Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Schreibwerkstätten
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Schreibwerkstätten

In Schreibwerkstätten werden Jugendliche spielerisch an die eigene Produktion und Entwicklung von Texten, Gedichten, Kurzgeschichten usw. herangeführt. Allerdings sind diese nicht als Talentschmieden zu verstehen, es geht nicht darum, „Miniautoren“ zu formen. Vielmehr bieten Schreibwerkstätten die Möglichkeit, die Erfahrungen, die Jugendliche mitbringen, dem Schreiben zugänglich zu machen. Je nach Alter und Erfahrung der Jugendlichen werden verschiedene Techniken eingesetzt. In der Regel wird mit einem Warm-up durch verschiedene Einstiegsspiele bzw. Einstiegsmethoden begonnen. Dabei wird in kleinen Schritten vom Wort zum Satz und dann zum Text vorgegangen. Bei einer mehrtägigen Schreibwerkstatt werden die entstandenen Geschichten oft gedruckt, illustriert und gebunden, so dass jeder Jugendliche ein eigenes Exemplar erhält.

Ideen für Einstiegsspiele

Blickfang     Vorstellungsspiel:
Jeder Jugendliche buchstabiert seinen eigenen Namen mit Begriffen, die für ihn passen, wobei Wörter aller Art erlaubt sind, z. B. Peter: P wie Party, E wie einkaufen, T wie Träume, E wie einsam, R wie reisen. Falls jemandem zu einem Buchstaben nichts einfällt, macht die ganze Gruppe Vorschläge.

Blickfang     Assoziationsspirale:
Ein Jugendlicher nennt einen Begriff, der in die Mitte auf einen großen Bogen Papier geschrieben wird. Durch Zuruf bestimmt die Gruppe, was spiralförmig um diesen Begriff geschrieben wird. Die Assoziationen können sich entweder auf das Ausgangswort oder auf den zuletzt genannten Begriff beziehen. Natürlich sind nicht alle Assoziationen für die Gruppe nachvollziehbar, doch es ist verboten sortierend oder durch eigene Wertungen einzugreifen. Anschließend wird die Spirale langsam vorgelesen, um allen Zeit zu geben, eine eigene Assoziation zwischen den einzelnen Wörtern herzustellen.
Als nächster Schritt wird ein Radius durch die Spirale gezogen, wodurch die Wörter in einer Zufallsreihung ausgewählt werden. Mit den ausgewählten Wörtern können nun Texte entstehen, dabei sind es gerade die absolut unpassenden Begriffe, die helfen, nicht in vordergründige, ohnehin präsente Klischees zu verfallen.


Beispiele für weiterführende Methoden

Blickfang     Clustern:
Eine sehr gängige Methode beim Schreiben von Gedichten ist das Clustern. Zu einem Thema oder einem Begriff wird alles assoziiert, was einem innerhalb von ca. fünf Minuten einfällt, ohne diese Assoziationen in irgendeiner Form zu bewerten. Im nächsten Schritt schreiben alle spontan auf, was ihnen unter Zuhilfenahme der Stichwörter aus dem Cluster einfällt. Zum Schluss wird der Text überarbeitet.

Geschichten können auch gemeinsam in der Gruppe geschrieben werden:

Blickfang     Fließbandgeschichten:
Ein Anfangssatz wird vorgegeben. Jeder fügt einen oder mehrere Sätze auf einem eigenen Blatt Papier hinzu und reicht das Blatt an die nächste Person weiter. Diese soll nur das lesen, was ihr Vorgänger bzw. ihre Vorgängerin geschrieben hat, und dann wieder einen oder mehrere Sätze hinzufügen. Der übrige Text ist nach hinten geknickt. Am Schluss lesen alle ihre so entstandene Geschichte vor.

Blickfang     Reih-um-Geschichten:
Jeder bekommt eine Zeitungsseite und sucht interessante Wörter und Halbsätze heraus. Diese werden herausgeschnitten und kommen in einen Topf. Danach zieht jeder Jugendliche reihum einen Begriff und erzählt eine kurze Geschichte zum gezogenen Wort.

Blickfang     Fortsetzungen:
Die Gruppe bekommt eine Anfangszeile (z.B. von einem Gedicht) und soll diese fortführen. Interessant ist es, wenn man zum Schluss die Texte mit dem Originaltext vergleicht.

Blickfang     Nachdichten:
Aus einem Gedicht eines bekannten Dichters oder einer Dichterin entnimmt man alle Substantive. Aus diesem unvollständigen Gedicht wird ein neues gemacht.

Blickfang     Haiku:
Die strenge Form des japanischen Haikus ruft selbst bei ungeübten Schülerinnen und Schülern sehr schnell Ergebnisse hervor. Für die Gruppe wird ein bestimmtes Thema vorgegeben. Jeder muss dabei die Silbenzahl beachten: in der ersten Zeile fünf Silben, in der zweiten sieben Silben, in der dritten wieder fünf Silben.

Blickfang     Spiel mit Verben (für Geübte):
Im Bereich Wortschatzarbeit werden aus einer beigefügten Liste die Verben kombiniert.

Diese und noch viel mehr Anregungen finden sich unter:
Icon externer Link  www.hs-niederrhein.de/~agyviers/Schreibwerkstatt/index.htm

Quelle:    „Mehr mit Medien machen“: aktive Literatur- und Medienvermittlung in Kinder- und Jugendbibliotheken / DBI, Deutsches Bibliotheksinstitut. [Hrsg. Von der DBI-Expertengruppe „Erarbeitung von Materialien zur Aktiven Medienvermittlung/ Leseförderung in Kinder-, Jugend- und Schulbibliotheken“ im Auftrag der Kommission des DBI für Kinder- und Jugendbibliotheken] Bd. 3, Medien selber machen / [Red.: Rita Schmitt]. – 1995. – 189 S. : Ill.; ISBN: 3-87068-488-7


Beispiel: Schreibwerkstatt im Literaturhaus

Zielgruppe: Deutsch – Standards Klasse 8-10 (RS, Gy)

Das Literaturhaus in Stuttgart veranstaltet speziell für Jugendliche Schreibwerkstätten. Es werden Workshops angeboten, die sich mit vielen Bereichen des Alltags beschäftigen (z.B. Hip-Hop, Science-Fiction, Prosa…). Unter fachkundiger Anleitung werden Texte erstellt und besprochen. Veröffentlicht werden diese in der eigenen Zeitung „LiteraturMachen“. Einige Texte finden sich auch auf der Homepage Icon externer Link  www.literaturmachen.de im Archiv oder direkt bei den Workshops. Über die Internetseite kann Kontakt zu den Leitern der Workshops aufgenommen werden.
Die Rubrik „Schreiben im Dialog“ bietet die Möglichkeit, Texte ins Netz zu stellen, die dann von anderen bewertet und besprochen werden. Gleichzeitig versteckt sich hinter dieser Überschrift ein internationales Projekt, das Schreibwerkstätten in Kooperation mit Städten in Polen, in der Ukraine und in Lettland verwirklicht.
Diese Möglichkeiten können auch von Bibliotheken in Kooperation mit Schulen angeboten werden.
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