Bildungsplan Gymnasium 2004 - Geschichte
Leitgedanken zum Kompetenzerwerb mit besonderem landeskundlichem
Bezug
[Explizit landeskundliche Standards sind hervorgehoben.
Auswahl unter landeskundlichem Aspekt: Dr. Thomas Hölz]
Der Erwerb von grundlegendem Wissen über wesentliche Ereignisse,
Personen, Entwicklungen, Strukturen, Begriffe und Epochen der
regionalen, nationalen und europäischen Geschichte sowie
der Weltgeschichte ist im Geschichtsunterricht
unverzichtbar.
Themen und Zeugnisse der Lokal- und Regionalgeschichte sind
in besonderer Weise zu berücksichtigen, weil sie sowohl das historische
Interesse am eigenen Lebensraum fördern als auch
Ausgangspunkt übergreifender Untersuchungen und Erkenntnisse sein
können.
Die Vielzahl historischer Inhalte verlangt eine Reduktion auf Wesentliches,
das sich an folgenden Fragen an die Geschichte orientiert:
Knüpfen die Inhalte an die Lebenswelt der Schülerinnen und
Schüler an?
Nehmen sie Begreifbares und Überschaubares in den
Blick?
Gehen sie auf elementare Lebenserfahrungen ein?
Berücksichtigen sie das kulturelle und kollektive Gedächtnis der
Gesellschaft?
Kenntnisse und Fertigkeiten fachspezifischer methodischer Kompetenzen müssen in allen Klassenstufen vermittelt beziehungsweise vorausgesetzt werden. Dazu gehört, dass die Schülerinnen und Schüler eigenständig recherchieren, indem sie themen- und problemorientiert auf geeignete Informationsquellen - zum Beispiel Bibliothek oder Archiv - zurückgreifen. Sie werten Karten-, Bild-, Film- und Tonmaterial aus und können die neuen Medien angemessen, aber auch kritisch als Werkzeug im Unterricht nutzen, um Informationen zu gewinnen, zu bearbeiten und auszuwerten.
STUFENSPEZIFISCHE HINWEISE KLASSE 6
Auf dieser Altersstufe befinden sich die Schülerinnen und Schüler
außerdem in einem Prozess des Übergangs von einem fiktiv-imaginären zu einem
zunehmend kognitiven Weltzugang. Der Geschichtsunterricht kann die
Schülerinnen und Schüler bei diesem Übergang in besonderer Weise begleiten,
weil er die beiden Welten durch das Prinzip der Narrativität verknüpft. Von
großer Bedeutung ist daher das Wirklichkeitsbewusstsein, das es ständig zu
fördern gilt. Dabei stehen Inhalte im Vordergrund, die an der
Erfahrungs- und Lebenswelt der Kinder ansetzen oder sich
auf diese beziehen lassen. Die Schülerinnen und Schüler können an
anschaulichen Beispielen erfahren, wie die Historikerin
oder der Historiker zu angemessenen Aussagen über die Vergangenheit kommt.
Sie erkennen, dass kulturelle Entwicklungen unterschiedliche Antworten auf
naturräumliche Voraussetzungen darstellen.
Die Schülerinnen und Schüler gewinnen eine Vorstellung kultureller
Leistungen von Menschen früherer Zeiten und erkennen die Bedeutung des
kulturellen Austauschs auch für ihre eigene Identitätsbildung in einer von
Mobilität gekennzeichneten europäischen Gesellschaft.
Sie wissen, dass Rekonstruktionen nur Annäherungen an die historische
Vergangenheit darstellen, indem sie an ausgewählten Beispielen erkennen,
welche Aussagen man anhand archäologischer Funde treffen
kann und welche nicht.
Die Schülerinnen und Schüler kennen verschiedene Formen der Überlieferung.
Sie unterscheiden Überreste sowie mündliche und
schriftliche Tradierung.
Die Schülerinnen und Schüler können mit historischen
Überresten umgehen und lernen einfache Techniken
historischer Spurensuche.
STUFENSPEZIFISCHE HINWEISE KLASSE 8
Viele der zu vermittelnden Inhalte sind lokal- oder regionalgeschichtlich greifbar, so dass es den Schülerinnen und Schülern möglich ist, die Historizität eigener Lebensumstände zu formulieren, in Beziehung zur Gegenwart zu setzen und so ein historisches Bewusstsein zu gewinnen. Eigene Einstellungen und Vorurteile können bewusst gemacht sowie Einsichten in den Sinn und die Funktion gesellschaftlicher und politischer Regelungen gewonnen werden. Dies dient der Entwicklung demokratischen Handelns.
STUFENSPEZIFISCHE HINWEISE KLASSE 10
Während einerseits schon der Umgang mit übergreifenden Fragestellungen
gefördert wird, haben andererseits konkrete Ereignisse und Situationen sowie
die Geschichte des Alltags der Menschen einen dem Alter der Schülerinnen und
Schüler entsprechenden Stellenwert. In diesem Zusammenhang gewinnen
Personen und Ereignisse, Quellen und Zeitzeugen aus der Lokal- und
Regionalgeschichte eine besondere Bedeutung, weil so historische
Wirklichkeit konkret erfahrbar ist, ohne dass der Blick für eine
generalisierende Betrachtung verstellt wird.
Gerade die Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Geschichte und
deren Einordnung in den internationalen Kontext ist in besonderer Weise
geeignet, die Einsicht in den Wert einer pluralistischen und demokratischen
Gesellschaftsordnung
sowie die Verbundenheit mit dem eigenen engeren Lebensraum
einerseits und die Bedeutung globaler Strukturen andererseits zu
fördern.