Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Warum Denkmalschutz in der Schule?
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Warum Denkmalschutz in der Schule?

Zur sachlichen und fachlichen Begründung des Themas

Denkmalschutz und Denkmalpflege begegnen heute vor allem auf zwei Ebenen: Zum einen ist die Begeisterung des Publikums groß, wenn „Vorzeige-Denkmäler“ oder auch kleinere Objekte mit einem greifbaren historischen Hintergrund am „Tag des Offenen Denkmals“ ihre Pforten öffnen, zum anderen aber setzen sich Investoren und Bauherren nur zu gerne über die Schutzwürdigkeit historischer Ensembles weg, wenn sich z.B. durch eine Neubaumaßnahme ein größerer Gewinn aus dem eingesetzten Kapital erzielen lässt.

Die historische Denkmalpflege hatte sich am Beginn des letzten Jahrhunderts allerdings nicht aus diesem Spannungsfeld heraus entwickelt, sondern aus der Erkenntnis heraus, dass historische Objekte auch einen Schutz vor ihrem Missbrauch – im Sinn einer ideologisch motivierten Rekonstruktion – benötigen. In Frankreich hatte der Restaurator Viollet le Duc im 19. Jahrhundert erklärt, ein Baudenkmal nach seiner Restaurierung sei notwendigerweise schöner als es jemals zuvor bestanden hatte. Dieser Euphorie folgend sollte um 1900 die Ruine des kurfürstlichen Residenzschlosses in Heidelberg wieder aufgebaut werden und in „alter Schönheit“ erstrahlen. Das war kaiserlicher Wunsch, um auf diesem Weg ein Stück Zerstörungsgeschichte zu tilgen – aber gegen diesen Wunsch formierte sich die Vorstellung der modernen Denkmalpflege, dass jedes Denkmal seine eigene Geschichte hat, die in ihrer Gesamtheit notwendig zu ihm gehört.

Der selbe Georg Dehio, der in diesem Streit das Wort für den Schutz des Denkmals vor mutwilliger Verschönerung führte – und damit die modernen Denkmalpflege in Deutschland begründete – ergriff allerdings auch im Konflikt zwischen Denkmalschutz und Kapitalinteressen Partei und gab zu, dass Denkmalschutz immer auch ein Stück Sozialismus darstelle.

In einer Zeit, in der Medien aller Art dem Publikum einen Hype nach dem anderen vorsetzen, sind Events wie der Tag des Offenen Denkmals notwendige, aber auch flüchtige Ansatzpunkte, um das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu schärfen. Denkmalschutz braucht jedoch mehr, er braucht ein Bewusstsein für die Bedingungsfaktoren einer ganzen Kulturlandschaft, und es ist vom Grundsatz her unerheblich, ob es sich dabei um eine Streuobstwiese oder um eine Arbeitersiedlung aus der Hochzeit der Industrialisierung handelt. Die Arbeit mit Schülern hat gezeigt, dass Jugendliche, die ihren Blick gemeinhin nicht von der Schaufensterebene weg bekommen, sehr wohl empfänglich sind für das Neue und Unerwartete, das sie in den oberen Stockwerken historischer Bausubstanz antreffen, wenn man sie gezielt darauf hinweist und ihnen dann auch den Raum für eigene Erkundungen und eigene Neugierde gibt. Damit kann ein Bewusstsein geschaffen und geschärft werden sowohl für die Individualität eines Stadtbilds als auch für die kleinen und liebevoll gestalteten Details an den Häusern selbst.

Es ist damit durchaus impliziert, dass sich mit dieser Verallgemeinerung des Denkmal-Begriffs eine Art von Demokratisierung verbindet. Unsere Vergangenheit braucht Schutz: den Schutz durch die gesamte Gesellschaft, nicht nur durch institutionalisierte Denkmalämter. Ein Konflikt zwischen Denkmalamt und gesellschaftlichen Interessen ist ein Konflikt, der letztlich zu Lasten der Gesellschaft geht.

Die Entscheidung, ein Objekt des historischen Erbes aufzugeben und durch einen Neubau zu ersetzen, ist immer eine endgültige Entscheidung. Sie bricht ein Element aus dem Körper der Geschichte heraus, sie vernichtet einen Baustein unserer eigenen Vergangenheit. Je schwerer man diese Entscheidung macht, je mehr alle Beteiligten zu sachlicher Argumentation gezwungen werden, um so besser für das einzelne Denkmal und für das gesamte Kulturerbe. Wir haben eine Verantwortung für die künftigen Generationen, denn nur wer seine Vergangenheit kennt, kann über seine Zukunft selbst entscheiden.

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