Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Bildungsplan Gymnasium 2004 - Geographie
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Bildungsplan Gymnasium 2004 - Geographie


Leitgedanken zum Kompetenzerwerb mit besonderem landeskundlichem Bezug

[Explizit landeskundliche Standards sind hervorgehoben.
Auswahl unter landeskundlichem Aspekt:  Dr. Thomas Hölz]

 

Herausforderungen unserer Zeit wie zum Beispiel Bevölkerungsdynamik, ethnische Konflikte, zunehmende Globalisierung, sich verschärfende globale Disparitäten, Migration, Umweltprobleme, Verschwendung von Ressourcen bedürfen einer Lösung und erfordern das volle Engagement der gegenwärtig jungen und der erwachsenen Generationen. Zum Verständnis unserer komplexen Welt ist eine ganzheitliche Betrachtungsweise notwendig, um die Vernetzung von Natur, Ökologie, Ökonomie, von sozialen, politischen und kulturellen Bedingungen aufzuzeigen und das Zusammenwirken Raum prägender Faktoren und Prozesse zu erkennen. Gemäß dem Bildungsauftrag vermittelt, entwickelt und fördert der Geographieunterricht die notwendigen Kenntnisse, Kompetenzen und Einstellungen. Fachorientiert-systematisches und fachübergreifend-integratives Arbeiten müssen sich hierbei ergänzen.

Der Geographieunterricht fördert topographisches Orientierungswissen und Kenntnis räumlicher Ordnungsraster zur Standortbestimmung, zur Orientierung auf der Erde und zur Einordnung geographischer Objekte. Außerdem fördert er Kenntnis und Verständnis unterschiedlicher Raumwahrnehmung und Raumbewertung, um Räume und Probleme mehrperspektivisch zu sehen und analysieren zu können. Die Schülerinnen und Schüler erlangen Kenntnisse von natürlichen und kulturellen Gegebenheiten in verschiedenen Regionen der Erde, um diese hinreichend zu charakterisieren, und erhalten dadurch ein ganzheitliches Verständnis von Lebensräumen. Sie erlangen Kenntnis und Verständnis von grundlegenden physisch-geographischen und geologischen Prozessen auf der Erde sowie von kosmologischen Erscheinungen.

Zu den weiteren Zielen des Geographieunterrichtes zählen Grundkenntnisse von soziökonomischen Systemen wie Landwirtschaft, Industrie, Dienstleistungswirtschaft, Energiewirtschaft, Kommunikationswirtschaft, Freizeit und Tourismus, Wasserwirtschaft und Verkehrssystem. Um ein Grundverständnis für die Wirtschaft zu fördern, werden ökonomische Fragestellungen und Problemkreise einbezogen. Schülerinnen und Schüler kennen und reflektieren zudem grundlegende Wirtschaftsstrukturen und -prozesse und die sich daraus ergebenden Raumstrukturen und raumwirksamen Prozesse unter Berücksichtigung von Interessenkonflikten und ungleicher Entwicklung. Im Sinne einer interkulturellen Erziehung lernen sie Lebens- und Wirtschaftsweisen von Völkern sowie den kulturellen Reichtum auf der Erde kennen und schätzen, erkennen die Gleichwertigkeit von Völkern an und üben sich in Toleranz und Verantwortung. Die Schülerinnen und Schüler erfahren die Erde als eine nicht vermehrbare Lebensgrundlage und zeigen Verantwortung für deren Zukunftssicherung. Hierzu bedarf es entsprechender Verhaltensweisen, um an einer nachhaltigen Entwicklung in der Einen Welt mitwirken zu können.

Auch gilt es Instrumentarien der Raumplanung zu kennen, um die Gegenwart zu erschließen und die Zukunft zu planen. Der Geographieunterricht soll Schülerinnen und Schülern helfen, im privaten, beruflichen und öffentlichen Bereich verantwortungsvoll zu handeln.

Die Förderung von problemlösendem und vernetzendem Denken, von praxisnaher Wissensanwendung in unterschiedlichen Kontexten, von Methoden- und Medienkompetenz tragen zur Gesamtqualifikation der Schülerinnen und Schüler bei. Auch die Fähigkeit zum Dialog, zur Selbstreflexion, zum Lösen von Konflikten und zum kooperativen Arbeiten sowie der Erwerb einer raumbezogenen Handlungskompetenz, die Förderung eines interkulturellen Verständnisses und die Wertschätzung gegenüber anderen Lebens- und Wirtschaftsformen sind zentrale Anliegen des Geographieunterrichts.

Zunächst stehen die physiognomische Betrachtungsweise – vom Beschreiben zum Erklären – und entdeckenlassendes Lernen im Vordergrund. Analytisch-genetische und systemar-modellhafte Verfahren erweitern erst in späteren Stufen mit zunehmender Komplexität das Spektrum der Betrachtungsweisen. Bei der Themenauswahl sollte die Nähe zu altersspezifischen Vorlieben und Interessen gewährleistet sein, ohne diesen ausschließlich zu folgen. Angebunden an die Fachsystematik und in aufbauender Entwicklung der Fachsprache bilden die Schülerinnen und Schüler ein semantisches Netz aus, indem zusammenhängende Sachverhalte stets aufeinander basieren, durch neue Aspekte erweitert und differenziert oder durch Umstrukturierung neu verbunden werden. Ebenso sind zunehmend umfangreichere und schwierigere Lernanforderungen zu stellen, die mit einem höheren Grad an Selbstständigkeit bewältigt werden sollen.

Exemplarisches Lernen an Raum- und Fallbeispielen erfordert die Verknüpfung mit orientierenden Verfahren, um die Lerngegenstände in übergeordnete Raum- und Sachstrukturen einzubinden. Liegt zunächst der Schwerpunkt auf kleinräumigen Fallbeispielen, wird zunehmend der Maßstabsbereich erweitert und schließlich die internationale und globale Dimension einbezogen.

In der Oberstufe sollen die Schülerinnen und Schüler in der Lage sein, auf Grund ihrer erworbenen fachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten existenziell wichtige Probleme zu identifizieren und sachgerecht anzugehen, eine den Problemstellungen angemessene Methoden- und Medienauswahl zu treffen und an der Entwicklung innovativer und zukunftsfähiger Lösungsansätze und -strategien mitzuarbeiten.

Die notwendige Bandbreite der Arbeitsweisen und Arbeitstechniken verdeutlichen folgende Anforderungen:

grundlegende Fertigkeiten in der Anwendung und Interpretation von Karten und anderen Hilfsmitteln, um sich räumlich orientieren zu können (auch GPS);
Fähigkeiten und Fertigkeiten zur reflektierten Nutzung verbaler, bildhafter, quantitativer und symbolischer Informationsquellen, um Rauminformationen gewinnen, verarbeiten, dokumentieren, präsentieren und bewerten zu können;
Fertigkeiten im reflektierten Umgang mit modernen Informations- und Kommunikationstechniken (Internet, Geographische Informationssysteme), um geographisch relevante Informationen zielgerichtet und themenbezogen gewinnen, verarbeiten, dokumentieren, präsentieren und beurteilen zu können;
Fähigkeiten zum Kommunizieren und Artikulieren von Meinungen, um geographische Themen- und Problemfelder ansprechen, vermitteln und bewerten zu können;
Fertigkeiten zum Einsatz experimenteller Arbeitsweisen und Verfahren, um Situationen und Vorgänge simulieren zu können;
Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Gewinnung von Erkenntnissen durch synoptische Verfahren;
Fähigkeiten zum Einbringen von Medien und Methoden beim interdisziplinären Arbeiten, um Situationen aus geographischer Sicht mehrperspektivisch wahrnehmen und differenzierte Lösungsansätze finden zu können.

Stets ist eine größtmögliche Aktivierung der Schülerinnen und Schüler anzustreben. Unter Berücksichtigung der pädagogischen Leitgedanken ermöglichen diese fachorientierten Methoden eine kreative Umsetzung der vorgegebenen Inhalte und bieten die Möglichkeit des Einübens von Schlüsselqualifikationen. Erkundungen und Exkursionen, freie Arbeitsformen und Projekte gewährleisten eine Individualisierung und Autonomisierung des Lernprozesses und sind in besonderem Maße geeignet, Teamfähigkeit und soziale Kompetenz zu fördern. Sie können bedeutende Bestandteile eines Schulcurriculums sein.

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