2. Erlebnispädagogik - begriffliche und inhaltliche Ortsbestimmung
Zur Definition - ErlebnisIm pädagogischen Wörterbuch wird der Begriff Erlebnis wie folgt
definiert: "Erleben, Erlebnis ist das Bewusstwerden, Gewahrwerden,
Innewerden von körperlichen und seelischen Zuständen. Es handelt sich dabei
um psychische Vorgänge, meist gefühlsmäßiger, affektiver Art, von besonderer
Unmittelbarkeit und Einmaligkeit." (2, S. 91)
Nimmt man diese Definition als gegeben hin, ergibt sich daraus, dass das
Erlebnis auf das unmittelbare Dabeisein eines Geschehens und dessen
emotional-affektive Verarbeitung zurückführt. Ein Dabeisein ohne diese
Verinnerlichung wäre kein Erlebnis. Man kann also davon ausgehen, dass über
das Erlebnis und dessen Verinnerlichung dem Individuum erst ermöglicht wird,
adäquate Inhalte zu adaptieren. Erst unter dieser Voraussetzung wird auch
ein soziales Lernen und Verhalten ermöglicht, angenommen und
umgesetzt.
Jede Pädagogik hat eigentlich das Ziel, die Inhalte, die sie vermittelt,
auf eine Erlebnisbasis zu stellen. Doch im besonderen ist die
Erlebnispädagogik schwerpunktmäßig darauf eingestellt. "Erlebnispädagogik
will ein Gegengewicht zur intellektuellen, seminaristischen Bildung
darstellen und knüpft an das natürliche Bedürfnis an, etwas zu erleben." (4,
S.198)
Die Vieldeutigkeit des Lebensbegriffes bedeutet gleichzeitig eine Vielfalt
von philosophischen Lehrsätzen des Erlebnisbegriffes. Nach Dilthey ist es
die Aufgabe der Lebensphilosophie, die unmittelbar gegebene
Lebenswirklichkeit aufzuhellen. Leben umfasst und beinhaltet das Dasein des
einzelnen Menschen im Lebenszu-sammenhang mit seiner Umwelt. Jedes
Individuum ist eingebettet und eingetaucht in ein gemeinsames Medium des
Lebens, Erlebens und Verstehens der Sinnzusam-menhänge. (3, S.378)
Vor allem drei Autoren neuerer Zeit haben dem Begriff Erlebnispädagogik
Gewicht verliehen. Es sind dies Wilhelm Dilthey (1833-1911), John Dewey
(1859 -1942) und Kurt Hahn (1886-1974). In einem eher kursorisch und
lexikalischen Durchgang zum Begriff Erlebnis fiel mir auf, dass sich fast
alle großen Pädagogen mit ihm beschäftigt und ihn mehr oder weniger
ausgeprägt in ihre pädagogische Theorie mit eingebettet haben.
Es ist nicht mit letzter Sicherheit zu klären, wann und durch wen der
Begriff "Erlebnispädagogik" geprägt wurde. Da sich derzeitige
erlebnispädagogische Überlegungen und konkrete Projekte vor allem auf die
pädagogischen Ideen Kurt Hahns beziehen. möchte ich ihn aus der historischen
Entwicklung zum Thema Erlebnispädagogik herausgreifen und seine Konzeption
kurz beschreiben.
Kurt Hahn - ein Beispiel aus der historischen Entwicklung der
Erlebnispädagogik
In diesem Bericht kann es nicht darum gehen, Hahns pädagogische Lehre zu
kritisieren, was möglich wäre und je nach weltanschaulichem Standpunkt auch
schon viel-fältig unternommen wurde. Eine kurze Andeutung soll mir genügen:
Hahn hat im Laufe seines langen Lebens fünf große politische Phasen der
deutschen Geschichte vom Kaiserreich, dem 1. Weltkrieg, der Weimarer
Republik, dem 2. Weltkrieg bis zur Gründung der Bundesrepublik durchlaufen,
und zwar ohne größere Modifikation seiner pädagogischen Theorien. Er ist
somit ein Vertreter der konservativen Kulturkritik. Vor allem seine
Ansichten über das Verhältnis von Staat und Individuum sind heute
umstritten. Er war immer überzeugt, dass durch individuelle "Heilung" des
einzelnen und entsprechend daraus erwachsende Leistungen des einzelnen
gesellschaftliche Missstände beseitigt werden können. Er geht nicht auf die
umgekehrt mögliche Wirkung des Staates auf den einzelnen ein und klammert
ökonomische Bedingungen oder allgemein die jeweilige politische Situation
als Hintergrund des menschlichen Daseins aus.
Ich beschränke mich mit meinem Anliegen in diesem Bericht bewusst auf die
erlebnispädagogischen Ideen innerhalb Kurt Hahns Gesamtwerk, die er wie kein
anderer auf eine breite, auch praktikable pädagogische Basis gestellt hat
und die sich in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts weltweit
ausgebreitet haben. (30 Kurzschulen rings um den Erdball, in Deutschland
zwei). Gerade sein individueller Ansatz scheint mir heute für unsere
vielfältig individuell gestörten Jugendlichen gut zu passen; seine Ideen
gewinnen auf jeden Fall wieder innerhalb der sich wandelnden Heimerziehung
der Jetztzeit an gewichtiger Aktualität
Kurt Hahn, 1886-1974, ist der Begründer der Landschulheime Salem in Deutschland und Gordonstoun in England. Merkmale seiner Pädagogik waren, dass er Erziehung eher als Übung des Charakters als des Verstandes betrachtete. Wichtigster Gesichtspunkt war bei Hahn die Erziehung des jungen Menschen in seiner Gesamtheit, also nicht nur schulische Bildung, Wissensvermittlung, sondern auch soziales Lernen auf der emotional-affektiven Ebene. Schon vor seinen Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit hatte er den Standpunkt vertreten, die herrschende Erziehung und allgemein die Einflüsse der Umwelt würden die Möglichkeiten der Erziehung Jugendlicher nicht ausschöpfen bzw. ihnen sogar entgegenstehen. Er glaubte, dass die gegenwärtige Zivilisation krank sei und krank mache, dass sie der Jugend oft die Kraft raube, bevor sie erwachsen ist. Bei genauerer Analyse der Probleme der Jugend stellte Hahn vier grundlegende Verhaltensschwierigkeiten bzw. -probleme fest:
a) Mangel an menschlicher Teilnahme - Verfall des Mitgefühls.
Hahn führt den schlimmsten Verfall auf die Hast des modernen Lebens zurück.
Ermöglicht durch die Technik, jagen intensive Erfahrungen einander und "man
kommt nicht dazu, einen Gedanken zu Ende zu denken oder gar ein Gefühl zu
Ende zu fühlen". (1, Hahn, 1958). Die Sucht nach schnellem Wechsel und damit
oberflächlich erlebte neue Eindrücke vermindert die Fähigkeit zu tiefem
Erleben und einem echten Mitgefühl.
b) Mangel an Sorgfalt
- oder wie Hahn auch drastisch formuliert, die "Seuche der Schlamperei".
Dafür nimmt er in der Hauptsache Konsumorientiertheit als Ursache an
(Zuschauerkrankheit).
c) Mangel an Initiative
d) und Mangel an körperlicher Leistungsfähigkeit hängen für Hahn eng zusammen. Er spricht von der Krankheit des Zuschauens, deren Gefahr darin liege, an künstlichen, unverdienten Sensationen mit unbewussten körperlichen Reaktionen teilzunehmen, wobei diese Sensationen aber lediglich kurzlebiger Schwindel seien. Der Mensch wird dadurch als Zuschauer zum "teilnahmslos Beteiligten", im körperlichen wie im geistigen Bereich. "Im geistigen Bereich wird der Zuschauer der persönlichen Entscheidung entwöhnt und zu einem gerade dem Jugendalter unangemessenen passiven Erleben verurteilt, was den Verfall der Unternehmenslust bzw. der Initiative bewirkt." (1, Hahn, 1962). Durch die Vernachlässigung der körperlichen Tauglichkeit sieht Hahn die Grundlage der "Überwindenskraft" gefährdet, wie man sie zu langwierigen und mühseligen Unternehmungen braucht. Drei Gründe macht er dafür verantwortlich: "Die Methoden der modernen Fortbewegung", die "ungebührliche Heldenverehrung, die den hervorragenden Sportlern entgegengebracht wird", und "den Mangel an Selbstdisziplin gegenüber Rausch- und Beruhigungsmitteln." (1, Hahn, 1965).
Da die Jugend, "wie Hahn es später nachdrücklich aufweisen sollte,
resistent ist gegen offenkundige Verbesserer" (9, S.176), war er immer gegen
Belehrung und statt dessen für etwas, was er Erlebnis oder Abenteuer nannte.
"Hahns Beitrag war die Erziehung durch das Abenteuer. Abenteuerliebe, die
Liebe zur Gefahr und zum Sich beweisen waren - nach Hahn - die größten der
grandes passions, die die Jugend schützten. . ." (9, S.182). Mit diesem
originären Beitrag kann Hahn mit Recht als ein pädagogischer Neuerer des 20.
Jahrhunderts bezeichnet werden.
Erlebnis und Abenteuer ist aber nicht immer in der Vielzahl von
Lebensmöglichkeiten vorhanden und somit für jedermann erfahrbar, sondern
eine pädagogische Aufgabe. Hahn selbst formulierte: "Es ist Vergewaltigung,
Kinder in Meinungen hineinzuzwingen, aber es ist Verwahrlosung, ihnen nicht
zu Erlebnissen zu verhelfen, durch die sie ihrer verborgenen Kräfte gewahr
werden können." (1, Hahn, 1958). Für Hahn ist damit klar, dass für eine
umfassende Erziehung der Gesamtpersönlichkeit mehr nötig ist als der
herkömmliche Schulunterricht und rein theoretisches Wissen, für ihn gehören
die Herausforderung durch Ernstsituationen und die Bewährung in ihnen
unabdingbar dazu. Seine daraus resultierende Erlebnistherapie, die er in
Landschulheimen und Kurzzeitschulen verwirklichte, umfasste die vier
Elemente: Körperliches Training, Expedition, Projekt und Rettungsdienst, z.
B. auf einer Küstenwachstation, die Hahn als "vorbeugende Heilmittel" den
bereits geschilderten Verfallserscheinungen entgegensetzt. Zu seinem
Programm gehörten u. a. sorgfältig geplante und vorbereitete Projekte, z. B.
im Bereich der Umweltforschung sowie die Planung und Durchführung von
Expeditionen (bis nach Finnland z. B), vorwiegend in ursprüngliche
Landschaften mit hohem Erlebniswert. Diese rege Wechselbeziehung zwischen
pädagogischer Theorie und den praktischen Erfahrungen trugen zu einer
permanenten Dynamik der Pädagogik Hahns bei. Vom pädagogischen Optimismus
getrieben, versuchte Hahn als Praktiker v. a. in seiner
Landschulheimbewegung den beschriebenen Missständen entgegenzuwirken.
Die Zielsetzung der Erlebnispädagogik
Erlebnispädagogik in ihren verschiedenartigsten Ausprägungsformen bezieht
sich immer auf die Gruppe und ist somit auch festgelegt auf deren dynamische
Prozesse.
Der erlebnispädagogische Ansatz geht davon aus, dass Erziehungs- und
Bildungsprozesse wesentlich über affektiv besetzte Auseinandersetzungsformen
laufen. Es wird dabei versucht, die gewonnenen Erlebnisse des einzelnen in
gemeinsamer Gruppenreflexion verhaltenswirksam zu machen, Verhalten zu
stabilisieren, um sie letztlich zu verhaltensanleitenden Erfahrungen
verarbeiten zu können. Es können folgende didaktische Kennzeichen
festgehalten werden:
- Die Individualität des Jugendlichen wird berücksichtigt.
- Lerninhalte knüpfen bei den Fähigkeiten des Jugendlichen sowie seiner
Lebenswelt an.
- Ganzheitliches Lernen findet statt - d. h. Lernelemente im
handwerklichen,emotionalen, künstlerischen und sozialen Bereich treten neben
den kognitiven Bereich.
- Die psychische Stabilität wird gefördert.
- In der Interaktion der Gruppe entsteht eine Basis zur konstruktiven
Konfliktbewältigung.
Um auf die von Kurt Hahn geschilderten gesellschaftlichen
Mangelerscheinungen zurückzugreifen, versteht sich Erlebnispädagogik auch
heute wieder, oder immer noch, diese im kompensatorischen Sinne ausgleichen
zu helfen. Es soll sich verwandeln:
- Teilnahmslosigkeit in Anteilnahme
- Ablehnung von Verantwortung in Verantwortungsbereitschaft
- Mangel an Sorgfalt, "Draufloshandeln", in planvolles Tun
- Körperliche Leistungsmängel in Fitness und Ausdauer
- Mangel an Initiative in Initiative
Erlebnispädagogik sieht ihre Aufgabe darin, Jugendlichen ein adäquates
Lernfeld anzubieten, welches ihrem Abenteuer-, Erlebnis- und Tatendrang
entgegenkommt, somit attraktiv und motivierend ist. Dieses Lernfeld
ermöglicht, mehr als durch kognitive Anforderungen erreicht werden kann,
eine stärkere Ich-Beteiligung, da Emotionen aktiviert werden. Dadurch
entsteht erst eine Möglichkeit der Motivation, sie erhöht Verstehen,
Begreifen, was wiederum Basis für höhere Leistungen sein kann.
Erfolgsvermittlung und Befriedigung wirken auf Gefühle und Stimmungen, womit
sich die Wirkungskette schließen kann.
"Plötzliche Einsichten und Erlebnisse bezeichnen wir als Aha-Erlebnisse.
Sie werden durch den Aktivierungszirkel ganz außergewöhnlich wirksam, als
pädagogisch fruchtbare Momente, als Erkenntnis oder Einsicht und
präsentieren sich den Betroffenen als Bereicherung und Fortschritt. Solche
,Spitzenerlebnisse` sind allerdings nicht planbar, aber ein wichtiges Ziel
der Erlebnispädagogik." (6, S.158)
Bereiche der Erlebnispädagogik
Es haben sich, aufgrund gegebener Möglichkeiten, verschiedene,
schwerpunktmäßig bedingte Formen und Gebiete in Deutschland für die
Durchführung einer Erlebnispädagogik herausgebildet. In ihren Angeboten sind
sie verschieden, doch ist die beschriebene Zielsetzung allen gemeinsam. Ob
Segeln, Bergsteigen, Kanufahren, Expeditionen, Sport und anderes, das
Streben, dem Jugendlichen ein Erlebnis zu vermitteln, aus dem heraus er sich
selbst korrigieren lernt, ist und bleibt das Hauptziel.
Das vor allem in Norddeutschland angesiedelte sogenannte
sozialtherapeutische Segeln, das dort inzwischen auch einer größeren
Öffentlichkeit bekannt ist, soll mir als exemplarisches Beispiel
dienen.
In der Bundesrepublik und vor allem in Skandinavien hat sich in den letzten
Jahren das "Segelschiff als Vehikel der Erlebnispädagogik" etabliert.
Inzwischen gibt es eine Vielzahl von segelpädagogischen Projekten, deren
Zielgruppen aus allen Bereichen der Sozialpädagogik kommen. Innerhalb dieser
Vielzahl zeichnet sich derzeit ab, dass sich Träger und Projekte mit ihrem
pädagogischen Konzept und Törnprogramm auf die Anforderungen einer
Problemgruppe spezialisieren und entsprechend dreiwöchige bis sechsmonatige
Törns anbieten. So gibt es ein Projekt zur Resozialisierung Haftentlassener,
ein anderes fährt mit berufseingliederungsunfähigen Jugendlichen zur See,
andere bieten einer breiteren Zielgruppe ihren Dienst an.
In Skandinavien wird seit 1970 verschiedenen Zielgruppen der
Dreimastschoner "Fulton" zur Verfügung gestellt. 4000 Jugendliche haben
inzwischen an diesem Projekt teilgenommen, mit nahezu hundertprozentigen
Erfolgsquoten bei der Drogenabhängigkeitstherapie.
In Dänemark segeln im Dienst der Sozialpädagogik mindestens zehn Schiffe
mit Einsatzbereichen von der Suchttherapie bis zur Behindertenarbeit.
In der Bundesrepublik Deutschland arbeiten folgende Vereine im Rahmen der
offenen Jugendarbeit mit dem Medium Segeln:
- Verein Jugendhilfe e.V. Hamburg
- Deutsches Jugendwerk zur See, Klipper
- Kompass-Initiative für Freizeitpädagogik
- B.E.S.T.-Bildungsstätte für Erlebnispädagogik und soziales Training e.V.
(sie bezieht sich ausdrücklich auf die Konzeption Hahns)
- Diakonisches Werk
- Jugendschiff Korsar "Outlaw" - Jugenddorf Rendsburg
- Rauhes Haus, Hamburg
Die drei letztgenannten Organisationen arbeiten mit der Zielgruppe
verhaltensauffälliger, delinquenter Jugendlicher. (Die Aufzählung bezieht
sich auf den Stand von 1983 und ist, zusammengefasst, entnommen aus
4.).
Die Träger dieser Projekte sehen die Bedingungen und Zielsetzungen einer
Erlebnispädagogik in idealer Weise auf einem Schiff verwirklicht. Es ist
attraktiv, bietet die intensive Begegnung, erlaubt keine
Rückzugsmöglichkeit, keine Konfliktentziehung und bietet Freiraum, (d. h.
auch frei von gesellschaftlichen Zwängen). Institutionelle Reglementierungen
und Normen werden durch unmittelbare Gegebenheiten evident (offenbar), der
Jugendliche wird gebraucht und trägt Verantwortung für sich und
andere.
"Als bekannteste Alternative zur geschlossenen Heimerziehung lässt sich das
Konzept der ,Outlaw` durch folgende Punkte skizzieren:
a) Erlebnisqualität durch Kontrasterfahrung (Abenteuerlust befriedigen,
neues Selbstwertgefühl durch Kontrasterfahrung schaffen)
b) Raum für Aktion und Autonomie (die Jugendlichen identifizieren sich mit
dem Schiff mehr als mit einem geschlossenen Heim)
c) Partiell aufgehobene Stigmatisierung (die Jugendlichen werden nicht mit
einer stigmatisierten Institution gleichgesetzt, sondern leben in einem
Raum, der hohes Sozialprestige genießt)
d) Engagement in einer Interessengemeinschaft (Selbstversorgung,
Instandhaltung, Vorräte schonen)
e) Soziales und normatives Lernen (Seemannschaft, Manöver)
f) Bereitstellung eines attraktiven Lernfeldes:
- seemännische Tätigkeiten
- Schiffsicherheit
- Feuerschutzlehrgänge
- handwerkliche Kenntnisse
- hauswirtschaftliche und kaufmännische Tätigkeiten
- Geographie, Biologie, Physik
- Sprachkunde
- Sport
- allgemeine Umweltkunde." (4, S. 201)
Zum Teil liegen bei einigen Projekten noch keine Auswertungsberichte vor,
da sie sich noch in der Durchführungsphase befinden, zum anderen kann
aufgrund vorliegender Erfahrungsberichte ein eindeutig positiver Tenor
verzeichnet werden.
Neben dieser Vielzahl von segeltherapeutischen Projekten im In- und
Ausland, vor allem an der See, gibt es "zu Lande" inzwischen vielfältige
Versuche mit den gleichen erlebnispädagogischen Zielsetzungen wie beim
therapeutischen Segeln. Richard Günder berichtet von zwei Heimen, einem
Kinderkurheim und einem Heim mit geschlossener Abteilung, die für ihr
schwieriges Klientel zwei abgelegene Almhütten im Allgäu und in Österreich
zu heilpädagogisch therapeutischen Aufenthalten mit sehr guten ersten
Erfolgen nutzen. Er verwendet dabei den Begriff "Hüttenpädagogik" . Daneben
gibt es eine Vielzahl von Heimen, die derzeit sehr verschiedene und
vielfältige erlebnispädagogische Projekte in Angriff nehmen: "Der Katalog
der alternativen aber zugleich realistischen Möglichkeiten erstreckt sich
über ein weites Gebiet: längere Aufenthalte auf Bauernhöfen, Kurse zum
Lkw-Führerschein, internationale Ferienlager, Sahara Durchquerung,
Fallschirmspringen, Umgang mit und Pflege von Tieren, Segelschifftherapien,
lang andauernde Aufenthalte in Berghütten, etc." (7, 5.304). Ich selbst
kenne im erlebnispädagogischen Erfahrungsaustausch mit Heimleitern in
Baden-Württemberg Heime, die mit ihren Schützlingen mit dem Fahrrad nach
Ungarn fahren, mit dem Kanu auf der Donau bis nach Wien, in Form einer
expeditionsartigen Reise nach Hammerfest an den Polarkreis, nach Schweden
zur dreiwöchigen Kanufreizeit, nach Korsika in ein fest gemietetes
Ferienlager, nach Polen vor allem zum Besuch der ehemaligen
Konzentrationslager Auschwitz und Birkenau. Diese Heime sind in der
Trägerschaft des Caritasverbandes, der Diakonie und des
Landeswohlfahrtsverbandes.
Unser Haus führt seit drei Jahren, neben den Korsika-Reisen, im Winter auf
einer sehr abgelegenen und schwer zugänglichen Almhütte im Allgäu
Skifreizeiten mit seinen Jugendlichen im erlebnispädagogischen Sinne durch,
die berg- und skierfahrene Erzieher leiten. Einmal konnte ich selbst an
einer solchen Freizeit teilnehmen und die bis dahin abgegebenen sehr
positiven mündlichen Erfahrungsberichte unserer Erzieher in vollem Umfang
bestätigen.