt, z. B. von den Aborigines oder den Inuit). Dafür nutzten die mittelsteinzeitlichen Jäger Pfeil und Bogen. Die Jungsteinzeit wird durch einen Wandel vom umherstreifenden Jäger und Sammler zum sesshaften Ackerbauern und Viehzüchtern gekennzeichnet. Da dieser Wandel mit einschneidenden Änderungen einherging spricht man von der "jungsteinzeitlichen (neolithischen) Revolution". Die neue Lebensweise breitet sich ausgehend vom Vorderen Orient aus und erreicht um 5.500 v. Chr. Deutschland. Um 4.500 v. Chr. finden sich die ersten Siedlungen im Federseegebiet. Mit dem Kulturpaket "Tierzucht, Ackerbau, Hausbau, Keramikherstellung und Steinschliff (z. B. der Beile)" beginnt auch am Federsee eine neue Epoche. Hervorragend erhaltene Funde und rekonstruierte Häuser im archäologischen Freigelände vermitteln die Zeit der "Pfahlbauern" sehr anschaulich. Einzigartig sind sehr frühe Leintextilfunde mit Hinweis auf Spezialisierung bereits am Ende der Jungsteinzeit und Radfunde, die zu den ältesten Rädern der Welt gehören. Die Bronzezeit bringt mit dem neuen Werkstoff und den gesellschaftlichen Veränderungen (Stratifizierung, Spezialisierung) größere und befestigte Siedlungen am Federsee hervor, die Kontakte bis zum Baltikum haben. |
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