Der Observator Romanus
Observator Romanus (Römischer Beobachter) ist der Titel einer fiktiven Zeitung, die streng aus römischer Perspektive über einzelne Vorkommnisse in der Welt berichtet. Der Titel ist in Anlehnung an die real existierende Zeitung „Osservatore Romano“ des Vatikans gewählt.
Textsorten sind damit alle Sparten journalistischer Formen, vom Bericht über die Reportage, der einfachen Meldung bis hin zum subjektiven Kommentar.
Perspektivität bei der Abfassung der Texte heißt dabei zunächst, dass der Standpunkt der Zentralgewalt des Römischen Reiches gewahrt bleibt, dass aber auch aus der Sicht eines etablierten Vertreters der römischen Zivilisation berichtet und kommentiert wird. Abweichende Meinungen können entweder berichtet oder in Form von „Leserbriefen“ veröffentlicht werden.
Dieser Standort ist bei Themen der „eigentlichen“ römischen Geschichte noch relativ einfach einzunehmen, wird allerdings schwieriger, sobald Rom aus der Rolle der politisch gestaltenden Kraft herausgerückt ist. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den hämischen Kommentar der byzantinischen „Presse“, die die Salbung des Frankenkönigs Pippin 751 mit der letzten Ölung eines Sterbenden verglich.
Im Bereich des Geschichtsunterrichts kann der „Observator Romanus“ dazu
dienen, einen handlungsorientierten Schreibanlass für Elemente der provinzialrömischen
Kultur zu liefern. Die Errichtung römischer Thermen in Badenweiler oder
Baden-Baden kann so einerseits aus dem Blickwinkel einer arroganten stadtrömischen
Gesellschaft, die ein Heilbad in der tiefsten germanischen Provinz nur belächelt,
geschildert werden, aber auch aus dem Blickwinkel der römischen Provinzialverwaltung,
die darin einen wesentlichen Fortschritt in der „Herstellung zivilisierter
Verhältnisse“ sieht.
Als konkrete Textformen bieten sich bei diesem Thema z.B. ein Bericht über die Eröffnung der Thermengebäude, verbunden mit einem beschreibenden Rundgang durch die Anlage („Tag der offenen Tür“) oder ein Interview mit einem begeisterten Nutzer der Anlage oder einem Sklaven, der die Heizung bedient, an. Ein Bericht des Präfekten an seine vorgesetzte Dienststelle wird sicher nicht in der Zeitung veröffentlicht werden.
Da römische Geschichte und die Romanisierung der Provinzen lehrplangemäß in Klasse 6 unterrichtet werden, wird man hier allenfalls zu kindgerechten journalistischen Kleinformen kommen (etwa als „Kinderbeilage“ zum „Observator“). Anders sieht der Fall im Projektunterricht höherer Klassen aus, wo – womöglich in Verbindung mit einem Zeitungsprojekt im Deutschunterricht – differenziertere Produktion von Texten erwartet werden kann.
Der „Observator Romanus“ kann entweder als html-Datei, als DIN-A-4-Flugblatt
oder im Großformat als Wandzeitung gestaltet werden.