Landesgeschichtliche Einordnung
Autor: Dr. Volker Kronemayer (Arbeitskreis RP Karlsruhe)
in Zusammenarbeit mit Dieter Burkard
In der Zeit zwischen dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und der Französischen
Revolution gelingt dem fürstlichen Absolutismus der Durchbruch, setzt sich
dieser gegen die Interessen des Reiches und der Landstände durch. In den
größeren Flächenstaaten bildet sich ein säkularisierter Staat mit einer eigenen
Staatsidee heraus. Im Wesentlichen werden die politischen Rechte der alten
Stände nach Möglichkeit ausgeschaltet und eine (zentralisierte) staatliche
Verwaltung aufgebaut.
Zu den tragenden Säulen der dynastisch begründeten Herrschaft gehören der Hof,
der Verwaltungsapparat und ein stehendes Heer. Dabei strebt der Absolutismus
danach, den Fürsten zum ersten Vertreter des Staates zu machen. Auf der anderen
Seite ist das Volk Mittel und Objekt des Staates, nicht dessen Träger; es ist
zu passivem Gehorsam verpflichtet.
In der Abfolge der historischen Epochen steht der Absolutismus zwischen dem
spätmittelalterlichen, ständisch beschränkten Feudalstaat und dem
Verfassungsstaat des 19. Jahrhunderts. Im süddeutschen Raum entwickelt sich der
Absolutismus auf Grund zahlreicher Momente keinesfalls so geradlinig wie in
anderen Teilen Deutschlands: Die kleinräumige staatliche Gliederung ist neben
ausgeprägtem ständischem Bewusstsein in der Bevölkerung einer von zahlreichen
Gründen dieser Entwicklung. Die Entwicklung vom Territorialstaat mit
unterschiedlichen regionalen Eigeninteressen zum vereinheitlichten Flächenstaat
vollzieht sich nur mühsam, für Baden und Württemberg erst unter napoleonischer
Vorherrschaft.
Für die Ausprägung des Absolutismus sind im Südwesten Deutschlands überragende
Herrscherpersönlichkeiten, Fürstbischöfe eingeschlossen, unabdingbare
Voraussetzung. Sie wecken durch ihr Wirken in der Bevölkerung ihrer Territorien
das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit.
Dem Absolutismus der südwestdeutschen Kleinstaaten fehlt ein ausgeprägtes
Machtstreben. Ihre Oberhäupter sind in den Schwäbischen Kreis eingebunden,
gewöhnlich reichstreu und häufig dem Reich und dem Haus Habsburg verpflichtet.
DIE KURPFALZ

Territoriale Entwicklung der Kurpfalz von 1156 bis 1792
(Historischer Atlas Baden-Württemberg)
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(LMZ495920)
Pfalzgraf/dann Kurfürst Karl Ludwig (1649-1680)
Er kehrt 1649 in die zerstörte Heidelberger Residenz zurück. Er regiert anfangs
patriarchalisch und gilt als "Wiederhersteller der Pfalz". Im Laufe seiner
Regierungszeit orientiert er sich zunehmend an Ludwig XIV., dem "Sonnenkönig".
Seine Tochter Liselotte verheiratet er 1671 aus Gründen der Staatsräson mit dem
Herzog von Orléans, dem Bruder Ludwigs XIV.
In der Wirtschaftspolitik erweist er sich als Schüler des englischen und
holländischen Merkantilismus und sieht im Staat den Unternehmer.
Während des Dreißigjährigen Krieges ist die ständische Mitbestimmung beseitigt
worden, so dass Karl Ludwig die Akzise ohne Behinderung einführen kann. Er
verdoppelt zwischen 1659 und 1671 die Steuereinnahmen. Dennoch übersteigen die
Schulden von 1,9 Millionen Gulden die Einnahmen in Höhe von 400.000 Gulden. Und
er gibt 51% Prozent der Einnahmen für das Militär aus.
Karl Ludwig findet bei der Rückkehr in die Pfalz ein weitgehend entvölkertes
und zerstörtes Land vor. Vorrangig entscheidet er sich für den Wiederaufbau des
kriegszerstörten Mannheim, das durch seine Lage an Rhein und Neckar besonders
günstige Voraussetzungen für die Entwicklung zur Handelsstadt aufweist. Er
stattet 1652 die Stadt mit Handels- Gewerbe- und Zollfreiheit aus, um die
Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich Mannheim zu einer Handelmetropole
zwischen Süddeutschland und Holland entwickeln kann. Um die Stadt zu bevölkern
wendet er sich "an alle ehrliche Leut von allen Nationen". Zehn Jahre später
sind unter den 427 Grundbesitzern in Mannheim 235 mit französischen, 134 mit
deutschen, 44 mit niederländischen Namen; daneben treten noch einzelne
Eigentümer aus Schweden, Polen, Ungarn und anderen Ländern in Erscheinung. 1660
wird auch den Juden der Zuzug erlaubt, was zu neuer Zuwanderung führt.
Unter den baulichen Maßnahmen ist zu erwähnen, dass unter seiner Leitung ab
1656 das zerstörte Schwetzinger Schloss wieder aufgebaut wird. 1664 gibt er den
Auftrag, in Mannheim ein Schloss zu bauen. Obwohl die Maßnahmen nie ausgeführt
werden, ist doch an den Plänen die eindrucksvolle Größe nach Versailler Vorbild
deutlich zu erkennen.
Im Rahmen des Wiederaufbaus des Landes lässt Karl Ludwig 1649 bei der Gemeinde
Ketsch einen großen See für die Fischzucht anlegen. Heute verlandet, ist er in
seinen Umrissen immer noch gut in der Landschaft zu erkennen.
Mit dem Ableben von Kurfürst Karl von der Pfalz (1680-1685) stirbt die
Simmernsche Linie aus.
Kurfürst Philipp Wilhelm (1685-1690)
aus der Linie Pfalz-Neuburg tritt 1685 sein Amt an. Mit dem Regierungsantritt
des katholischen Regenten treten Spannungen zwischen den Calvinisten in der
Kurpfalz und den Katholiken auf, da die letzteren auf Grund der Verpflichtung
aus dem Schwäbisch Haller Rezess nunmehr gleichberechtigt werden.
Philipp Wilhelm behält seinen Sitz in Jülich-Berg bei. Trotz hoher
Militärausgaben ist die Pfalz bei Ausbruch des Pfälzischen Erbfolgekrieges
nicht in der Lage, dem französischen Gegner wirkungsvoll entgegenzutreten.
Kurfürst Johann Wilhelm (Jan Willem) (1690-1716)
betreibt eine erfolgreiche territoriale Erwerbspolitik. In Verträgen mit den
Bischöfen von Worms und Speyer sowie dem Erzbischof von Mainz erreicht er eine
planmäßige Ausweitung des kurpfälzischen Territoriums. Die von Ludwig XIV.
erhobenen Erbansprüche für seine Schwägerin Liselotte werden 1702 mit Geld
abgefunden.
Um den großen Finanzbedarf für die Hofhaltung und die Baumaßnahmen zu decken,
verpfändet er für 300.000 Gulden das Amt Boxberg an das Hochstift Würzburg.
Zahlreiche Baumaßnahmen, wie z. B. den Ausbau des Düsseldorfer Schlosses,
prägen seine Regierungszeit. Das Schloss Schwetzingen wird Sommerresidenz.
1698 wird in der Kurpfalz die Nutzung der evangelischen Kirchen als
Simultankirchen eingeführt.
Kurfürst Karl Philipp (1716-1742)
residiert erst ab 1718 in Heidelberg. Er gerät jedoch in Konflikt mit dem
reformierten Kirchenrat, versucht den Heidelberger Katechismus zu verbieten und
die Heiliggeistkirche zu seiner katholischen Hofkirche umzugestalten. Er muss
aber dem Druck der protestantischen Fürsten und des Kaisers nachgeben und gibt
1720 Heidelberg als Residenz auf. Er verlegt seinen Hofstaat nach Mannheim und
legt dort den Grundstein für das Mannheimer Schloss.
Die Geheime Konferenz mit sieben Ministern wird höchstes Verwaltungsorgan. Um
die Kosten des Hofstaates zu decken, werden die Ämter käuflich und erblich.
Mittels Erb- und Unionsverträgen versucht er, die Wittelsbachischen Gesamtlande
zu erhalten. Höhepunkt dieser Politik ist die Doppelhochzeit in Mannheim 1742:
Die Hochzeit seiner Enkelin Elisabeth Auguste mit Carl Theodor von
Pfalz-Sulzbach sowie die ihrer Schwester Maria Anna und dem Herzog Klemens von
Bayern.
Kurfürst Carl Theodor (1742-1799)

Kurfürst Carl Theodor um 1767
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LMZ-BW (Weischer)
ist der letzte absolutistische Herrscher der Pfalz. Im Geiste der Aufklärung
setzt er zahlreiche Reformen durch. So lässt er 1776 die Folter abschaffen.
Während seiner Zeit in Mannheim (bis 1789) entwickelt sich die Residenz zum
Zentrum der europäischen Kultur und Wissenschaft. Unter seiner Leitung beginnt
die Anlage des Schwetzinger Schlossgartens (1753-1795). Er gründet die
kurpfälzische Akademie der Wissenschaften; es entsteht eine Akademie der
bildenden Künste, ein Hoforchester und ein Hof- und Nationaltheater. Hier
werden 1782 Schillers "Räuber" aufgeführt. Es folgen zwei Jahre später "Fiesco"
und "Kabale und Liebe".
Die im 18. Jahrhundert aufkommenden aufklärerischen Freimaurerlogen und
radikalen Illuminatenorden werden zunächst geduldet, seit 1785 aber von Carl
Theodor verboten und verfolgt.
Der pfälzische Industrieprotektionismus setzt sich fort. Es entspricht den
Luxusbedürfnissen des Mannheimer Hofes, dass die keramische Industrie und die
Textilindustrie besonders gefördert werden. Frankenthal wird zum Mittelpunkt
von Industrie und Handel in der Kurpfalz (Zeugmanufaktur, Porzellanmanufaktur,
Seidenfabrik). Die Entwicklung geht zu Lasten der Landwirtschaft, trotz der
1770 gegründeten physikalisch-ökonomischen Gesellschaft, die ohne Erfolg mit
physiokratischen Argumenten für eine freie Handelspolitik eintritt.
Nach dem Tod des bayrischen Kurfürsten Maximilian 1777 erbt Carl Theodor Bayern
und muss nach München umsiedeln. Mit dem Wegzug des Hofstaates nach München
büßt Mannheim einen erheblichen Teil seiner Bevölkerung ein - und seiner
kulturellen wie auch wirtschaftlichen Bedeutung. Die pfälzischen Manufakturen
verlieren einen Großteil ihrer Kundschaft und geraten in eine schwere
Absatzkrise. Ende des 18. Jahrhunderts brechen sie völlig zusammen.
WÜRTTEMBERG

Territoriale Entwicklung von Württemberg bis 1796
(Historischer Atlas von Baden-Württemberg)
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Herzog Eberhard III.
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Unter Eberhard III. von Württemberg (1633-1674)
kann der im Dreißigjährigen Krieg gebildete Geheime Rat seine Macht ausbauen
und damit die ständischen Interessen weiter stärken. Er unternimmt keinen
Versuch, das Nebeneinander von fürstlicher Regierung und bürgerlich-bäuerlichen
Ständen zu ändern. Damit wird der Herrscher daran gehindert, einen
absolutistischen Obrigkeitsstaat zu errichten. Auch nach außen bleibt der Staat
schwach: 1665 fällt das Renchtal wieder an Straßburg.
Dennoch wächst der Finanzbedarf des Staates. Dieser wird nun direkt aus
ständischen Steuern entnommen, während man bisher Anleihen auf das Kammergut
aufgenommen hat, die die Stände nachträglich übernommen haben.
Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg (1693-1733)
baut Württemberg zu einem absolutistischen Staat um. Der Landtag wird seit 1699
nicht mehr einberufen; seine Funktionen werden auf Ausschüsse übertragen. 1703
beginnt man mit dem Bau des Schlosses Ludwigsburg.
Die Mätresse Wilhelmine von Grävenitz mischt sich in die Staatsgeschäfte ein.
Auf ihr Betreiben hin wird 1724 Ludwigsburg zur Residenz; seit 1709 dient es
neben Stuttgart als Residenzschloss.

Herzog Carl Eugen von Württemberg
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LMZ-BW (Jaeger)
Herzog Carl Eugen von Württemberg (1738-1793)
wird seit 1741 am Hofe Friedrichs des Großen erzogen. Unter vormundschaftlicher
Regierung erlangen die Stände wieder größeren Einfluss. Auch in Kreisen des
Bürgertums entwickelt sich das Standesbewusstsein im erklärten Gegensatz zum
Absolutismus.
Nach wechselvollen Auseinandersetzungen mit den Ständen muss Carl Eugen 1770
die ständischen Rechte im so genannten "Erbvergleich" anerkennen. Die Gründung
sozialer Wohlfahrtseinrichtungen sowie die Verbesserung der Infrastruktur des
Landes machen Carl Eugen populär. Ohne dass es wesentliche negative
Auswirkungen auf dieses Bild gehabt hätte, verkauft er 1787 elf
württembergische Kompanien (ca. 3.200 Mann) an die Niederländisch-Ostindische
Kompanie, die sie zum größten Teil in Südafrika einsetzt.
BADEN-BADEN

Die Territorialentwicklung Badens bis 1796
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Markgraf Wilhelm von Baden (1622-1677)
schafft in Baden-Baden eine geregelte Verwaltung und ordnet die Finanzen. Der
Landtag billigt 1652 eine ausführliche Akzis-Ordnung.
Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden ("Türkenlouis") (1677-1707)

Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden ("Türkenlouis")
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LMZ-BW
verlegt die Residenz von dem zerstörten Schloss Baden-Baden nach Rastatt. Hier
lässt er nach dem Vorbild von Versailles ein Schloss errichten (1697-1707) und
Rastatt zur Festung ausbauen.
Markgräfin Franziska Sibylla Augusta (1707-1727)

Markgräfin Franziska Sibylla Augusta
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LMZ-BW
führt nach dem Tod ihres Mannes Ludwig Wilhelm die Regierungsgeschäfte bis zur
Volljährigkeit des Markgrafen Ludwig Georg weiter. Sie gilt als Barockfürstin,
in der sich leidenschaftliche Lebensfreude mit inniger Frömmigkeit paaren. Sie
leitet tatkräftig den Aufbau des verarmten Landes und steuert zur
Schuldentilgung etwa zwei Millionen Gulden aus ihrem persönlichen Einkommen in
Böhmen bei. Die Fürstin führt den Bau der Residenz Rastatt nach dem Vorbild von
Versailles weiter und lässt 1710 bis 1712 Schloss Favorite als ihre
Sommerresidenz errichten.
Markgraf Ludwig Georg Simpert (1727-1761)
übernimmt 1727 die Regierungsgeschäfte von seiner Mutter Franziska Sibylla
Augusta.
Markgraf August Georg Simpert von Baden (1761-1771)
folgt seinem kinderlos verstorbenen Bruder Ludwig Georg Simpert im Amt. Da auch
aus seiner Ehe keine Nachkommen hervorgehen, stirbt mit seinem Tod die
Bernhardinische Linie aus und Baden-Baden wird mit Baden-Durlach vereinigt.
Markgraf Karl Friedrich von Baden-Durlach (1771-1811)
(siehe unter: Baden-Durlach)
BADEN-DURLACH
1656 wird der Landtag zum letzten Mal einberufen.
Markgraf Friedrich VI. von Baden-Durlach (1659-1677)
löst die Landstände 1668 widerstandslos auf.
Karl Wilhelm von Baden (1709-1738)

Markgraf Karl Wilhelm von Baden
©
LMZ-BW
ist der einzige Barockfürst der Durlacher Linie. Die wichtigsten industriellen
Gründungen sind die Tabakfabrik und die Fayencenfabrik in Durlach, die mit dem
Waisen- und Zuchthaus in Pforzheim verbundenen Textilmanufakturen und die
Eisenwerke in Kandern, Oberweiler und Hausen.
Von großer Bedeutung sind die Gründung von Karlsruhe im Jahr 1715 und der Bau
des Schlosses. Das Schloss liegt im Mittelpunkt eines strahlenartigen Systems
von Straßen, das der damaligen Einteilung der Kompassrose in 32 Striche
(entsprechend 32 Straßen) folgt. 1717 wird der Hof von Durlach nach Karlsruhe
verlegt. Große Tulpenanlagen und der Unterhalt zahlreicher Mätressen
kennzeichnen den Lebensstil von Karl Wilhelm.
Karl Friedrich von Baden-Durlach (1771-1811)
erbt 1771 die Markgrafschaft Baden-Baden und führt sie mit Baden-Durlach zur
Markgrafschaft Baden zusammen.
Mit ihm tritt Baden in die Phase des aufgeklärten Absolutismus ein. 1767 wird
die Folter abgeschafft, 1783 die Leibeigenschaft beseitigt.
VORDERÖSTERREICH

Territorialentwicklung der österreichischen Länder bis 1800
und Vorderösterreich um 1800
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(LMZ495921)
Im Westfälischen Frieden (1648) müssen das Reich und Österreich den Sundgau,
die Landgrafschaft des oberen und unteren Elsass und die Landvogtei über die
Reichsstädte von Kolmar bis Landau an Frankreich abtreten.
Seit 1635 befinden sich der Regierungssitz und die Hofkammer Vorderösterreichs
in Freiburg. Da das Land am Oberrhein nunmehr Grenzregion ist, wird es von der
Expansionspolitik Frankreichs getroffen. Im Friede von Nymwegen (1678) kommt
Freiburg im Austausch gegen Philippsburg an Frankreich; im Frieden von Rijswijk
(1697) fallen Freiburg und Breisach wieder an Österreich zurück.
Die Reformen Maria Theresias und Josephs II. verändern die Sozialstruktur des
Landes grundlegend. So werden die Einkünfte der Prälaten und Ritter durch die
Reform der Grundsteuer (1763) steuerpflichtig. Joseph II. trennt das
Gerichtswesen der oberen Instanz von der Verwaltung (1782). Ebenso verliert der
Ritterstand das Recht, Streitigkeiten seiner Mitglieder in erster Instanz zu
entscheiden. In das gleiche Jahr fällt die Aufhebung der Leibeigenschaft. Im
Zuge kirchlicher Reformen werden zweiundzwanzig Klöster in Vorderösterreich
aufgelöst.
1805 endet die Herrschaft Österreichs über diesen Landesteil.
Österreichisch-Schwaben
Das Territorium hat vom ausgehenden 15. Jahrhundert bis 1805 einen recht gleich
bleibenden Besitzstand: Markgrafschaft Burgau (Günzburg), Grafschaft Hohenberg
(Rottenburg, Horb, Oberndorf, Spaichingen), Landgrafschaft Nellenburg
(Stockach), Landvogtei Schwaben (Altdorf-Weingarten), die so genannten
"Donaustädte" Mengen, Munderkingen, Riedlingen, Saulgau und Waldsee sowie die
Städte Ehingen, Radolfzell und Konstanz. Die Grafschaft Tettnang und Argen
kommt 1780 dazu.
Diese Gebiete finden zu keiner politischen oder kulturellen Einheit zusammen.
Daran ändert auch die Einteilung in die Oberämter Rottenburg, Stockach,
Altdorf-Weingarten, Günzburg und ab 1780 Tettnang nichts. Mit Vorarlberg und
dem Breisgau ist Österreichisch-Schwaben ein Teil Vorderösterreichs und
untersteht bis 1752 der Regierung in Innsbruck. Seit 1759/1763 wird es von der
"Vorderösterreichischen Regierung und Kammer" in Freiburg verwaltet.
Im Pressburger Frieden (1805) fallen die Besitzungen Österreichs in
Südwestdeutschland an Württemberg, Baden und Bayern.
FÜRSTENBERG
Territoriale Entwicklung von Hohenzollern und der
Fürstenbergischen Lande von 1248 bis 1806
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(LMZ495922)
Die Fürstenberger erwerben 1627 die Herrschaft Messkirch und 1639 die
Landgrafschaft Stühlingen mit der Herrschaft Mewen. Damit hat das
fürstenbergische Territorium seine größte Ausdehnung erreicht.
Fürst Joseph Wilhelm Ernst (1744-1776)
vereinigt die Teilherrschaften des fürstenbergischen Territoriums in seiner
Hand. Der Begriff vom Fürstentum Fürstenberg kommt auf. Er richtet
zentralisierte Verwaltungsbehörden ein (Kollegium, Hofkammer, Oberämter,
Geheime Konferenz). Donaueschingen wird 1729 zur Residenz erhoben und mit
Barockbauten aufgewertet. Bibliothek und Gemäldesammlung sind Zeugen einer
intensiven Kulturpflege.
HOHENLOHE

Herrschaften zwischen Schwäbisch Hall, Crailsheim und Bartenstein
© Landesarchiv Baden-Württemberg (W. Zimmermann/A. Bengsch)/
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('4810731796_48359_13194')
Nach dem Aussterben der Linien Waldenburg (1679) und Pfedelbach (1728) kommt
der gesamte waldenburgische Landesteil in den Besitz der katholischen Grafen in
Schillingsfürst und Bartenstein. Der letzte Pfedelsbacher Fürst versucht noch
die protestantische Konfession, die durch den Westfälischen Frieden von
auswärtigen Mächten garantiert wird, für sein Territorium zu sichern.
Streitigkeiten zwischen den absolutistisch regierenden Hauptlinien in Hohenlohe
halten bis 1782 an. Die stark verschuldete Waldenburger Linie wird 1744
einseitig in den Reichsfürstenstand erhoben; ihr folgt 1764 die Neuensteiner
Linie.
Hohenlohe-Schillingsfürst
Der Besitz ist ab 1553 in die Hauptlinien Neuenstein und Waldenburg geteilt,
weitere Verzweigungen folgen. So bestehen um 1800 sechs Linien: Ingelfingen,
Kirchberg, Langenburg und Öhringen aus dem Neuensteiner Stamm, Bartenstein und
Schillingsfürst aus dem Waldenburger Stamm.
LÖWENSTEIN

Teilungen in fränkischen Hochadelshäusern: Hohenlohe, Limpurg,
Löwenstein und Nachbarterritorien (Historischer Atlas von Baden-Württemberg)
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(LMZ495923)
Nach der Burg Löwenstein bei Heilbronn nennen sich nacheinander drei
verschiedene Familien. Ludwig aus der Ehe des Pfalzgrafen Friedrich mit der
Augsburger Bürgertochter Clara Dettin begründet 1494 eine neue Linie. Aus ihr
gehen die Linien Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (1812 gefürstet) und
Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (1711 gefürstet) hervor.
KÖNIGSEGG

Wanddetail in Schloss Königsegg, Reichenau
©
LMZ-BW (Hauswirth)
Die Grafen von Könisegg erwerben zu ihrem Stammsitz um Königsegg und Aulendorf
1565 die Grafschaft Rothenfels im Allgäu, die sie 1804 im Tausch gegen
ungarische Güter wiederum an Österreich verkaufen.
RECHBERG

Rechberg
©
LMZ-BW (Weischer)
Die Herren von Rechberg behaupten einen kleinen reichsritterschaftlichen Besitz
um den Hohenstaufen. Die Anerkennung als Grafen erhalten sie 1607, endgültig
1810.
LIMPURG
Die Schenken, die von der Limpurg bei Schwäbisch Hall ausgehen, mehren südlich
von Hall ihren Besitz im 13. und 14. Jahrhundert. Im Rheinbundvertrag erhält
Württemberg die Souveränität über die Reste der ehemaligen Herrschaften in
Gaildorf und Sontheim.
THURN UND TAXIS
Die Fürsten von Thurn und Taxis erwerben 1723 die reichsstädtische Herrschaft
Eglingen. 1786 erwerben sie an der oberen Donau die Reichsgrafschaft
Friedberg-Scheer aus waldenburgischen Besitz. 1806 gehen ihre Besitzung an
Württemberg und Hohenzollern-Sigmaringen über.
HOHENZOLLERN

Burg Hohenzollern
©
LMZ-BW (Steinhorst)
Der Besitz der Grafen von Zollern spaltet sich 1576 in die Linien Hechingen,
Sigmaringen und Haigerloch auf. Der Grafschaft Sigmaringen fällt 1634 die
Herrschaft Haigerloch zu.
Die Linien Hechingen und Sigmaringen werden 1623 in den Reichsfürstenstand
erhoben. Auf Grund der Familienbindung mit
nürnbergisch-brandenburgisch-preußischen Hohenzollern und den persönlichen
Verbindungen zur Familie Napoleon (Kaiserin Josephine) entgehen die
Herrschaften der Mediatisierung und bestehen als Rheinbundstaaten fort.
Zwischen 1803 und 1806 wird Sigmaringen durch Mediatisierung und
Säkularisierung erheblich erweitert.
Hohenzollern-Hechingen
Die Kosten für die fürstliche Hofhaltung in der Grafschaft
Hohenzollern-Hechingen beanspruchen die verarmten Untertanen so sehr, dass es
zu einem hundertjährigen "Untertanenstreit" kommt, der erst 1795/1798 durch
Vergleich beigelegt wird.
KLETTGAU
1687 kommt die aus den Ämtern Jestetten und Tiengen bestehende Landgrafschaft
des letzten Landgrafen von Sulz Johann Ludwig II. (1648-1687) an dessen
Schwiegersohn Fürst Ferdinand von Schwarzenberg (1787-1803). Dessen Nachkommen
halten sich zumeist in Wien oder auf ihren böhmischen Besitzungen auf. Durch
die Rheinbundakte von 1806 kommt die Landgrafschaft an Baden.
TENGEN
Seit 1522 befindet sich die Grafschaft Tengen im Besitz des Hauses Habsburg.
Diese veräußern die Grafschaft 1663 an Auersperg.1806 gelangt die seit 1664
gefürstete Grafschaft an Baden.
GEROLDSECK

Hohengeroldseck
©
LMZ-BW(Weischer)
Der Besitz der Geroldsecker Hauptlinie geht bereits 1504 als Lehen an
Österreich über. Die Linie stirbt 1634 aus. Nach dem Aussterben der Linie 1634
setzt Österreich Hartmann von Cronberg ein.
Nach dem Erlöschen dieser Familie wird nach einem kurzen baden-durlachischen
Zwischenspiel (1692-1697) Karl Kaspar von der Leyen mit der Herrschaft belehnt.
Er wird 1700 in den Reichsgrafenstand erhoben.
Im Rheinbundvertrag von 1806 werden die von der Leyen zu souveränen Fürsten.
Der Wiener Kongress stellt die österreichische Lehenshoheit wieder her. 1819
geht das Territorium an Baden über.
GEISTLICHE TERRITORIEN

Entwicklung ausgewählter geistlicher Territorien in
Südwestdeutschland (Historischer Atlas von Baden-Württemberg)
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(LMZ495925)
HOCHSTIFT KONSTANZ
Der Bischof von Konstanz ist im Schwäbischen Kreis der erste unter den
geistlichen Fürsten Schwabens und gemeinsam mit dem Herzog von Württemberg
kreisausschreibender Fürst. Der rechtsrheinische Besitz gehört zum Schwäbischen
Kreis, der linksrheinische steht unter der Oberhoheit der Schweizer
Eidgenossenschaft. Generalvikar Ignaz Heinrich von Wessenberg verwaltet die
Diözese an Stelle des letzten Bischofs Karl Theodor von Dalberg (1800-1817).
Mit dem Umsturz in der Schweiz 1798 verliert der Bischof diesen Besitz. 1803
gelangt das rechtsrheinische Territorium an das Haus Baden. Residenz des
Fürstbischofs waren Burg und Schloss Meersburg.

Neues Schloss in Meersburg
©
LMZ-BW (Weischer)
HOCHSTIFT STRASSBURG
Das Bistum wird im Zuge der Reunionen 1689, soweit linksrheinisch, der
französischen Souveränität unterstellt. Nach Ausbruch der Französischen
Revolution verlegt der Bischof seine Residenz nach Ettenheim. Die
rechtsrheinischen Besitzungen werden im Reichsdeputationshauptschluss 1803
säkularisiert und fallen an Baden.
HOCHSTIFT SPEYER
Bischof Christoph Philipp von Sötern (1610-1652)
lehnt sich an Frankreich an, das auch nach dem Westfälischen Frieden die
Festung Philippsburg besetzt hält.
Damian Hugo von Schönborn (1719-1743)
wird 1719 Bischof von Speyer, 1740 auch Bischof von Konstanz. Um dem
andauernden Streit mit den Bürgern von Speyer zu entgehen, verlegt er seine
Residenz in das von ihm erbaute Schloss Bruchsal. Dort lassen er und sein
Nachfolger Franz Christoph von Hutten (1743 - 1770) eine neue Residenz
aufbauen.
Bischof August Wilhelm von Limburg-Styrum (1770-1797)
regiert im Stil des Aufgeklärten Absolutismus.
In den Französischen Revolutionskriegen (1801/1803) löst sich das Hochstift
auf.

Schloss Bruchsal
©
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HOCHSTIFT WORMS
Das Hochstift Worms verliert zwischen 1791 und 1801 seine linksrheinischen
Besitzungen, in Säkularisation 1803 schließlich auch seine rechtsrheinischen
Güter.
KURERZSTIFT MAINZ
Während des Dreißigjährigen Krieges dient das Mainzer Territorium häufig als
Kriegsbeute für die Verbündeten der Schweden. Die Herrschaft Hirschhorn im
Neckartal mit dem Dorf Eschelbach im Kraichgau kommt 1632 durch Heimfall wieder
an Mainz.
Gebiete an der Bergstraße sind seit 1463 an die Kurpfalz verpfändet. Im
Westfälischen Frieden wird bestimmt, dass diese an die Pfalz verpfändeten
Gebiete an der Bergstraße wieder ausgelöst werden können, was 1650 dann
geschieht. Die hierzu gehörende Herrschaft Schauenburg (bei Dossenheim) tauscht
Mainz gegen Viernheim und einige kleinere Orte im Taunus.
KLÖSTER UND STIFTE
Die reichsunmittelbaren schwäbischen Klöster sind im Schwäbischen
Reichsprälatenkollegium zusammengeschlossen. Sie haben eine gemeinsame
Vertretung beim Reichstag (Kuriatstimme), im schwäbischen Kreistag treten sie
mit Einzelstimmen (Virilstimmen) auf.
Beispielhaft sind zu nennen:
Fürstpropstei Ellwangen

Schloss Ellwangen
©
LMZ-BW (Weischer)
Das Chorherrenstift (einst Benediktinerabtei) Ellwangen besitzt das
bedeutendste klösterliche Territorium. Unter Franz Georg von Schönborn
(1732-1756) wird die innere Organisation des Stiftes ausgebaut. Als
Fürstpropstei verfügt das Stift über eine eigene Stimme auf dem Reichstag. Zu
dem Stift gehören die Ämter Heuchlingen, Kochenburg, Röteln, Tannenburg und
Wasseralfingen. Die Fürstpropstei fällt 1803 an Württemberg.
Marchtal
Eine zielstrebige Politik der territorialen Ausweitung führt im 18. Jahrhundert
zu einem Gebiet von drei Quadratkilometern mit 22 Dörfern und Weilern. Die
Klosteranlage mit der 1686 bis1701 errichteten Kirche St. Peter und Paul wird
von den Vorarlbergern Baumeistern Michael Thumb und Franz Beer errichtet. Die
besonders prächtigen und aufwändigen Teile des Konventshauses mit Refektorium
und der unvollendeten Bibliothek werden durch den Deutschordensbaumeister
Bagnato Mitte des 18. Jahrhunderts angefügt.
Das Kloster wird 1802 dem Fürsten von Thurn und Taxis zugesprochen. Die
Landeshoheit fällt 1806 an Württemberg.
Neresheim

Entwurf der Klosterkirche 1747
©
LMZ-BW (Jaeger)
Das Benediktinerkloster Neresheim wird 1764 reichsunmittelbar. Die
Ablösungszahlungen an das Haus Öttingen-Wallerstein, die in diesem Zusammenhang
anfallen, sind hoch: Das Kloster erlässt dem Fürstenhaus 9.000 fl Schulden und
zahlt weitere 40.000 fl.
1802 wird das Kloster aufgehoben, sein Besitz an die Fürsten Thurn und Taxis
übertragen. Die Landeshoheit fällt 1806 an Bayern, 1810 an Württemberg. Seit
1919 leben wieder Benediktiner im Kloster.
Rot an der Rot

Klosteranlage Rot an der Rot
©
LMZ-BW (Weischer)
Die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges und ein Brand 1681 leiten eine
umfangreiche Bautätigkeit ein, in welche die Klosterkirche, das Konventsgebäude
und Kapellen mit einbezogen sind.
Die Säkularisation trifft 1802/03 ein Klostergebiet von etwa 80 qkm mit 45
Dörfern und Weilern.
1803 werden die Besitzungen dem Grafen Kolb von Wartenberg zugesprochen; 1808
erbt sie der Graf von Erbach. Die Landeshoheit fällt 1806 an Württemberg.
Schussenried

Schussenried - Klosterprospekt von Gabriel Weiß 1722
©
LMZ-BW (Jaeger)
Das Territorium des Klosters umfasst zwei Quadratmeilen mit siebenundzwanzig
Dörfern, Weilern und Höfen; auf fremden Gebieten liegen weitere
siebenundzwanzig Ortschaften.
Das Kloster entfaltet im 18. Jahrhundert eine umfangreiche Bautätigkeit. Der
Konventsbau schließt einen reich ausgestalteten Bibliothekssaal ein, der 1754
-1764 errichtet wird. Dominikus Zimmermann erbaut 1728 bis 1733 die
Wallfahrtskirche St. Peter und Paul in Steinhausen.
1806 fällt das Kloster an Württemberg.
Zwiefalten

Kloster Zwiefalten
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LMZ-BW (Steinhorst)
Das Kloster Zwiefalten erlangt 1750 die Reichsunmittelbarkeit. Dafür tritt es
mehrere Orte im Umkreis von Reutlingen an Herzog Eberhard Ludwig von
Württemberg ab und zahlt darüber hinaus 170.000 fl. Entschädigung. Trotz der
hohen Belastungen beginnt man mit dem Bau der Klosterkirche und des
Konventsgebäudes, die 1765 geweiht werden.
Durch die Säkularisation 1803 fällt das Kloster an Württemberg.
Ochsenhausen

Kloster Ochsenhausen
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LMZ-BW (Steinhorst)
In dem kleinen Territorium des Klosters Ochsenhausen (1620-1802) besteht eine
"Landschaft", die vornehmlich für die Steuer zuständig ist. Das
Landschaftsrecht ist an bestimmte Höfe gebunden, weshalb die "Landschaft"
oligarchischen Charakter hat.
Der große Besitz des Klosters Ochsenhausen fällt in der Säkularisation um
großen Teil dem Grafen Metternich zu. 1805 gelangt der Besitz an Württemberg.
Salem

Klosterkirche Salem
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LMZ-BW (Grenzemann)
Das Kloster Salem ist das bedeutendste reichsunmittelbare schwäbische
Zisterzienserkloster. 1697 wird das bis auf die Kirche abgebrannte Kloster
unter Abt Stephan Jung wieder aufgebaut. Im 18. Jahrhundert erlebt das Kloster
eine Blütezeit. In der Säkularisation fällt das Kloster an Baden und Thurn und
Taxis.
Säckingen

Fridolinsmünster mit Rheinbrücke
©
LMZ-BW
Das Damenstift Säckingen behält seine Eigenständigkeit bis 1806. Die Äbtissin
ist Reichsfürstin, die Vogtei liegt in den Händen der Habsburger.
Schöntal

Kloster Schöntal
©
LMZ-BW (Jaeger)
Die lange Regierungszeit des Abtes Benedikt Knittel führt zu einer Blütezeit
Schöntals. Unter der Leitung von Johann Leonhard Dientzendörfer (1708-1727),
Angelus Münch (1732-1761) und Augustin Brunquell (1761-1784) werden Kirche und
Konventsgebäude errichtet.
Das Zisterzienserkloster Schöntal wird in der Säkularisation Württemberg
angeschlossen.
St. Blasien

Fürstabtei St. Blasien - Gesamtprospekt von Salzmann 1772
©
LMZ-BW (Jaeger)
Der Abt von St. Blasien ist seit 1613 Territorialherr. Seit 1662 haben die Äbte
wegen der Reichsherrschaft Bonndorf Sitz und Stimme auf der Grafenbank der
Schwäbischen Kreistage und des Reichstages.
Im 18. Jahrhundert erlangt das Kloster einen großen wissenschaftlichen Ruf. In
dieser Zeit wird auch das abgebrannte Konventsgebäude neu aufgebaut und die
Kirche errichtet.
Der Prälat von St. Blasien wird 1746 zum Fürstabt erhoben. Der Abt verwaltet
die vier Ämter seiner Herrschaft ohne ersichtliche Mitwirkung des
Klosterkonvents.
Martin II. Gerbert wird am 15. Oktober 1764 Fürstabt von St. Blasien. Unter
seiner Herrschaft entwickelt sich St. Blasien zu einem bedeutenden Zentrum der
methodischen Geschichtsforschung.
Weingarten

Klosteranlage von Westen
©
LMZ-BW (Steinhorst)
Das reichsunmittelbare schwäbische Kloster Weingarten gilt als sehr reich.
Unter Abt Sebastian Hyller (1697-1730) entsteht die Basilika; die ab 1727
errichtete großartige Klosteranlage wird nie vollendet.
1802 fällt das Kloster an Nassau-Oranien-Dillenburg, dann 1806 an Württemberg.
Chorherrenstift Comburg
Die Comburg steht seit 1541 unter der Hoheit des Bischofs von Würzburg. 1802
kommt es an Württemberg.
RITTERORDEN
Deutscher Orden
Der Besitz des Deutschen Ordens ist im Tauberoberamt Mergentheim, dem
Neckaroberamt Horneck und dem Oberamt Ellingen zusammengefasst. In Schwaben
gehört dem Orden die Kommende Altshausen; hier befindet sich der Sitz des
Landkomturs der Ballei Elsass und Burgund. Die Kommende Mainau im Bodensee
gehört zu dieser Ballei.
Heitersheim

Heitersheim 1663 (nach Merian)
©
LMZ-BW
Das Johannitergroßpriorat Heitersheim liegt am Baseler Rheinknie.
Im Rheinbundvertrag fällt Heitersheim 1806 an Baden.
REICHSSTÄDTE

Territoriale Entwicklung der Freien Städte und Reichsstädte
bis 1803 (Historischer Atlas von Baden-Württemberg)
© Landesvermessungsamt/Kommission für geschichtliche Landeskunde/
LMZ-BW
Download für registrierte Lehrkräfte unter
www.medienrecherche.lmz-bw.de
(LMZ495924)
Die nördlich der Alb befindlichen Reichsstädte fallen im
Reichsdeputationshauptschluss größtenteils an Württemberg. Ulm und die
oberschwäbischen Städte gehen an Bayern, ausgenommen Biberach, Pfullendorf und
Überlingen, die Baden zugeschlagen werden. Buchau fällt an Thurn und Taxis,
Isny an die Reichsgrafen von Quadt, 1806 an Württemberg. Offenburg, Gengenbach
und Zell werden badisch.
In den Jahren bis 1810 gelangen die westlich der Iller gelegenen Reichstädte an
Württemberg, Pfullendorf und Überlingen bleiben bei Baden.
Ulm
Die Bürger
von Ulm sind seit 1778 über die drückende Steuerlast unzufrieden. In Prozessen
vor dem Reichshofrat, die bis 1802 geführt werden, verlangen sie von der
oligarchischen Stadtregierung Mitspracherecht in Steuersachen sowie eine Reform
von Justiz und Verfassung.
Reichsritterschaft
Der Schwäbische Ritterkreis gliedert sich in die Kantone: an der Donau, im
Hegau, Allgäu und am Bodensee, am Kocher, im Kraichgau und am Neckar und
Schwarzwald. Als besonderer Bezirk ist seit dem 16. Jahrhundert der Bund der
Ortenauer Geschlechter an den Bezirk Neckar-Schwarzwald angeschlossen.
1805/1806 werden die Reichsritterschaften mediatisiert.
Staatenübergreifender/ europäischer Bezug
Es ist ein Allgemeinplatz festzustellen, dass sich der Absolutismus in
Südwestdeutschland an dem französischen Vorbild Ludwigs XIV. orientiert. Auf
den Bau des Mannheimer Schlosses wurde bereits hingewiesen. Von besonderer
Bedeutung für das Rheintal und die Pfalz sind andererseits die Folgen des
Pfälzischen Erbfolgekrieges 1688 bis 1697. Ludwig XIV. erhebt für die Gemahlin
seines Bruders Philipp von Orléans, Elisabeth Charlotte (Liselotte von der
Pfalz) Ansprüche auf den Allodialbesitz der 1685 ausgestorbenen Linie
Pfalz-Simmern. Entgegen dem Kriegsstil der Zeit beschließt der französische
Kriegsrat das Land systematisch zu zerstören.
Im Raum Rastatt setzt insbesondere die Person von Markgraf Ludwig Wilhelm von
Baden-Baden besondere Akzente. Nach dem Sieg über die Türken vor Wien 1683 ("Türkenlouis")
und nach den Verteidigungskriegen am Oberrhein steigt er zum
Reichsfeldmarschall auf. Der Sieg vor Wien begründet eine bis in das 18.
Jahrhundert hineinreichende Türkenmode, die z. B. im Bau der Moschee im
Schwetzinger Schlossgarten zum Ausdruck kommt.
In der Folge des Dreißigjährigen Krieges werden vornehmlich im Breisgau und am
Oberrhein Schweizer und Einwanderer aus Savoyen (Oberitalien) angesiedelt. In
den Raum Ostalb und Neckarbecken wandern massenhaft Österreicher ein. Die
Einwanderung aus dem Alpenraum läuft um 1690 aus.
Württemberg verweigert nach der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 noch die
Aufnahme von Hugenotten, nimmt aber Waldenser aus dem Piemont auf. 1698 wird
eine Gruppe von etwa 3.000 Waldensern im verwüsteten Nordwesten Württembergs
angesiedelt.
In der Kurpfalz werden vorzugsweise Einwanderer aus katholischen Ländern
aufgenommen. Dies ermöglicht Kurfürst Johann Wilhelm eine systematische
Rekatholisierung seines Territoriums. Simultankirchen entstehen. Schließlich
werden durch die Religionsdeklaration von 1720 Kirchen und Kirchenvermögen im
Verhältnis von 5:2 zwischen Katholiken und Reformierten geteilt.
Baden-Durlach nimmt nun Hugenotten sowie Protestanten aus Savoyen auf und
siedelt wallonische Familien an, die in der Pfalz nicht mehr existieren können.
- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Karlsruhe -