Hintergrundinfo
1. Bedeutung
Es gibt mehrere Gründe, die für die unterrichtliche Relevanz der
Beschäftigung mit historischen Jugendbüchern im Fach Geschichte sprechen. Diese
gelten auch für den gerade rechtzeitig zum Schickhardt-Jahr erschienenen
Jugendroman "das schickhardthaus":
- SchülerInnen der Sekundarstufe I, für die dieser Roman geeignet ist, sind in einem Alter, in dem sie die Kompetenz erwerben sollen, Fiktion und Realität zu unterscheiden und gegeneinander abzugrenzen. Dafür bietet das historische Jugendbuch nicht nur motivierende Trainingsmöglichkeiten, sondern es werden in ihrem Gefolge weitere bedeutsame Kompetenzen vertieft.
- Denn die Abgrenzung von Fiktion und Realität kann nur gelingen, wenn der fiktive Text und die themengleiche Quelle (sowohl Text als auch Bild), aus der geschöpft wurde, jeweils auf ihre sprachlichen und inhaltlichen Besonderheiten befragt werden, also interpretatorisch bzw. textkritisch gearbeitet wird.
- Daraus folgt, dass es sich bei diesem Unterrichtsprojekt um ein
fächerverbindendes Unternehmen handelt, in dem die Fächer
Geschichte (kritischer Umgang mit Text- und Bildquellen) und Deutsch (Interpretation fiktiver Texte) kooperieren. - Aus beiden fachlichen Ansätzen lassen sich im Anschluss an die
Arbeit am Jugendbuch weitere, fachspezifisch vertiefende Wege beschreiten, auf
die "das schickhardthaus" altersstufengemäß und damit motivierend hinführt.
a) Da der Jugendroman den Quellen folgend geschrieben ist, bietet er für das Fach Geschichte Ansätze zu einer vertiefenden Beschäftigung mit Leben und Werk Schickhardts sowie mit der Zeit um 1600, die nördlich der Alpen als eine Übergangsphase vom Spätmittelalter zur frühen Neuzeit zu sehen ist.
b) Für das Fach Deutsch ist es bedeutsam, dass die Textarbeit ergänzt wird durch die Begegnung mit der Autorin. Das damit verbundene Werkstattgespräch bietet für die SchülerInnen Anregungen zu eigenen Schreibversuchen, so dass die Arbeit mit dem Jugendbuch methodisch zu der handlungsorientiert kreativen Vorgehensweise der Schreibwerkstatt hinführen kann.
2. Geschichte der Entstehung des Buches
Wer schrieb das Buch und liest daraus vor?
Kurzbiografie der Autorin: Beatrice Adloff, geboren 1950, studierte
Philosophie, Politik und Kunstgeschichte in München, Frankfurt und Würzburg.
Nach der Promotion zum Dr. phil. arbeitete sie freiberuflich publizistisch,
ebenso nach der Heirat und der Geburt ihrer drei Kinder. Sie lebt heute in
Stuttgart, ist in der Erwachsenenbildung tätig und schreibt Jugendbücher.
Auf die Frage, wie sie dazu gekommen sei, Heinrich Schickhardt zum Thema eines
Jugendbuches zu machen, erklärte die Autorin, dass sie im Stuttgarter
städtischen Lapidarium bei einem Spaziergang zufällig Baureste von Schickhardts
Stuttgarter Wohnhaus gesehen habe. Das Haus an der Ecke Hospital-/Kanzleistraße
war im II. Weltkrieg durch Bomben schwer beschädigt und nicht mehr aufgebaut
worden. Das Tor des Gebäudes kam als Baurest ins Städtische Lapidarium an der
Mörikestraße. Das Gefundene weckte bei ihr Neugierde und regte zugleich ihre
Phantasie an. So begab sie sich auf eine Spurensuche zur Biografie Schickhardts.
Diese nahm zusammen mit dem Schreiben des Buches knapp drei Jahre in Anspruch.
(Weitere Fragen an die Autorin)
3. Aufbau des Buches
Bibliographische Angabe
Beatrice Adloff: das schickhardthaus. Edition Octopus, Verlagshaus Monsenstein
und Vannerdat OHG Münster. Wegen einer Panne bei der Herstellung der ersten
Auflage bitte beim Kauf darauf achten, dass im Impressum der Vermerk steht: ©
2008 der vorliegenden zweiten Ausgabe.
(ISBN 978-3-86582-465-3)
Der Aufbau des Buches
In 15 Kapiteln wird die Biografie Schickhardts in Rückblicken entfaltet, indem
der von marodierenden Soldaten schwer verletzte alte Mann Anfang des Jahres
1635 einem etwa 10- bis 12-jährigen Jungen bedeutende Abschnitte aus seinem
Leben während der Krankenwache erzählt. Der Junge (Eugen) sowie dessen Familie
und das Gesinde, die alle in Schickhardts Haus wohnen und sich um ihn kümmern,
sind fiktiv. Der Schauplatz, Schickhardts Stuttgarter Wohnhaus, wird im Roman
in Anlehnung an die Zeichnungen des Meisters in seinem autobiografischen Werk,
dem Inventarium, gestaltet. Der Jugendroman endet mit dem Tod Schickhardts und
dem drohenden Ausbruch der Pest in Stuttgart.
1. Kapitel: Ans Haus gebunden
Nach der Schlacht bei Nördlingen von 1634 machen marodierende Söldner das
Herzogtum Württemberg und auch die Hauptstadt unsicher. Die Lateinschule, die
Eugen besucht, ist geschlossen. Er darf das Haus nur in Begleitung verlassen:
So geht er mit seiner Mutter und der Nichte (historische Person) Schickhardts
zum Hospitalhof (→ Überleitung zur
Haupthandlung).
2. Kapitel: Straßenunruhen
Es folgt der historisch belegte Überfall durch Söldner, in dessen Verlauf
Schickhardt schwer verletzt wird.
3. Kapitel: Wunden heilen
Während der Stadtarzt Breuning (historische Gestalt) den Verletzten versorgt,
erinnert Eugens Vater den Jungen an einen gemeinsamen Ritt nach Herrenberg und
erwähnt in diesem fiktiven Rückblick quellenmäßig belegte Leistungen des
Meisters für seine Geburtsstadt - die Sanierung des Oberen Sees und die
Überprüfung der Akustik in der Stiftskirche.

Herrenberg, Marktbrunnen. Die Gassen und der Marktplatz der Fachwerkstadt
Herrenberg besitzen zwar immer noch das Flair der spätmittelalterlichen Stadt,
in der Schickhardt geboren wurde und aufwuchs. Aber weder sein Geburtshaus in
der Tübinger Straße noch das spätere Wohnhaus in der Bronngasse sind erhalten;
die Stadt erlitt 1635 einen großen Stadtbrand.
© Maria Würfel, Schwäbisch Gmünd
4. Kapitel: Nachtwache
Eugen hält bei dem Kranken Nachtwache und liest aus den Schriften von Marco
Polo vor (fiktiv, dient der Ausgestaltung des Zeitkolorits).
5. Kapitel: Neue Kräfte
Der Zustand Schickhardts scheint sich zu bessern. Er zeigt dem wissbegierigen
Jungen, mit welchen Hilfsmitteln Land vermessen wird (→
Schickhardt als Landvermesser).
6. Kapitel: In jungen Jahren
Schickhardt erzählt Eugen aus seiner Jugend in Herrenberg. Im Mittelpunkt
stehen historische Personen wie sein künftiger Schwiegervater Grüninger und
dessen Tochter Barbara sowie sein Gönner, der Obervogt Burkhard von Anweil, der
ihm die wichtige Stelle beim Landbaumeister Beer verschaffen wird.
7. Kapitel: Der kleine Bruder Laux
Die Erzählung der Lebensgeschichte wird fortgesetzt: Über seinen jüngeren
Bruder Laux (Lukas) lernt Schickhardt die Geometrie kennen, die er für seinen
künftigen Beruf so dringend braucht. Der Leser erfährt außerdem, dass er beim
Landbaumeister Beer in hohem Ansehen stand und um die Hand von Barbara anhielt.
8. Kapitel: Zukunftspläne
Eugen will Schickhardt nacheifern und Baumeister werden. Man bekommt Einblick
in Arbeit und Alltag der kleinen Leute, vor allem der Gesellen am Bau.

Herrenberg, Stiftskirche mit dem prächtigen spätgotischen Südfenster. Am Hang
des Schlossbergs errichtet überragt sie die Stadt und ist vom Marktplatz aus
über steile Staffeln erreichbar, heute wie zu Schickhardts Zeit. Er hatte eine
persönliche Bindung an diese Kirche, da sein Großvater die Schreinerarbeiten
des Chorgestühls ausgeführt hatte.
© Maria Würfel, Schwäbisch Gmünd
9. Kapitel: Zu weit gegangen
Während der Kranke schläft, findet Eugen auf dem Schreibtisch das Manuskript
des Inventariums und liest darin die Aufzeichnungen über das Schickhardthaus (
Buchtitel). Nach einem Tadel über seine Unverlässlichkeit erzählt ihm
Schickhardt Geschichten von verlässlichen und unverlässlichen Leuten, mit denen
er zu tun hatte. Die Inhalte der Erzählungen stammen überwiegend aus dem
Inventarium, so die Berichte über die niederländischen und italienischen
Kanalbaumeister zur Schiffbarmachung des Neckar, über das Vermessen des Neckar
zusammen mit seinem Bruder Laux und über den Stadtbrand von Schiltach.
10. Kapitel: Wenn man wünschen könnte
Schickhardt fährt fort zu erzählen. Es geht um seine Zeit beim Landbaumeister
Beer, vor allem aber um die Anlage von Idealstädten, besonders von
Freudenstadt.

Baublockplan, von Heinrich Schickhardt 1599 für die im nördlichen Schwarzwald
geplante Stadt, später Freudenstadt genannt, entworfen. Der Plan hat seinen
Namen nach den Baublöcken der Wohnbebauung: Höfe oder Gärten waren von den
jeweiligen Anrainerhäusern umgeben. Das Schloss lag dezentral und war in die
Befestigungsanlagen integriert, wie es bis dahin im Städtebau Tradition gewesen
war. Der Plan wurde von Herzog Friedrich abgelehnt.
© Landesarchiv BW (Hauptstaatsarchiv Stuttgart)

Der Dreizeilenplan Schickhardts, nach dem die geplante Stadt schließlich
errichtet wurde. Der Name leitet sich von den Häuserzeilen der Wohnbebauung ab,
die nach dem Muster des Mühlebrettspiels um den zentralen Platz, auf dem das
Schloss errichtet werden sollte, geführt wurden. Auf Leinwand aufgezogen
(Leinwandplan) wurde dieser Plan auf der Baustelle eingesetzt.
© Landesarchiv BW (Hauptstaatsarchiv Stuttgart)
11. Kapitel: Verschlechterung
Der Zustand von Schickhardt verschlechtert sich wieder. Eugen wird zu Hause
unterrichtet, teils arbeitet seine Mutter mit ihm, teils die Nichte
Schickhardts, eine sehr gebildete Frau. Im Keller stößt Eugen auf Ratten, die
ersten Vorboten der Pest, was er aber noch nicht erkennt.
12. Kapitel: Irgendwie die Zeit verbringen
Dieses Kapitel schildert die auf die Verschlechterung folgende Nacht und den
Morgen.
13. Kapitel: Ungewissheit
Obwohl es Schickhardt plötzlich wieder besser zu gehen scheint, herrscht im
Haus eine für Eugen unerklärliche Betroffenheit. Erst später erfährt er, dass
in Schickhardts Arbeitszimmer bereits der erst jüngst von ihm entworfene
Dolenplan der Stadt Stuttgart kopiert wird, um mit dessen Hilfe die Ratten im
Dolensystem aufspüren und vernichten zu können.
14. Kapitel: Große Reisen
Schickhardt beginnt wiederum zu erzählen. Er berichtet von der Italienreise mit
Herzog Friedrich und zwar vor allem vom schwierigen Aufbruch und der
Alpenüberquerung. Dann verschlechtert sich sein Zustand wieder.

Titelseite des Reiseberichts über die Italienreise Herzog Friedrichs I. vom
Winter 1599 bis Frühjahr 1600. Heinrich Schickhardt, der an der Reise
teilgenommen hatte, verfasste den Text, dessen erste Auflage 1602 in Mömpelgard
im Druck erschien.
© Württembergische Landesbibliothek Stuttgart
15. Kapitel: Die schlechten Zeiten überstehen
Eugen erfährt endlich alles über die drohende Pest, die schon Tübingen erreicht
hat. In der folgenden Nacht stirbt Schickhardt. Damit endet der Roman. Es
bleibt offen, ob die Familie die Pest überstehen wird.
Anschließend ein Glossar mit 50 Begriffen und Namen, die im Roman
vorkommen. Es erleichtert die selbständige Lektüre der SchülerInnen und
verdeutlicht ihnen, dass hinter dem fiktiven Text reale Sachverhalte stehen.
- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Stuttgart -