Bildungsplan Realschule 2004 - Geschichte
[Explizit landeskundliche Standards sind hervorgehoben.
Auswahl unter landeskundlichem Aspekt: Dr. Thomas Hölz]
KLASSE 10
THEMENBEREICH 1:
AUFGABEN UND BEDEUTUNG DES FACHES GESCHICHTE
Ausgehend vom Erkunden und Untersuchen historischer Zeugnisse aus dem näheren Heimatraum entwickeln die Schülerinnen und Schüler Interesse an Gegenständen, Fragestellungen und Arbeitsweisen des Faches Geschichte.
Die Schülerinnen und Schüler können
- lokalgeschichtliche Ereignisse dem historischen Gesamtkontext zuordnen (10).
Arbeitsbegriffe
historische Karten, Quellenkunde, oral history, Archive und
Museen
THEMENBEREICH 2:
LEBENS- UND WIRTSCHAFTSFORMEN IN DER VERGANGENHEIT
Das Deutsche Reich - eine konstitutionelle Monarchie
Die Schülerinnen und Schüler können
- darstellen, dass die Reichsgründung ein Werk der Regierungen war und das Volk nicht beteiligt wurde (10);
- die Struktur und den Aufbau des deutschen Kaiserreiches beschreiben (10);
- erklären, dass die Rechte des gewählten Reichstages eng begrenzt waren (10);
- Gründe nennen, warum die Verfassung des deutschen Kaiserreiches den Vorstellungen vieler Bürger nicht entsprach und Gründe dafür nennen (10).
Arbeitsbegriffe
Deutsch-französischer Krieg, konstitutionelle Monarchie, Bismarck,
Parteien, Mehrheitswahlrecht
1871
Die Weimarer Republik
Die Schülerinnen und Schüler können
- die Errichtung der Demokratie in Deutschland beschreiben und den Versuch sie zu festigen erläutern (10);
- Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik nennen und erklären (10);
- die Errungenschaften der Weimarer Republik beschreiben und deren Wirkungen bis in die Gegenwart aufzeigen (10).
Arbeitsbegriffe
Versailler Vertrag, Weimarer Verfassung, politischer Radikalismus,
Krisenjahr 1923, Stresemann, Briand, Völkerbund, Goldene Zwanziger Jahre,
Weltwirtschaftskrise
09.11.1918, 1923, 1929
Deutschland unter nationalsozialistischer Diktatur
Die Schülerinnen und Schüler können
- erklären und begründen wie es möglich war, dass sich in Deutschland eine Diktatur durchsetzte (10);
- wesentliche Elemente nationalsozialistischer Ideologie aufführen und deren Unrechtscharakter aufzeigen (10);
- darstellen, wer Verantwortung trug, wer zustimmte, wer verfolgt wurde
und welche Menschen und Gruppen sich der totalitären Ideologie
widersetzten
(10); - ausführen, dass die Verfolgung und Ermordung von jüdischen Bürgerinnen
und Bürgern sowie von politischen Gegnern bereits 1933 einsetzte und sich
bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges steigerte (10).
Nationalsozialismus/Verfolgung
Arbeitsbegriffe
Ideologie, Einparteienstaat, Gleichschaltung, Propaganda,
Ermächtigungsgesetz, Reichstagsbrandverordnung, Hitler-Jugend,
Konzentrationslager, SA, SS, Rolle von Frau und Familie, Euthanasie,
Verfolgung von Minderheiten (Sinti und Roma, Homosexuelle und andere),
Holocaust/Shoa, Rolle der Kirchen
1933-1945, 09.11.1938, 20.01.1942, 20.07.1944
Nachkriegsdeutschland und die Bildung der beiden deutschen Staaten
Die Schülerinnen und Schüler können
- die wichtigsten Beschlüsse der Konferenzen von Jalta und Potsdam nennen sowie deren Auswirkungen für Deutschland beurteilen (10);
- verdeutlichen, dass die Zweckallianz der beiden Großmächte zerbrach und Deutschland zum Interessensobjekt der Siegermächte wurde (10);
- die Motive der Westmächte für die Änderung ihrer Deutschlandpolitik darstellen (10);
- die nachfolgende politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR darlegen (10);
- ausgehend von der Gründung Baden-Württembergs die föderale
Struktur der Bundesrepublik Deutschland beschreiben und erläutern
(10).
Entstehung
Baden-Württembergs
Arbeitsbegriffe
Besatzungszonen, Parteien, lokale Selbstverwaltung, Presse- und
Rundfunkwesen, Marshall-Plan, Währungsreform, Parlamentarische Demokratie,
Föderalismus, Soziale Marktwirtschaft, Westintegration, Ära
Adenauer,
1945-1949, 23.5.1949, 25.04.1952
THEMENBEREICH 4:
KRIEGE - GEWALTSAME AUSTRAGUNG VON KONFLIKTEN ZWISCHEN STAATEN
Die Schülerinnen und Schüler können
- erläutern, warum moderne Kriege den Fortbestand der menschlichen Kulturen gefährden (10);
- sich mit der Behauptung auseinandersetzen, dass das Führen eines Krieges ein urgeschichtliches Phänomen oder einfach die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sein soll (10).
Die Katastrophen des Ersten und Zweiten Weltkrieges
Die Schülerinnen und Schüler können
- beide Weltkriege nach Ursachen und Anlass unterscheiden und belegen, dass Deutschland jeweils der Aggressor war (10);
- darlegen, welche Pläne und Ziele der jeweiligen Kriegsführung zugrunde lagen (10);
- erläutern, dass im Ersten Weltkrieg propagandistisch vorbereitete und im Zweiten Weltkrieg auch ideologisch untermauerte Kriegsverbrechen in Kauf genommen und durchgeführt wurden (10);
- begründen, dass letztlich beide Kriege total geführt wurden bei bewusster Einbeziehung der Zivilbevölkerung als Helfer und Opfer (10);
- die Frage nach Gewinnern und Verlierern der jeweiligen Kriege in materieller Hinsicht eindeutig klären, nicht aber im Hinblick auf die durch die Kriegshandlungen verursachten menschlichen Tragödien beantworten (10).
Arbeitsbegriffe
Der Erste Weltkrieg: Imperialismus, Nationalismus, Militarismus,
Hochrüstung, Friedensinitiativen, Zusammenbruch, Waffenstillstand,
Völkerbund
1914-1918
Der Zweite Weltkrieg: Ideologische Voraussetzungen in Deutschland,
planmäßige Kriegsvorbereitungen, Eroberungskrieg, Blitzkriege, Luftkrieg,
Kriegsende in Europa und Asien, bedingungslose Kapitulation
1939-1945
Der Kalte Krieg und seine Folgen
Die Schülerinnen und Schüler können
- darlegen, dass nach dem Bruch der kriegsbedingten Zweckallianz zwischen der Sowjetunion und den USA die bekannten ideologischen Gegensätze wieder aufbrachen. Diese wirkten sich weltweit und insbesondere auf Europa aus (10);
- die Kennzeichen des „Kalten Krieges“ definieren und seine zentralen Problemstellungen beschreiben (10);
- darstellen und begründen, wie wichtig es ist Konflikte auszuhalten, sie mit friedlichen Mitteln beizulegen und dass Gewaltfreiheit zu Aussöhnung und nachhaltiger Verständigung führt (10).
Arbeitsbegriffe
Ost-West-Konflikt, Gleichgewicht des Schreckens, Abrüstungsbereitschaft,
Entspannungspolitik, Konfliktzonen, Propaganda
THEMENBEREICH 5:
BEVÖLKERUNGSBEWEGUNGEN IN VERGANGENHEIT UND GEGENWART
Migration
Die Schülerinnen und Schüler können
- große Bevölkerungsbewegungen in ihrer jeweiligen Dimension ermessen (10);
- die Motive und Ursachen von Migration im Hinblick auf ihre räumlichen, historischen und politischen Bedingungen hin differenziert einschätzen (10);
- die Folgen für alle Betroffenen aufzeigen (10).
Flucht und Vertreibung während des Zweiten Weltkriegs und nach Kriegsende
Die Schülerinnen und Schüler können
- die nationalsozialistische Ideologie in Bezug auf Antisemitismus, Rassenlehre und Lebensraumgewinnung im Osten interpretieren (10);
- erklären, dass die Umsetzung der NS-Ideologie menschliche Bindungen
zerstört, Menschenrechte und Menschenwürde aufhebt und letztlich zur
Vernichtung führt (10);
Nationalsozialismus/Verfolgung - die Auswirkungen von Flucht und Vertreibung zwischen 1939 und 1946 beschreiben und deren Tragweite für das Zusammenleben im Nachkriegseuropa ermessen (10).
Arbeitsbegriffe
Antisemitismus, Rassenlehre, „Lebensraumanspruch“, Vertreibung,
Vernichtungslager, Zwangsarbeit, Flucht, „geregelte Ausweisung“,
Aufnahmegebiete, Integration, Heimatvertriebene, Lastenausgleich,
Wiedergutmachung, Anerkennung beiderseitiger Völkerrechtsverletzungen und
Verbrechen, Aussöhnung
Fluchtbewegungen und Integrationsprobleme in der Gegenwart
Die Schülerinnen und Schüler können
- darstellen, dass die geschichtlichen Erfahrungen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts zu keinen durchgreifenden und globalen Verhaltensänderungen von Völkern untereinander führten (10);
- anhand eines aktuellen Beispiels die Ausmaße von Bevölkerungsverschiebungen untersuchen und deren Auswirkungen für Frieden und Sicherheit erörtern (10);
- bekannte und eigene Lösungsansätze diskutieren und nach deren Realisierungsmöglichkeiten beurteilen (10).
Arbeitsbegriffe
Bürgerkrieg, „ethnische Säuberungen“, Entkolonialisierungen,
„Teufelskreis der Armut“, Welthandel, Entwicklungshilfe, UNO,
Friedensinitiativen
THEMENBEREICH 6:
WESENSMERKMALE VON REVOLUTIONEN
Die Schülerinnen und Schüler können
- erklären, dass Revolution in der Regel als gewaltsamer Umsturz einer
bestehenden politischen und gesellschaftlichen Ordnung definiert wird
(10);
Vormärz/Revolution 1848 - das Auseinanderfallen von politischer Machtverteilung und sozialer
Struktur in einem Staat als wichtige Ursache benennen und erläutern, welche
Rollen Ideologien und Theorien spielen (10);
Vormärz/Revolution 1848 - darstellen, dass bisher benachteiligte und von der politischen
Partizipation im Wesentlichen ausgeschlossene Schichten eine neue Ordnung
bestimmen können (10);
Vormärz/Revolution 1848 - Revolutionen unter verschiedenen Gesichtspunkten - Ursachen, Träger,
Ziele, Verlauf und Ergebnisse - differenziert betrachten
(10).
Vormärz/Revolution 1848
Die Industrielle Revolution und ihre Folgen
Industrialisierung
Die Schülerinnen und Schüler können
- weitere vorwiegend technologische Innovationen der Folgezeit bis in die Gegenwart benennen und beschreiben, dass diese einen fortlaufenden Entwicklungsprozess der Berufs- und Arbeitswelt bewirken (10);
- erläutern, warum daher von der ersten, zweiten und dritten Industriellen Revolution gesprochen werden muss (10);
- wichtige Auswirkungen industrieller Entwicklungen auf die Umwelt benennen und Möglichkeiten des verantwortungsvollen Umgangs mit den natürlichen Ressourcen lösungsorientiert diskutieren (10).
Arbeitsbegriffe
Bevölkerungswachstum, Landflucht, Erfindungen, Bürgertum, Unternehmen,
Mietskasernen, Arbeitervereine, Gewerkschaften, Kinderarbeit, Sozialgesetze,
kirchliche und private Initiativen, Elektrotechnik, chemische Industrie,
Automatisierung, Rationalisierung, Mikroelektronik, Informations- und
Kommunikationstechnik, Dienstleistungsgesellschaft
18./19./20. Jahrhundert
Die deutschen Revolutionen von 1848/49, 1918, 1989
Vormärz/Revolution 1848
Die Schülerinnen und Schüler können
- die Träger der revolutionären Bewegungen auflisten und deren politische Ziele analysieren (10);
- die jeweiligen Gründe des Erfolgs bzw. des Misserfolgs dieser Revolutionen darstellen und beurteilen (10);
- den Begriff Revolution von Revolte, Aufstand, Staatsstreich und Reform als Veränderung durch Entwicklung abgrenzen (10).
Arbeitsbegriffe
Revolution von 1848/49: Aufstände in den deutschen Staaten,
Nationalversammlung, Rastatt
Novemberrevolution 1918:, Zusammenbruch, Kapitulation, militärische und
zivile Opfer, Ausrufung der Republik
THEMENBEREICH 7:
EUROPA - VON DER NATIONALSTAATLICHEN ORDNUNG ZUR EINHEIT
Die Schülerinnen und Schüler können
- darstellen, dass die Nationalstaaten auf dem Hintergrund der Erfahrungen der beiden Weltkriege Wege suchten, die Zukunft Europas positiv zu gestalten (10);
- erklären, dass durch die Verlagerung der weltpolitischen Handlungsfelder nach dem Zweiten Weltkrieg diese Intention verstärkt wurde (10);
- erläutern, dass die Entwicklung hin zur Europäischen Union (EU) davon geprägt ist, unter Wahrung nationaler Eigenständigkeit das Zusammenwachsen Europas nachhaltig zu fördern (10).
Das Aufkommen der Nationalstaaten in Europa
Die Schülerinnen und Schüler können
- Ursachen für die Herausbildung moderner Nationalstaaten nennen (10);
- ermessen, welche Gefahren durch den Nationalismus gerade im Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich hervorgerufen wurden und welche Folgen diese für den Frieden in Europa hatten (10).
Arbeitsbegriffe
Napoleon, Nation, Befreiungskriege, Liberalismus, Nationalismus, Wiener
Kongress, Reichsdeputationshauptschluss, Säkularisation,
1815
Deutschland auf dem Weg zur Einheit
Die Schülerinnen und Schüler können
- wichtige Etappen auf dem Weg zur deutschen Einheit aufzeigen (10);
- die Schwierigkeiten, die bei der Verfolgung des Ziels der inneren Einheit sowie der Identitätsbildung auftraten, nennen und bewerten (10);
- die Erlangung der staatlichen Einheit als historische Gelegenheit
charakterisieren und sie als weitere Bewährung gemeinsamen Handelns im
europäischen
Einigungsprozess einschätzen (10); - erläutern, dass Deutschland auf der Suche nach seiner Rolle in Europa und der Welt intensiv am europäischen Einigungsprozess mitwirkte (10).
Arbeitsbegriffe
Gestaltung der inneren Einheit
Die Entwicklung zur Europäischen Union (EU)
Die Schülerinnen und Schüler können
- erklären, dass das Streben nach der europäischen Einheit aufgrund der historischen Erfahrungen nachvollziehbar ist (10);
- Stationen des europäischen Einigungsprozesses beschreiben und im Hinblick auf die jeweilige Bedeutung erläutern (10);
- die besondere Bedeutung Deutschlands und Frankreichs als Motoren der europäischen Einigung herausstellen (10);
- die Rolle und Bedeutung der Regionen für die europäische Staatengemeinschaft erläutern (10);
- ein vereintes Europa als Chance der Selbstbehauptung in einer globalisierten Welt erfassen (10).
Arbeitsbegriffe
Deutsch-französischer Freundschaftsvertrag, Römische Verträge, EWG, EG,
Maastrichter Verträge, EU, Erweiterung der EU, Einführung des Euro
1957, 1963, 1992, 2001, 2002