Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue 1/2007

 


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Quoi de neuf – Nouvelles du bilingue

 
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Liebe Leserin, lieber Leser,

die Arbeitgemeinschaft der Gymnasien mit zweisprachig deutsch-französischem Zug (AG Franz-Biling) und das Deutsch-Französische Institut freuen sich, Ihnen die erste elektronische Ausgabe von „Quoi de neuf – Nouvelles du bilingue“, dem Informationsdienst zum bilingualen Sachfachunterricht in der Zielsprache Französisch, präsentieren zu können.

Damit soll angeknüpft werden an den lange Zeit von der AG Franz-Biling herausgegebenen Informationsdienst „Quoi de neuf – Nouvelles bilingues“, dessen ältere Ausgaben nach wie vor im Internet-Angebot der AG Franz-Biling abrufbar sind.

Wir hoffen, dass diese Ausgabe nützliche Informationen für Ihre eigene Arbeit enthält, und wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

 
Paul Palmen Sebastian Nix  
   
(Vorsitzender der AG Franz-Biling) (Deutsch-Französisches Institut)
 
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Inhalte dieser Ausgabe

 
Unterrichtsmaterialien I Veranstaltungsankündigungen I Berichte über Veranstaltungen I Neues für "bilinguale Eltern I Sonstige Mitteilungen


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Unterrichsmaterialien

 
Bücher I Internetressourcen I Zeitschriften I Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Bücher

NEUERSCHEINUNG: BILINGUALER UNTERRICHT IN DER ZIELSPRACHE FRANZÖSISCH

Vor fast 40 Jahren entstand in Deutschland der erste bilinguale deutsch-französische Bildungsgang an einem Gymnasium. Heute bieten bundesweit rund 80 Gymnasien diese Unterrichtsform an, die in der Bundesrepublik und darüber hinaus als Modell für die Entwicklung zahlreicher ähnlicher Angebote fungiert hat.

Der vorliegende Band zeichnet die Entwicklung des bilingualen Unterrichts mit Französisch als Zielsprache nach und zeigt zugleich Perspektiven des Bilingualen Bildungsgangs auf. Er ist entstanden im Rahmen eines seit 2004 laufenden, von der Robert Bosch Stiftung und dem baden-württembergischen Kultusministerium geförderten Projekts zur Unterstützung des bilingualen Sachfachunterrichts in der Zielsprache Französisch.

Zu Wort kommen darin Vertreter der Schulpraxis und der Bildungsforschung, aber auch Schüler und Eltern. So entsteht erstmals ein differenziertes Bild des Bilingualen deutsch-französischen Bildungsgangs, ausgehend von seinen Rahmenbedingungen und methodisch-didaktischen Fragen bis hin zu einer Einordnung in den breiteren Kontext bilingual deutsch-französischer Angebote.

Der Band richtet sich an alle am bilingualen Unterricht mit Französisch als Zielsprache Interessierten aus Wissenschaft und Praxis.

Cover

Oliver Mentz/Sebastian Nix/Paul Palmen (Hrsg.): Bilingualer Unterricht in der Zielsprache Französisch: Entwicklung und Perspektiven. - Tübingen: Narr, 2007. - 320 S., 36 Euro. Zum Bestellformular (ausdrucken, ausfüllen und an den Verlag schicken).

Kontakt: Sebastian Nix (nix@dfi.de)

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Internetressourcen

ONLINE-BIBLIOGRAPHIE ZU UNTERRICHTSGEEIGNETER LEHR- UND LERNMITTEL FÜR DEN BILINGUALEN UNTERRICHT IN DER ZIELSPRACHE FRANZÖSISCH


Im Zuge eines Projekts zur Unterstützung des bilingualen Unterrichts in der Zielsprache Französisch hat das dfi, in enger Zusammenarbeit mit einer Lehrkraft, eine kommentierte Bibliographie mit unterrichtsgeeigneten Lehr- und Lernmitteln für den bilingualen Unterricht in der Zielsprache Französisch erstellt.

Die Bibliographie steht als Online-Datenbank zur Verfügung. Nachgewiesen werden vor allem Bücher und Internetressourcen. Außerdem wird eine Liste ausgewählter französischer Schulbuchverlage angeboten, und die Datenbank enthält auch einen Überblick über die Inhalte der französischen Lehrpläne für die Fächer Geographie, Geschichte und Gemeinschaftskunde. Ergänzungen und Anregungen zu dieser Bibliographie sind jederzeit willkommen.

Kontakt: Sebastian Nix (nix@dfi.de)

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Zeitschriften

PARIS-BERLIN - DAS DEUTSCH-FRANZÖSISCHE NACHRICHTENMAGAZIN


"Paris-Berlin", das deutsch-französische Nachrichtenmagazin, berichtet monatlich über die deutsch-französische Aktualität. Nicht nur Politik, Kultur und Gesellschaft werden angesprochen, sondern auch das Leben der Jugendlichen, Ausbildung und Trends.

Größtenteils auf Französisch geschrieben ist es besonders geeignet für all diejenigen, die sich für die bilaterale Aktualität interessieren und sich in der französischen Sprache üben wollen.

"Paris-Berlin“ ist an bestimmten Verkaufstellen in München, Hamburg und Berlin sowie über Abonnement erhältlich. Jetzt auch mit besonders interessantem Sonderangebot für Schülergruppenabonnements.

Kontakt: meyerparisberlin@orange.fr

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Veranstaltungsankündigungen


6. BILINGUALES DEUTSCH-FRANZÖSISCHES SCHÜLERTREFFEN

 

Gerne stellen wir Ihnen das „Bilinguale Deutsch-Französische Schülertreffen – Frankfurt am Main 2007“ (bdfs 2007) vor und möchten Sie auf die Veranstaltung neugierig machen, die vom 24. bis 29. September 2007 in Frankfurt am Main stattfinden wird.

Als Veranstalter fungiert, wie bei den vergangenen Treffen, die Arbeitsgemeinschaft der Gymnasien mit zweisprachig deutsch-französischem Zug in Deutschland, unterstützt durch ihre Elternvereinigung und den Förderverein. Ausrichter ist die Ziehenschule, ein Gymnasium mit einer langen bilingualen deutsch-französischen Tradition.

Das Frankfurter Treffen im Jahr 2007 folgt auf die Begegnungen der Gymnasien mit bilingual deutsch-französischem Zug und ihrer französischen Partnerschulen, die bisher 1987 in Bonn, 1988 in Kehl/Straßburg, 1993 in Trier, 1997 in Aachen und 2001 in Leipzig stattfanden. Neben den ausrichtenden Schulen nahmen jeweils bis zu 1000 deutsche und französische Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrkräften als Gäste daran teil.

Zu diesem 6. Schülertreffen in Frankfurt am Main, das im Zeichen der Völkerverständigung, des friedvollen gemeinsamen Arbeitens und des kulturellen und persönlichen Austauschs steht, haben wir alle Gymnasien mit bilingualem deutsch-französischem Zweig in Deutschland und deren französische Partnerschulen eingeladen, Delegationen von Schülerinnen und Schülern mit ihren Lehrkräften zu entsenden. Während des Schülertreffens wollen wir gemeinsam an und in Projekten arbeiten, die von der Lehrerschaft der Ziehenschule und der Gastschulen sowie von externen Unterstützern angeboten werden und ein unvergessliches Erlebnis für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer schaffen. Ziel ist es, unter dem Motto „Frankfurt am Main – Lernorte außerhalb der Schule“ die Stadt nicht nur als Verkehrsknotenpunkt in der Mitte Europas, sondern auch als Ort reicher deutscher und französischer Geschichte, naturwissenschaftlicher Forschung und künstlerischen Gestaltens kennen zu lernen, indem miteinander friedlich und sich gegenseitig inspirierend in französischer und/oder deutscher Sprache kommunizierend in Kleingruppen gearbeitet wird.

Wir können 800 bis 1.000 Gäste (Schüler/-innen, Lehrer/-innen und Eltern aus Frankreich und Deutschland) unterbringen und haben die Möglichkeit, in der Gesamtzahl ca. 2.000 junge Menschen und zusätzlich bis zu 220 Lehrkräfte und Elternvertreter an dem bdfs2007 teilnehmen zu lassen. Auch wenn die Anmeldefrist schon abgelaufen ist und die organisatorischen Vorbereitungen fortgeschritten sind, könnten wir auf individuelle Anfragen hin noch Gäste aufnehmen.

Für die Auftaktveranstaltung hatten wir bewusst die Paulskirche ausgewählt, da es in Frankfurt am Main sicherlich keinen würdevolleren Ort gibt, der in seiner Symbolik der Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen mehr entspricht. Dass die Stadt Frankfurt am Main unserem Wunsch entsprochen hat und uns die Paulskirche für die feierliche Eröffnung der Projektwoche zur Verfügung stellt, zeigt die Wertschätzung, die dem Schülertreffen entgegengebracht wird.

Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch und des Ministre de l’Education nationale, M. Gilles de Robien, und wird unterstützt von der Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main, Frau Petra Roth, und durch das Referat für Internationale Angelegenheiten.

Zum nachhaltigen Gelingen des bdfs 2007 werden viele fleißige Hände, die Eigenleistung aller Teilnehmer/-innen, die Unterstützung aus Kultur und Politik in Deutschland und Frankreich sowie freiwillige und ehrenamtliche Arbeitskräfte beitragen. Wir freuen uns über jede Anregung, über Kontakte und Sponsoren-Vermittlung.

Alle Informationen zum Schülertreffen finden Sie auf der Homepage der Ziehenschule.

Kontakt: Ziehenschule - Gymnasium der Stadt Frankfurt am Main, Josephskirchstraße 9, 60433 Frankfurt am Main

Tel. 069-21234147 oder 069-21234148

Fax: 069-21232060

Kontakt: ziehen@frankfurt.schule.hessen.de


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Berichte über Veranstaltungen

Bilinguale Lehrerfortbildung Nancy I Sammelband "Bilingualer Unterricht Zielsprache Französisch" I Zurück zum Inhaltsverzeichnis


BILINGUALE LEHRERFORTBILDUNG IN NANCY


Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft der Gymnasien mit zweisprachig deutsch-französischem Zug in Deutschland und des Goethe-Instituts in Nancy trafen sich zum dritten Mal ca. 50 deutsche Lehrkräfte und eine entsprechende Anzahl französischer Kolleginnen und Kollegen zur gemeinsamen Arbeit und zum Gedankenaustausch in der lothringischen Metropole.

Im Zentrum der Fortbildung stand die Thematik der Behandlung des Ersten Weltkriegs im Unterricht der bilingualen Züge und der Sections européennes einschließlich eines Besuchs in Verdun.

Erneut war das Goethe-Institut in Nancy Gastgeber und Kooperationspartner für die Veranstaltung. Gedankt sei an dieser Stelle Frau Ute Grauerholz, der Direktorin des Instituts, für ihre Gastfreundschaft und ihr Interesse an der deutsch-französischen Lehrerfortbildung, die in dieser Form deutschlandweit einmalig ist, sowie der Equipe des Goethe-Instituts, die durch Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Professionalität glänzte. Besonderer Dank gilt Herrn Manfred Donecker, an das Goethe-Institut abgeordneter Experte für den bilingualen Sachfachunterricht, der diese Form der Lehrerfortbildung mit initiiert hat, wertvoller Ideengeber und perfekter Organisator war und Mitte des Jahres seinen Tätigkeitsbereich zurück nach Deutschland verlegen wird, da sein Vertrag ausläuft. Seine Nachfolge ist bereits gesichert. In den kommenden Jahren wird erneut eine in der Arbeitsgemeinschaft sehr aktive Lehrkraft die Funktion des Experten für Unterricht in Nancy wahrnehmen. Eine Fortsetzung der Kooperation ist geplant.

Zu unserer großen Freude wohnte der Eröffnung der Veranstaltung der deutsche Generalkonsul in Straßburg Bruno Brommer bei, der auch im vergangenen Jahr durch seine Anwesenheit sein großes Interesse bekundet hatte. Herr Brommer nahm bis zum späten Abend an den Programmpunkten teil, was so manchem Teilnehmer die Gelegenheit zu interessanten Gesprächen gab. Erwähnt sei aber auch, dass der Generalkonsul mit einer Auswahl elsässischer und pfälzischer Spezialitäten das Buffet des Abends zu einem kulinarischen deutsch-französischen Höhepunkt gestaltete.

Nach einer Information über das deutsch-französische Schülertreffen im September 2007 durch Herrn Dr. Schilling von der Frankfurter Ziehenschule berichteten Sandrine Lamer vom Goethe-Institut Paris und Ute Sperrfechter von der Cité Nationale de l’Histoire de l’Immigration in Paris, das 2008 seine Pforten öffnen wird, über die Aktivitäten, die im Vorfeld der Eröffnung die französische Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren sollen. Insbesondere werden die Schulen als Zielgruppe gesehen, und zwar sowohl in Frankreich als auch in Deutschland. Was lag also näher, als im Anschluss an den Vortrag darüber nachzudenken, ob nicht das Thema der nächstjährigen Fortbildung in diesem Zusammenhang gesehen werden sollte, was inzwischen schon so gut wie sicher erscheint.

Am Nachmittag wurden die Teilnehmenden in der Salle d’honneur der Universität Nancy Zeugen einer Kontroverse zwischen Wissenschaftlern. Unter der Leitung von Didier Francfort, Université Nancy 2, diskutierten Prof. Gerd Krumeich, Universität Düsseldorf, und Prof. Frédéric Rousseau, Université Montpellier 3, über das Thema „Les soldats de la première guerre mondiale“. Schnell wurde klar, dass die Diskussion zu einem deutsch-französischen Konflikt führen würde, weniger über die häufig gestellte Schuldfrage, sondern über die wissenschaftliche Herangehensweise an das Thema. Aus französischer Sicht erscheinen die zahlreichen, in Form von Briefen der Frontsoldaten vorliegenden Témoignages als eine wertvolle historische Quelle, was von Krumeich angezweifelt wird, da der Grundsatz der Objektivität verletzt werde und nicht historische Fakten im Vordergrund stünden, sondern subjektives Empfinden von Betroffenen, das auch noch durch die subjektive Auswahl seitens des Untersuchenden eine einseitige Sichtweise ermögliche. Wohl selten gab es eine Gelegenheit, Unterschiede zwischen deutscher und französischer Sichtweise so deutlich zu erleben und dadurch die Notwendigkeit der gemeinsamen Betrachtung von Geschichte zu erkennen, so wie es die Autoren und Herausgeber des deutsch-französischen Geschichtsbuchs in ihren Arbeitsgruppen notwendigerweise tun.

Der Abend endete am Buffet in den gemütlichen Räumen des Goethe-Instituts, wobei die informellen Gespräche zwischen den Lehrkräften beider Länder eine willkommene Gelegenheit zum Knüpfen neuer Kontakte boten.

Für französische Verhältnisse starker Schneefall in der Nacht führte dazu, dass am nächsten Tag die Autobahnen für Lastwagen und Busse komplett gesperrt waren und die Fahrt nach Verdun über Landstraßen durch eine verschneite Landschaft führte. Die Hinfahrt wurde dazu benutzt, in den Bussen Erfahrungen über Schülerfahrten und deutsch-französische Begegnungen in Verdun über das Busmikrophon auszutauschen und Tipps zu geben. Das Mémorial in der Nähe des Fort Douaumont und das Fort selbst wurden unter den gleichen Wetterbedingungen besucht, die bei der Einnahme durch deutsche Truppen im Ersten Weltkrieg herrschten: Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schnee.

Der Nachmittag im Centre Mondial de la Paix stand gemischten Arbeitsgruppen zur Verfügung, die mitgebrachtes Unterrichtsmaterial zu verschiedenen Themen in Unterrichtsreihen einarbeiteten. Auch hier wurde eine völlig unterschiedliche Herangehensweise deutscher und französischer Schulhistoriker an die Thematik des Ersten Weltkriegs deutlich. Während der Erste Weltkrieg in Frankreich immer noch „La Grande Guerre“ ist und im Bewusstsein der Franzosen die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg überragt, ist es in Deutschland umgekehrt. Folglich ist die Materiallage auch völlig unterschiedlich. Der Krieg als solcher wird im deutschen Geschichtsunterricht kaum erwähnt, während das Thema in Frankreich breit dargestellt wird. In Deutschland stehen die auslösenden Faktoren und die Folgen des Ersten Weltkriegs im Vordergrund des Unterrichts, in Frankreich das Leiden der Soldaten und der Kriegsverlauf. Die Erkenntnis dieser Unterschiede war erneut ein Beweis dafür, dass es nur durch bilingualen Unterricht gelingen kann, unterschiedliche Perspektiven anscheinend gleicher Sachverhalte zu beleuchten und zu erkennen. Die Verwendung von Unterrichtsmaterialien aus dem Partnerland ist dabei eine unabdingbare Voraussetzung.

Die Lehrerfortbildung endete am Freitagnachmittag, nachdem zuvor die Ergebnisse der Ateliers vom Vortag ausführlich vorgestellt worden waren und Sebastian Nix vom Deutsch-Französischen Institut in Ludwigsburg über die Aktivitäten seines Instituts berichtet hatte. Ausgewählte Publikationen des dfi sind eine wertvolle Hilfe für den bilingualen Sachfachunterricht und stehen den bilingualen Zügen im Allgemeinen in begrenztem Umfang kostenlos zur Verfügung. Für die Arbeitsgemeinschaft ist das dfi momentan der wichtigste Kooperationspartner. Unter anderem wurde dadurch das Erscheinen des ersten Sammelbands mit Aufsätzen zum bilingual deutsch-französischen Unterricht ermöglicht (vgl. den Bericht in dieser Ausgabe). Weitere Kooperationsprojekte, an denen sich auch die Pädagogische Hochschule Freiburg und der Hessische Bildungsserver beteiligen, sind in Vorbereitung.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Leitender Regierungsschuldirektor Paul Palmen, sprach zum Abschluss Herrn Donecker seinen persönlichen Dank für die geleistete Arbeit aus und wünschte ihm in seiner neuen Tätigkeit viel Erfolg.

Kontakt: Paul Palmen (palmen@franz-biling.de)




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VORSTELLUNG DES SAMMELBANDES "BILINGUALER UNTERRICHT IN DER ZIELSPRACHE FRANZÖSISCH


Die öffentliche Präsentation des Sammelbandes „Bilingualer Unterricht in der Zielsprache Französisch“ (vgl. die Buchvorstellung in dieser Ausgabe) lockte auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft der Gymnasien mit zweisprachig deutsch-französischem Zug in Deutschland (AG Franz-Biling), der Pädagogischen Hochschule Freiburg und dem dfi rund 80 Vertreter aus Schule, Elternschaft, Politik und Wissenschaft am 25. April in das Sekretariat der Kultusministerkonferenz in Bonn.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung, deren gelungenes musikalisches Rahmenprogramm von Schülerinnen und Schülern des Friedrich-Ebert- und des Hardtberg-Gymnasiums in Bonn gestaltet wurde, stand ein Podiumsgespräch mit Teilnehmern aus Praxis, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über Entwicklung und Perspektiven des bilingualen Unterrichts in der Zielsprache Französisch. Kennzeichnendes Merkmal dieser Unterrichtsform ist, dass bestimmte Fächer – zumeist Geographie, Geschichte und Gemeinschaftskunde – zweisprachig (Deutsch und Französisch) im Rahmen eines integrierten Konzepts unterrichtet werden, wobei neben der sprachlichen vor allem auch die interkulturelle Kompetenz der Lernenden gefördert werden soll.

Im Namen der Kultusministerkonferenz begrüßte der Leiter der Abteilung Schulen, Oberstudiendirektor Reiner Meier, die Gäste. In seiner kurzen Ansprache hob Meier hervor, dass die Kultusministerkonferenz den bilingualen Unterricht weiterhin als besonders förderungswürdig ansehe. Das unterstrich namens der Robert Bosch Stiftung – die gemeinsam mit dem baden-württembergischen Kultusministerium ein Projekt des dfi zur Unterstützung des bilingualen Unterrichts maßgeblich gefördert hat – Dr. Peter Theiner, Leiter des Programmbereichs Völkerverständigung Westeuropa, Amerika. Weiter führte er aus: „Der bilinguale Unterricht ist eine Achse, über die Deutschland und Frankreich näher zusammenwachsen können, und es ist zu begrüßen, wenn bilingualer Unterricht die Pluralität des Fremdsprachenlernens unterstützt und dazu beiträgt, eine fremdsprachliche Einheitskultur zu vermeiden oder zumindest zu dämpfen.“ Ähnlich äußerte sich Professor Herbert Christ, Mitherausgeber der Reihe „Giessener Beiträge zur Fremdsprachendidaktik“, in der der vorgestellte Sammelband erschienen ist. Christ bezeichnete den Bilingualen deutsch-französischen Bildungsgang als „Leuchtturm“ in der Landschaft des bilingualen Lehrens und Lernens und charakterisierte ihn als „ein gelungenes politisches, sprachenpolitisches, fremdsprachendidaktisches und zugleich fächerübergreifendes Projekt“. Das besondere Potenzial dieses Projekts liege darin, dass es Türen zu öffnen vermöge für die – gerade in Europa besonders wichtige – Mehrsprachigkeit.

Im Verlauf des anschließenden Podiumsgesprächs, moderiert von Sebastian Nix (dfi), wurden diese Aspekte weiter vertieft und ergänzt. So betonte Oberstudienrätin Susanne Kiesel, im baden-württembergischen Kultusministerium zuständig für die allgemein bildenden Gymnasien, dass es besonders wichtig sei, die bilingualen Gymnasien mit Französischzweig bundesweit untereinander und mit französischen Partnern zu vernetzen. In diesem Kontext wies Professor Olivier Mentz (PH Freiburg), ausgehend von den Ergebnissen einer von ihm durchgeführten Studie zu den Rahmenbedingungen des Bilingualen Bildungsgangs, auf drei wesentliche Probleme hin, mit denen die Lehrer in der Unterrichtspraxis konfrontiert seien: eine desolate Materialsituation, Defizite im Bereich der Lehrerfortbildung und die manchmal unzureichende Akzeptanz für bilinguale Angebote mit Französischschwerpunkt in den Lehrerkollegien angesichts der unbestreitbaren Bedeutung des Englischen. Um so wichtiger sei es, so Mentz, die Rahmenbedingungen für den Bilingualen Bildungsgang weiter zu verbessern. Dazu will auch die französische Botschaft in Deutschland einen Beitrag leisten, wie deren Vertreter Bernard Aubert, stellvertretender Leiter der Kulturabteilung, darlegte. Er führte zahlreiche Beispiele dafür an, welche Maßnahmen die Botschaft – in der Rolle eines Katalysators und Impulsgebers – zusammen mit vielen Partnern in Deutschland zur Förderung des Französischen unterstützt. Dass Französischkenntnisse aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtung zwischen Frankreich und Deutschland im Berufsleben von großem praktischem Vorteil sein können, betonte Dr. Angelika Ivens von der Industrie- und Handelskammer Aachen in ihrem Gesprächsbeitrag: „Man sagt ja immer, dass natürlich das Englische auch im deutsch-französischen Handel benutzt wird. Ich muss Ihnen sagen: So in der Wirklichkeit treffe ich das nicht sehr häufig an. (...) Wir sind füreinander der wichtigste Handelspartner, und das merkt man tatsächlich auch am Bedarf.“ Dass aber nicht nur der rein praktische Nutzen von Sprachkenntnissen Maßstab für schulischen Sprachunterricht sein sollte, unterstrich Oberstudiendirektor a. D. Friedhelm Dilk in seiner Eigenschaft als ehemaliger Leiter des Bonner Friedrich-Ebert-Gymnasiums: „Bilingualer Unterricht ... schafft beim Menschen die Fähigkeit, andere verstehen zu wollen. (...) Zwei Weltsprachen braucht man sowieso, aber ohne Französisch ist man ohne Kultur.“ Auch Lotta-Lilli Fiedél, Schülerin im Bilingualen deutsch-französischen Bildungsgang am Bonner Hardtberg-Gymnasium, betonte in ihrer Antwort auf die Frage, warum sie sich für den Bilingualen Bildungsgang entschieden habe, andere als rein nutzenorientierte Motive: „Wir haben Austausch gemacht, wir haben an Wettbewerben teilgenommen. Also es ist nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch, und das, finde ich, ist auch das Tolle am bilingualen Unterricht.“ Paul Palmen schließlich, Leitender Regierungsschuldirektor bei der Bezirkregierung Köln und Vorsitzender der AG Franz-Biling, gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der in Bonn vorgestellte Sammelband – der erste, der ausschließlich dem Bilingualen deutsch-französischen Bildungsgang gewidmet ist – „der Start einer Entwicklung ist, die ... dazu führen wird, dass wir in Zukunft noch mehr in dieser Richtung zu erwarten haben“.

Bilder der Veranstaltung sind im Internet-Angebot des dfi zugänglich.

Kontakt: Sebastian Nix (nix@dfi.de)




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Neues für "bilinguale" Eltern

BILINGUALER SACHFACHUNTERRICHT AUS DER SICHT DER ELTERN

Von Harald Knorn


Erfahrungen mit dem bilingualen Sachfachunterricht können sinnvoll nur dargestellt und beurteilt werden, wenn der Rahmen abgesteckt ist, in dem sich die Erwartungen der Eltern und Schüler an diesen Unterricht bewegen. Eine Einschätzung ohne Berücksichtigung dieses Rahmens ist zwar grundsätzlich möglich, bliebe aber „l'art pour l´art“ innerhalb eines Kreises besonders hoch motivierter Eltern und Schüler, was der Grundüberzeugung des bilingualen deutsch-französischen Unterrichts zuwiderliefe, nämlich, dass jedes normal gymnasial geeignete Kind diesen Unterricht mit Erfolg durchlaufen kann. Die hier dargelegte „Sicht der Eltern“ beschreibt nicht Erfahrungen und/oder Ziele von Eliten (z. B. frankophone Familien oder Familien mit der Zielsetzung eines Studiums an der Sorbonne), sondern von Eltern, die für ihr Kind innerhalb einer „normalen gymnasialen Schulkarriere“ mit dem bilingualen (Sachfach-)Unterricht einen Akzent setzen, der auf dem Weg zum Abitur außergewöhnliche Leistungen ermöglichen, aber nicht garantieren oder erzwingen soll.

1. Der Entscheidungsrahmen der Eltern

Anfang des 21. Jahrhunderts ist die Sicht der Eltern auf die Schule und damit auf die Auswahl der Schulfächer eine andere als in der Gründerphase des Bilingual deutsch-französischen Bildungsgangs an den Gymnasien in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Ursache liegt zum großen Teil an den zeitgeschichtlichen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich in der Schule als Spiegelbild der Gesellschaft im Allgemeinen und ganz konkret im Entscheidungsverhalten der Eltern bei der Wahl der Schulform und der Fächerkombination auswirken.

Um es mit deutlichen Worten zu beschreiben: Das Motiv des Brückenbauens zur Nation und zu den Menschen eines ehemaligen Erzfeindes spielt so gut wie keine Rolle mehr. Damit ist ein wesentliches Element der Werbewirksamkeit des bilingual deutsch-französischen Unterrichts entfallen: die öffentliche Aufmerksamkeit in Politik und Gesellschaft. Das wiederum hat konkrete Auswirkungen: Städtepartnerschaften dümpeln vor sich hin, sind vielerorts teils aus Desinteresse, teils aus Sparsamkeitsgründen auf das Hinweisschild am Ortseingang reduziert. Und noch etwas kommt hinzu: Die Zeiten, in denen der deutsche Urlauber nach St. Tropez und Nizza fuhr, um mondänes Flair zu schnuppern, sind vorbei. Paris ist und bleibt zwar als ewige „Stadt der Liebe“ ein touristisches Pflichtziel, aber wer mit Joe Dassin noch „Aux Champs-Elysées“ summt oder singt, tut dies entweder leicht ergraut in sentimentaler Erinnerung an alte Zeiten – oder zur Auflockerung innerhalb eines Sprachkurses an der Volkshochschule.

Enfin (das für den laufenden Wettbewerb der Sprachen symptomatische „Last-not-least“ verbietet sich zumindest an dieser Stelle): Das zurückgehende Interesse der jungen Franzosen (und ihrer Eltern) an der deutschen Sprache macht es nicht leichter, gegenseitige Anziehungskräfte zu wecken. Hier wie dort sind Urlaubsreisen vergleichsweise teuer und die „Garantie auf Sonnenschein“ hat mittlerweile oft den höheren Wert als die „Entdeckung fremder Welten und Kulturen“. Dennoch entscheiden sich immer noch viele Eltern – auch in Frankreich-fernen Regionen – für den bilingual deutsch-französischen (Sachfach-)Unterricht. Warum und mit welchen Erfahrungen?

2. Die Wahl der zweiten Fremdsprache

Englisch, Französisch, Latein, je nach Schule später vielleicht Griechisch, Italienisch oder Spanisch, in Einzelfällen möglicherweise Chinesisch, Hebräisch, Niederländisch, Russisch oder noch exklusivere Sprachen – dieser Fächerkanon bietet sich den Eltern, die – zu allermeist – in und nach der 4. Klasse entscheiden müssen: Wie geht es weiter mit meinem Kind? Mit Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Auswahl kleiner geworden, denn: Englisch ist als von der Grundschule an durchgehend zu unterrichtendes Fach „gesetzt“ – an der englischen Sprache führt in Klasse 5 in fast allen Bundesländern kein Weg vorbei.

Was für die Schüler sowie für die Eltern, die die Schulwahl letztendlich festlegen, vorrangig zu entscheiden und zu beantworten bleibt, ist die Frage nach der zweiten Fremdsprache innerhalb der Schulkarriere. Oft ist es – unabhängig von der besonderen Möglichkeit des Bilingualen – die Auswahl zwischen (dem im allgemeinen Vor-Urteil als nicht einfach geltenden) Französisch und (dem als übersichtlich, weil nicht mehr veränderbar geltenden) Latein. Lehrer mögen es anders sehen, Eltern gehen oft – ob zu Recht oder zu Unrecht, wollen wir dahin gestellt sein lassen – pragmatisch und mit einfachsten Überlegungen heran:

Pro Latein: Grundlage für das Erlernen weiterer Sprachen, Stärkung des Grammatik-Verständnisses, keine Notwendigkeit des Sprechens, Verstehen von Inschriften historischer Gebäude, keine aktuellen Veränderungen der Sprache, Voraussetzung für bestimmte Studiengänge (wobei sich die Eltern oft irren), grundlegendes Wissen über die Entwicklung Europas, der Demokratie usw.

Pro Französisch: Lebendigkeit der Sprache, Erreichbarkeit des Ursprungslandes (Urlaub, Schüleraustausch, Sprachreisen), Stärkung der Ausdrucksfähigkeit, Möglichkeit des Dialogs, Grundlage für das Erlernen weiterer Sprachen, Sprache eines (nicht nur wirtschaftlich) wichtigen (Nachbar-)Landes in Europa, „Erlebbarkeit“ in Medien, z. B. im deutsch-französischen Fernsehkanal ARTE oder als Synchronisation/Untertitel in DVD-Filmen usw.


3. Sprache kommt von Sprechen

Wenn Eltern sich für ihr Kind in der 5. Klasse für Französisch entscheiden, trauen sie ihrem Kind zweierlei zu – den Wunsch zu lernen und gründlich zu arbeiten. Wer die Möglichkeit hat, seinem Kind bilingual deutsch-französischen Unterricht zu bieten, macht es seinem Kind leichter. Zwei Aussagen mit zwei Erklärungsversuchen.

1. Französisch ist – insbesondere auch in seiner geschriebenen Form – anspruchsvoll. Accent und Cédille müssen, sollen sie im wahrsten Sinne des Wortes wieder erkennbar sein, korrekt gesetzt und deutlich „geschrieben“ werden. Ein i-Punkt kann im flüssigen Schreiben eines deutschen oder englischen Textes schon mal leicht „danebenliegen“ – im Französischen können solche verrutschten i-Punkte zusammen mit schludrig gesetzten Akzenten leicht den Sinn, zumindest aber das Schriftbild beeinträchtigen. Abgesehen davon, dass die Akzente – und die Vokabeln, in denen sie vorkommen – gelernt werden müssen. Diese durch die Sprache „erzwungene“ Korrektheit im Lernen und Schreiben wird im Jugendalter schon eher als lästige Disziplinierung empfunden und ist auch im Erwachsenenalter kaum geliebt; im lern- und aufnahmebereiten Alter der Stufe 5 ff. stellt diese „erzwungene“ Gründlichkeit aufgrund des Reizes des Neuen nicht nur kein Problem dar, sondern hat auch positive Auswirkungen auf die Lernhaltung in den anderen Fächern: Die Grundkonzentration der Schüler im bilingual deutsch-französischen Zweig scheint von vorneherein höher – möglicherweise auch, weil sich die Eltern (und ihre Kinder) vor der Wahl dieses Zweiges mehr mit dem bevorstehenden Schulweg auseinandergesetzt und darüber ausgetauscht haben als Eltern, die eine solche „besondere Entscheidung“ nicht treffen mussten oder wollten. Gemeint ist nicht besonderer Leistungsdruck von Seiten der Eltern, sondern die Tatsache, dass Schule aufgrund der aktiven Entscheidung für den bilingualen Zug im Gesprächsalltag zwischen Eltern und Kindern eine etwas größere Rolle spielt und damit mehr Aufmerksamkeit (und Wichtigkeit) bekommt. Diese „Wichtigkeit“ hat auch Auswirkungen auf die Schüler. Während es im Englischen wegen seiner Verbreitung kaum noch möglich ist, sich exklusiv – sprich „geheim und unverstanden von anderen“ – zu unterhalten, bietet das Französische diese Möglichkeit. Wenn Schul- und Spielkameraden (oder die Eltern) nicht alles wissen bzw. verstehen sollen, kann man „auf Französisch“ unter sich bleiben – ein lernfördernder Neben-Effekt, der sich mit nahezu jeder neuen Sprache einstellt, am wenigsten jedoch mit Latein, auch wenn engagierte Lehrer ihre Schüler auch in dieser „alten Sprache“ hin und wieder alltägliche oder tagesaktuelle Geschehnisse schildern lassen. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Es geht an dieser Stelle nicht um Konkurrenz zwischen Alt- und Neusprachlern. (Der Autor ist diesbezüglich unverdächtig, denn er hat sein Abitur mit dem einstmals so genannten „Großen Latinum“ und dem „Großen Graecum“ abgelegt und eines seiner vier Kinder hat mit Latein in Klasse 5 begonnen.) Beide Sprachen-Gruppen haben in der gymnasialen Schullaufbahn Berechtigung, Nutzen und Sinn! Dennoch: Der kurzfristige „Gebrauchswert“ der lebendigen Sprache Französisch ist höher – schon nach kurzer Zeit sind die Kinder in der Lage, einfache Sätze zu bilden und kleinere Schilderungen ihres Alltages in einer fremden Sprache auszudrücken. Das motiviert!

2. Mit dem Sachfach im bilingual deutsch-französischen Zweig erleichtern die Eltern ihren Kindern diesen Lerneffekt, auch wenn sie – vor der Entscheidung für diesen Weg – gerade darin oft die größte Herausforderung für ihr Kind sehen und Befürchtungen, was eine eventuelle Überforderung angeht, auf dieses Sachfach projizieren. Doch das Gegenteil ist der Fall. Abgesehen von den inhaltlichen Vorteilen, die weiter unten erläutert werden, ist das Sachfach ein optimaler Baustein, um die Ausdrucksfähigkeit und Sprachkompetenz der Schüler zu stärken. Begriffe wie „Erde“, „Mond“, „Sonne“, „Berge“, „Flüsse“ usw. bleiben – wenn man zum Beispiel ein Fach wie Erdkunde heranzieht – nicht nur bezugslos gelernte Vokabeln wie „Mutter“, „Vater“, „Kind“, „Nachbar“, „Straße“, „Stadt“, sondern werden en passant zur Voraussetzung, um erdkundliche Phänomene und Gegebenheiten darzustellen. Das heißt, um beim Beispiel Erdkunde zu bleiben: Das Sachfach „zwingt“ die Schüler, sich in der Fremdsprache auszudrücken, es ist die Grundlage für die Konversation, wobei eben nicht über die Erlebnisse des Wochenendes referiert wird, sondern über die Themen eines Fachgebietes – so als spräche man mit einem ausländischen Kollegen auf einem internationalen Kongress. Diese „Doppelbelastung“ ist in Wirklichkeit eine Erleichterung, denn während die Wiedergabe von Erlebnissen des Wochenendes in der Fremdsprache die (Alltags-)Konversation verbessert, erweitert die Diskussion im Sachfach automatisch und zwangsläufig ein Vokabular, das als Mehrwert in den Grundwortschatz einfließt: „Mittelmeer“, „Wüstenbildung“, „Erosion“, „Entwicklungsländer“ usw. Die Erleichterung besteht darin, dass neue Vokabeln über einen Sachzusammenhang mit-gelernt werden und nicht – wie im reinen Sprachunterricht – über mehr oder weniger konstruierte Texte oder durch die Übersetzung von Literatur. Wenn man das Erlernen von Sprache vor allem als Erwerb der Befähigung begreift, sich in dieser Sprache auszudrücken, ist die Möglichkeit (und Notwendigkeit), seinen Sprachschatz in einem Sachfach zu nutzen und zu erweitern, ein sehr guter Weg. Die erworbene Sprachkompetenz registrieren die Eltern (und Kinder) besonders intensiv (und spätestens) dann, wenn im Rahmen eines Schüler-Austausches diese Fähigkeit sich auszudrücken, gebraucht wird – und dabei oft die fremdsprachlichen Möglichkeiten vieler Eltern übersteigt.

4. Das Sachfach als Erweiterung des Horizonts

Die Beschäftigung mit einer anderen Sprache hat immer zwei Komponenten, beim bilingual erteilten Sachfachunterricht sogar drei. Erstens der Erwerb von Sprachkompetenz durch das Lernen der Grammatik und der Vokabeln. Zweitens die Beschäftigung mit der Kultur und der Gesellschaft, aus der die zu erlernende Sprache kommt. Im Fremdsprachenunterricht – zumal in der Schule – geht es eben nicht nur um die Möglichkeit, sich in einer anderen Sprache auszudrücken und möglichst fehlerfrei zu schreiben, sondern ein wichtiger Bestandteil ist auch die Beschäftigung mit den Menschen, die diese Sprache sprechen oder gesprochen haben – mit ihrer Lebensweise, mit ihrer Literatur usw. Die zentrale dritte Komponente im bilingualen Sachfachunterricht ist darüber hinaus die Nutzung von Originalmaterial, sprich von Texten (Bücher, Presseartikel, Schulungsmaterial usw.), die Ereignisse und Vorgänge in der Welt aus der Sicht der „anderen Nation“ darstellen. Afrika, Serbien, der Irak, Umweltpolitik, gesellschaftliche Entwicklungen (Stichwort „Familie und Beruf“) und soziale Auseinandersetzungen (Stichwort „Arbeitslosigkeit und Jugendkriminalität“) – sind Bereiche, die aus deutscher Sicht und französischer Sicht teils anders, teils ähnlich betrachtet werden. Gerade im Bereich aktueller Zeitgeschichte ergeben sich für die Schüler Ansatzpunkte und Bezüge, um zu verstehen, wie wichtig es in einem immer noch im Zusammenwachsen begriffenen Europa ist, andere Denkweisen sprachlich und inhaltlich verstehen zu können. Der bilinguale Sachfachunterricht erreicht dann seine volle Stärke, wenn er diese vergleichende Arbeit mit Informationen und Texten aus dem muttersprachlichen und dem fremdsprachlichen Kontext fördert. Urteile und Vorurteile sind auch im 21. Jahrhundert eine sehr übliche Herangehensweise an alles Fremde – hier bietet das Lernen an und mit Originalmaterial den entscheidenden Mehrwert. Die Erweiterung des Horizontes findet dann nicht nur über das Verstehen einer anderen Sprache, sondern über das Begreifen von Denk- und Verhaltensweisen statt. Es ist damit mehr noch als ein erweiterter Horizont, es ist ein anderer Blickwinkel, eine zusätzliche – über die Sprache erschlossene – Perspektive.

5. Jedes Sachfach ist anders – oder?

Die oben beschriebenen Möglichkeiten lassen sich allerdings nicht auf jedes Fach und jeden Unterricht übertragen. Theoretisch vielleicht, aber das „wahre Leben“ spielt im Schulalltag, der, wie jeder weiß, erstens nicht überall und ständig „golden glänzt“ und zweitens einer ständigen Veränderung ausgesetzt ist – auch und gerade, was das Beziehungsgeflecht Eltern – Lehrer – Schüler angeht. Opportunität und Praktikabilität sind wichtige Entscheidungskriterien geworden (oder vielleicht auch schon immer gewesen?), was die Planung der Schullaufbahn angeht. Das Kurssystem mit seinem Neigungen fördernden Anspruch hat auch Ausweichmöglichkeiten geschaffen und befindet sich auf dem Rückzug. Mehr Verbindlichkeit (man könnte auch sagen: Einschränkungen) in der Struktur der Oberstufe und engere Vorgaben bei den Lerninhalten mit Blick auf zentrale Abituraufgaben sind en vogue – das macht es nicht leichter, den Sinn der Doppel-Perspektive im bilingualen Sachfachunterricht als Gewinn zu vermitteln. Die Sorgen reichen von Überforderung auf der einen Seite bis zu der Befürchtung, durch die zweisprachige Beschäftigung mit dem gleichen Gegenstand nur die Hälfte (im Sachfach) zu lernen. Hinzu kommt, dass Schüler einzelnen Fächern (schon immer) unterschiedliches Interesse entgegenbringen – in der schnelllebigen Medien- und Internet-Welt aber noch stärker als früher „abgeholt“ und begeistert werden müssen. Darauf muss der Unterricht reagieren – das allerdings zum Teil mit Lehrern, die ihren Höhepunkt des Engagements in der Gründerphase des bilingualen Unterrichts hatten. Es wäre unredlich, diesen – sicherlich immer noch engagierten – Lehrkräften gewisse Ermüdungserscheinungen „dreißig Jahre danach“ vorzuwerfen; wichtig ist, dass die Schulleitungen und Schulträger das Problem erkennen und mit frischen Lehrkräften dem bilingualen (Sachfach-)Un�terricht neues Leben einhauchen. Die modernen Möglichkeiten des Informationsaustausches bieten dazu weitaus mehr Chancen als in der Anfangsphase des bilingualen Unterrichtes zur Verfügung standen.

5.1 Erdkunde

„Géographie“ ist das ideale Einsteigerfach für den Sachfachunterricht. Namen von Ländern und Flüssen, Gebirgszügen und Landschaften sind grundlegender Bestandteil des Unterrichts. In der Unterstufe stellt sich hier schnell und spielerisch eine Erweiterung des Wortschatzes ein – ein Gewinn vor allem für den sprachlichen Anteil des bilingualen Sachfachunterrichts und zunächst weniger für den „zweiten Blick“ aus der Perspektive einer anderen Kultur. Durch die Beschäftigung z. B. mit Afrika (Äquator, Nil, Ölvorkommen, Wüste usw.) erschließt sich für die Schüler aber „nebenbei“ über den frankophonen Zusammenhang die aus der Kolonialzeit bis heute nachwirkende Verbindung zu Frankreich. Die Bedeutung des Erdkundeunterrichts „en français“ liegt im Erwerb fremdsprachlicher Fachbegriffe, was nicht ausschließt, dass in höheren Klassen die oben beschriebene Erweiterung des Horizontes (etwa im Bereich der Umweltpolitik – Stichwort „Atomkraft“, Dieselmotoren usw.) durch Primärtexte hinzukommt.

5.2 Geschichte

„Histoire“ ist ein ungemein wichtiges Fach, dessen Bedeutung den Schülern aber immer schwerer nahe zu bringen ist, weil es – die entsprechenden Fachlehrer mögen diese Passage mit Nachsicht überfliegen – bei jungen Leuten zunehmend als Synonym für Langeweile steht. Aus „grauen Urzeiten“ zieht sich der Stoff vom Neandertaler über „333 – Issos Keilerei“ und eine Vielzahl geborener, Krieg führender und verstorbener Kaiser, Könige und deren Nachfahren bis zum – nicht einmal für die Elterngeneration mehr erlebten – Zweiten Weltkrieg. Jahreszahlen und kaum zu begreifende Glaubenskriege sind für viele Schüler mehr „notwendiges Übel“ als gern gelerntes Zusatzwissen.

Um auch hier kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Erstens wird im Fach Geschichte ohne Zweifel absolut Wichtiges und Wissenswertes vermittelt. Die Redensart „Aus der Geschichte lernen“ ist alles andere als ein leerer Spruch. Zweitens: Jeder Geschichtslehrer kennt und hat immer wieder auch hoch motivierte und begeisterungsfähige Schüler, die den Unterrichtsstoff geradezu aufsaugen und mit Kenntnissen aus und in ihrer Freizeit anreichern.

Dennoch: Geschichte mit ihrer ganz natürlichen „Anmutung des Vergangenen“ hat es vermutlich schon immer schwer gehabt, bei jungen Leuten „anzukommen“, muss sich aber heutzutage in einer Medienwelt behaupten, die nahezu jeden Tag „historische Entscheidungen“ gebiert, „nie zuvor erlebte Gräueltaten und Katastrophen“ hervorbringt und eine nicht zu verarbeitende Menge an Informationen und Wissen „auf den Markt wirft“. Die damit verbundene Schnelllebigkeit lässt emotional Ereignisse der Vorwoche schon zur Geschichte werden – auch wenn sich Lehrer und Experten ob eines solchen „Geschichtsverständnisses“ sicherlich und zu Recht die Haare raufen.

Mehr als die anderen Fächer sollte der Fachunterricht Geschichte deshalb den Anknüpfungspunkt Frankreich suchen – nicht um dort zu verharren, aber als Ausgangspunkt für ein sich verzweigendes Geschichtsnetz. Beispiel: Ausgehend vom deutsch-französischen Freundschaftsvertrag über die Ursachen der Nicht-Freundschaft (Zweiter Weltkrieg, Erster Weltkrieg, 1870/71) zurück zu den Revolutionen und Napoleon und von dort über Gallien/Germanien zum Römischen Reich usw. Gerade im bilingualen Unterricht bietet es sich an, vom üblichen „Aufrollen der Geschichte von hinten nach vorne“ (Steinzeit, Bronzezeit, Altertum, usw.) abzuweichen und die Schüler von der Neuzeit auf eine Zeitreise zurück mitzunehmen – und zwar im bilingualen Sachfachunterricht in der Zielsprache Französisch angelehnt an die Geschichte der beiden Nachbarstaaten Frankreich und Deutschland in ihrer zentralen Lage in Europa.

5.3 Politik

Das Fach Politik bietet die meisten Gelegenheiten, aktuell zu reagieren – nicht zuletzt dank der modernen Möglichkeiten des Informationsaustausches, an erster Stelle das Internet, aber auch die internationale Presse an Bahnhofskiosken, Fernsehsender wie ARTE, der Kabel- und Satellitenempfang fremdsprachiger Programme usw. Politikunterricht kann relativ leicht die oben genannten Forderungen erfüllen, nämlich die Verwendung von Originalmaterial aus dem fremdsprachlichen Land und damit verbunden die andere Sichtweise oder zweite Perspektive auf nationale und internationale Ereignisse und Vorgänge. Die Aktualität der Politik kommt dem Zeitempfinden der Schüler entgegen und erhöht die Aufnahmebereitschaft und Lernfreude. Politik wird hier – insbesondere durch die „andere Sicht“ – schnell als das begriffen, was sie ist: als „Kunst des Machbaren“ im Widerstreit des Ausgleiches von Interessen auf der einen Seite und des Durchsetzens von Macht auf der anderen Seite. Gefördert wird das Interesse geradezu automatisch dadurch, dass die Politik Frankreichs und Deutschlands sich nicht nur zwischen und in zwei Ländern abspielt, die so gut wie keine Grenze mehr trennt, sondern die beide in einen europäischen Rahmen eingebettet sind, was für „Otto Normalverbraucher“ spätestens mit der Einführung der gemeinsamen Währung buchstäblich begreifbar geworden ist. Zukunftsfragen, wie sie in der Politik erörtert werden, gehen auch die Schüler etwas an. Ein permanent aktuelles Beispiel: die Ausländerpolitik. Was tun die Franzosen, was tun die Deutschen? Die Unruhen in den französischen Vorstädten – was lernt Frankreich daraus, wie gehen die Regierung in Paris und die französische Gesellschaft mit der Jugendproblematik um? Wer als deutscher Schüler Filme wie „La Haine“ verstehen und französische Zeitungsartikel lesen und mit der deutschen Presse vergleichen kann, kommt zu einem „Blick über den Tellerrand“, der nicht nur Sprache und Kultur einer anderen Nation vermittelt, sondern ganz grundsätzlich das Beurteilungsvermögen erweitert und schult.

5.4 Biologie, Religion, Sport

Neben den vorgenannten drei klassischen bilingualen Fächern kommen auch andere in Frage, zumindest in Form von zeitweise eingesetzten bilingualen Modulen. Mit Blick auf das Interesse der Schüler eignet sich insbesondere die Biologie, zumal hier eine große Zahl an Fachbegriffen anfällt, die für eine spätere frankophone Orientierung nützlich sein kann. Da sich die Biologie auch dem lebensnahen Bereich der Kinder widmet, ist der Unterrichtsstoff als Alternative schon in der Unterstufe einsetzbar. Das immer wieder erkennbare Motivationsloch am Ende des dritten bilingualen Lernjahres (Stufe 7) könnte durch den Einsatz der Sprache in einem neuen Unterrichtsfach aufgefangen werden. Die möglicherweise als Belastung empfundene Erweiterung des (zu lernenden) Wortschatzes würde durch die Möglichkeit aufgewogen, Dinge und Vorgänge aus der Nahwelt fremdsprachlich auszudrücken (Flora, Fauna, Körperteile und -funktionen usw.). Ein bisher unentdeckter Bereich ist die Religion. Bedenkt man die viel striktere Trennung von Staat und Religion in Frankreich, ergeben sich im politisch-religiösen Bereich interessante Perspektivenwechsel. Aber auch die mit der Religion verbundenen Sinnfragen eignen sich (angesichts des verbreiteten Interesses der Schüler an solchen Themen) für einen bilingualen Sachfachunterricht. Es ist allerdings derzeit nicht zu erkennen, dass es genügend ausgebildete Lehrkräfte in diesen Fächern geben wird. Andere Fächer, etwa Sport, würden bilingual unterrichtet, zwar den Wortschatz erweitern – die mit dem bilingualen Sachfachunterricht angestrebte „zweite Perspektive“ ist hier aber kaum zu erkennen und würde eher den fälschlichen Eindruck erwecken, der Sachfachunterricht sei nur ein Vehikel, um die Sprach- und Ausdrucksfähigkeit der Schüler durch vermehrtes Sprechen in der anderen Sprache zu fördern.

6. Anforderungen an den Unterricht

Die Stundentafel für bilinguale Schüler muss idealerweise einen größeren Umfang haben als die der nicht bilingual unterrichteten Schüler. Mit Blick auf Unterrichtsausfall und gleichmäßige Stundenverteilung neigen Schulen aber dazu, auf diesen größeren Umfang zu verzichten. Gegenüber den Eltern lässt sich so auch (defensiv) leichter argumentieren, dass das Bilinguale keine besondere Belastung für die Kinder darstellt. Eltern beurteilen die Stundenzahl ambivalent: Sie klagen über nicht erteilten Unterricht und mahnen die Politik zur Einstellung von zusätzlichem Lehrpersonal, andererseits wird eine Stundenzahl von 30 und mehr angesichts vielfältiger „Freizeitverpflichtungen“ der Kinder (Musikschule, Tennisschule, Breiten- und Leistungssport) oft als übermäßige Belastung empfunden. Bedenkt man, dass der bilinguale Sachfachunterricht von der Grundkonzeption eigentlich so gedacht ist, dass die Fremdsprache und die „zweite Perspektive“ als Mehrleistung zusätzlich zum deutschen Grund-Unterricht dazukommen, ergibt sich ein nicht aufzulösender Konflikt: Die Mehrleistung durch Bilingualität erfordert entweder mehr Stunden oder aber Einschränkungen beim Sachfach, z. B. was das Erlernen der deutschen Fachtermini angeht oder die Tiefe, mit der ein Thema behandelt wird. Es ist fraglich, ob ein solcher Mangel an Stunden oder Tiefgang tatsächlich so dramatisch ist, dass er sich im Vergleich zu nicht-bilingualen Schülern als echter Nachteil erweist. Gleichwohl sind die Schulen gut beraten, ihren bilingualen Schülern die eine oder andere „Zusatz-Stunde“ zuzumuten – sei es, um die Doppel-Belastung abzufedern, sei es um Schüler nicht in die Gefahr zu bringen, dass sie auf Deutsch mehr wissen als sie in Französisch ausdrücken können oder sich nur das Wissen aneignen, das ihnen im Blick auf das Französische nützt oder erlernbar erscheint. Immerhin gibt es unter den Schülern, die sich beim Wechsel in die Oberstufe vom bilingualen Zweig verabschieden, auch solche, die das nicht wegen der französischen Sprache tun, sondern weil sie den Eindruck haben, dass das Sachfach zu kurz kommt. Beides ist gleich bedauerlich, denn in der Oberstufe können die bilingualen Schüler eigentlich „die Früchte ihrer Unter- und Mittelstufenarbeit ernten“ – nämlich sich in zwei Sprachen und zwei Perspektiven komplexe Sachverhalte erarbeiten und sich mit dem bilingualen Abitur die Möglichkeit offen halten, grenzüberschreitend zu arbeiten und/oder zu studieren. Lehrer tun gut daran, die Schnelllebigkeit zu nutzen und sich von alten Lehrbüchern und Schablonen zu verabschieden. Lebendige Aktivität ist gefragt – zusätzlich zum Lehrplan und zum Schüleraustausch. Eine Jugend, die nicht mehr darauf angewiesen ist, deutsch-französische Brücken gegen die Feindschaft zu bauen, sondern sich in der Realität eines grenzenlosen Europas bewegt, hat durch das Internet Kontakt-Möglichkeiten (E-Mail, Chat), die aus dem Unterricht heraus noch mehr genutzt werden können.

7. Schule ist nicht gleich Schule

Der bilinguale Sachfachunterricht unterliegt, wie jeder Unterricht, simplen Zwängen – sie zu leugnen wäre unredlich. Die Nähe zur französischen Grenze ist ohne Zweifel ein Standortvorteil – man kann mal „eben zum Sprechen-Üben“ auf die andere Seite fahren. Doch die vielen Beispiele weit entfernt liegender Schulen im Norden, Osten und Süden Deutschlands zeigen, dass engagierte Lehrer sowie ein forcierter Schüleraustausch Standortnachteile mehr als wett machen können. Anders herum ist die Nähe zu Frankreich keine Garantie für einen gut funktionierenden bilingualen Zweig. Eine gewisse Garantie gibt es zwar dort, wo das Einzugsgebiet – etwa in einer Metropol-Region – groß ist; aber das Hauptmerkmal eines gut funktionierenden bilingualen Zweigs ist das Engagement der Lehrer und Eltern. Zufälligkeiten sind dabei nicht zu vermeiden. Liegen die „richtigen Bewerbungen“ vor – stimmt die Fächerkombination? Kann überhaupt jemand eingestellt werden, der ins Profil passt? Sind andere Fächer Not leidend? Gibt es Versetzungen, die die Schulleitung hinnehmen muss? Stimmt das Schulklima – gibt es Konkurrenzschulen, die aus nachvollziehbaren oder unerfindlichen Gründen größeren Zulauf haben? Wie gut hält der Kontakt zur Partnerschule, wenn dort die treibenden Kräfte die Schule verlassen? Diese und viele andere Einflussgrößen sind zu berücksichtigen, wenn über Erfolg und Nicht-Erfolg eines bilingualen Zweiges geurteilt wird. Das bilinguale Grundkonzept ist mehr als durchdacht und hat sich bewährt – es muss sich aber jedes Jahr aufs Neue im Urteil der Eltern, die für ihre Kinder eine Entscheidung treffen wollen und müssen, bewähren.

8. Zusammenfassung und Ausblick

Die Entscheidung für den bilingualen (Sachfach-)Unterricht fällt in erster Linie durch die Aussicht auf eine breitere Sprachkompetenz. Erst in zweiter Linie ist bzw. wird Eltern und Schülern klar, dass neben den zusätzlichen (Fach-)Vokabeln der „Perspektivenwechsel“ das herausragende Merkmal des bilingualen Zweiges ist. Dieser „Doppel-Mehrwert“ durch zwei Sichtweisen in zwei Sprachen wird besonders dann erreicht, wenn der Unterricht auf den gesellschaftlichen und technischen Wandel reagiert und die Schüler mit aktuellen Ereignissen und Vorgängen konfrontiert und aktuelles Geschehen nutzt, um zentrale Unterrichtsinhalte zu vermitteln. Als wichtiger Baustein kann das Internet zur „Völkerverständigung im Kleinen“ genutzt werden. Der Wunsch von Eltern und Schülern, sich im zusammengewachsenen Europa zu verständigen und zurecht zu finden, ist vorhanden. Es bedarf junger engagierter Lehrer, um diese Lernbereitschaft zu nutzen und zu fördern – das allerdings in einer Zeit, in der Sparzwänge und „die Reduzierung auf das Notwendige“ zu den Hauptschlagworten im Schulalltag gehören. Gerade deshalb ist es wichtig festzustellen: Der bilinguale Sachfachunterricht hat Zukunft – er verknüpft den von Eltern und Schulen gewollten Spracherwerb mit dem Erlernen von Fachbegriffen und der Möglichkeit des Perspektivenwechsels über Grenzen hinweg. „Marktbeherrschend“ ist unbestritten zwar die englische Sprache als die internationale Arbeits- und Verkehrssprache einschließlich der grenzüberschreitend angelegten Werbespots für international gängige Produkte. Die enge – auch wirtschaftliche – Verflechtung zwischen Frankreich und Deutschland und der Standortvorteil der leichten Erreichbarkeit (auch für Urlaubsreisen) durch die gemeinsame (kaum noch spürbare) Grenze sichern dem Französischen einen festen zweiten Platz in der Sprachenwahl. Die Konkurrenz durch Spanisch ist sicherlich gegeben, zumal das Land südlich der Pyrenäen als sonnensicheres Urlaubsparadies punktet und auch der Hinweis auf die große Verbreitung des Spanischen in Mittel- und Südamerika seinen Reiz ausübt. Dem steht aber die gemeinsame zentrale Lage Frankreichs und Deutschlands in Europa gegenüber. Schulen und Gemeinden sind gut beraten, allen Sparzwängen zum Trotz die vorhandenen Partnerschaften nicht nur zu pflegen, sondern zu intensivieren. Das wird ohne größeren Einsatz ehrenamtlichen Engagements nicht zu erreichen sein. Dies zu wecken und zu fördern, ist die Aufgabe von morgen. Dazu bedarf es junger Lehrer, die in die Fußstapfen der bilingualen Gründungslehrkräfte treten und mit Hilfe des Internets und engagierter Schüler und Eltern den zum Teil ermüdeten Partnerschaften zwischen Städten, Schulen und Vereinen neues Leben einhauchen. Am Beispiel der in England arbeitenden deutschen Ärzte und der Suche niederländischer Unternehmen nach deutschen Arbeitskräften sieht man, dass die europäischen Länder zusammengewachsen sind und grenzüberschreitend handeln. Wer dann in der Lage ist, sich in einer anspruchsvollen Sprache wie der französischen zu verständigen, hat in Kombination mit dem als selbstverständlich geltenden Englisch ausgezeichnete Perspektiven.

(Originalbeitrag erschienen in: Olivier Mentz/Sebastian Nix/Paul Palmen (Hrsg.): Bilingualer Unterricht in der Zielsprache Französisch: Entwicklung und Perspektiven. – Tübingen: Narr, 2007, S. 189–201.)






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Sonstige Mitteilungen

Ideenwettbewerb "On y va - auf geht's" I Veränderungen beim Abi-Bac



DEUTSCH-FRANZÖSISCHER IDEENWETTBEWERB "ON Y VA - AUF GEHT'S"


Unter dem Motto „On y va – auf geht’s“ hat die Robert Bosch Stiftung einen deutsch-französischen Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Ziel des Wettbewerbs ist es zu zeigen, welches Potenzial in den deutsch-französischen Beziehungen jenseits der Politik steckt.

Gefördert werden deutsch-französische Initiativgruppen, die mit einem Projekt beispielhaft zeigen, wie sich Bürger grenzüberschreitend mit ihrer Lebenswelt auseinandersetzen und durch gute Ideen Veränderungen herbeiführen können.

Bewerben können sich alle Bürgergruppen, Vereine und Schulen in Deutschland und Frankreich, die Beziehungen mit dem Nachbarland pflegen sowie an deutsch-französische Städte- und Gemeindepartnerschaften.

Der Bewerbungsschluss für die aktuelle Ausschreibung ist der 17. September 2007.



VERÄNDERUNGEN BEIM ABI-BAC: FORTSCHRITT ODER VERWÄSSERUNG?

Von Robert Prekel

(Romain-Rolland-Gymnasium, Berlin)

Deutschland und Frankreich sind vor allem im schulischen Bereich schon zu konkreten Gemeinsamkeiten gekommen, die man auf vielen anderen Ebenen noch immer vermisst. Dazu gehört sicherlich das ABI-BAC, die Doppelqualifikation „Allgemeine Hochschulreife“ und „Baccalauréat“, die an einigen deutschen „bilingualen“ Schulen und manchen französischen Lycées mit einer Section européenne erworben werden kann. Für deutsche Schüler bedeutet dies, dass sie z.B. je nach Leistungskurswahl auch das entsprechende BAC erwerben. Wer also Französisch und Biologie als Leistungsfächer belegt, erarbeitet sich somit das begehrte BAC S.

Diese Erfolgsgeschichte soll weiter ausgebaut werden. Erstaunlicherweise stammt dieser Wunsch aus Frankreich, offenbar um die Position der deutschen Sprache zu stärken. So erfreulich dies ist, bleibt es doch bedauerlich, dass ein solcher Fortschritt möglichst kostenneutral erreicht werden soll. Wenn mehr Lycées und dementsprechend auch deutsche Partner in den Kreis der ABI-BAC-Schulen integriert werden, bedeutet dies automatisch einen Zuwachs an Prüfungen und Korrekturen. Hier liegt die Crux. Frankreich kennend wissen wir, dass die Kollegen unserer Partnerschulen für die zusätzlichen Anforderungen bezahlt werden müssen (die deutschen Behörden bauen darauf, dass der deutsche Lehrer einfach mehr zu korrigieren und brav seine Pflicht zu erfüllen hat ...). Nun ist man auf die Idee gekommen, die Doppelkorrektur einfach fallen zu lassen. Peter Müller, der frühere Bevollmächtigte der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit, und Gilles de Robien, der bis vor kurzem amtierende Ministre de l’Education nationale, haben dies in der Verwaltungsabsprache vom 11. Mai 2006 so festgelegt. Politisch wird dies mit „gegenseitigem Vertrauen“ begründet; in Wirklichkeit geht es darum, das Geld einzusparen, das beim Austausch von zig Korrekturpaketen und der zusätzlichen in Frankreich bezahlungspflichtigen Korrektur anfiele. Hört sich nicht schlecht an (Weniger Bürokratie! Mehr Vertrauen! Weniger Belastung für die Kollegen!), birgt aber auch Gefahren. Beide Partner erfahren immer seltener, was im anderen Land geschieht. Die Übermittlung der Aufgaben stellt dabei nicht das Problem dar, aber der Blick auf die Leistungen der Schüler sowie auf das andere Korrekturverhalten geht verloren. Immerhin ist es der deutschen Seite gelungen, in Abschnitt II B �7 der Verwaltungsabsprache dafür zu sorgen, dass man ein Recht hat, die Arbeiten der Partner „durchzusehen“. Wie immer in Deutschland legen die Bundesländer diesen Passus unterschiedlich aus. Nordrhein-Westfalen und Berlin plädieren weiterhin für die bisherige Form der Korrektur im Partnerland, andere Länder nehmen eine andere Haltung ein. 2007 wird noch nach dem alten Verfahren gearbeitet; die Verwaltungsabsprache tritt zum 1. August 2007 mit Blick auf den Prüfungstermin 2008 in Kraft. Vorerst nicht angetastet wird der Besuch der französischen Inspecteurs und deutschen Prüfer im Partnerland, um die mündliche Prüfung und dann die erfolgreiche Gesamtprüfung zu attestieren. Im Hinblick auf die Motivation der Schüler sollte unbedingt daran festgehalten werden.

Welche Folgen wird die Verwaltungsabsprache haben? Der Kreis der ABI-BAC-Schulen in beiden Ländern wird bedeutend ausgeweitet. Dies wird sicherlich eine punktuelle Stärkung der Partnersprachen bewirken, hier und da wird vielleicht auch manch „bilinguale“ Schule einen neuen Schub erhalten. Natürlich ist eine derartige Perspektive erfreulich! Wir sollten aber darauf achten, dass der Prüfungsablauf nicht verwässert wird. Wer enge Kooperation wünscht, muss auch den notwendigen Finanzbedarf kalkulieren und decken. Frankreich und die Bundesrepublik stellen immer noch wirtschaftliche Großmächte dar, die es sich leisten können sollten, gegenseitige Korrekturen zu ermöglichen und ein paar Prüfer für eine Woche ins Partnerland zu schicken, um sicherzustellen, dass die Doppelqualifikation mit Recht erteilt wird, weil die Schüler hervorragende Leistungen bringen, und nicht, damit politische Publicity im Vordergrund steht.

 

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