In Schreibwerkstätten werden Jugendliche spielerisch an die eigene
Produktion und Entwicklung von Texten, Gedichten, Kurzgeschichten usw.
herangeführt. Allerdings sind diese nicht als Talentschmieden zu verstehen,
es geht nicht darum, „Miniautoren“ zu formen. Vielmehr bieten
Schreibwerkstätten die Möglichkeit, die Erfahrungen, die Jugendliche
mitbringen, dem Schreiben zugänglich zu machen. Je nach Alter und Erfahrung
der Jugendlichen werden verschiedene Techniken eingesetzt. In der Regel wird
mit einem Warm-up durch verschiedene Einstiegsspiele bzw. Einstiegsmethoden
begonnen. Dabei wird in kleinen Schritten vom Wort zum Satz und dann zum
Text vorgegangen. Bei einer mehrtägigen Schreibwerkstatt werden die
entstandenen Geschichten oft gedruckt, illustriert und gebunden, so dass
jeder Jugendliche ein eigenes Exemplar erhält.
Ideen für Einstiegsspiele
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Vorstellungsspiel: |
Jeder Jugendliche buchstabiert seinen eigenen Namen mit Begriffen, die für
ihn passen, wobei Wörter aller Art erlaubt sind, z. B. Peter: P wie Party, E
wie einkaufen, T wie Träume, E wie einsam, R wie reisen. Falls jemandem zu
einem Buchstaben nichts einfällt, macht die ganze Gruppe Vorschläge.
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Assoziationsspirale: |
Ein Jugendlicher nennt einen Begriff, der in die Mitte auf einen großen
Bogen Papier geschrieben wird. Durch Zuruf bestimmt die Gruppe, was
spiralförmig um diesen Begriff geschrieben wird. Die Assoziationen können
sich entweder auf das Ausgangswort oder auf den zuletzt genannten Begriff
beziehen. Natürlich sind nicht alle Assoziationen für die Gruppe
nachvollziehbar, doch es ist verboten sortierend oder durch eigene Wertungen
einzugreifen. Anschließend wird die Spirale langsam vorgelesen, um allen
Zeit zu geben, eine eigene Assoziation zwischen den einzelnen Wörtern
herzustellen.
Als nächster Schritt wird ein Radius durch die Spirale gezogen, wodurch die
Wörter in einer Zufallsreihung ausgewählt werden. Mit den ausgewählten
Wörtern können nun Texte entstehen, dabei sind es gerade die absolut
unpassenden Begriffe, die helfen, nicht in vordergründige, ohnehin präsente
Klischees zu verfallen.
Beispiele für weiterführende Methoden
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Clustern: |
Eine sehr gängige Methode beim Schreiben von Gedichten ist das Clustern. Zu
einem Thema oder einem Begriff wird alles assoziiert, was einem innerhalb
von ca. fünf Minuten einfällt, ohne diese Assoziationen in irgendeiner Form
zu bewerten. Im nächsten Schritt schreiben alle spontan auf, was ihnen unter
Zuhilfenahme der Stichwörter aus dem Cluster einfällt. Zum Schluss wird der
Text überarbeitet.
Geschichten können auch gemeinsam in der Gruppe geschrieben
werden:
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Fließbandgeschichten: |
Ein Anfangssatz wird vorgegeben. Jeder fügt einen oder mehrere Sätze auf
einem eigenen Blatt Papier hinzu und reicht das Blatt an die nächste Person
weiter. Diese soll nur das lesen, was ihr Vorgänger bzw. ihre Vorgängerin
geschrieben hat, und dann wieder einen oder mehrere Sätze hinzufügen. Der
übrige Text ist nach hinten geknickt. Am Schluss lesen alle ihre so
entstandene Geschichte vor.
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Reih-um-Geschichten: |
Jeder bekommt eine Zeitungsseite und sucht interessante Wörter und Halbsätze
heraus. Diese werden herausgeschnitten und kommen in einen Topf. Danach
zieht jeder Jugendliche reihum einen Begriff und erzählt eine kurze
Geschichte zum gezogenen Wort.
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Fortsetzungen: |
Die Gruppe bekommt eine Anfangszeile (z.B. von einem Gedicht) und soll diese
fortführen. Interessant ist es, wenn man zum Schluss die Texte mit dem
Originaltext vergleicht.
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Nachdichten: |
Aus einem Gedicht eines bekannten Dichters oder einer Dichterin entnimmt man
alle Substantive. Aus diesem unvollständigen Gedicht wird ein neues gemacht.
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Haiku: |
Die strenge Form des japanischen Haikus ruft selbst bei ungeübten
Schülerinnen und Schülern sehr schnell Ergebnisse hervor. Für die Gruppe
wird ein bestimmtes Thema vorgegeben. Jeder muss dabei die Silbenzahl
beachten: in der ersten Zeile fünf Silben, in der zweiten sieben Silben, in
der dritten wieder fünf Silben.
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Spiel mit Verben (für
Geübte): |
Im Bereich Wortschatzarbeit werden aus einer beigefügten Liste die Verben
kombiniert.
Diese und noch viel mehr Anregungen finden sich unter:
www.hs-niederrhein.de/~agyviers/Schreibwerkstatt/index.htm
| Quelle: |
„Mehr mit Medien machen“: aktive Literatur- und
Medienvermittlung in Kinder- und Jugendbibliotheken / DBI, Deutsches
Bibliotheksinstitut. [Hrsg. Von der DBI-Expertengruppe „Erarbeitung von
Materialien zur Aktiven Medienvermittlung/ Leseförderung in Kinder-,
Jugend- und Schulbibliotheken“ im Auftrag der Kommission des DBI für
Kinder- und Jugendbibliotheken] Bd. 3, Medien selber machen / [Red.: Rita
Schmitt]. – 1995. – 189 S. : Ill.; ISBN: 3-87068-488-7 |
Beispiel: Schreibwerkstatt im Literaturhaus
Zielgruppe: Deutsch – Standards Klasse 8-10 (RS, Gy)
Das Literaturhaus in Stuttgart veranstaltet speziell für Jugendliche
Schreibwerkstätten. Es werden Workshops angeboten, die sich mit vielen
Bereichen des Alltags beschäftigen (z.B. Hip-Hop, Science-Fiction, Prosa…).
Unter fachkundiger Anleitung werden Texte erstellt und besprochen.
Veröffentlicht werden diese in der eigenen Zeitung „LiteraturMachen“. Einige
Texte finden sich auch auf der Homepage
www.literaturmachen.de im Archiv oder direkt bei den Workshops.
Über die Internetseite kann Kontakt zu den Leitern der Workshops aufgenommen
werden.
Die Rubrik „Schreiben im Dialog“ bietet die Möglichkeit, Texte ins Netz zu
stellen, die dann von anderen bewertet und besprochen werden. Gleichzeitig
versteckt sich hinter dieser Überschrift ein internationales Projekt, das
Schreibwerkstätten in Kooperation mit Städten in Polen, in der Ukraine und
in Lettland verwirklicht.
Diese Möglichkeiten können auch von Bibliotheken in Kooperation mit Schulen
angeboten werden.