Arbeitskreis Leseförderung am LS
Arbeitskreis Leseförderung am LS
Die Einführung neuer Bildungspläne Anfang der achtziger Jahre in Baden Württemberg war u.a. gekennzeichnet durch die Konzeption fächerübergreifender Themen, die bezüglich Inhalt wie schulischer Umsetzung der Tatsache Rechnung tragen sollten, dass das rapide gewachsene Wissen der letzten Dekaden in der Schule in angemessener Form vermittelt werden sollte. Von den dreizehn neuen fächerübergreifenden Themen war eines die Medienerziehung und ein Unterbereich davon die Leseerziehung. Leseerziehung ist in einer Zeit, in der das vertiefende, kreative Lesen von den modernen, zeitsparenden Medien zurückgedrängt wird, dringend geboten. Ist doch eine differenzierte Lesekompetenz nicht nur für die persönliche Entwicklung junger Menschen ganz entscheidend, sondern auch für die Teilhabe an unserer demokratischen, politischen Öffentlichkeit unverzichtbar.
Um dem Leseunterricht und dem
Deutschunterricht im weiteren Sinne neue und fruchtbringende Impulse zu
geben, wurde der Ansatz, Kinder- und Jugendbücher zum Gegenstand des
Unterrichts zu machen, verfolgt. Das Kultusministerium rief am
Landesinstitut für Erziehung und Unterricht (LEU), dem heutigen
Landesinstitut für Schulentwicklung (LS), einen Arbeitskreis Leseerziehung
ins Leben, der in der Institutszeitschrift "Lehren und Lernen" unter dem
Titel "Abenteuer Lesen" themenorientierte Buchempfehlungen für Unterricht,
Schulbibliothek und Freizeit herausgab. Der Arbeitskreis war zusammengesetzt
aus Lehrern aller allgemeinbildenden Schularten und Mitarbeitern des LEU,
darunter auch eine Dipl. Bibliothekarin, insgesamt sieben Mitglieder. Die
Rezensionen der Buchempfehlungen waren nicht nur relativ ausführlich, sie
enthielten auch konkrete didaktische Hinweise zur Verwendung des jeweiligen
Buches im Unterricht. Die von den Verlagen zur Verfügung gestellten
Rezensionsexemplare, oft in doppelter Ausfertigung, wuchsen im Hause in
wenigen Jahren zu einer Kinder- und Jugendbuchbibliothek von über 8000
Bänden an. Die Arbeit des Ausschusses fand nicht nur in Baden-Württemberg,
sondern in allen deutschsprachigen Ländern Interesse. Dies zeigt sich unter
anderem darin, dass der damalige Leiter des Arbeitskreises, Dr. Klaus Füller, im Jahr
1995 für seine Arbeiten zur Leseförderung von der "Stiftung Lesen" in Mainz
mit dem Preis "Mainzer Auslese" ausgezeichnet worden ist.
Seit 1990 wurden von dem Arbeitskreis Leseerziehung jährlich Fachtagungen zur Leseerziehung durchgeführt, deren Ergebnisse ebenfalls in "Lehren und Lernen" veröffentlicht worden sind. Diese Tagungen wurden seit 1992 vom Genossenschaftsverband der Volks- und Raiffeisenkassen in Baden-Württemberg finanziell gefördert. Am Landesinstitut entstand eine Schulbibliothekarische Arbeitsstelle, die Lehrerinnen/Lehrern und Eltern sowie anderen Interessierten Auskunft in Fragen der Leseerziehung (Behandlung von Kinder- und Jugendliteratur im Unterricht, Einrichtung und Führung von Schulbibliotheken etc.) Auskünfte erteilt.
Kultusministerin Dr. Annette Schavan hat in ihrem programmatischen Buch "Schule der Zukunft - Bildungsperspektiven für das 21.Jahrhundert" (1998) auf die unverzichtbare Rolle des Lesens in der Schule mehrfach verwiesen. Wegen der Basisfunktion des Lesens auch für die innere Schulentwicklung, hat die Förderung der Lesekompetenz deshalb einen wichtigen Platz in der Arbeit des LS eingenommen.