Methodenvorschlag
Lernorterkundung

Käthchenspielplatz vor dem Theaterforum K3, in dem das
Käthchen-Archiv untergebracht ist.
© Ulrich Maier
Grundschule (Klasse 4), Sekundarstufe I (Klasse 5)
Spurensuche: Das Käthchen in Heilbronn
Beim Rundgang durch die Heilbronner Innenstadt trifft man immer wieder auf das
Käthchen, die Symbolfigur der Stadt. Von den Käthchenpuppen, die im
Fremdenverkehrsamt im Rathaus ausgestellt und zu erwerben sind, über das
Käthchenhaus am Marktplatz mit dem "Käthchenhof", dem Käthchenbrunnen an der
Neckarpromenade bis zum Käthchenspielplatz im Theaterforum K3, wo sich auch das
Kleist-Archiv befindet - Käthchen ist präsent.
Verbunden werden kann der Rundgang mit der Lektüre des Bilder- und Textbuches
"Das Kätchen von Heilbronn nach Heinrich von Kleist" von Barbara Kindermann,
das in der Reihe "Weltliteratur für Kinder" im Kindermann-Verlag Berlin
erschienen ist (
mehr).
Ein Besuch im Kleist-Archiv vermittelt die Wirkungsgeschichte der von Kleist
geschaffenen Figur: Käthchen in der Bildenden Kunst oder in der Werbung - viele
Anschauungsobjekte zeigen die Vielfalt des Motivs.

Käthchen als Püppchen
© Kleist-Archiv Sembdner Heilbronn

Projektarbeit im Kleistarchiv
© Ulrich Maier
Realschule/Gymnasium (S I, SII)
Nach der Lektüre des Dramas von Kleist (Klasse 9 oder 10) können Schülerinnen
und Schüler sich auf die Suche nach dem Vorbild von Kleists Käthchen machen.
Hat die Käthchentradition in Heilbronn eine historische Grundlage? Ein Besuch
des Kleist-Archivs mit seiner reichhaltigen Sammlung zu Kleists Käthchen von
Heilbronn ist dafür der ideale Ausgangspunkt.

Projektarbeit im Kleistarchiv am originalen Material
© Ulrich Maier

Filmplakat der Schlöndorf-Verfilmung von Michael Kohlhaas im
Kleistarchiv
© Ulrich Maier
Auch bei der Behandlung von Kleists Novelle Michael Kohlhaas lohnt sich ein
Besuch im Kleist-Archiv, das dazu reichhaltiges Material bietet:
Buchillustrationen, Theater- und Filmplakate, Filmbilder zu der
Schlöndorf-Verfilmung von 1969, Sekundärliteratur.
Ein solcher Besuch könnte vorbereitet werden durch die Erkundung der Homepage
des Kleist-Archivs (
www.kleist.org).
Schüler können Fragen für ein Interview mit dem Leiter des Kleistarchivs
vorbereiten. Über Suchmaschinen kann ein Dossier zu Kleists Käthchen bzw.
Michael Kohlhaas angelegt werden (Bilder, aktuelle Theateraufführungen,
Käthchen in Marketing, Werbung, Kohlhaas als Motiv der Kunst, ...).
Behandlung des Themas in der Schule
Grundschule, Sekundarstufe I (Klasse 5)

Kinderbuch "Das Käthchen von Heilbronn"
© Ulrich Maier
Barbara Kindermann hat Kleists Drama, "die wunderlichste Geschichte von der
Welt", mit viel Gespür nacherzählt. Sie entführt Kinder ab acht Jahre in die
Welt des späten Mittelalters, in der tapfere Ritter und feine Edeldamen
auftreten, aber auch ein einfaches Mädchen, Tochter eines Schmieds in der
Reichsstadt Heilbronn. Als Käthchen dem Grafen Wetter vom Strahl in der
Werkstatt ihres Vaters begegnet, verliebt sie sich unsterblich und folgt ihm auf
Schritt und Tritt. Der Graf weist sie zurück, schickt sie weg, doch sie lässt
sich nicht beirren. Nach vielen Ereignissen finden die beiden am Ende
schließlich zusammen. Käthchen, so stellt sich heraus, ist in Wirklichkeit die
Tochter des Kaisers.
Christa Unzner hat dazu atmosphärisch-filigrane Bilder geschaffen, die den
ganzen Zauber der spannenden Geschichte entfalten.
Das Buch kann in einer Doppelstunde (vor-)gelesen werden. Es bietet sich an, die
Illustrationen an den entsprechenden Stellen zu zeigen und zu besprechen, am
besten in einem Stuhlkreis. Dieses Verfahren kann Schüler anregen, die Handlung
selbst zu illustrieren und die Bilder optional in einer kleinen Ausstellung
zusammenzufügen. Die Kinder können dazu auch kleine, auf die Handlung bezogene
Kommentare schreiben.
Die Lektüre des Buches kann vorbereitend oder nachbereitend mit einer Exkursion
ins Kleist-Archiv oder einem Rundgang zu den Käthchen-Orten in Heilbronn
verbunden werden.

Auf Schritt und Tritt wird man in der Heilbronner Innenstadt
mit Kleists Käthchen konfrontiert.
© Ulrich Maier

Der Käthchenbrunnen von Hans-Dieter Läpple an der
Neckarpromenade
© Ulrich Maier
Realschule/Gymnasium (S I, S II)
Kleistanekdoten - Comics
Kleists Anekdoten sind inhaltlich und formal sehr aussagekräftig. Sie bestechen
durch sprachliche Prägnanz und Witz. Mit ihnen kann zum einen die
Literaturgattung Anekdote eingeführt werden, zum anderen können sie auch
Ausgangspunkt für kreative Bearbeitungen sein. Anregungen dazu findet man im
Kleist-Archiv. Unter dem Motto "Literatur plakativ" wurden vom Kleist-Archiv in
der Innenstadt von Heilbronn Plakate mit kurzen Kleistanekdoten, Briefzitaten
und Zitaten aus Erzählungen verteilt.
Besonders für Klassenstufe 8 geeignet wäre die Umwandlung einer Anekdote zu
einem Comic mit Originalzitaten aus der Anekdote
(
AB
1
,
T 1
).
Ab Klasse 8 kann auch Kleists Schreibstil genauer untersucht werden (Syntax,
Interpunktion, Verwendung der wörtlichen Rede). Dafür eignet sich nach wie vor
besonders Kleists Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege (
T 2
).
Käthchen von Heilbronn
In Zusammenhang mit der Behandlung des Dramas kann die Frage untersucht werden,
ob Kleists Käthchen ein wirkliches Vorbild hat. Diese Frage wurde in der
Wissenschaft kontrovers diskutiert und scheint heute gelöst zu sein. Interessant
ist sie in jedem Fall auch in Bezug auf die lebendige Käthchentradition in
Heilbronn. In diesem Zusammenhang kann ein "Frisch Liedlein" mit dem
Käthchenmotiv aus dem 19. Jahrhundert mit der Dramenhandlung verglichen werden (
AB
2
).
Michael Kohlhaas
Mit Hilfe des vielfältigen Materials, das auf der Homepage des Kleist-Archivs zu
finden ist, aber auch auf anderen Webseiten können die Schülerinnen und Schüler
ein Dossier zu Kleists Kohlhaas anlegen und anschließend zu einer
Power-Point-Präsentation zusammenstellen.
Illustrationen aus dem Kleist-Archiv, dort aufgenommen, kopiert bzw.
eingescannt, können im anschließenden Projektunterricht zu einer kleinen
Ausstellung zusammengestellt werden. Jeder Schüler übernimmt eine Illustration,
ein Plakat oder eine Grafik und beschreibt sie ausführlich, auch in Bezug auf
die dort vorgenommene Interpretation.
- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Stuttgart -