Hintergrundinformationen
1. Bedeutung

Projektarbeit im Schiller-Nationalmuseum
© Ulrich Maier
Das Schiller-Nationalmuseum auf der Marbacher Schillerhöhe bildet zusammen mit
dem Deutschen Literaturarchiv und dem Literaturmuseum der Moderne ein
einzigartiges Zentrum der Deutschen Literatur von der Zeit der Aufklärung bis
zur unmittelbaren Gegenwart. Das Geburtshaus Friedrich Schillers in der
Marbacher Altstadt gibt Einblick in die Lebenssituation der Familie Schiller.
Es ist zu Fuß in 15 Minuten von der Schillerhöhe aus zu erreichen.
Alle diese Einrichtungen legen einen Schwerpunkt auf die Vermittlung deutscher
Literatur und führen für Schülerinnen und Schüler Führungen und
Projektveranstaltungen durch. Für Lehrerinnen und Lehrer werden regelmäßig
Fortbildungsveranstaltungen angeboten. Das Schiller Geburtshaus, das Schiller
Nationalmuseum und das Literaturmuseum der Moderne eignen sich aber auch für
entdeckendes Lernen und eine selbsttätige Erkundung durch Schülerinnen und
Schüler.

Das Museum in Schillers Geburtshaus informiert über die
Lebensverhältnisse der Familie Schiller in Marbach.
© Ulrich Maier
Hauptsächliches Ziel von Schiller-Nationalmuseum und Deutschem Literaturarchiv
ist es, Handschriften, Dokumente, Texte und Lebenszeugnisse von Dichtern und
Schriftstellern zu sammeln und für die Forschung bereit zu stellen.
Literarische Nachlässe bedeutender Dichter und Schriftsteller und Archive,
darunter das Verlagsarchiv des Hauses Cotta aus dem 19. Jahrhundert, stehen
dabei im Mittelpunkt. Ausstellungen, Kataloge und wissenschaftliche
Publikationen ergänzen diese Aufgaben (
www.dla-marbach.de ).
Dem Schiller-Nationalmuseum und Deutschen Literaturarchiv ist die Arbeitsstelle
für literarische Archive, Museen und Gedenkstätten in Baden-Württemberg
angegliedert, die über 80 Einrichtungen in ganz Baden-Württemberg betreut
(
www.literaturland-bw.de ).
2. Geschichte

Das Geburtshaus Friedrich Schillers in der Marbacher
Niklastorstraße
© Ulrich Maier
1857
Der Marbacher Schillerverein erwirbt das Geburtshaus Friedrich Schillers in der
Niklastorstraße 31.
1859
Zum 100. Geburtstag des Dichters wird das Haus zur Gedenkstätte umgestaltet.
1876
Errichtung von Schillers Denkmal auf der Marbacher Schillerhöhe, entworfen von
Ernst Rau
1895
Aus der Mitte des Marbacher Schillervereins gründet sich der "Schwäbische
Schillerverein". Das Vorhaben, auf der Schillerhöhe in Marbach eine
Gedenkstätte für Friedrich Schiller und andere Dichter aus Schwaben zu
errichten, geht in die Planung.
1901
Baubeginn nach den Plänen der Stuttgarter Architekten Ludwig Eisenlohr und Carl
Weigle

Das Schiller-Nationalmuseum auf der Marbacher Schillerhöhe
© Ulrich Maier
1903
Das "Schiller-Archiv und -Museum" auf der Schillerhöhe in Marbach wird
eröffnet.
1922
Die Einrichtung erhält den Namen "Schiller-Nationalmuseum".
1934
Umbau und Erweiterung
1946
Aus dem "Schwäbischen Schillerverein" geht die "Deutsche Schillergesellschaft"
hervor.
1955
Gründung des Deutschen Literaturarchivs im Schillernationalmuseum.
Es sollte vor allem für die deutsche Exilliteratur zwischen 1933 und 1945 ein
zentraler Ort der Erhaltung und Bewahrung sein.
1965
Umbau und Sanierung des Schiller-Geburtshauses
1995
Weitere Sanierung des Schiller-Geburtshauses
2009
Zum 250. Geburtstag Friedrich Schillers werden das Schiller-Geburtshaus und das
Schiller-Nationalmuseum nach Umbau und Sanierung neu eröffnet.
3. Anlage

Schillerplastik im Schiller-Geburtshaus
© Ulrich Maier
Schiller-Geburtshaus
Das kleine Museum im Schiller-Geburtshaus gibt einen Einblick in die beengten
Wohnverhältnisse der Familie, die ein bescheidenes Zimmer im Erdgeschoss zur
Miete bewohnte. Nur die ersten vier Lebensjahre verbrachte Schiller in Marbach.
In der Umgebung lebten vor allem Handwerker und Bauern. Schillers Vater Johann
Caspar Schiller (1723 - 1796) hatte sich 1749 nach langen Dienstjahren in einem
württembergischen Husarenregiment in Marbach als Wundarzt niedergelassen, bald
darauf aber musste er in den württembergischen Militärdienst zurückkehren.
Trotz der finanziell prekären Lage, in die ihn vor allem sein Schwiegervater,
der Marbacher Löwenwirt Georg Friedrich Kodweiß, gebracht hatte, gehörte er mit
seiner Familie zu den geachteten Familien der Stadt. Davon zeugt das prächtige
Taufhäubchen und die stattliche Patenliste seines Sohnes, die im Museum gezeigt
werden.
Im Geburtszimmer wird über Schillers Mutter informiert, außerdem ist ein
Kinderanzug von Schiller zu sehen. In den oberen Räumen erfährt der Besucher
etwas über den Vater und seinen Beruf als Wundarzt, über die Stadt Marbach und
das Geburtshaus. Über Monitor kann man sich über Schillers Wohnhäuser
informieren. Außerdem wird die Geschichte der Schiller-Verehrung dargestellt,
Schiller-Denkmäler, Schillerfeiern und ein digitales Gästebuch verweisen auf
die Wirkung Schillers in verschiedenen Zeitepochen und Ländern.

Entdeckendes Lernen im Schiller-Nationalmuseum
© Ulrich Maier
Schiller-Nationalmuseum
Das Schiller-Nationalmuseum gibt auf rund 450 Quadratmetern einen Einblick in
die deutsche und vielfach spezifisch schwäbische Literaturgeschichte des 18.
und 19. Jahrhunderts. "Schiller und die Schwaben" könnte das Konzept lauten,
das seit der Gründung des Museums zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfolgt
wurde.
Der Besucher betritt über das prächtige Treppenhaus, das von der Schillerbüste
Friedrich Danneckers dominiert wird, den "Schillersaal", der auch als "Festsaal
der Literatur" bezeichnet wird. Über diesen Saal gelangt man zu den beiden
Flügeln oder auch Abteilungen des Museums. Rechter Hand liegen die Räume der
Schiller-Ausstellung (1-5), linker Hand die thematisch orientierten
Ausstellungsräume zur Literatur (6-9).
Raum 1: Schillers Werkstatt. Stückwerk und Verdichtung
Einführung in Schillers Schreiben, Handschriften, Pläne, Fragmente von
Schillerschriften (
D
1
)
Raum2: Schillers Leben. Spur und Entwurf
Darstellung von Schillers Leben, Daten, Orte und Ereignisse
(
D
2
)
Raum 3: Schillers Horizont. Bücher und Bilder
Die Ausstellung gibt Auskunft darüber, was Schiller in seiner Bibliothek stehen
und an der Wand hängen hatte. (
D
3
)
Raum 4: Schillers Bilder, Beiwerk und Typus
Über 50 Schillerporträts, vom Scherenschnitt des Karlsschülers bis zur
Totenmaske, befassen sich mit seinem Aussehen und auch der Idealisierung
Schillers (
D
4
)
Raum 5: Schillers Kleider, Haus und Hülle
Schillers Kleidung vom Schuh bis zum Hut wird in einer Tischvitrine, dem Körper
des Trägers zugeordnet, gezeigt. (
D
5
)
Raum 6: Energie und Schrift
Handschriften verschiedener Dichter zeigen, "wie Papier an Tiefe und Kraft
gewinnen kann."
Raum 7: Ursprung
Poesie und Wissen. Die Erklärung der Welt zwischen Naturwissenschaft und
Dichtung
Raum 8: Liebe und Wahnsinn
Seelenzustände der Dichter und ihr Niederschlag in der Literatur
Raum 9: Kleine Formen
Die kleinen Dinge als Keimstücke der Poesie, z. B. Kerners Klecksographien und
Mörikes Turmhahn
- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Stuttgart -