Computer und Lesen
Ein Betrag von Dr. Margrit Wienholz, Landesinstitut für Schulentwicklung (LS), Stuttgart
Computer und Lesen, ist das nicht ein Widerspruch? Hat nicht die
Verbreitung des Computers in den Kinderzimmern erst dazu beigetragen, dass
so wenig gelesen wird und die Ergebnisse der PISA-Studie im Bereich
Lesekompetenz so verheerend schlecht waren für Deutschland waren? Das wäre
zu einfach. Dem widerspricht auch, dass die Verbreitung des
Computers bei Kindern und Jugendlichen
in
Finnland, dem Weltmeister im Lesen, die unsere übertrifft.
Zwei Schwerpunkte sind bei dem Themenkomplex Computer und Lesen zunächst
wichtig:
1. Computer und Internet sind
Bestandteil der Alltagskultur von Kinder- und
Jugendlichen:
Die JIM-Studie 2002, Jugend,
Information, (Multi-)Media (Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-
Jähriger vom Medienpädagogischen Forschungsver-bund Südwest) beweist, für
die meisten 12- bis 19- Jährigen ist der Umgang mit Computer und Internet
längst eine Selbstverständlichkeit und geht mit einer immer stärkeren
emotionalen Bindung einher.
Geschlechtsspezifische Unterschiede
haben sich weiter angeglichen. Dennoch ist wichtig festzustellen:
Als unverzichtbares Medium nimmt der Computer bei
männlichen Jugendlichen im Jahr 2002 zum ersten Mal vor dem
Fernseher den ersten Platz ein.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist
aber auch: 37% der 12- bis 19-jährigen zählen zu den regelmäßigen Buchlesern
(JIM-Studie 2002).
2.
Lesekompetenz im Sinne
der PISA-Studie ist mehr als einfach nur lesen können. PISA versteht
darunter die Fähigkeit, Texte unterschiedlicher Art in ihren Aussagen,
Absichten und ihrer formalen Struktur zu verstehen und sie in einen größeren
Zusammenhang einordnen und sachgerecht nutzen zu können. Damit ist
Lesekompetenz eine Voraussetzung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Bedenkt man auf dem Hintergrund der genannten Tatsachen, dass über 80% der
Schüler mit Lese- und Rechtschreibeschwäche männliche Jugendliche sind,
kommt der Nutzung des Computers allgemein und bei der
didaktisch-methodischen Berücksichtigung von Gender-Unterschieden eine
wichtige Rolle zu.
