- Buch des Monats November
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Bücher des Monats November 2016

Martin Baltscheit: Nur ein Tag ( ab 5 Jahren)

William Grill: Shackletons Reise (ab 7 Jahren)

Kathrin Steinberger: Manchmal dreht das Leben einfach um (ab 14 Jahren)

Bonnie Nadzam: Mr. Lamb (ab 15 - 16 Jahren)


Martin Baltscheit: Nur ein Tag

Verlag: Dressler  2016
llustratorin: Wiebke Rauers
ISBN - 13: 978-3-7915-2702-4
Gebunden : 105 Seiten
Vorlesebuch und für ältere Kinder zum Selbstlesen  
Altersempfehlung:  ab 5 Jahren

Martin Baltscheit ist der vielfach ausgezeichnete Autor des erfolgreichen Theaterstücks „Nur ein Tag“, das 2007 zum ersten Mal aufgeführt wurde und zu dem es auch Unterrichtsmaterial der Theater zur Vor- und Nachbereitung gibt (siehe unten).

Als eine Eintagsfliege schlüpft, werden ein Fuchs und ein Wildschwein Zeuge und freunden sich mit dem bezauberndem Geschöpf an. Dabei haben sie aber ein großes Problem: Wer bringt der kleinen Fliege bei, dass sie nur einen Tag leben wird, wo sie doch so lustig, frech und lebensbejahend ist. Sie erzählt, dass sie einen Beruf ergreifen, heiraten und alt werden wolle. Zudem sei ihr Ziel, ein paar Sprachen zu lernen. Die Lösung liegt nahe, die beiden Tiere behaupten, der Fuchs müsse sterben. Die Eintagsfliege hat eine Idee, die sie ihren neuen Freunden gleich verkündet: Man müsse nur das ganze Leben mit dem großen Glück in einen Tag packen.

Die drei begeben sich auf einen großen Ausflug. Zuerst geht es in die Schule. Aber als das den Fuchs nicht glücklich macht, suchen sie für ihn nach einer Frau. Weil sich keine findet, muss das Wildschwein herhalten. Kinder gehören auch zum Glück. Wie das funktionieren soll, wissen die drei aber nicht wirklich. Also wird Geburtstag gefeiert, denn das gehört ganz bestimmt zum glücklich sein dazu. Und dabei verplappern sich Fuchs und Wildschwein und die kleine Fliege erfährt, dass ihr Leben nur einen Tag währt.

Trotz des ernsten Themas ist dies eine wunderschöne Geschichte über das Sterben. Sie beschreibt den Versuch der Tiere, das große Glück in einen einzigen Tag zu packen und dabei unendlich viel Spaß haben. Das Buch hat eine berührende Tiefe, es stimmt nachdenklich, bringt zum Lachen und Staunen. Wenn das Wildschwein sagt: „Niemand weint über das Leben ...“, und der Fuchs entgegnet:  „... und deshalb sollte auch keiner über den Tod weinen.“, sprechen sie wahre und tiefgreifende Worte einfach aus, und genau damit erleichtern sie es allen, über vermeintlich schwere Themen mit Kindern zu sprechen.


Dies ist ein Buch, das im Kindergarten, in der Schule oder zu Hause als Standardlektüre vorhanden sein sollte. Es ist auch als Hörbuch zu haben und bei der Oetinger Media GmbH  erschienen. Die Spieldauer beträgt 45 Minuten.


Material zum Download finden Sie auf folgenden Seiten: 


Ideenpool Lesen



William Grill: Shackletons Reise

Originaltitel: Shackleton´s Journey

Nord-Süd-Verlag 2015
Illustrator: William Grill
Übersetzer: Harald Stadler
ISBN-13: 978-3314103117
Gebunden: 80 Seiten
Graphic Novel
Altersempfehlung: ab 7 Jahren

Das Sachbuch    „Shackletons Reise“ William Grills bringt den Leser und die Leserin ins „Goldenen Zeitalters der Antarktisforschung“ und stellt die Geschichte des britischen Polarforschers Ernest Shackleton dar. Er begleitete ab 1901 für drei Jahre die „Discovery-Expedition“ Robert Scotts. Dabei ging es um einen Wettlauf zwischen Scott und dem Norweger Amundsen, wer von den beiden zuerst den Südpol erreichen würde. Amundsen erreichte ihn als Erster 1911. Drei Jahre später brach Shackleton mit seiner Mannschaft auf, um den Kontinent am Südpol zu erforschen. Diese Expedition greift Grill in seinem Buch auf.

Die Zeichnungen und Texte führen den Leser und die Leserin in eine Welt voller Gefahren und Abenteuer, wobei die Texte sachlich verfasst wurden. Im Mittelpunkt der zweiten Hälfte des Buches steht der Marsch des Forschers und seiner Mannschaft durch die Antarktis und ihre Rettung nach zwei Jahren.
Die Bilder wurden in gedeckten Farben gezeichnet und sind außergewöhnlich. Einen Eindruck von den aufwändigen Vorbereitungen für die Expedition vermitteln die minutiösen Zeichnungen aller Besatzungsmitglieder, sämtlicher Hunde sowie der Schiffsladung. Im Kontrast dazu stehen weiträumig scheinende Doppelseiten, die winzige Boote inmitten endloser Wasser- und Eisflächen zeigen. Die Körper der Personen wurden von Grill recht groß gemalt, die Köpfe der Figuren sind hingegen klein. Auf jeder Seite kann man Details zur Geschichte der Expedition erkennen und immer wieder neue Aspekte entdecken.
Grills Werk ist für Kinder ab 7 Jahren geeignet, wobei es wichtig ist, mit ihnen ausführlich über den Inhalt des Buches zu sprechen. Die Thematik ist nicht immer einfach zu verstehen und ist nicht immer kindgerecht. Sicherlich nicht für jedes Kind so ohne weiteres hinnehmbar ist die Beschreibung der Tötung der 69 Mannschaftshunde, da auf den Notbooten kein Platz war.

Als Lektüreempfehlung ist die Graphic Novel gerade für Jungen sehr geeignet, weil die Lust an Abenteuergeschichten und Spannung geweckt wird. Auch für Erwachsene stellt das Buch eine schöne, spannende und kurzweilige Lektüre dar, die nicht umsonst für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde. 


M.S. Ideenpool Lesen


Kathrin Steinberger: Manchmal dreht das Leben einfach um

Jungbrunnen 2015
ISBN-13: 978-3702658939
Gebunden: 280 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren 
Roman

Die Hauptfigur aus    Kathrin Steinbergers neuem Jugendroman     „Manchmal dreht das Leben einfach um“ ist die 16-jährige Ali. Sie ist hochbegabt, gilt als Wunderkind und hat ein Superhirn. Weder die Schule noch die unbekanntesten Wissensgebiete bereiten ihr Probleme. Dennoch hat sie es nicht leicht: Sie braucht feste Abläufe und Gewohnheiten, vermeidet Situationen, die schwer zu kontrollieren sind und hat nur eine gute Freundin, Isa. Von sich selbst meint sie sogar: „Ich bin vielleicht ein bisschen autistisch“.

Als sie Kevin trifft, verändert sich alles. Er zieht ins Nachbarhaus, ist ein paar Jahre älter als sie und hatte Erfolg als internationaler Profi-Skater. Die zurückhaltende Einzelgängerin trifft auf den spontanen, kommunikativen jungen Mann, der mit 20 Jahren seine Karriere nach einem schweren Sturz beenden musste.
Kevin zeigt Ali die verrückten und schönen Seiten des Lebens Er bringt ihr Snowboard fahren und skaten bei. Wie es der Lauf der Dinge will, verliebt sie sich in ihn, ohne es zunächst zu merken. Kevin erwidert ihre Liebe, sie gehen eine bedingungslose Beziehung ein, wobei Kevin sich schließlich immer mehr zurückzieht. Er spricht nicht über sich oder seine Probleme und verschwindet eines Tages spurlos. Ali bekommt nur SMS von ihm, bis er wieder auftaucht und sich alles klärt. Schließlich beginnt Ali ein Studium und Kevin beteiligt sich am Geschäft seines Skaterfreundes und das Leben wendet sich erneut ...

Der Roman ist für Jugendliche ab 14 Jahren geeignet, er thematisiert Sport, Probleme und Liebe, entwickelt den Spannungsbogen langsam. Es ist ein eher ruhiges Buch, das für die Schülerinnen und Schüler, die auf Spannung und Action aus sind, nicht die richtige Wahl darstellt, obwohl es nie langweilig wird.
Schnell findet man zu Ali, hat sogar Identifikationspunkte und fühlt mit ihr, da die Autorin sie sehr eindrücklich beschreibt. Auch auf familiäre Probleme, die viele Heranwachsende haben und auf die Vater-Tochter-Beziehung wird eingegangen, sodass die Lesenden sich unter Umständen auch hier wiederfinden. Ali kommt aus einer Starre in Bewegung, lehnt sich gegen den dominanten Vater auf und wagt plötzlich Neues. Das Buch zeigt aus Alis subjektiver Sicht, dass „manchmal das Leben einfach umdreht“ und Überraschungen bereithält und dass ein vollständiges Planen des Lebens häufig nichts bringt.
In einem Glossar werden die Wörter, die dem deutschen Leser unbekannt sein können, erklärt, da das Buch in österreichischem Deutsch belassen wurde. Interessant ist auch der Abspann des Buches, in dem recht ausführlich, aber im Zeitraffer, der Fortgang der Geschichte einige Jahre nach dem Ende der eigentlichen Geschichte erzählt wird.

Als Klassenlektüre ist das Buch sicher nur eingeschränkt zu empfehlen, da männliche Leser sich nur schlecht mit Ali identifizieren können. Als Leseempfehlung, für die Klassenbücherei oder für eine Buchvorstellung ist der Titel geeignet, da die Themen „Erwachsenwerden“ und „Anderssein“ sehr einfühlsam und nachvollziehbar geschildert werden.


M.S. Ideenpool Lesen


 


Bonnie Nadzam: Mr. Lamb                      

dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München, 2016
ISBN-10: 3423249978
ISBN-13: 978-3423249973
Tachenbuch: 240 Seiten
Altersempfehlung: ab 15 - 16  Jahren
Roadnovel

Das zwölfjährige Mädchen Tommie, angezogen in billigem Fummel und mit falschen Wimpern, versucht vom elegant gekleideten 54-jährigen Mr. David Lamb Zigaretten zu schnorren, um ihren älteren Freundinnen zu imponieren. Um diese zu erschrecken willigt sie in eine fingierte Entführung ein, die ihr Mr. Lamb vorschlägt. Vereinbarungsgemäß setzt er sie danach zuhause ab.

Eher zufällig treffen sich die beiden nach einiger Zeit wieder. Lamb, dessen Vater kurz zuvor gestorben ist und der von seiner Frau verlassen wurde, ist sich über den Sinn seines weiteren Lebens unklar. Auch seine 20 Jahre jüngere Freundin Linnie, die ihn aufrichtig liebt und um die er auch von deutlich jüngeren Männern sehr beneidet wird, erreicht ihn allenfalls auf sexueller Ebene.

Die vorpubertäre Tommie, mit desinteressierter Mutter und exzentrischem Stiefvater in ärmlicher Umgebung aufwachsend, ist mit ihrem Leben ebenfalls nicht zufrieden. In ihren oft verletzenden Freundinnen hat sie keinen Rückhalt, ihre Zukunftsperspektiven sieht sie düster, zumal sie sich als hässliches Entlein wahrnimmt.
In dieser Situation schlägt ihr Mr. Lamb einen Ausbruch aus dem Alltagstrott vor. Er möchte mit ihr in seine Jagdhütte in die Rocky Mountains zu fahren. Tommie willigt ein und begibt sich mit Lamb, der sich ihr gegenüber Gary nennt, auf eine Reise, auf der sie immer mehr zur Abhängigen wird. Er verwöhnt sie mit ungewohnten kulinarischen Köstlichkeiten, kleidet sie neu ein und geht auf viele ihrer Wünsche ein, was sie so noch nie erfahren hat und sehr genießt.
Lamb lässt sich von seiner Arbeitsstelle freistellen und lässt sein bisheriges Leben hinter sich. Es entspinnt sich eine Situation von Nähe und Abhängigkeit, die einerseits auf einen unerfüllten Vaterwunsch Mr. Lambs verweisen könnte, sich andererseits aber zunehmend erotisiert. Der vereinsamte und zunehmend resignative Erwachsene findet in der Beziehung zu dem Mädchen und ihrer kindlichen Freude über seine Wohltaten einen Lebenssinn, der ihm in den letzten Jahren abhandengekommen war.

Durch eine Erzählweise in dritter Person („stellen wir uns vor“) teilt man als Leserin oder Leser beide Perspektiven, die Mr. Lambs und die Tommies, und knisternd hängt ein Abrutschen in eine sexuelle Beziehung oder Abhängigkeit über den Zeilen. Mr. Lamb küsst Tommie auf den Mund, er wäscht sie als sie krank ist oder legt sich zu ihr ins Bett. Als Leserin oder Leser weiß man nie, wie weit Lamb mit seiner Fürsorge geht, da vieles nur angedeutet, nicht explizit beschrieben wird. Dabei rückversichert er sich bei Tommie immer, ob sein Tun für sie o. k. sei, ob sie nach Hause oder mit ihm weiter ziehen will. Dies erfolgt aber meist mittels Suggestivfragen, bei denen das junge Mädchen hinterher meint, es so gewollt zu haben („Du meinst doch auch, dass …“), sodass die ursprünglich vereinbarte Woche weit überschritten wird. Was zwischen Vater und Tochter in Ordnung wäre, als die sie sich gegenüber Dritten ausgeben, entwickelt sich zwischen den nahezu Fremden zu einer Dynamik von Anziehung und Bedürftigkeit, von Grenzüberschreitungen und Manipulation. Die Situation eskaliert, als Lambs Freundin Linnie in der Jagdhütte eintrifft …

Didaktischer Kommentar:
Das Buch bleibt, obwohl relativ handlungsarm, aufgrund des Verhältnisses zwischen Lamb und Tommie stets spannend. Es ist in kraftvoll einfacher, sehr verständlicher Sprache geschrieben. Trotzdem ist es kein einfaches Buch. Als Leserin oder Leser spekuliert man permanent, wie weit der Erwachsene gegenüber dem Kind im nächsten Moment gehen wird. „Gerade für Leserinnen und Leser, die in ihrem Leben traumatische Erfahrungen mit sehr manipulativen Menschen erleben oder erlebt haben, gerade jene, die Opfer sexuellen Missbrauchs – in welchem Maße auch immer – waren oder gar sind, könnte dieses Buch überhaupt nicht gut tun, denn die psychologische Tiefe des Nazram-Debüts und dessen fürwahr schöne Verbalverpackung mit den Natureindrücken und den Vermittlungen der lebenswerten Dinge könnte einerseits zwar durchaus einen Aufwachmoment hervorrufen, andrerseits längst Verdrängtes und Abgeschlossenes wieder hochkochen lassen.“
Bonnie Nazrams Roman ist für Schülerinnen und Schüler also keine unkommentierte Lektüre für zwischendurch, sondern eine Geschichte, die zu ernsten Diskussionen anregt und einer gründlichen Aufarbeitung bedarf. „Nazram gelingt ein hypnotisch guter Roman mit einem Ende, wie es offener nicht sein könnte. Und berührender erst recht nicht.“ Auf Anhieb gewann die Autorin 2011 in New York den begehrten Flaherty Dunnan First Novel Prize für den besten US-amerikanischen Debütroman des Jahres.


Eine Leseprobe findet sich    hier.


 1 Chris Popp  unter    www.booknerds.de am 19.03.2014
2 Tobias Becker unter    www.spiegel.de am 30.12.2013

A.R. Ideenpool Lesen




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