Ravensburger Stadtrallye - Ausflug in eine spätmittelalterliche Stadt
2.1 Lernorterkundung
Der Schwerpunkt des hier vorgestellten Projekts liegt in der vorwiegend
quellengestützten Erarbeitung der wirtschafts- und sozialgeschichtlichen
Thematik am regionalgeschichtlichen Beispiel im Rahmen des schulischen
Geschichtsunterrichts (siehe
unten).
Eine in den Unterricht integrierte Lernorterkundung kann die schulischen Inhalte
in verschiedener Hinsicht veranschaulichen, verdeutlichen und ganzheitlich
vertiefen.
Ein konkreter Vorschlag integriert in den vorausgehenden Unterricht wird
unter
2.2
zum Abschluss des 5. Moduls skizziert.
Im Blick auf die Große Ravensburger Handelsgesellschaft haben wir es mit
verschiedenen möglichen Lernorten in Ravensburg zu tun, in denen Zeugnisse der
Gesellschaft und ihrer Mitglieder sichtbar und auch greifbar werden - diese
Lernorte sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden:
1. Altstadt Ravensburg
(Hinweis: die fehlender Bilder sind in Arbeit)
markt.jpg
Historische Altstadt - Bereich obere Marktstraße. Das vierte
Gebäude von rechts (roter Anstrich) nach dem Obertor-Turm ist die ehemalige
Firmenzentrale der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft
© Andreas Zodel
Zunächst einmal bildet die gesamte historische Altstadt Ravensburgs die
"Bühne" für die Aktivitäten der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft. Hier
lebten und wirkten die Mitglieder der in der Gesellschaft vertretenen
Ravensburger Familien, allen voran die weit verzweigte Familie Humpis. Ihrem
Wappen mit den drei Windhunden begegnet man an vielen Stellen in der Stadt.
Zwei besonders anschauliche gegenständliche Zeugnisse der Gesellschaft sind zum
einen das Haus der Gesellschaft in der Marktstraße 61 (heute das Gasthaus
Mohren, vgl. Abb.) und zum anderen die von der Gesellschaft gestiftete Kapelle
in der ehemaligen Klosterkirche der Karmeliter (der heutigen evangelischen
Stadtkirche). Hier befinden sich die beiden Grabmäler des Henggi Humpis
(vgl.
Abb.),
einem der Gründer der Gesellschaft, und des Hans Hinderofen, einem der
letzten Regierer der Gesellschaft.
Die Stadt Ravensburg bietet eine ganze Reihe historischer Stadtführungen
an, in deren Rahmen diese Orte aufgesucht werden (vgl. hierzu die beiden Dateien
"Ravensburg erleben 2010" und "Stadtführungen 2010" im
Serviceteil).
An dieser Stelle sei auch auf das Projekt "Ravensburger Stadtrallye - Ausflug
in eine spätmittelalterliche Stadt", ein
Modul auf dem
Landesbildungsserver hingewiesen (vgl. hierzu die aktuelle Datei
"Ravensburger Stadtrallye 2010" im
Serviceteil).
2. Museum Humpis-Quartier
humpis.jpg
Überdachter Innenhof des Museums Humpis-Quartier
© Andreas Zodel
logo.jpg
Logo des Museums
© :
Museums Humpis-Quartier
Wo im Mittelalter die reichsten Kaufleute Ravensburgs residierten, befindet
sich heute ein Stadtmuseum: das "Museum Humpis-Quartier". Die
Fernhandelsfamilie Humpis hat diesem Quartier im 15. Jahrhundert die heutige
Gestalt gegeben - ein einzigartiges Ensemble, denn alle sieben Wohn- und
Arbeitshäuser der erfolgreichen Fernhändlerfamilie sind nahezu vollständig
erhalten geblieben. Das 2009 eröffnete Museum ist ein ungewöhnlicher Ort, an dem
städtische Kulturgeschichte vom 11. bis zum 21. Jahrhundert emotional und
authentisch erlebt werden kann. Insgesamt sieben Gebäude erwarten den Besucher
mit Ausstellungen, Veranstaltungen und museumspädagogischen Angeboten - vgl.
hierzu die
Website.
In der Dauerausstellung "Ravensburger Lebenswelten" erzählen
ehemalige Bewohner des Quartiers - ein Fernhändler, ein Gerber und ein
Wirt - an Originalschauplätzen ihre persönliche Lebensgeschichte.
bio.jpg
Biografisches zu Hans Humpis im Museum Humpis-Quartier
© Andreas Zodel
Für das vorgestellte Projekt "Die Große Ravensburger Handelsgesellschaft"
von besonderem Interesse ist die Präsentation der "Lebenswelt des
Fernhändlers Hans Humpis" in dessen ehemaligem Wohnhaus - vgl. zur
Konzeption dieses Teils der Ausstellung die Datei "Lebenswelten - der
Fernhändler" im
Serviceteil.
Zu dieser Dauerausstellung "Ravensburger Lebenswelten" wird vom
Museum eine Führung angeboten.
Dauer: 1,5 h - die Wege sind überwiegend barrierefrei.
Führung für Schulklassen: "nach vorheriger Anmeldung" ab Klasse 7
Preis (Stand 2011): 60,- EUR ermäßigt (Fremdsprachenzuschlag 10,- EUR)
Ein ungewöhnliches und sehr zu empfehlendes Angebot zum Erleben des Museums
Humpis-Quartier ist der interaktive Audioguide. Mit
unterschiedlichen Stimmen, mit Tönen, Musik und Geräuschen erzählt er in drei
Hörspielen und rund 60 Einzelsequenzen die Geschichten der ehemaligen Bewohner.
Gerade die Lebenswelt des Fernhändlers Hans Humpis wird so an diesem
authentischen historischen Lernort besonders lebendig und zusammen mit den
anschaulich präsentierten Exponaten begibt sich der Besucher auf eine
kurzweilige Zeitreise in die Zeit der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft.
Für Kinder und Jugendliche besonders geeignete Sequenzen und Hörspiele sind mit
einem Symbol gekennzeichnet. Der Audioguide ist einfach und flexibel zu bedienen
und bietet ein hohes Maß an Freiwilligkeit beim Museumsbesuch.
Teile des Hörspiels können online abgespielt werden.
Ab Schuljahresbeginn 2010 bietet das Museum Humpis-Quartier folgende
museumspädagogische Module an (
mehr Infos) (Angaben zu Themen und Kosten: Stand 2011):
Die Stadt im Mittelalter
Die Schülerinnen und Schüler gehen auf Entdeckungsreise durch die
mittelalterliche Stadt. Eine Ratssitzung vermittelt die politische Ordnung, die
Wirtschaftskraft wird am Beispiel der Zünfte und der Großen Ravensburger
Handelsgesellschaft deutlich, anhand eines typischen Tagesablaufs eines
vermögenden Handelsherren erhalten sie Einblick in den mittelalterlichen Alltag.
Die Ergebnisse werden in Arbeitsgruppen durch Rollenspiele, durch Arbeit an
Originalen, mit Fühlkästen, einem Domino und mittels Arbeitsaufträgen
erarbeitet. Alle Schülerinnen und Schüler erhalten ein bebildertes Arbeitsblatt,
auf dem sie ihre Arbeitsergebnisse eintragen können.
Altersstufe: Klasse 5 - 7
Schulart: Alle Schularten (ohne Vorbereitung im Unterricht) - Modul orientiert
sich an den Bildungsplänen des Landes Baden-Württemberg.
Dauer: 1,5 h
Zeit: Beginn jeweils dienstags bis freitags von 8-10 Uhr möglich (während der
Schulzeit)
Preis: 90.- Euro pro Schulklasse
Ort: Museum Humpis-Quartier
Markt und Fernhandel (mit mittelalterlichen Kostümen)
In Planung
Altersstufe: Klasse 3 und 4
Ort: Museum Humpis-Quartier
Museumsrallye
Bei einer ca. einstündigen Rallye durch das Museum Humpis-Quartier können Kinder
ab 10 Jahren das Haus, seine Bewohner und 1000 Jahre Stadtgeschichte entdecken.
Der Fahrplan für die Rallye ist am Museumsempfang kostenlos erhältlich. Auf all
diejenigen, die das Lösungswort gefunden haben, wartet eine Belohnung! (Vgl.
hierzu die Datei "Museumsrallye" im
Serviceteil)
Online-Anmeldung (Stand 2010)
Fragen rund um die Reservierung: Tel. 0751-82820
Anmeldungen bis spätestens 14 Tage vor dem gewünschten Termin. Eine Reservierung
ist nur mit einer schriftlichen Bestätigung von Seiten des Museums
Humpis-Quartier gültig.
Für alle Angebote gilt:
Die maximale Teilnehmerzahl pro Gruppe ist auf 25 Personen bzw. Klassenstärke
beschränkt. Empfohlen wird 15 min vor Führungsbeginn im Museum einzutreffen. So
bleibt genügend Zeit für die Garderobe. Eine Verspätung über 20 Minuten wird mit
10 EUR berechnet. Die Stornierung ist bis 2 Wochen vor dem gebuchten Termin
gratis, danach werden 50% des Preises in Rechnung gestellt.
haus.jpg
Wohnhaus des Hans Humpis - heute Eingangsbereich des Museums
Humpis-Quartier
© Andreas Zodel
Öffnungszeiten des Museums Humpisquartier (Stand 2011)
Dienstag bis Sonntag 11 - 18 Uhr, Donnerstag 11 - 20 Uhr
Eintritt frei!
Karfreitag, 24., 25. und 31.Dezember geschlossen
Öffentliche Führungen (Stand 2011)
Familienführung Samstag 15 Uhr
2.2
Behandlung des Themas in der Schule
Wie bereits im vorherigen Abschnitt angedeutet, liegt der Schwerpunkt des
hier vorgestellten regionalgeschichtlichen Projekts in der vor allem
quellengestützten Erarbeitung der wirtschafts- und sozialgeschichtlichen
Thematik im schulischen Geschichtsunterricht. Zielgruppen dieses
Unterrichtsmodells sind vor allem Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 und 10
des Gymnasiums. Die Materialien und die vorgestellten Unterrichtsimpulse sind
entsprechend den unterschiedlichen Anspruchsniveaus progressiv gestaltet - über
die jeweilige stufenspezifische Brauchbarkeit entscheiden die Kolleg/innen im
Blick auf ihre jeweilige Lerngruppe.
Da im Rahmen eines kompetenzorientierten Geschichtsunterrichts der Schüler- und
Problemorientierung ein hoher Stellenwert zukommt, sind die Materialien als
Module aufbereitet, die sowohl stärker lehrerorientiert "klassisch" als auch
projektorientiert durch die Schüler weitgehend selbständig erarbeitet werden
können. So werden bei den verschiedenen Materialien unterschiedlich offene bzw.
geschlossene Varianten angeboten. Denkbar beim konsequent schülerorientierten
Vorgehen sind die gängigen Verfahren der Partner- oder Gruppenarbeit (Lerntheke,
Gruppenpuzzle u. ä.). Alle Materialien mit Originalquellen (Textquellen, Karten,
Bildern) werden mit Anmerkungen und Lösungshinweisen flankiert (zu den
Materialien). Für wesentliche Inhalte werden zur Ergebnissicherung Schaubilder
angeboten, die als Arbeitsblätter direkt (eine Lücken- und Vollversion ist
jeweils enthalten) oder in "abgespeckter" Version als Grundlage möglicher
Tafelbilder verwendet werden können. Für die Klasse 10 des Gymnasiums ist noch
eine weiterführende Vertiefung der Thematik vorgesehen.
Es folgen nun methodische Anmerkungen zu den einzelnen Modulen. Für einen ersten
raschen Überblick sei auf die Übersichts-Mind-Map Unterrichtskonzept "Die Große
Ravensburger Handelsgesellschaft" zu Beginn des Materialteils hingewiesen.
1. Modul: "Der Fund - reiner Zufall!"
Einstieg in das Thema in zwei Varianten
Variante I (
AB
1
)
Typisch Geschichte: "Am Anfang steht sehr oft der Zufall!"
Methode: "Entzifferung alter Handschriften" - eine Quellensynopse macht es
möglich (Handschriftenprobe im Original, als wörtlich zeilengleiche Abschrift
und als angepasste Übersetzung)!
Hintergrundsinformation zum Quellenfund von 1909.
Erarbeitung des Inhalts des Schreibens - erste Annäherung an das Thema - S&S
formulieren mögliche Fragen zum Thema (historische W-Fragen).
Variante II (
AB
2
,
dort S. 1 und/oder S. 2):
Typisch Geschichte: "Am Anfang steht sehr oft der Zufall!"
Methode: "Advance Organizer" - gemeinsame Erarbeitung eines Fragenspeichers
(Historische Fragekompetenz) mittels Simulation "Fund: Was fangen wir damit als
Historiker an? Was ist uns schon klar? Was erscheint uns merkwürdig: Welche
offenen Fragen ergeben sich für uns?" Sammeln / clustern der Fragen (Moderation)
- erwartet werden Fragen, die in etwa in den weiteren hier folgenden Modulen
aufgegriffen werden können (vgl. dazu insbesondere die Fragestellungen in
AB
3
und
AB
7
).
Diese gemeinsam erarbeiteten Fragen strukturieren das weitere Vorgehen: Entweder
klassisch mittels der angebotenen Materialien oder projektorientiert als eine
Art Lerntheke mit einzelnen Forschungsstationen oder in kürzerer Form als
Gruppenpuzzle.
Mögliche Alternative oder Zusatzimpuls durch Bilder der Gruppen / Mottowagen zur
Großen Ravensburger Handelsgesellschaft beim alljährlichen Rutenfest (
AB
2
S.
2):
Wie wirken diese Gruppen / Wagen auch Euch? Wie sind diese Wagen gestaltet?
Welche historischen Informationen sind zu entnehmen? Was bewegt Menschen heute
sich an diese längst vergangene Geschichte zu erinnern?
Kann am Ende als "Postorganizer" nochmals aufgegriffen werden.
2. Modul: "Entstehung und Organisation!"
Erarbeitung je nach methodischem Vorgehen
Text- und Quellenanalyse: Motive für den Zusammenschluss; Organisationsstruktur;
Verlagssystem.
Hintergrundinformation zu Entstehung und Organisation mit Aufgabenstellungen.
Quellen zur Organisation der Gesellschaft: Möglichkeit für ein eher
projektorientiertes Vorgehen mit oder ohne einem vorgegebenen Analyseraster.
Anmerkungen und Lösungshinweise zu den Quellen.
AB
3
S. 1f: Infotext mit AAs = Kurzversion
AB
3
S. 3f: Quellen = Langversion (mit oder ohne Analyseraster S. 5)
AB
4
Bild Haus der RVHG
Vertiefung / Ergebnissicherung "Organigramm der Gesellschaft" (
AB
5
):
Organigramm der Gesellschaft in Form eines Schaubildes mit erläuterndem
Lückentext (Lücken- und vollständige Version mit Lösungen) - kann als
Ergebnissicherung von
AB
3
und auch
AB
7
eingesetzt werden.
Vertiefung / Ergebnissicherung Schaubild "Verlagssystem" (
AB
6
): Darstellung des
Verlagssystems in Form eines Schaubildes (Lücken- und vollständige Version mit
Lösungen) - kann für sich und auch als Ergebnissicherung von
AB
3
eingesetzt
werden.
3. Modul: "Mitglieder der Gesellschaft!"
Erarbeitung je nach methodischem Vorgehen
Quellenanalyse: Ausbildung und Karrieremöglichkeit; Möglichkeit der Überwindung
ständischer Schranken in der städtischen Gesellschaft; Vergleich von Ausbildung
und Karrierechancen mit heute; Selbstverständnis der Kaufmänner der Großen
Ravensburger Handelsgesellschaft (
AB
7
,
AB
5
)
Quellen zu den Mitgliedern der Gesellschaft mit offenen Aufgabenstellungen:
Karrieremöglichkeit, Ausbildung damals und Vergleich mit heute, Lebensstil eines
Kaufmanns, Mentalität der Ravensburger Kaufleute.
Anmerkungen und Lösungshinweise zu den Quellen. Möglichkeit der Ergänzung /
Verdeutlichung von AB 5.
Selbstverständnis eines Kaufmanns der Ravensburger Gesellschaft
AB
8
Bild Henggi Humpis mit ausführlicher Analyse
Analyse eines Bildreliefs: Grabplatte (Epitaph) des Henggi Humpis - Erarbeitung
des hier zum Ausdruck kommenden Selbstverständnisses eines prominenten Kaufmanns
der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft.
Informationen zur Analyse des Epitaphs.
4. Modul: "Grenzenlos europäisch: Geschäftsbeziehungen und Handelsgüter der
Großen Ravensburger Handelsgesellschaft"
Erarbeitung je nach methodischem Vorgehen mit dem Schwerpunkt Kartenanalyse -
zwei Varianten
Variante I: Kartenanalyse Langform (schüler- und / oder projektorientiert)
AB
9
Methodenkarte Kartenarbeit
Raster zur Analyse und Interpretation historischer und didaktischer Karten.
AB
10
Karte "Die Große RVHG"
Analyse der Karte mittels der Methodenkarte AB 9 im Blick auf
Handelsbeziehungen, gehandelte Waren und Verkehrswege
Tipp: Farbausdrucke der Karte im DIN A 3 Format für Schülergruppen laminieren -
so können diese Karten mit wasserlöslichen OH-Stiften bearbeitet und immer
wieder verwendet werden.
AB
11
Bilder alte Alpenpässe
Bilder aus dem Gebiet des Splügen-Passes zur Verdeutlichung der damals sehr
schwierigen Verhältnisse.
Variante II: Analyse der Warenbewegungen: Text- und Kartenanalyse - vereinfachte
Kurzform (
AB
12
,
AB
11
)
Vereinfachte Karte mit tabellarischer Auflistung der Geschäftsbeziehungen und
der Handelsgüter - die eher deduktive Variante mit konkreten Arbeitsaufträgen;
Anmerkungen und Lösungshinweise zu den Materialien und Arbeitsaufträgen -
ergänzende Infos zur damaligen Reisegeschwindigkeit (Möglichkeit der Darstellung
als Schaubild).
Vertiefung & Systematisierung: Schwerpunkte, Kriterien, Direkthandel,
Zwischenhandel, Angebot/Nachfrage/Markt, Qualitätsprodukte, Handelswege.
Fazit: "Ein grenzenlos europäisches Unternehmen - der Handel vernetzt Europa
nachhaltig!" (
AB
13
)
Darstellung in Form eines Schaubildes (Lücken- und vollständige Version mit
Lösungen) - kann als Ergebnissicherung von
AB
10
und
AB
12
eingesetzt werden.
5. Modul: "Das Ende der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft!"
Erarbeitung je nach methodischem Vorgehen
Text- und Quellenanalyse (
AB
14
S. 1f)
Überblick über die bisherige eher traditionelle Interpretation und über die
aktuelle Diskussion zum Ende der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft.
Brief des Alexius Hillenson an seine Gattin - wie lässt sich dieser Brief in die
aktuelle Diskussion um das Ende der Gesellschaft einordnen? (
AB
14
S. 3)
Unterschiedlicher Varianten der Problematisierung:
Variante I (Klasse 10): Passt die bisherige Interpretation eines Niedergangs der
Großen Ravensburger Handelsgesellschaft (Dekonstruktion der bisherigen
Interpretation - möglicher Ausgangspunkt der Brief des Alexius Hillenson)?
Städtische Partizipation vs. Nobilitierung patrizischer Kaufleute? Möglichkeit
der Neubewertung des Endes der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft.
Variante II (v. a. Klasse 10): Möglichkeit einer Internetrecherche
"Spurensuche": Wohin "verschwinden" unsere Kaufleute, exemplarisch die
Mitglieder aus dem Hause Humpis? Wird die aktuelle Interpretation eher bestätigt
oder eher widerlegt? Geeignete Adresse hierfür:
Die Entstehung der Ravensburger Handelsgesellschaft
Variante III (Klasse 7 und 10): Möglichkeit einer Internetrecherche
"Spurensuche": Welche Spuren haben unsere Kaufleute in Ravensburg hinterlassen?
Geeignete Adressen hierfür:
Stadtgeschichte im Überblick
Museum Humpis Quartier
Variante IV - Lerngang (Klasse 7 und 10):
Nach der schulischen Erarbeitung böte sich vor einer abschließenden Bewertung
aber auch ein handlungsorientierter Lerngang nach Ravensburg an und zwar unter
dem Motto "Auf den Spuren der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft in der
Altstadt Ravensburgs"
AB
18a
Auf den Spuren der RVHG-Schüler (Lösungen: Lehrerblatt
AB
18b
)
Die Schüler/innen könnten sich in Gruppen mit Hilfe des Arbeitsblattes vor Ort
auf die Suche nach verschiedenen heute noch präsenten und leicht zugänglichen
Zeugnissen der Ravensburger Handelsgesellschaft und ihrer Mitglieder begeben.
"Spuren" dieser Zeugnisse finden sich als Abbildungen versehen mit "groben"
Ortsangaben auf dem Arbeitsblatt. Zunächst sollten die Originale mit Hilfe eines
Stadtplans (vgl. Serviceteil) gefunden und dann für sich und - soweit vorhanden
- ergänzend auch mittels der Informationen am jeweiligen Fundort beschrieben
werden. Sicher werden die Schüler/innen hierbei auch Bezüge zum vorherigen
Geschichtsunterricht herstellen können - einige dieser Spuren sind im Unterricht
ja schon mindestens indirekt angesprochen worden. Grundsätzlich sind bei einem
solchen eher handlungsorientierten Vorgehen - bei dem sich die Schüler/innen so
"ganz nebenbei" auch einen Überblick über das historische Ravensburg verschaffen
- verschiedene Durchführungsvarianten denkbar:
- Die Schüler/innen bearbeiten arbeitsgleich alle 10 Spuren und starten an
unterschiedlichen Startpunkten (Spur 1 - Spur 3 - Spur 4 - Spur 10); den
Abschluss könnte ein Rundgang mit der Gesamtgruppe bilden, bei dem verschiedene
Schülergruppen im Wechsel ihre Ergebnisse jeweils vor Ort präsentieren.
- Die Schüler/innen bearbeiten arbeitsteilig nur einen Teil der Spuren (Spur 1 und
2 - Spur 3 und 4 - Spur 5, 6 und 7 - Spur 8, 9 und 10); den Abschluss könnte
wieder ein Rundgang mit der Gesamtgruppe bilden, bei dem die Spezialistengruppen
ihre Ergebnisse jeweils vor Ort präsentieren.
- Die Schüler besuchen nach ihrer arbeitsteiligen/arbeitsgleichen Spurensuche, aber noch vor dem abschließenden Rundgang mit den Gruppenpräsentationen das Museum Humpis-Quartier und "führen sich selbst" mit dem Audioguide durch die Lebenswelt des Hans Humpis. Nachdem sie sich zuvor bei ihrer Spurensuche selbst schon ein Bild gemacht haben, ergänzen sie im Museum ggf. ihr Arbeitsblatt bzw. ihre Spuren um hier gewonnene weitere Informationen und Einsichten (diese ergänzende Variante scheint v. a. für Schüler/innen der Klasse 10 sinnvoll). Bei einem solchen Vorgehen ist eine vorherige Anmeldung und Absprache mit dem Museum Humpis-Quartier unerlässlich.
Sollten Sie eine dieser Varianten wählen, ist es wichtig, die Schüler/innen auf
die geplante und damit für die Schüler/innen auch verbindliche Präsentation
hinzuweisen. Didaktisch wäre bei diesem Vorgehen dreierlei erreicht:
Wiederholung des im Unterricht Gelernten, Festigung und Erweiterung des
Gelernten durch Einordnung der Spuren und schließlich Anwendung und Sicherung
durch den Transfer mittels der Präsentationen vor Ort.
Informationen zum Arbeitsblatt "Auf den Spuren der Großen Ravensburger
Handelsgesellschaft in der Altstadt Ravensburgs ..." (
AB
18a
) (Stand 2010)
Zur 3. Spur: Katholische Pfarrkirche Liebfrauen
Die Kirche ist bis Ende März 2011 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.
Zur 4. Spur: Kleiner Ratssaal Rathaus
In der Regel ist der kleine Ratssaal in der Zeit zwischen Frühjahr und Herbst
geöffnet, bzw. kann auf Anfrage ganzjährig für Besucher geöffnet werden. Der/die
Lehrer/in sollte sich aber vorab vergewissern, dass keine Trauung o. ä.
zeitgleich zum Besuch angesetzt ist. Generell empfiehlt sich deshalb ein Anruf
bei der Rathausverwaltung vorab.
Rathaus Ravensburg
Marienplatz 26
88212 Ravensburg
Telefon +49 751 82-0
Telefax +49 751 82-200
Email rathaus@ravensburg.de
Eine grundsätzlich andere Möglichkeit wäre eine professionelle Stadtführung oder
eine Führung durch den/die Lehrer/in mit Hilfe des Arbeitsblattes "Auf den
Spuren der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft". Den "krönenden" Abschluss
sollte dann aber auf jeden Fall ein Besuch im Museum Humpis-Quartier bilden - zu
den verschiedenen Möglichkeiten dort vgl.
oben).
Abschlussbewertung:
Methode "Postorganizer": Erinnerung an die Gruppen / Wagen des Rutenfestumzugs!
(
AB
2
S. 2): "Stimmt diese kollektive Erinnerung der Ravensburger mit der
wirklichen Geschichte überein? Was ist an dieser Geschichte tatsächlich
"erinnernswert"? Möglichkeit der vorsichtigen "Dekonstruktion" eines in der
Stadt Ravensburg "traditionell" verankerten Geschichtsbildes.
Im weiteren Verlauf des Geschichtsunterrichts könnte sich nun sowohl in Klasse 7
wie auch in Klasse 10 ein Vergleich der Ravensburger Gesellschaft mit den
Unternehmen der Fugger und / oder Welser anschließen.
Materialien im jeweils eingeführten Schulbuch
Denkbare Leitfragen für den Vergleich:
Inwieweit trägt das Exempel die "Große Ravensburger Handelsgesellschaft" fürs
Ganze?
- Frühkapitalismus: Städtischer Markt, Fernhandel, Geldwirtschaft, Banken,
Verlagssystem, Monopole, Globalisierung; städtische Gesellschaft: Patriziat,
ständische Ordnung, vertikale Mobilität, Mentalitätswandel im Rahmen einer
veränderten Arbeits- und Wirtschaftsethik der städtischen Führungsschicht.
- Organisationsform der jeweiligen Unternehmen (Herstellung & Vertrieb wichtiger
Waren)? Edelmetalle - Schlüssel zur Macht (erste Monopole)? Konsequente
Kapitalgeschäfte (Fugger, der "Königs- & Kaisermacher")? Worin unterscheiden
sich Fugger und Welser in ihrer Unternehmensethik von der Ravensburger
Handelsgesellschaft?
- Beurteilung: Neue Wirtschaftsformen - Fluch oder Segen? Problem des wechselseitigen Einflusses von Ökonomie und Politik? Ist der quantitative Erfolg die alleinige Messlatte zur Beurteilung des Erfolgs / Misserfolgs einer frühmodernen Unternehmensform? Beginnt die Globalisierung schon im Spätmittelalter? Sind die damaligen Handelsgesellschaften schon Global Player?
Als stufenspezifische weitere Vertiefungsmöglichkeit bietet sich das folgende
Ergänzungsmodul für die Klasse 10 an: Eine "moderne" Wirtschaftsethik setzt sich
durch!
Wirtschaftsethik in der spätmittelalterlichen Stadt: Einordnung des Exempels
Große Ravensburger Handelsgesellschaft in die allgemeine Wirtschafts- und
Sozialgeschichte
AB
15
& Quellen in
AB
3
und
AB
7
Bearbeitungsaspekte:
Kann ein Kaufmann fromm sein? Erfolgreich sein "zur Ehre Gottes!"
Eine neue Arbeitsethik bewährt sich: Leistung lohnt sich und ermöglicht die
Überwindung ständischer Schranken in der städtischen Gesellschaft!
Wann beginnt der Max Webersche "Geist des Kapitalismus" wirklich? Die neue
Arbeitsethik beginnt längst vor dem Calvinismus.
Aktualisierung I (
AB
16
und Quellen in
AB
3
)
Aktualisierung und kritische Würdigung des Geschäftsgebarens der Großen
Ravensburger Handelsgesellschaft im Vergleich mit genossenschaftlichen
Aktivitäten heute. Sind Genossenschafter die besseren und die faireren
Kapitalisten ("gerechter Preis" und "Gemeinwohlorientierung")? Heiligt der Zweck
immer die Mittel, vergleicht man etwa das Geschäftsgebaren eines Jakob Fugger
mit dem der Ravensburger Gesellschaft?
Aktualisierung II (
AB
17
,
AB
3
,
AB
5
):
Vergleich gängiger Unternehmensformen heute mit der Unternehmensstruktur der
Ravensburger Handelsgesellschaft (insbesondere mit der Genossenschaft eG):
Welcher Rubrik ließe sich wohl die Große Ravensburger Handelsgesellschaft heute
zuordnen? Ein Modell für heute?
- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Tübingen -