Hintergrundinformationen
1. Bedeutung
Das Maschenmuseum in Tailfingen, einem Teilort Albstadts,
bildet die Geschichte der Textilindustrie auf der Schwäbischen Alb seit der
Mitte des 18. Jahrhunderts ab. In einem ehemaligen Fabrikgebäude der Firma
Mayer & Cie. beheimatet, zeigt das Maschenmuseum die Entwicklung von der
vorindustriellen Fertigung in Heimarbeit über die Frühindustrialisierung bis
zur Trikotagenproduktion in den 1970-ern.
Im schulischen Kontext ist dieser Lernort besonders dazu geeignet, die
Industrialisierung vor Ort - hier am Beispiel der Schwäbischen Alb - zu
veranschaulichen. Das Verständnis für den Zusammenhang zwischen Arbeiten und
Leben wird über einen langen Zeitraum (ab ca. 1750 bis ins späte 20.
Jahrhundert) geschult. Schüler können darüber hinaus einzelne Maschinen in
ihrer Größe und ihrer Funktionsweise erleben. Das Museum bringt Schülern also
einerseits die Maschinen, deren Entwicklung und die Arbeitstechniken der
Textilindustrie, andererseits deren Auswirkungen auf das Leben der Bewohner und
die Region nahe. Das Maschenmuseum bietet so eine Vielzahl von
unterschiedlichen Einblicken in die Geschichte der regionalen Beschäftigung der
letzten 250 Jahre.
2. Geschichte
1750
Das Strumpfweberhandwerk wird zünftig.
1834
erste Dampfmaschine in Ebingen; Deutscher Zollverein
1836
erster Rundwirkstuhl in Ebingen
1853
erste Rundwirkmaschinen in Tailfingen

Die Dampfmaschine im Erdgeschoss funktioniert bis zum heutigen Tag.
© Dieter Grupp
1862
Gaswerk Johann Martin Landenberger
1865
Auflösung der Ebinger Zünfte
1878
Eisenbahnanschluss für Ebingen
1885
Gründung der Fa. Gebrüder Haux

Offene Damen-Unterhose (sog. „Stehbrunzhose“), um 1910
© Dieter Grupp
1888
Stromerzeugung für den Betrieb Jakob Ott
1901
Eisenbahnanschluss für Tailfingen (sog. Talgangbahn)
1902
Elektrizitätswerk Veringendorf
1906
Bau der Werkssiedlung der Fa. Gebrüder Haux
ab 1930
Verwendung synthetischer Fasern
1987
Insolvenz der Fa. Gebrüder Haux, Ebingen

Darstellung des heutigen Albstädter Ortsteils Tailfingen um 1910
© Dieter Grupp
3. Anlage

Übersicht über die Rundwirkstühle des Hauptausstellungsraums im ersten Stock
© Dieter Grupp
Das Maschenmuseum liegt im Ortskern Tailfingens in einer ehemaligen
Textilfabrik. Das Fabrikgebäude ist repräsentativ für die industrielle
Fertigung des 19. Jahrhunderts: In vielen untereinander verbundenen
Einzelgebäuden, die das Wachstum der Firma Mayer & Cie. abbilden, werden
Maschinen, Fertigungsprozesse, gesellschaftliche Voraussetzungen sowie
Arbeitsbedingungen dargestellt.
Neben der Hauptausstellung gibt es ständig wechselnde Sonderausstellungen zum
Thema Textilien und Mode.
Das Museum erstreckt sich über drei Stockwerke in zwei Gebäuden, die über ein
Treppenhaus und einen Verbindungsgang auf jedem Stockwerk miteinander verbunden
sind.
Dabei beginnt der "Rundgang" im 2. Stock des Hauptgebäudes in vorindustrieller
Zeit, setzt sich über den 1. Stock des Hauptgebäudes fort (Industrialisierung)
und endet im Erdgeschoss mit Ausstellungsstücken zur Mode des 20. Jahrhunderts
sowie der großen Dampfmaschine (vgl. Bild oben).
Im zweiten Gebäude befinden sich im 2. Stock die Wechselausstellungen, im 1.
Stock ein beeindruckender Maschinenraum mit einer Reihe (funktionstüchtiger)
Maschinen des frühen 20. Jahrhunderts sowie ein Filmraum. Im Erdgeschoss ist
ein Aufenthaltsraum für Pausen (und mit Schulklassen: Plenumsphasen) untergebracht.
- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Tübingen -