Exkurs: Burgentypen im nordwestlichen Baden-Württemberg
Autor: Nicolai Knauer (Heilbronn)
1.
Entwicklungsgeschichte
2. Fliehburgen
3. Motten
4. Salierzeitliche
Turmburgen
5. Die Höhenburg
der Stauferzeit
6.
Niederungsburgen und Stadtburgen
7. Schildmauerburgen
8.
Spätmittelalterliche Wohnturmburgen
9.
Weiterführende Informationen/Links
Bilderübersicht
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1. Entwicklungsgeschichte
Neben den Kirchen gehören die mittelalterlichen Burgen unzweifelhaft zu den
beeindruckendsten Denkmälern unseres Landes. Kaum jemand kann sich der Aura
dieser teils weithin sichtbaren Landmarken entziehen. Die alten Wehrbauten
waren im Verlauf der Jahrhunderte ständigen Veränderungen unterzogen - Reaktion
auf politischen, gesellschaftlichen und fortifikatorischen Wandel. Im Folgenden
soll diese Entwicklung über den Zeitraum eines halben Jahrtausends anhand von
Beispielen aus dem Gebiet zwischen Rhein und Neckar, Odenwald und Schwarzwald
aufgezeigt werden.
Die alles zerstörende Feuerkraft der Artillerie des 16. Jh. bedeutete das Ende
des Burgenzeitalters. Der Adelssitz entledigte sich daraufhin seiner wehrhaften
Elemente und wurde zum unbefestigten, repräsentativen Schloss der Neuzeit.
2. Fliehburgen
Die Fliehburg, auch "Volksburg" genannt, ist eine Bauform, die praktisch zu
allen Zeiten und in fast jedem Kulturkreis vorkommt. Ein meist großflächiger,
exponierter Platz wurde durch Wälle und Gräben gesichert und bot der
umliegenden Bevölkerung in Notzeiten Schutz. Oft übernahmen die nachfolgenden
Generationen und Volksgruppen die strategisch günstigen Plätze, hielten sie in
Stand oder bauten sie weiter aus. In unseren Breiten findet man nicht selten
Besiedelungsspuren der Kelten und Römer in den bis ins Hochmittelalter hinein
genutzten Anlagen. Beispiele von Fliehburgen sind der Michaelsberg in Cleebronn
(Kr. Heilbronn), der Otilienberg bei Eppingen (Kr. Heilbronn) und vielleicht
auch der Hühnerberg bei Haßmersheim (Neckar-Odenwald-Kreis).

Der Michaelsberg bei Cleebronn war schon in vorchristlicher
Zeit besiedelt. Im Mittelalter entstand im Osten des Plateaus ein Kloster und
im Westen die Burg Obermagenheim.
© Nicolai Knauer
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Eine Fliehburg musste einer größeren Anzahl von Personen und ihrer wichtigsten
Habe Platz bieten. Sie war nicht ständig besiedelt. Darum hält sich das
Fundmaterial oft stark in Grenzen, was eine archäologische Datierung solcher
Anlagen sehr erschwert. Auch urkundliche Erwähnungen fehlen auf Grund der
frühen Entstehungszeit normalerweise völlig und die Interpretation der
Baulichkeiten dieser über Jahrtausende kaum veränderten Bauform ist ebenfalls
müßig. Zu den jeweiligen Anlagen gibt es meist so viele Interpretationen wie
Autoren. Mit einem hochmittelalterlichen Adelssitz hat die Fliehburg nur die
Wehrfunktion gemeinsam.

Wahrscheinlich kann man auch die sogenannte "Frankenschanze"
unterhalb der Heuchelberger Warte bei Leingarten (Kr. Heilbronn) in diese
Rubrik einreihen. Der ca. 85 x 65 m große Ringwall ist ganz in der Art und
Weise einer Fliehburg errichtet. Aufgrund von Keramikfunden des "Typs Stetten"
lässt sich aber feststellen, dass die Anlage möglicherweise bis ins frühe 12.
Jh. hinein genutzt wurde. Sollte es sich um einen frühen Adelssitz des 11. Jh.
handeln, so hätte er mit Sicherheit aufgrund seiner Größe zentrale Bedeutung
besessen.
© Nicolai Knauer
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die noch gut erkennbaren Wälle und Gräben der "Frankenschanze"
bei Leingarten
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Kurzporträt Harchenburg:

Blick von Schwaigern (Kr. Heilbronn) Richtung Südosten zur Harchenburg und den Höhen des Heuchelberges
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Lage: Heuchelberg; Leingartener Gemarkung; auf Bergsporn zwischen Schwaigern
und Neipperg
Größe: ca. 140 x 60 m
Entstehungszeit: unbekannt; evtl. in der Zeit der Ungarneinfälle angelegt
Archäologie: kein Fundmaterial trotz mehrerer archäologischer Untersuchungen
(1957 mehrere Längs- u. Querschnitte, 250 Bohrstock-Sondagen), weder Palisaden-
noch Mauerreste, keine Feuerstellen, was stark auf eine offensichtlich nie
benutzte Fliehburg hinweist.
Urkundliche Erwähnung: 1444 Hohenburg
Heutige Nutzung: Waldgebiet

Grundriss der Harchenburg
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Beschreibung:
Die Anlage ist mit Wall und Graben gesichert. Nach drei Seiten fällt das
Gelände steil ab. Nur ein schmaler Weg führt entlang des Bergrückens zum
befestigten Plateau am Sporn des Heuchelberg-Ausläufers. Das Areal wird etwa
mittig von einem weiteren Graben durchtrennt. Ein anschließender, weiterer Wall
schützt zusätzlich die hintere Hälfte, die wohl das letzte Refugium der
Harchenburg darstellte.

Der innere Graben und Wall der Harchenburg teilen die Anlage in
etwa zwei Hälften.
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Blick vom äußersten Spornende des Plateaus der Harchenburg
hinunter ins Tal
© Nicolai Knauer
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3. Motten
Am Ende der ottonischen und am Anfang der salischen Ära beginnt der Adel ein
neues Bewusstsein zu entwickeln und distanziert sich in verschiedener Weise
immer mehr vom gemeinen Volk. Aus architektonischer Sicht zeigt sich dies durch
die Erbauung erhabener Wohnsitze, die abgesetzt von den alten Ansiedlungen
entstehen.

Die Abbildung (Umzeichnung Teppich von Bayeux, 2. Hälfte 11. Jh.)
zeigt einen mit Graben umgebenen Mottenhügel, der eine komplexe hölzerne
Bebauung trägt. Man ließ offensichtlich Schafe am Hang weiden, um den Bewuchs
zurück zu halten und vermutlich, wie noch heute bei den Deichen üblich,
Beschädigungen durch Wühlmäuse zu verhindern.
Da sich an keiner Stelle die ursprüngliche Bebauung eines Mottenhügels bis in
die heutige Zeit, abgesehen von einigen Grundmauerresten, erhalten hat, ist man
größtenteils auf die Interpretation der seltenen Darstellungen angewiesen.
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Zu den ersten Bauformen dieser befestigten Adelssitze in Mitteleuropa gehört
die "mota" - die Motte. Sie besteht aus einem künstlich aufgeschütteten Hügel
oder einem versteilten Felskern, der ein meist hölzernes Gebäude trug.
Teilweise erbaute man auch einen Turm auf dem gewachsenen Boden, der mit dem
Aushubmaterial des ihn umgebenden Grabens "eingemottet" wurde. In der Frühzeit
konnte eine Motte - einem späteren Bergfried ähnlich - auch nur als Aussichts- und
Wehrplateau dienen, während sich die Wohnung des Burgherrn im ebenerdigen Hof
unterhalb befand. Für gewöhnlich existierte aber schon ein Wohnturm auf der
Motte als deutliches Symbol des hohen Ranges seines Bewohners und als sichere
Behausung. In Ermangelung exponierter Plätze findet man Motten zumeist im Tal,
es gab aber auch "Bergmotten".
Beispiele sind Rotenbrunnen bei Schwaigern-Stetten (Kr. Heilbronn), Burg
Hohenhardt bei Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) und Burg Stein bei Königsbach
(Enzkreis).

Motte Gündelbach bei Vaihingen/Enz (Kr. Ludwigsburg)
© Nicolai Knauer
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Am Rotenbrunnen bei Schwaigern-Stetten gab es gleich mehrere
Anlagen aus unterschiedlichen Zeiten. Während man bei Weinbergumlegungen die
stauferzeitliche Burg komplett beseitigt hat, ist der Mottenhügel einer
früheren Anlage noch deutlich erkennbar.
© Nicolai Knauer
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Motte bei Ubstadt-Weiher (Kr. Karlsruhe)
© Nicolai Knauer
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Der Turm der Burg Stein bei Königsbach steht auf einem markanten
Hügel, der teilweise aufgeschüttet oder zumindest künstlich versteilt wurde.
© Nicolai Knauer
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Kurzporträt Wigoldesberg:

Ansicht der Großmotte Wigoldesberg bei Östringen-Odenheim (Kr.
Karlsruhe) von Osten. Zur Aufschüttung des gewaltigen Hügels mussten tausende
Kubikmeter Erde und Geröll bewegt werden.
© Nicolai Knauer
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Lage: auf dem Greifenberg (wahrscheinlich von Grafenberg); zwischen Eichelberg
und Odenheim
Größe: Gesamtanlage ca. 200 x 50 m
Entstehungszeit: vermutlich am Ende des 10. Jh.
Archäologie: kein Fundmaterial bekannt
Urkundliche Erwähnung: 1123 wird vermutlich auf dem Burgareal das Kloster "Wigoldesberg"
gegründet.
Heutige Nutzung: Waldgebiet

Grundriss der Burg Wigoldesberg
© Nicolai Knauer
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Beschreibung:
Ein flach eingeebnetes Areal von ca. 100 x 50 m entlang des Bergrückens bildete
wahrscheinlich einst die Vorburg oder trug gar einen kleinen Burgweiler. Den
Abraum benutzte man sicherlich zur Aufschüttung der daran anschließenden Motte,
deren Plateau von etwa 80 x 25 m die Vorburg um gut 8 m Höhe überragt. Das
langgezogene Oval wird im Osten und Westen von von sichelförmigen Gräben und
Wällen umschlossen, welche zur Mitte der Längsseiten hin auslaufen. Im
Nordwesten befindet sich am Mottenhang ein wenige Meter breiter zwingerartig
vorgelegter Absatz. Ein weiterer auf der gegenüberliegenden Seite, der von der
Vorburg her ansteigt und in das Plateau einschneidet, könnte mit dem einstigen
Aufgang zu tun haben. Die letzten 10 m der Ostspitze des Areals sind markant
erhöht. Vielleicht war hier, die Vorburg beherrschend und im Zentrum der
Gesamtanlage, der Wohnturm platziert. Ein begonnener Graben im Westen der
Erhöhung könnte von einer archäologischen Untersuchung aus dem 19. Jh. stammen.
Wigoldesberg befindet sich genau an der Grenze des Kraich- und Elsenzgaues. Da
die Grafschaften der beiden Gaue im 11. Jh. von der gleichen Familie verwaltet
wurden, liegt nahe dass es sich bei der frühen Anlage um die erste Grafenburg
des Gebietes handelt.

Burg Wigoldesberg: Blick auf einstige Vorburg
© Nicolai Knauer
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4. Salierzeitliche Turmburgen
Parallel zu den Motten begann der Hochadel, anfangs natürlich nur mit
Genehmigung des Königs, kurz nach dem Jahrtausendwechsel an exponierten Plätzen
Steintürme zu errichten, welche meist die Wohnung des Burgherrn enthielten. Es
ist durchaus denkbar, dass im 11. Jh. auch so mancher hölzerne Turm noch den
Ansprüchen der hohen Adeligen genügte. Das vergängliche Baumaterial ist jedoch
wesentlich schwerer nachzuweisen und somit kein konkreter Fall im
Untersuchungsgebiet bekannt.
Auch von den Steintürmen haben sich oft nur wenige Reste erhalten, so dass
deren Gestalt nur im Vergleich mit den wenigen Anlagen, die noch aufgehendes
Mauerwerk besitzen, rekonstruiert werden kann.
Teilweise war der Wohnturm von einer engen steinernen Mauer umgeben, die einen
Kernburgbereich von der Vorburg, dem Wirtschaftshof, abgrenzte. Ein Merkmal der
frühen Burgen sind Ring- oder Sichelgräben im Gegensatz zu den meist gerade
verlaufenden Halsgräben der Burgen in der späteren Stauferzeit.
Oft wurden die salierzeitlichen Bauten in späteren Zeiten bis zur
Unkenntlichkeit überformt, so dass vermutlich so manche stauferzeitliche Burg
ältere Vorgängeranlagen überdeckt. Turmburgen des 11. und frühen 12. Jhs.
befanden sich z. B. bei Aglasterhausen (Neckar-Odenwald-Kreis) in der Nähe des
Weilerhofes, bei Bretten (Kr. Karlsruhe) im "Burgwäldle", auf dem Turmberg bei
Karlsruhe-Durlach, in Karlsbad-Langensteinbach (Kr. Karlsruhe),
Pfinztal-Kleinsteinbach (Kr. Karlsruhe) und höchstwahrscheinlich hatte auch die
salierzeitliche Burg Steinsberg bei Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) ursprünglich
einen Wohnturm.

"Burgwäldle" Bretten; Reste des salierzeitlichen Wohnturmes der
großflächigen Burganlage, die höchstwahrscheinlich als Grafensitz des
Kraichgaus diente.
© Nicolai Knauer
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Überrest des mächtigen Wohnturmes der Turmburg Langensteinbach
mit Mauerstärken von 3,50 - 3,70 m
© Nicolai Knauer
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Ecke des achteckigen Wohnturms der sogenannten Burg "Hundheim"
bei Neckarsteinach-Neckarhausen (Kr. Bergstraße/Hessen) aus dem 11. oder frühen
12. Jh.
© Matthias Klefenz
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Kurzporträt Burg Lauffen (Kr. Heilbronn):

Die Inselburg der Grafen von Lauffen. Blick von Südsüdwest über
den Neckar
© Nicolai Knauer
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Lage: Neckarinsel zwischen dem Dorf und dem "Städtle"; durch künstlichen
Einschnitt vom Ufer abgetrennt
Größe: ca. 100 x 30 m
Entstehungszeit: kurz nach 1003
Archäologie: keine Funde bekannt
Urkundliche Erwähnung: 1067 ("Heinricus de castro quod Loufe dictur")
Heutige Nutzung: Rathaus der Stadt Lauffen; im Wohnturm seit 2006 Museum "Die
Grafen von Lauffen und ihre Burg"

Rekonstruktion des mittelalterlichen Grundrisses des Lauffener
Wohnturms
© Nicolai Knauer
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Beschreibung:
Aus der Gründungsphase blieb der gesamte, ca. 12 m hohe steinerne Sockel des
Wohnturms erhalten, der ursprünglich in zwei Etagen unterteilt war. Darüber
befand sich mit Sicherheit mindestens noch ein hölzernes Geschoss. Der einstige
Eingang lag in 6 m Höhe auf der Ostseite. Das Erdgeschoss war nur von oben her
zugänglich. Nach Norden war der Turm mit einem Anbau ausgestattet, was für
Wohntürme des 11. Jh. nicht unüblich ist. Normalerweise handelt es sich dabei
um simple Abortschächte. Der besonders große Anbau in Lauffen war allerdings
nochmals unterteilt in einen 0,40 x 1,20 m großen Schacht im Norden und einen
2,30 x 1,50 m großen Raum, der höchstwahrscheinlich als Treppenaufgang vom Saal
zum verschwundenen hölzernen Aufsatz diente. Nirgendwo anders wurde bislang
eine solche Unterteilung aufgefunden. Wahrscheinlich hat man in späterer Zeit
die Anbauten auf ihren Zweck als Latrine reduziert. Erst in der Gotik griff man
wieder auf das Konzept des "Treppenturmes" zur Stockwerksverbindung zurück.
Um 1200 wurde der Anbau etwa um das Doppelte erhöht und zum Bergfried
umfunktioniert.
Der Wohnturm der Burg Lauffen scheint in seiner Einzigartigkeit nicht nur ein
besonders früher Vertreter seiner Art zu sein, er ist anscheinend auch der am
besten erhaltene.

Schnitt durch den Wohnturm und stauferzeitlichen Bergfried
(Rekonstruktion)
© Nicolai Knauer
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Der Wohnturm aus dem 11. Jh. mit modernem Dach. Dahinter der auf
den Anbau des Wohnturmes gesetzte Bergfried (um 1200) mit Eckbossen, dessen
romanischer Hocheingang vom Rathausdach verdeckt wird.
© Nicolai Knauer
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Lauffen: Anbau mit aufgesetztem Bergfried
© Nicolai Knauer
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Lauffen: Fenster des Wohnturms
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Rekonstruktions-Modell der Burg Lauffen (Burgmuseum Lauffen)
© Nicolai Knauer
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5. Die Höhenburg der Stauferzeit
Etwa die Hälfte unserer Burgen lässt sich auf eine stauferzeitliche Gründung
zurückführen. Nachdem im Investiturstreit das königliche Recht zum Burgenbau
gänzlich durchweicht war, begann der Hochadel, der Klerus und schließlich auch
einflussreiche Ministerialen Burgen zu bauen. Die Höhenburgen wurden nun vor
allem in Spornlage errichtet, was den Vorteil hatte, dass die Verteidigung nur
noch hauptsächlich auf eine Seite der Burg ausgerichtet werden musste. Die
teilweise klippenartig steilen Abhänge an den anderen Seiten machten eine
Annäherung des Feindes praktisch unmöglich. Den Graben konnte man somit auf
einen Abschnittsgraben, den "Halsgraben", reduzieren.
Etwa ab der Mitte des 12. Jh. erscheint eine neue Turm-Bauform - der Bergfried,
welcher meist direkt hinter dem Graben stand, um die dahinterliegende Burg zu
schützen. Anders als der Wohnturm, hatte er ausschließlich Wach- und
Wehrfunktion. Nur im äußersten Notfall konnte man sich durch seinen
hochgelegenen Eingang in ihn zurückziehen, um auf Entsatz zu warten. Der
Bergfried besitzt im Vergleich zum Wohnturm eine viel größere Mauerstärke im
Verhältnis zum Innenraum.
Jedoch verschwand der Wohnturm auch während der Stauferzeit nie ganz. Besonders
große Burgen wie z. B. die Kaiserpfalz Wimpfen (Kr. Heilbronn) oder Burg
Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) besaßen neben einem Bergfried oft noch einen
Wohnturm oder eine Zwischenform. Ansonsten lebte der Burgherr in einem seinem
Geldbeutel entsprechenden Wohnhaus, das meist auch einen Saal für
Zusammenkünfte oder Feste besaß. Einen echten Palas - ein eigenes Saalgebäude -
leisteten sich natürlich nur die Reichen und Mächtigen.
Den meist engen Burghof umschloss eine hohe Ringmauer, an der sich die Gebäude
anlehnten. Die obligatorischen Vorburgen, wo sich der Wirtschaftshof mit den
Ställen, Scheunen und Werkstätten befand, waren vermutlich noch hauptsächlich
mit hölzernen Befestigungsanlagen gesichert. Steinerne Mauern stammen hier fast
ausschließlich aus späterer Zeit.
Typische Beispiele stauferzeitlicher Höhenburgen sind Hinterburg Neckarsteinach
(Kr. Bergstraße/Hessen), Burg Obergrombach (Bruchsal, Kr. Karlsruhe),
Schauenburg bei Dossenheim (Rhein-Neckar-Kreis), Burg Stocksberg bei
Brackenheim-Stockheim (Kr. Heilbronn), Burg Liebenstein bei Neckarwestheim (Kr.
Heilbronn), Burg Neipperg (Brackenheim, Kr. Heilbronn), Burg Horneck in
Gundelsheim (Kr. Heilbronn), Burg Ehrenberg bei Bad Rappenau-Heinsheim (Kr.
Heilbronn), Burg Guttenberg bei Haßmersheim (Neckar-Odenwald-Kreis) und Burg
Zwingenberg (Neckar-Odenwald-Kreis).

Burg Guttenberg am Neckar: Blick auf Bergfried, Schildmauer und
innere Zwingermauer
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Die stauferzeitliche Burg Obergrombach bei Bruchsal
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Die Kernburg der Hinterburg Neckarsteinach besitzt sowohl
spätromanische, als auch frühgotische Elemente.
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Burg Neipperg
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Wohnturmbergfried der Burg Neipperg. Seine Außenschale besteht
aus kissenförmig bearbeiteten Buckelquadern. Bauzeit 2. Drittel 13. Jh.
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Kaiserpfalz Wimpfen
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Kurzporträt Ravensburg:

Ansicht der Ravensburg von Südwesten durch die Weinberge am
Burgberg
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Lage: auf Sporn eines Ausläufers des Strombergs; oberhalb von Sulzfeld (Kr.
Karlsruhe) bei Eppingen (Kr. Heilbronn)
Größe: Kernburg 38 x 47 m (nach Um- und Ausbau in der 2. Hälfte des 16. Jh.
heute 140 x 75 m)
Entstehungszeit: zwischen 1210 und 1220
Archäologie: Keramik ab 13. Jh.; aus allen nachfolgenden Epochen
Urkundliche Erwähnung: Herren von Ravensburg ab 1222
Heutige Nutzung: Restaurant und Weingut

Ravensburg: Gesamtgrundriss
© Nicolai Knauer
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Beschreibung:
Von der spätromanischen Kernburg blieb der 30 m hohe Bergfried komplett
erhalten. Auf einer Grundfläche von 7 x 7 m erheben sich die 2,4 m dicken
Mauern, die mit einer Außenschale aus Buckelquadern verkleidet sind. Im oberen
Bereich treten immer mehr kissenförmig bearbeitete Quader auf und weisen, wie
auch die Zangenlöcher im oberen Viertel, auf eine Erbauung nach 1200 hin. Der
ursprüngliche, rundbogige Eingang befindet sich in ca. 8 m Höhe auf der
Nordseite. Wahrscheinlich führte ein hölzerner Steg vom Wehrgang der Ringmauer
hinüber. Reste der Mauer sind noch auf der gesamten Nordseite und vor allem im
Torbereich erkennbar. Um den Bergfried-Eingang decken zu können, muss sie eine
Höhe von mindestens 10 m besessen haben. Das mittelalterliche Tor befand sich
an der selben Stelle wie heute. Spuren des abgearbeiteten nördlichen Gewändes
sind noch erhalten. Wo das romanische Wohngebäude der Ravensburg lag, ist nicht
mehr nachvollziehbar. Das älteste Kellergewölbe, das einst zu einem Wohngebäude
gehörte, befindet sich in der Nordostecke der Kernburg.
Die heutige Gestalt der Ravensburg ist stark beeinflusst von umfangreichen
Wiederaufbauten nach einer Zerstörung im Schmalkaldischen Krieg im Jahr 1546.
Die Ringmauer und viele andere Gebäude wurden im 19. Jh. abgetragen.

Bergfried der Ravensburg
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Ravensburg: Bergfriedeingang
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Ravensburg: rekonstruierter mittelalterlicher Grundriss
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6. Niederungsburgen und Stadtburgen
Die hier behandelte Region besitzt ebenfalls eine große Anzahl von
siedlungsnahen Niederungsburgen, die häufig von einem Wassergraben umgeben
waren. Die Anlagen, deren Grundriss oft dem Quadrat angenähert ist, mussten
teilweise auf einem Pfahlrost gegründet werden, da der Baugrund in den Talauen
oft sumpfig war. Dazu wurden, wie z. B. bei der Bad Rappenauer Burg (heute
Schloss), tausende Pfähle in den Boden gerammt.
Die Niederungsburgen benötigten ein vollkommen anderes Verteidigungskonzept wie
die Spornburgen, da sie von allen Seiten gleich stark bedroht werden konnten.
Eine in einheitlicher Höhe umlaufende Ringmauer schütze den Burghof. In
späteren Zeiten legte man oft einen weiteren Bering an, der mit
Flankierungstürmen verstärkt wurde. Der Wassergraben, als erstes
Annäherungshindernis, übernahm die Funktion des Burgberges.
Oft besaßen die Tiefburgen Wohntürme und Steinhäuser als Hauptgebäude.
Bergfriede, die in der Hauptsache das überhöhende Gelände jenseits des
Halsgrabens einer Höhenburg sichern sollten, sind darum bei ihnen seltener zu
finden. Weil sie wesentlich bequemer erreichbar waren, als die Höhenburgen,
wurden sie in der Renaissance, als man kaum noch Wert auf die Wehrfunktion
legte, oft schlossartig umgebaut, z. B. in Angelbachtal-Eichtersheim
(Rhein-Neckar-Kreis), Heilbronn-Kirchhausen, Oberderdingen-Flehingen (Kr.
Karlsruhe), und Wiesloch-Schatthausen (Rhein-Neckar-Kreis).
Weitere Beispiele von Niederungsburgen sind Burg Horkheim (Heilbronn), Burg
Handschuhsheim (Heidelberg), Burg Altwiesloch (Wiesloch, Rhein-Neckar-Kreis),
Burg Kürnbach (Kr. Karlsruhe) und Burg Dallau (Elztal, Neckar-Odenwald-Kreis).

Wasserburg Kürnbach erscheint heute als imposantes
Fachwerkschloss.
© Nicolai Knauer
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Deutschordensschloss Kirchhausen, Nachfolgerbau der Wasserburg
© Nicolai Knauer
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Von der Burg Dallau blieb das Steinhaus und ein Treppenturm
erhalten.
© Nicolai Knauer
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Im 13. Jh. wurden im untersuchten Gebiet viele Städte gegründet, zu deren
Verwaltung ein herrschaftlicher Amtssitz erbaut wurde. Diese Stadtburgen
befanden sich of in einer Ecke der Stadtmauer und waren mit dieser verbunden.
Zur Stadt hin trennte eine Mauer und teils ein Graben das Burgterrain ab. Da
sich die Städte hauptsächlich in der Ebene befanden, waren die Stadtburgen
meist in gleicher Form erbaut, wie die freistehenden Niederungsburgen.
Reste solcher Vogteisitze in Städten findet man in Brackenheim (Schloss) (Kr.
Heilbronn), Bönnigheim (Ganerbenburg) (Kr. Ludwigsburg), Lauffen (Obere Burg)
(Kr. Heilbronn), Wiesloch (Freihof) (Rhein-Neckar-Kreis) oder Bretten
(Amtshaus) (Kr. Karlsruhe).

Der "Freihof" in Wiesloch, ein befestigter mittelalterlicher
Adelssitz in der Stadtmitte.
© Nicolai Knauer
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Ganerbenburg Bönnigheim
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Im Schloss Brackenheim befinden sich noch erhebliche Mauerreste
der im 13. Jh. entstandenen Stadtburg.
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Kurzporträt Stadtburg Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis):

Ecke des Wohnturms mit Kissenquadern
© Hans Peters (Regierungspräsidium Karlsruhe, Archäologische Denkmalpflege)
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Lage: in der Südwestecke der Sinsheimer Altstadt
Größe: ca. 25 x 25 m
Entstehungszeit: 2. Hälfte 13. Jh.
Archäologie: umfangreiches Fundmaterial (Keramik, Metall, Glas usw.); Datierung
zwischen 13. und 15. Jh.
Urkundliche Erwähnung: 1345 als Haus, 1349 als Burg genannt
Heutige Nutzung: keine

Grundriss der Burg Sinsheim auf Grundlage einer Darstellung von
F. Damminger (Archäologische Denkmalpflege, RP Karlsruhe) der 2004
ausgegrabenen Mauerbefunde"
© Nicolai Knauer
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Beschreibung:
Im Jahre 2000 stieß man bei Sondagen auf die noch geschlossen erhaltenen
Fundamente der Burg, über die zuvor nur spekuliert worden war. Nach einer
umfangreichen Grabungskampagne zeichnete sich das Bild eines kleinen Amtssitzes
ab, bestehend aus einem 10 x 10 m großen Wohnturm und einem Nebengebäude von 11
x 7 m. Stadtseitig bestand eine knapp 1,5 m starke Mauer, ein Graben war
offenbar nicht vorhanden. Kurz nach 1500 wurde die Anlage abgetragen und
überbaut.

Sinsheim: Bogenstein des Wohnturmeingangs
© Hans Peters (Regierungspräsidium Karlsruhe, Archäologische Denkmalpflege)
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Sinsheim: Rekonstruktionsversuch der Burg Sinsheim
© Nicolai Knauer
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7. Schildmauerburgen
Gegen Ende des 13. Jh. hatte sich die Belagerungstechnik so enorm
weiterentwickelt, dass auch der Wehrbau mit neuen Konzepten darauf reagieren
musste. Gigantische Wurfmaschinen waren in der Lage über hunderte von Metern
präzise Schüsse auf die Mauern der Burgen und Städte abzugeben. Ein Bergfried,
der nur einen Teil der Angriffseite decken konnte, war nun nicht mehr
ausreichend. So hatte man schon ab der Mitte des 13. Jh. Burgen mit immer
stärkeren und höheren feldseitigen Mauern ausgestattet. Sie wuchsen zu
selbstständigen Wehrbauten mit oft beidseitiger Brustwehr, Hocheingang zu
innenliegenden Treppen und teilweise sogar kleinen Räumen in der Mauerstärke
heran. Diese sogenannten "Schildmauern" waren effektiver und materialsparender
als ein Bergfried und konnten sogar zum Teil dessen Aussichts- und
Rückzugsfunktion ersetzen. Bei Burgneubauten verzichtete man darum ab der Mitte
des 13. Jh. oft ganz auf einen Turm.
Die typische Schildmauerburg hat die Form eines Rechtecks (Kastellform) und
besitzt zum überhöhenden Gelände zu eine gerade oder in der Mitte leicht
abgewinkelte Schildmauer. Das Hauptwohngebäude ist entweder direkt an deren
Innenseite angelehnt oder nimmt die gegenüber liegende, geschützte Seite der
Burg ein. Beispiele solcher Burgen sind Mühlacker-Dürrmenz (Enzkreis),
Blankenhorn bei Güglingen-Eibensbach (Kr. Heilbronn), Zuzenhausen
(Rhein-Neckar-Kreis), Schadeck bei Neckarsteinach (Kr. Bergstraße, Hessen) und
die Untere Burg Weißenstein (Pforzheim). Die nie fertiggestellte, jüngere Obere
Weißensteiner Burg, die meist fälschlich als "Kräheneck" bezeichnet wird,
besitzt ebenfalls eine mächtige Schildmauer.

Burg Blankenhorn bei Güglingen-Eibensbach besitzt eine der
imposantesten und besterhaltenen Schildmauern unserer Region.
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Schildmauerecke der nie fertiggestellten Oberen Burg Weißenstein
mit den Ansätzen für die geplante Ringmauer.
© Nicolai Knauer
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Innenseite der abgewinkelten Schildmauer von Burg
Schadeck/Neckarsteinach mit Ecktourellen. Die Brustwehren und oberen Bereiche
der Tourelle wurden um 1900 abgetragen und fiktiv rekonstruiert.
© Nicolai Knauer
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Teilweise rüstete man ältere Anlagen um, indem man die feldseitige Ringmauer
verstärkte und erhöhte (z. B. Burg Guttenberg am Neckar). Zu diesem Zweck wurde
manchmal sogar der alte Bergfried abgetragen und sein Material in einer
neuerbauten Schildmauer wiederverwendet (z. B. Burg Stolzeneck bei Eberbach,
Burg Dilsberg bei Heidelberg).

Schildmauer der Burg Dilsberg, aus dem Material verschiedener
Vorgängerbauten.
© Nicolai Knauer
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Burg Stolzeneck bei Eberbach-Rockenau (Rhein-Neckar-Kreis)
© Nicolai Knauer
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Kurzporträt Obere Burg Hornberg:

Burg Hornberg am Neckar
© Nicolai Knauer
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Lage: oberhalb der stauferzeitlichen Unteren Burg Hornberg bei Neckarzimmern
(Neckar-Odenwald-Kreis)
Größe: ca. 30 x 40 m
Entstehungszeit: nach 1263
Archäologie: nichts bekannt
Urkundliche Erwähnung: 1366 ("duo castra Hornberg", also zwei Burgen Hornberg)
Heutige Nutzung: Ruine; Besichtigung jederzeit möglich

Grundriss der Burg Hornberg
© Nicolai Knauer
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Beschreibung:
Nachdem die Grafen von Lauffen im Mannesstamm erloschen waren, verkauften die
nachfolgenden Eigentümer, die Herren von Dürn, Burg Hornberg an das Bistum
Speyer. Die unsichere Zeit des Interregnums (kaiserlose Zeit von 1254-1273)
veranlasste die Bischöfe offenbar dazu, zum Schutz der repräsentativen alten
Grafenburg, im Abstand von ca. 100 m oberhalb, eine zweite Burg erbauen zu
lassen. Diese statteten sie im Stil der Zeit mit einer enormen Schildmauer aus,
die in der Mitte eine Mauerstärke von etwa 7 m besitzt. Höchstwahrscheinlich
war sie mit großen Buckelquadern verkleidet, die überall in der Burg in
Zweitverwendung auffindbar sind. Die grobe Außenhaut aus stark variierenden
Steinformaten, die man heute vorfindet, ist vermutlich nur das beigemauerte
Füllmauerwerk. Im 14. Jh. setzte man der Schildmauer an der Südecke einen
bergfriedartigen Aussichtsturm auf. Beim großen Umbau unter dem Sohn und den
Enkeln des Götz von Berlichingen, wurde das nördliche Drittel der Mauer
abgetragen.

Obere Burg Hornberg: Schildmauer
© Nicolai Knauer
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Obere Burg Hornberg: zweitverwendete Buckelquader, mit denen
vermutlich einst die Schildmauer verkleidet war.
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8. Spätmittelalterliche Wohnturmburgen
Im Spätmittelalter erlebte der Wohnturm eine Renaissance. Vor allem der niedere
Adel, der in Sachen Burgenbau nun ebenfalls versuchte den Edelfreien und
wichtigen Ministerialen nachzueifern, erbaute sich die kompakten Gebäude, die
durch ihre Zweckmäßigkeit und ihren geringen Platzbedarf gerade für Kleinburgen
optimal waren. Im 14. Jh. entstanden im Untersuchungsgebiet Wohntürme von teils
beachtlichen Ausmaßen. Jener der Burg Grombach (Bad Rappenau, Kr. Heilbronn)
besaß ein Untergeschoss mit vier weiteren Vollgeschossen darüber und ein
Dachgeschoss. Ähnliche Bauten findet man in Neckarbischofsheim
(Rhein-Neckar-Kreis), Heilbronn-Horkheim und Neuenbürg (Enzkreis) bei Pforzheim
(Hintere Burg).
Ein Kuriosum stellt der winzige, 5,6 x 5,8 m im Grundriss messende Turm der
Burg Dauchstein bei Binau (Neckar-Odenwald-Kreis) dar. Die zum Teil nur 10 qm
großen Innenräume sind mit allem ausgestattet, was ein Wohnturm benötigte.
Dendrochronologisch konnte der zuvor als früher Bergfried verkannte Turm jüngst
in die Mitte des 14. Jh. datiert werden.

Burg Dauchstein bei Binau am Neckar mit dem kleinsten Wohnturm
der Region
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Bergfried der Burg Bruchsal
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Bergfried-Burg Bruchsal: Eckbossen
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Die wesentlich ältere Wasserburg Horkheim erhielt im 14. Jh.
einen neuen Wohnturm, dessen Mauern im unteren Bereich stumpf an die alte
Ringmauer stoßen.
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Der stattliche kastenförmige Wohnturm der Burg Grombach/Bad
Rappenau
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Allerdings war nicht jeder Bauherr finanziell in der Lage - oder besaß das
Recht - in Stein zu bauen. In Eschelbronn (Rhein-Neckar-Kreis) wurden die Reste
eines Wohnturmes aus dem späten 13. Jh. ausgegraben, der komplett aus Holz
bestanden hatte. Und er war sicherlich nicht der einzige. Auf anderen
Kleinburgen, wie in Mühlhausen (Rhein-Neckar-Kreis) bei Wiesloch, auf dem
Teufelskopf bei Dielheim (Rhein-Neckar-Kreis), in Flinsbach (Helmstadt-Bargen,
Rhein-Neckar-Kreis), dem Burgstädtle bei Hochhausen usw. ist durchaus ein
Holzturm als Hauptbau der Burg wahrscheinlich. Der Nachweis fällt aufgrund des
vergänglichen Materials leider meist schwer.
Kurzporträt Neuburg bei Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis):

Die Neuburg bei Obrigheim. Links der gotische Wohnturm, rechts
ein schlossartiger Anbau aus dem 19. Jh.
© Nicolai Knauer
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Lage: südlich von Obrigheim; am Steilhang des Neckartales
Größe: 50 x 45 m
Entstehungszeit: 1. Hälfte 14. Jh.
Archäologie: nichts bekannt
Urkundliche Erwähnung: 1345 als "Mettelnburg"
Heutige Nutzung: Hotel-Restaurant

Grundriss der Burg vor dem Umbau zum Schloss (Umzeichnung nach
Grundriss von 1839; Original Fürstlich Leiningisches Archiv, Amorbach).
© Nicolai Knauer
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Beschreibung:
Die Anlage taucht ursprünglich als Mittelburg (1345 "Mettelnburg" und 1369
"Mitteln borg") aufgrund ihres Standortes zwischen den beiden anderen
Obrigheimer Burgen auf. Erst nach Aufgabe der 1329 als Burg Lantserre
bezeichneten, pfälzischen Burg über dem Karlsbergtunnel erhält sie den Namen
Neue Burg Obrigheim, im Unterschied zur Alten Burg im Ortskern. Das
Hauptgebäude, das als einziges nahezu vollständig erhalten blieb, ist ein
Wohnturm von 17,70 x 8,20 m und einer Höhe von ca. 16 m bis zur Mauerkrone. Er
befindet sich direkt am Steilhang des Neckartals. Nur eine Schmalseite ist als
Außenmauer der Burg, zum Berg hin ausgerichtet. Daran schloss sich im Westen
ein kurzer Hoher Mantel (reduzierte Schildmauer) an, der den inneren Burghof
deckte. Im Süden und Westen zog sich ein Graben um die Kern- und Vorburg. Das
Tor der Burg befand sich einst auf der Nordseite. Der Vorhof enthielt etliche
Wirtschaftsgebäude. Im Südosten war ein winziger Innenhof durch eine Mauer vom
Rest der Burg abgetrennt, indem auch der Wohnturm stand.
Vom originalen Zustand des Wohnturmes hat sich noch ein gotisches
Maßwerkfenster erhalten, das wahrscheinlich zu einer internen Kapelle gehörte.
Auch die einstige Brustwehr mit den Zinnen, um die ein standsteinernes Gesims
läuft, zeichnet sich gut von den späteren Umbauten des Dachbereiches ab.
Ursprünglich besaß der Wohnturm einen umlaufenden Wehrgang der nicht vom Dach
überdeckt wurde. Dies erkennt man an den Wasserspeiern an allen vier
Gebäudeecken.

Mauerkrone des Wohnturmes mit original erhaltener Brustwehr. An
der Ecke ist deutlich der frühere Maueransatz des Hohen Mantels erkennbar.
© Nicolai Knauer
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Gotisches Maßwerkfenster am Wohnturm der Neuburg
© Nicolai Knauer
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9. Weitere Informationen/Links
www.aspectus-novus.de/
ASPECTUS NOVUS - Arbeitsgemeinschaft für Regionalgeschichte
Erforschung und Präsentation mittelalterlicher Bauten im nordwestlichen
Baden-Württemberg
www.deutsche-burgen.org
Deutsche Burgenvereinigung e. V.
zur Erhaltung der historischen Wehr- und Wohnbauten
www.wartburggesellschaft.de
Wartburg-Gesellschaft
zur Erforschung von Burgen und Schlössern e. V.
www.heimatverein-kraichgau.de
Heimatverein Kraichgau e. V.
zur Förderung der Heimatforschung und Heimatpflege im Kraichgau, Bewahrung und
Pflege des Kulturgutes und Schutz der Natur und Landschaft