- Buch des Monats August
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Buch des Monats August 2016

Bücher des Monats August 2016

Aaron Becker: Die Reise ( ab 3 - 7 Jahren)

Mo Willems: Das Buch über uns - We Are in a Book! (ab 6 Jahren)

Bart Moeyaert: Hinter der Milchstraße (ab 11 - 13 Jahren)

Aaron Becker: Die Reise

Gerstenberg  2015
llustrator: Aaron Becker
ISBN - 10: 3836957841
ISBN - 13: 978-3836957847
Gebunden: 40 Seiten
Bilderbuch
Altersempfehlung:  ab 3 - 7 Jahren 

Wenn das kleine Mädchen, die namenlose Protagonistin in Aaron Beckers Bilderbuch  „Die Reise“ wieder einmal vor dem grauen Alltag fliehen möchte, dann tut sie das einfach. Mit einer roten Kreide malt sie sich eine Tür ins Zimmer und betritt durch diese eine fabelhafte Welt voller Farbe und begibt sich auf eine Reise durch die eigene Fantasie. Dabei kommt sie durch zauberhafte Wälder, bestaunt imposante Märchenschlösser, fliegt über den Wolken oder besucht Stätten aus 1001 Nacht.
Das Buch von Aaron Becker arbeitet ausschließlich mit Bildern und kommt ganz ohne Text aus. Die Detailverliebtheit der Zeichnungen macht somit auch den Reiz des Buches aus. Besonders als Gesprächsanlass oder Erzählbilderbuch für Kinder im Vor- und Grundschulbereich bietet „Die Reise“ viele Ansätze zur Interpretation. Neben dem didaktisch-orientierten Einsatz zeigt Aaron Becker mit seinem bildgewaltigen Werk auch erwachsenen Lesern eine vielleicht schon fast vergessene Fantasiewelt, in die es sich einzutauchen lohnt.
Für den didaktisch motivierten Einsatz im Grund- und Vorschulbereich bieten sich Grundsätze der Bilderbuchdidaktik an.  Heinz Schlinkert empfiehlt in diesem Zusammenhang ein dreistufiges Ablaufmodell bei der Bilderbuchbetrachtung:

a. Einführungsphase: In dieser Phase werden die Kinder an das Thema des Bilderbuches herangeführt. Dies kann über ein Gespräch oder durch den Einsatz von Identifikationsfiguren geschehen. Ein Einsatz des Buches ist zu diesem Zeitpunkt nicht zwingend notwendig, kann aber durchaus Sinn machen (z.B. Abdecktechnik)

b. Durchführungsphase: Die Kinder sollten zunächst selbst Zeit haben, sich zu den Buchseiten zu äußern, bevor durch Erwachsene ins Gespräch eingegriffen wird.

c. Abschlussphase: Im Anschluss  an die Bildbetrachtung ist es elementar, einen Transfer zu schaffen. Hierzu sollte zunächst überprüft werden, ob das Kind den Sinn und Zusammenhang der Geschichte verstanden hat. Anschließend kann die Verknüpfung zur Lebens- und Erfahrungswelt der Kinder geschaffen werden. Oft geschieht dies schon während der Durchführungsphase durch die Kinder selbst. Hier kann zum Abschluss ggf. noch einmal Bezug darauf genommen werden.

Auf nachfolgenden Seiten finden sich weitere Informationen zur Bilderbuchdidaktik von Heinz Schlinkert:

  www.kindergartenpaedagogik.de

  www.schlinkert.eu

B.E. Ideenpool Lesen  

Mo Willems: Das Buch über uns - We Are in a Book!

Elephant & Piggie: We Are in a Book!
Deutsche Übersetzung von Monika Osberghaus

Illustrator: Mo Willems
Kinder Klettbuch, 2015
ISBN - 13: 978-3-95470-126-1 Ausgabe in deutscher Übersetzung
ISBN-13: 978-3-95470-127-8 Ausgabe in Englisch
Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
Erstlesebuch Graphic Novel
Altersempfehlung: ab 6  Jahren 

Der Elefant Gerald und das Schweinchen (im Original: Piggie) fühlen sich beobachtet. Das ist zuerst einmal ein unangenehmes Gefühl. Doch zunehmend werden beide mutiger und schauen den Beobachtenden / die Beobachtende genau an. Schnell freuen sich die beiden Figuren, dass da ein Leser oder eine Leserin ist und tanzen vor Freude. Sie entdecken auch, dass sie den Lesenden manipulieren können: Sie haben es in der Hand, was das Gegenüber beim lauten Vorlesen sagt! Das finden sie so lustig, dass man einfach mitlachen und mitmachen muss. Doch was passiert, wenn das Buch zu Ende ist? Der Elefant gerät in Panik, denn er hat doch noch so viel mehr auf Lager! Dann hat das Schweinchen die rettende Idee: Man müsste das Kind / die Lesenden irgendwie dazu bringen, das Buch noch einmal zu lesen…

Alles in allem ist dies ein tolles Einsteigerbuch für Kinder, die das Lesen entdecken. Die großformatigen, bunten Tierfiguren sind sympathisch und lustig gestaltet und erinnern auf den ersten Blick an Figuren für jüngere Kinder. Der Text nimmt wenig Raum ein und beschränkt sich auf das, was der Elefant und das Schweinchen sagen. Dies wird comicartig in Sprechblasen dargestellt. Man könnte meinen, dass dies sehr wenig Text ist für ein Buch, das sich explizit an Kinder richtet, die gerade das Lesen lernen. Der Clou des Buches liegt jedoch in der Interaktivität, auf die sich Kinder ab sechs Jahren gerne einlassen – auch wenn sie schon mehr Text lesen könnten. Doch „funkt“ es wirklich zwischen Buch und Leser, wie es der Verlag verspricht? Der Praxistest ergab einen in Dauerschleife vorlesenden siebenjährigen Jungen – immer wieder neues Publikum suchend, gerne aber auch allein mit dem Buch auf dem Sofa sitzend, laut vorlesend und dabei fröhlich kichernd. Das Buch hält, was es verspricht!

Jüngere Kinder ab ungefähr vier Jahren  werden sich das Buch auch gerne vorlesen lassen. Allerdings stört hier bei der deutschen Übersetzung, dass der Leser mit „Kind, das uns liest“ angesprochen wird. Dies passt dann nicht, wenn ein Erwachsener vorliest. In der englischen Ausgabe heißt es einfach „reader“ (Leser/-in) – im Englischen geschlechtsneutral und für alle Altersklassen passend, was leider bei der deutschen Übersetzung Schwierigkeiten bereitet. Bei der deutschen Ausgabe hat man sich offensichtlich entschieden, explizit Erstleser anzusprechen. Als Vorlesebuch hingegen ist die englische Originalfassung besser geeignet. Diese ist ebenso beim Klett Kinderbuch Verlag unter dem Titel „We Are in a Book!“ erschienen mit dem Zusatz „Mein erstes Buch auf Englisch!“. Im Buch finden sich Hilfestellungen für die deutsche Übersetzung von den englischen Mitteilungen des Elefanten Gerald und des Schweinchens. Die englische Ausgabe richtet sich an Kinder, die schon früh mit Englisch lernen beginnen oder zweisprachig aufwachsen.

Leseprobe der deutschen Version: Leseprobe: Das Buch über uns! Pdf-Icon"

Leseprobe der englischen Version: Leseprobe: We Are in a book! Pdf-Icon"

S.K. Ideenpool Lesen   


Bart Moeyaert: Hinter der Milchstraße

Originaltitel: De Melkweg

Übersetzerin: Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler
Carl Hanser Verlag 2013
ISBN-13: 978-3446243057
Gebundene Ausgabe: 159 Seiten
Altersempfehlung: 11 -  13 Jahren
Jugendbuch

„Hinter der Milchstraße“ von Bart Moeyaert ist ein Jugendbuch, mit dessen Hauptfigur sich die meisten 11- bis 13-jährigen identifizieren können und das für den Unterricht sehr gut einsetzbar ist. Oskar, sein Bruder Bossie und der Vater der beiden verbringen den Sommer – wahrscheinlich in den 1960er Jahren – alleine. Die Mutter ist nach Italien gegangen und schreibt von dort aus Postkarten. Aus welchen Gründen sich die Mutter in Italien aufhält und ob sie wiederkommt, bleibt lange verborgen. Vieles bleibt bis zum Schluss vage und unerklärlich. Oskar beschreibt Personen und Situationen aus seiner Umgebung. Dazu hat er viel Zeit. Denn die Ferien über sitzt er mit Bossie und seiner Freundin Geesje bei der ALTEISEN KG hinter der Milchstraße und tut wenig mehr, als Menschen zu beobachten und zu warten, dass etwas passiert. Es ist dennoch spannend, ihm zu folgen, obwohl schnell deutlich wird, dass nicht alles zum Lernen da ist. Manches geschieht einfach nur so.
Im Buch werden Themen aufgegriffen, die Jugendliche bewegen: Die Liebe zur Familie, Streitigkeiten mit Freunden und Geschwistern und das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn man alle Wogen wieder glätten möchte. Aber auch der Verlust geliebter Menschen wird thematisiert. Das von Moeyaert beschriebene Leben ohne Handy, Computer und Playstation lädt geradezu dazu ein, Freizeitgestaltung früher und heute zu vergleichen. Die Kinder begegnen ihrer Langeweile mit Geschichten, der Platz vor der ALTEISEN KG wird zu ihrem Clubhaus ohne Wände und Dach. Sie beobachten Personen und Situationen und erfinden dazu Geschichten. Die erste ist die über eine alte Frau und ihren alten Dackel, die täglich zur gleichen Zeit an der ALTEISEN KG vorbeilaufen. Sie kennen sie nicht, taufen sie „Nancy“ wegen ihrer Stiefel, denn Oskars und Bossies Mutter hörte bis zu ihrem Fortgang immer „These boots are made for walking“ von Nancy Sinatra. Als sie schließlich eine Wette abschließen, wer zuerst stirbt, die Frau oder der Dackel, tauchen die beiden nicht mehr auf und Ungewissheit und Suche beginnen.

Das Buch ist uneingeschränkt in der fünften und sechsten Klasse einsetzbar, durchaus kann sie aber auch mit älteren Schülern gelesen werden, denn trotz weniger Ereignisse wird eine große Dichte erzeugt. Die Gefühls- und Gedankenwelt des sensiblen und klugen Oskar wird im Rückblick erzählt. Dabei bleibt offen, ob Oskar die Geschichten aus kurzer und größerer Distanz erzählt. Zwischen dem Ich-Erzähler und erzähltem Ich entsteht eine Lücke, die sehr reizvoll ist. Jüngere Kinder können das bewusst Offene nur schwer erfassen, Ältere werden die Offenheit sicher durchdringen. Für sie bietet Bossie, Oskars älterer Bruder, der die ersten Pubertätsanfälle hat, eine Identifikationsfigur.
Moeyaerts Sprache ist einfach uns poetisch zugleich, Symbolhaftes wird lebendig, immer wieder wird auf komplexere Zusammenhänge verwiesen. Die Leerstellen in der Geschichte bieten viele Ansätze, um Interpretationen zu gestalten, sei es in der Arbeit mit einem Lesetagebuch oder auch mit dem  intern Lapbook.

M.S. Ideenpool Lesen 


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