Wozu FAUSTLOS ?
Forschungsergebnisse der letzten Jahre legen den Schluß nahe, dass es - entgegen dem Augenschein spektakulärer Medienberichte - eher eine Zunahme der Qualität und Schärfe der Gewalttätigkeiten an Schulen als eine Zunahme aggressiver Handlungen an sich gibt. Gleichzeitig scheint die Sensibilität gegenüber gewalttätigem Verhalten in der Öffentlichkeit gewachsen zu sein, wobei die Toleranz- und Belastbarkeitsschwelle von Lehrerinnen und Erzieherinnen Befragungen zufolge deutlich überschritten ist. Die sich abzeichnende Entwicklung verlangt zunehmend nach Lösungen im Sinne von Intervention und vor allem in Sinne von Prävention, denn Präventionskonzepte scheinen sowohl langfristig erfolgreicher als auch deutlich kostengünstiger zu sein als Interventionsmaßnahmen (für einen Überblick zu Gewaltpräventionsansätzen an und für Grundschulen vgl. Schick & Ott, in Druck). Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg gab daher 1998 eine Wirksamkeitsstudie zum Gewaltpräventionsprogramm FAUSTLOS in Auftrag (vgl. ausführlicher im nächsten Abschnitt).
Da aggressives und gewaltbereites Verhalten wesentlich aus einem Mangel an sozialen Kompetenzen resultiert, was eine konstruktive Form der Problem- und Konfliktbewältigung nicht zuläßt, haben Maßnahmen zur Steigerung der sozialen Kompetenz von Kindern im Rahmen von Gewaltprävention einen zentralen Stellenwert. Die Entwicklung prosozialer Verhaltensweisen kann durch einen oder mehrere der folgenden Faktoren beeinträchtigt werden:
* Die Kinder wissen nicht, was angemessenes Verhalten ist, weil ihnen Modelle für alternative Konfliktlösungen fehlen
* sie wissen zwar, was angemessenes Verhalten ist, aber ihnen fehl die Übung, weil sie in ihrem Verhalten nicht adäquat verstärkt werden
* sie zeigen emotionale Reaktionen wie Ärger, Furcht oder Angst in einer Ausprägung, die sie in der Entwicklung des gewünschten Verhaltens behindert
* sie können Aggressionen nur unzutreffend einschätzen
* sie zeigen Entwicklungsverzögerungen, die entweder genetisch oder durch gesundheitliches Fehlverhalten der Mutter während der Schwangerschaft, z.B. Mißbrauch von Alkohol oder Medikamenten, verursacht worden sind.
Durch FAUSTLOS lernen Kinder prosoziale Verhaltensweisen auf die gleiche Weise, wie sie lernen, sich unsozial verhalten, nämlich über Vorbilder, Erfahrung und Verstärkung. Verstärkungen - sowohl "beabsichtigte" (Lob, Belohnungen) als auch "natürliche" (erfolgreiche Problemlösungen) - fördern das Lernen dieser Fähigkeiten.
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