Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Stilkunde
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Stilkunde


Anleitung zum Erkennen der wesentlichen Baustile

In der deutschen Architektur unterscheidet man drei Epochen:

  • die historische Epoche
  • die historistische Epoche
  • und die Moderne

Die hier so genannte historische Epoche ist für den Unterricht und die Projektarbeit am einfachsten zu bewältigen, da Bauwerke bis ins 19. Jahrhundert hinein in der wissenschaftlichen und katalogisierenden Literatur erfasst sind und daher keine Schwierigkeiten der Zuordnung bieten. Auskunft geben hier die Standardwerke.

Die historistische Epoche und die daran anschließende Zeit des Jugendstils bietet da schon größere Schwierigkeiten, da diese Bauten bisher kaum in ihrer historischen Bedeutung erkannt und gewürdigt worden sind. Historismus bedeutet konkret die Ausrichtung des Stils nach einem als vorbildlich - oder auch nur als schön - angesehenen Baustil einer früheren Epoche, was natürlich seinerseits nur zu verstehen ist, wenn man die Rückwärtsgewandtheit der Gesellschaft und ihrer politischen und sozialen Orientierung kennt.

Historismus sind im ganz strengen Sinn bereits der Klassizismus des ausgehenden 18. Jahrhunderts und die von England herüber kommende Modeerscheinung des neugotischen Stils, ebenfalls im ausgehenden 18. Jahrhundert. Dass letzterer während der gesamten Zeit von Renaissance und Barock als Reminiszenz an die Zeit der ungeteilten mittelalterlichen Kirche weiter gepflegt wurde, kann an dieser Stelle vernachlässigt werden.

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verband sich mit dem neugotischen Stil die Idee von der "heilen Welt" des Mittelalters und seioner deutschen Kaisertums, aber der Stil blieb noch auf öffentliche Bauten beschränkt. Nach 1850 jedoch baute auch das Bürgertum zunehmend in diesem Stil, der dann im Lauf der Zeit - und durchaus in ideologischer Untermauerung - von den übrigen Neo-Stilen abgelöst wurde.

Diese Stile sind:

Für Kunstgeschichte und Kunstbetrachtung wichtig ist, dass die Architekten weder die konstruktiven Prinzipien dieser Baustile aufgriffen noch sich um eine Authentizität vortäuschende Reinheit des Stils bemühten. Sie waren grundsätzlich Architekten der Moderne, die zeitgemäße Materialien benutzten und die Stilelemente nach ihrer Eignung als Dekor auswählten. Carl Schäfer, der Architekt des Friedrichsbaus im Heidelberger Schloss, ging um 1900 so weit, dass er seine Modernität und seine Kompetenz im Umgang mit modernen Materialien dadurch unter Beweis stellte, dass er im Treppenhaus dieses Baus zwar Renaissance-Dekorelemente in Sandstein hauen, aber auch Schraubköpfe einmeißeln ließ. Das ist nur verständlich wenn man weiß, dass zu seiner Zeit solches Dekor in Gusstahl angefertigt und aufgeschraubt wurde.

Kurz nach 1900 wurden diese rückwärtsgewandten Neo-Stile weitgehend durch den Jugendstil abgelöst, der sich allerdings in sehr vielen Fällen nicht ganz von seinen Vorgängern ablösen konnte und deren Elemente in seine eigene, flächenhaft-dekorativ ausgeprägte Formensprache übersetzte.

Der Erste Weltkrieg kann als das Ende des Historismus bezeichnet werden, die Zeit der Weimarer Republik kennt zwar noch das flächige Dekor des ausklingenden Jugendstils, baut aber bereits in bewusster Abkehr vom überladenen Stilmix der Vergangenheit im Stil der Neuen Sachlichkeit.

 

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