Anlage
Im Keltenmuseum Hochdorf ist etwas verwirklicht, das viele historisch
Interessierte zum Schwärmen bringt - der Besucher kann sich auf Zeitreise
begeben. Herzstück der modernen Konstruktion, die viele Details des Hügelbaus
in moderner Formensprache aufnimmt, ist die nachgebaute Grabkammer des
Keltenfürsten. Hier, unter der Erde, am Rand der Kammer stehend, kann man sich
in ferne Vergangenheit zurück versetzen, in die letzten Jahrzehnte des 6.
Jahrhunderts v. Chr., als der vornehme Tote standesgemäß seine letzte Ruhe
fand. Eichenbohlen umschließen einen Raum von 7,5 x 7,5 m, Boden und Wände sind
mit Stoffen verhüllt. Ein mächtiger, goldglänzender Bronzekessel, der 500 l
Inhalt fassen konnte - der berühmte Hochdorfer Löwenkessel - steht bereit.

Kopie des Bronzekessels mit einem Fassungsvermögen von 500
Litern
© Keltenmuseum Hochdorf/Simone Stork
Er enthielt Honigmet, Getränk für eine Festrunde von neun Personen. An der
Kammerrückwand hängen acht Trinkhörner aus Auerochsenhornscheiden, vorbereitet
für die Gäste des Gelages, daneben das schwere, goldgeschmückte Eisentrinkhorn
des Fürsten.
Die Größe der Kammer wurde von den Ausmaßen eines Wagens bestimmt, der mitsamt
der Deichsel gerade darin Platz findet. Er ist mit über 1300, zumeist
verzierten Eisenbeschlägen versehen worden - für seine Zeit ein Prunkfahrzeug
von außerordentlichem Wert. Auf dem Wagenkasten ist Bronzegeschirr gestapelt
und das geschmückte Zaumzeug für ein Pferdegespann niedergelegt.
Bei dem Toten handelt es sich um einen Mann in den Vierzigern von
ungewöhnlicher Körpergröße. Es ist ein eigenartiges Möbel, auf das man ihn im
Grab gebettet hatte, ein Liegesofa aus Bronzeblech, verziert mit eingepunzten
Darstellungen von Kriegern und Wagenfahrern. Acht aus Bronze gegossene
Frauenfiguren tragen die Sitzfläche. Sie sind auf Rädern montiert, damit die
Liege einfach hin- und hergerollt werden konnte.
Der Tote trug einen breiten, fein verzierten Goldhalsreif. Vieles spricht
dafür, dass Halsreifen wie dieser als Standesabzeichen angesehen wurden. Andere
Teile der Goldausstattung waren eigens für die Grablege gefertigt worden,
Schuhbeschläge, Armreif, Gürtelblech, Fibeln, der Dolchüberzug. Im und neben
dem Hügel aufgefundene Abfälle und Halbfabrikate zeigen, dass ein Teil des
Totenschmucks direkt am Ort hergestellt worden war.

Rekonstruktion der gefundenen "Schlangenfibel", eines
Gewandhalters
© Keltenmuseum Hochdorf/Simone Stork
Zum ersten Mal gelang es, einen Hut aus Birkenrinde zu identifizieren. Er lag
am Kopfende der Liege im Verband mit einem eisernen Rasiermesser. Drei
Angelhaken, die der Fürst in einem Beutel bei sich hatte und ein Köcher mit
Pfeilen weisen womöglich auf seine Passion für Angeln und Jagen hin.
Dass wir diesen Prunk heute wieder vor Augen haben können, verdanken wir der
Leistung von Spezialisten, die es vermochten, in Tausenden von Arbeitsstunden
die Originalfundstücke zu kopieren, um ihr ehemaliges Aussehen, ihren Glanz
wieder erstehen zu lassen. Alle Objekte wurden ohne Zuhilfenahme moderner
Technik gearbeitet. So gelang es, viele Hinweise auf antike Herstellungsweisen
wieder zu entdecken. Das Museum zeigt beispielsweise eine nachgebaute keltische
Schmiedewerkstatt, informiert über die Goldschmiedetechnik der Zeit und über
hoch spezialisierte Weberei.

Nachbau einer keltischen Schmiedewerkstatt
© Keltenmuseum Hochdorf/Simone Stork
Die Verbreitung zeitgleicher Fürstengräber, die man in Grabsitte und
Ausstattung mit dem von Hochdorf vergleichen könnte, umschreibt einen Raum bis
in die Schweiz und nach Ostfrankreich hinein.
In der Regel nehmen die Großgrabhügel Bezug auf befestigte Höhensitze. Einige
davon, in Baden-Württemberg als prominentes Beispiel natürlich die Heuneburg
bei Riedlingen in Oberschwaben, sind ergraben und geben uns eine gewisse
Vorstellung von Aussehen solcher Mittelpunktsorte. Für unser Gebiet liegt es
nahe, auf dem Hohenasperg ein entsprechendes frühkeltisches Zentrum zu
vermuten, jedoch haben hier die jüngeren Überbauungen alle antiken Spuren
zerstört.
In den Sommermonaten veranstaltet das Keltenmuseum in seinem Freibereich an
vielen Wochenenden Sonderaktionen, bei denen die Besucher in authentischer
Umgebung keltisches Handwerk kennen lernen können. Die wissenschaftlichen
Grabungsergebnisse, die man im Museum erläutert sieht, werden so wieder ins
Leben umgesetzt.
Autorin: Simone Stork, Leiterin des Keltenmuseums
- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Stuttgart -