Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Computer und Lesen
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Leseförderung mit Internet und Computer

1. Bildungspolitische Ausgangslage

- Die PISA-Ergebnisse, Deutschland auf Platz 25 im internationalen Vergleich, haben insgesamt gezeigt, dass eine Kompetenzförderung der deutschen Ju-gendlichen nötig ist. Dies gilt insbesondere für die Lesekompetenz, die diesmal schwerpunktmäßig evaluiert wurde. Leseförderung ist damit überfällig.

- Leseförderung in Zusammenhang mit Medienkompetenz ist bisher in den öffentlich diskutierten Konsequenzen und Maßnahmen kaum thematisiert worden. Es fehlt bisher ein Konzept. Dies mag auch daran liegen, dass gerade im Bereich Leseförderung Pädagogen zu finden sind, die eine eher skeptische Haltung ge-genüber den neuen Medien haben und diese sogar verantwortlich machen für das schlechte Abschneiden bei PISA.

- In allen PISA-Staaten sind signifikante Kompetenzunterschiede im Bereich Lesen zwischen Jungen und Mädchen festgestellt worden, auch im Siegerland Finnland. Jungen sind "...auf den unteren Kompetenzstufen (Kompetenzstufe I und darunter) im Lesen deutlich überrepräsentiert und auf den Stufen IV und V unterrepräsentiert." (PISA Studie S. 261) Und: "In den meisten OECD-Staaten sind deutlich weniger begeisterte Leser als Mädchen.. Dieser Befund zeigt sich auch in der deutschen Stichprobe. Hier ist das Muster sogar besonders ausgeprägt:: Verglichen mit dem OECD - Durchschnitt berichtet ein erheblich größerer Anteil der Jungen in Deutschland, dass sie nicht gerne lesen und dies auch kaum zum Vergnügen tun." (PISA-Studie, S. 266)

- Die JIM-Studie 2002 weist auf den Unterschied in der bevorzugten Computernutzung von Jungen hin. Jungen bevorzugen Spiele, Mädchen arbeiten mit Textverarbeitung für die Schule.

2. Pädagogische Konsequenzen

- Computer und Internet gehören zum Alltag der Jugendlichen. Die neuen Medien sind damit in Mustern der Mediensozialisation verankert (multimediale und intermediale Rezipienten). Das muss auch die Leseförderung berücksichtigen.

- Buch und Buchkultur und damit das Lesen sind eingebunden in die Medienkultur (audiovisuelle und interaktive Medien), hier ist also ein Umdenken nötig.

- Darüber hinaus sind Jugendliche von neuen Medien fasziniert, sie können also zur Motivation genutzt werden. Dies gilt insbesondere für die Jungen.

- Lernen mit Hilfe des PC ist aufgrund der o.a. Punkte sinnvoll, wenn pädagogische Ideen umgesetzt werden sollen, die mehr verlangen als die Sprachkompe-tenz der Unterrichtenden.

- Die Informationsgesellschaft verlangt Medienkompetenz, Teil der Medienkompetenz ist Lesefähigkeit.

- Nach Auffassung der PISA-Experten ist der wichtigste Bereich, an dem eine Förderung ansetzen muss, die Motivation, da die anderen Bereiche (kognitive Fähigkeiten/ Übung/ Sozialer Hintergrund) mit Maßnahmen weniger erfassbar sind.

- Hier ergeben sich Synergien dadurch, dass
   - Jugendliche das Internet als wichtigste Informationsquelle ansehen,
   - Jugendliche durch Computer und Internet fasziniert sind, insbesondere Jungen,
   - besonders bei den Jungen die Lesekompetenz gefördert werden sollte.

Fazit

Lesen ist der Erwerb von Weltwissen" (Prof. Abraham). Jugendliche, die also über diese Basiskompetenz nicht oder nur unzureichend verfügen, sind nicht in der Lage, Informationen aus dem Internet zu verstehen geschweige denn zu nutzen. Wichtig ist also eine Leseschulung im Sinne der Informationsanalyse und eine Rechercheschulung, um das Verstehen von kontinuierlichen und nichtkontinuierlichen Texten zu erhöhen.
Aus den dargelegten Fakten ergibt sich die Notwendigkeit zur Erhöhung der Motivation und damit für eine Erfolgsverbesserung der Maßnahmen, d.h.auch die neuen Medien, Computer und Internet einzubeziehen und deren Motivationskraft zu nutzen. Sie sind aufgrund der Forschungsergebnisse unverzichtbar.


Dr. Margrit Wienholz, Landesinstitut für Schulentwicklung (LS) Stuttgart
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