Die Kelten im Südwesten Deutschlands
Die Herkunft der Kelten ist bis zum heutigen Tag nicht
restlos geklärt. Sicher ist, dass sie zum großen Kreis der indoeuropäischen
Völkerschaften gehörten, wie auch die Germanen, die Griechen, die Slawen
und andere. Ob diese Völker eine gemeinsame Urheimat hatten, bleibt
indessen ein Rätsel. Archäologische Befunde bestätigen aber seit langem,
dass Süddeutschland, Österreich, die Schweiz und Ostfrankreich die ältesten
Sitze der Kelten waren. Bezieht man die vorhistorische Ausbreitung und
historische Wanderungen mit ein, so wird eine nahezu gesamteuropäische
Dimension der keltischen Besiedlung deutlich.
Bild aus: Oberschulamt Tübingen (Hrsg.), Kelten und Römer
an der Oberen Donau. Pädagogische Handreichung für den Besuch der Keltenmuseen
Heuneburg und des Römermuseums Mengen-Ennetach, Tübingen 2004, S. 17.
Eine weitere Karte findet sich auf der Seite der
Medienwerkstatt
online
(15.07.2011).
a) Schriftliche Quellen
Griechischen und römischen Schriftstellern verdanken wir die
ältesten Zeugnisse über die Kelten. Zahlreiche Ausgrabungen und
sprachwissenschaftliche Forschungen sind Quellen, die Auskunft über die
Kelten geben, denn die Kelten selbst haben nur ganz wenige schriftlichen
Zeugnisse hinterlassen.
Die ältesten erhaltenen Erwähnungen der Kelten finden wir bei Hekataios
von Milet und bei Herodot aus Halikarnassos. Beide Griechen lebten,
reisten und schrieben in der Zeit vom späten 6. bis in die zweite Hälfte
des 5. Jahrhunderts vor Christus.
Hekataios berichtet in seiner Erdbeschreibung von Kelten, die
nördlich der Alpen siedelten. Von ihm ist die Bezeichnung "Kelten" für
die Stämme nördlich der Alpen übernommen worden. Man geht davon aus,
dass sich die frühen Kelten selbst so nannten und dass der Name wohl
"die Kühnen" bedeutet.
Herodot berichtet in seinem Geschichtswerk von der Donau und den
Kelten: "Die Donau entspringt im Lande der Kelten nahe der Stadt Pyrene
und fließt mitten durch Europa. Die Kelten aber wohnen jenseits der
Säulen des Herakles, den Kynesiern benachbart, den am weitesten im
Westen beheimateten Bewohnern Europas." (Herodot II 33). Bei der Stadt
Pyrene handelt es sich vielleicht um den frühkeltischen Fürstensitz
Heuneburg (in der Nähe der heutigen Ortschaft Herbertingen-Hundersingen
in Oberschwaben).
Die zweite große schriftliche Quelle für die keltische Geschichte sind
die Berichte, die Gaius Julius Caesar über seine Eroberung
Galliens 58 - 52 vor Christus in den Commentarii de Bello Gallico
verfasst hat. Seine Berichte über die Sitten und Gebräuche der Gallier
(= lateinische Bezeichnung der Kelten) und Germanen prägen bis heute
unser Bild der stolzen, unbeugsamen Kelten, wie sie in Asterix und
Obelix beschrieben werden. Dadurch sind die Kelten und ihre Kultur in
der Zeit von 450 bis 15 vor Christus vergleichsweise gut beschrieben.
b) Archäologische Funde und zeitliche Dimension
Im Gegensatz zu Perioden der Frühgeschichte unseres Landes deren
ethnische Zugehörigkeit zu zeitlich festliegenden Begriffen, wie "Römer"
oder "Alamannen" gesichert ist, ist die Frage, wie weit zurück man in
unserem Gebiet mit Sicherheit von Kelten sprechen kann, nicht eindeutig
zu beantworten. Die Anwesenheit keltischer Bevölkerung oder keltischer
Kultur von der Zeit der ersten Erwähnung bei Hekataios bis zu den
Berichten von Caesar ist nur durch archäologische Funde zu belegen. Die
Archäologen untergliedern das Fundmaterial - in erster Linie Keramik und
Trachtgegenstände - in verschiedene Stufen, die den Zeitraum von der
späten Bronzezeit bis zur Eroberung und Unterwerfung der Kelten durch
die Römer einnehmen. Dieser Zeitraum beginnt etwa um 1200 vor Christus
und wird in drei große Kulturabschnitte unterteilt, die wir heute als
Urnenfelder, Hallstatt- und Latènezeit bezeichnen. Die Urnenfelderzeit
(ca. 1200 - 750 v. Chr.) , zu der auch die Stufen Hallstatt A und B
gerechnet werden, umfasst die späte Bronze- und frühe Hallstattzeit
(Stufen A und B). Der Name leitet sich von der Bestattungssitte ab: die
Toten wurden verbrannt und in Urnen bestattet.
Mit den Stufen C und D beginnt die eigentliche Hallstattzeit (ca.
750-450 v. Chr.), die nach dem großen Gräberfeld bei Hallstatt im
Salzkammergut (Österreich) benannt ist. Sie wird als frühkeltische oder
ältere Eisenzeit betrachtet und ist durch die auch in Baden-Württemberg
vorkommenden Fürstengräber charakterisiert. Die Latènezeit (ca.
450 - 15 v. Chr.) ist nach dem Fundort Latène am Nordufer des
Neuenburger Sees in der Westschweiz benannt und steht für die jüngere
Eisenzeit.
c) Fundorte in Baden-Württemberg
Das heutige Baden-Württemberg ist Teil des ehemaligen keltischen
Kernlandes. Entsprechend zahlreich sind archäologische Funde und
Ausgrabungen. Geeignete Lernorte wie Grabhügel, Fürstensitze oder
Siedlungen sind daher fast in allen Landesteilen vorhanden. Für die
frühkeltische Zeit ist die Seite des Forschungsprojekts der DFG
www.fuerstensitze.de zu empfehlen, für Keltenstätten allgemein die
neuen Seiten des Vereins KeltenWelten:
www.verein-keltenwelten.de in dem sich die deutschen Keltenstätten
zusammenschließen.
Für Lernexkursionen besonders hervorzuheben sind die anschaulich
gestalteten und teilweise rekonstruierten Grabungsstätten und Museen von
71735 Hochdorf/Enz und 88518 Hundersingen (Gemeinde Herbertingen).
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