16.10.2019

Enseigner le Québec

Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue - 1/2019

Enseigner le Québec et les écologies canadiennes
Schulprojekt des Marburger Zentrums für Kanada- Studien

Themen, erprobte Unterrichtskonzepte und Materialien für den Französischunterricht 9.-13. Klasse Gymnasium
Herausgegeben von Natascha Vonderschmitt, Claire Köhling und Martin Kuester

Cover Enseigner le Quebec
Cover des Buches "Enseigner le Québec et les écologies canadiennes". - Quelle: Universität Marburg.
Einige Seiten stehen bei Google-Books als Leseprobe zur Verfügung.

Französisch-Lektorin Claire Köhling interviewt die damalige Lehramtsstudentin und jetzige Lehrerin in Vorbereitungszeit Natascha Vonderschmitt über Motivation, Ziele und Ergebnisse des Projekts

Martin Kuester, Professor für Anglistik und Leiter des Zentrums für Kanada Studien suchte an der Universität Marburg fächerübergreifend Kooperationspartner. In diesem Kontext ergab sich die Zusammenarbeit mit der Französisch-Lektorin Claire Köhling vom Institut für Romanistik, die gerade ein neues Kurskonzept (Landeskunde mit Didaktik) entwarf. Sie rückte das Thema französischsprachiges Kanada ins Zentrum ihrer Landeskunde-Übung und regte die Lehramtsstudenten dazu an, Lehrszenarien zu entwerfen und mit Schülern der benachbarten Martin-Luther-Schule zu testen. So entstanden die beiden Lehrszenarien im Kapitel „Enseigner la littérature, la culture et l´histoire québécoise“.

Als Lehramtsstudentin der Romanistik brachte Natascha Vonderschmitt ihre Erfahrungen aus dem Studienaufenthalt in Kanada in die Landeskunde-Übung ein. Darüber hinaus sprach sie die Orientierung des Zentrums für Kanada-Studien in Richtung ökologische Erneuerung besonders an, nachdem sie in Kanada den Regisseuren Dominic Champagne mit seinem neuen Dokumentarfilm über die Umweltprobleme auf Anticosti persönlich kennengelernt hatte. Als Absolventin und wissenschaftliche Hilfskraft übernahm sie dann im Sommersemester 2016 die Organisation einer Ringvorlesung von Herrn Prof. Kuester zum Thema kanadische Ökologien und motivierte Kommilitonen dazu, Lehrszenarien zu den aktuellen Forschungsthemen dieser Vorlesung zu entwickeln und durchzuführen. So entstand der erste Teil des Bandes.

Mittlerweile hat Natascha ihre Referendarausbildung fast abgeschlossen und begeistert sich nach wie vor für das Thema Kanada. Im Folgenden werden Ihre Antworten auf einige Fragen zu dem Schul- und Buchprojekt festgehalten mit dem Ziel, weitere Kollegen darauf aufmerksam zu machen und zu ermutigen, das eine oder andere Lehrszenario einzusetzen.

Natascha, hast Du Lehrszenarien, die damals im Rahmen des Projekts "Kanada unterrichten" entworfen wurden, als Lehrerin wieder ausprobiert? Wie waren Deine Erfahrungen beim Durchführen der Konzepte? Welche Aspekte haben besonders gut funktioniert und die Lerngruppen interessiert?

Bisher habe ich Wissen und Inspiration aus dem Band schöpfen können, als ich vor kurzem mit einer Lerngruppe über „Nouveau-Brunswick“ und die linguistischen Besonderheiten des kanadischen Französisch sprach, da eine Schülerin für einen Auslandsaufenthalt in diese Provinz geht. Die Schülerinnen und Schüler interessierte dies sehr, da viele ein großes Interesse an Nordamerika haben und der Fakt, dass das kanadische Französisch, wie z.B. in „Nouveau Brunswick“ einen großen englischen Einfluss aufweist, hat den Schülerinnen und Schülern einen neuen Blick und Zugang auf die französische Sprache ermöglicht. Hierbei hat sich die Arbeit mit Liedern aus dem frankophonen Raum als sehr geeignet für einen guten Einstieg bewiesen (z.B. „À Moncton“, Mario Jo Thérion).

Studierende Enseigner le Quebec
Einige der Lehramtsstudentinnen und -studenten, die an "Enseigner le Québec et les écologies canadiennes" mitgearbeitet haben. - Quelle: Universität Marburg.

Planst Du, weitere Konzepte oder Entwürfe, die auf die damaligen Projekte in Marburg zurückführen, in den Unterricht zu integrieren?

Ausgehend von der guten Erfahrung der kleinen Einheit zu „Nouvelle Brunswick“ bin ich motiviert dies zu vertiefen. Im 9. Schuljahr (Thema „Frankophonie“) sowie auch in der Sek. II bieten sich Möglichkeiten ein größere Einheit zum französischsprachigen Kanada oder zur Frankophonie durchzuführen (Präsentationen, Wochenplanarbeit, eine „Reise-Messe“, Reise durch die frankophone Musikwelt, une simulation globale etc.)

Konkret plane ich am Ende dieses Halbjahres eine Lernaufgabe zum Thema „Un séjour à l’étranger – Aller vivre dans un pays francophones“ durchzuführen, in dem einige Provinzen Kanadas und vor allem das Thema „le tourisme vert“ eine wichtige Rolle spielen werden.

Welche Szenarien sind Deiner Meinung nach besonders geeignet für das Unterrichten im bilingualen Kontext? Welche Möglichkeiten siehst Du, die Themen in Deinen eigenen Fächern bilingual einzusetzen bzw. mehrere Fächer damit thematisch miteinander zu verknüpfen?

Viele Unterrichtskonzepte des Projekts eignen sich sehr gut für den bilingualen Unterricht. Hierbei bietet sich eine Verknüpfung vor allem von „Geographie“ und „Französisch“ an, da Themen wie die Umweltzerstörung durch Ölgewinnung („Le Québec et les sables bitumineux d’Alberta“ und „Anticosti“) oder die kritische Untersuchung des Massentourismus und seine Gefährdung für die Umwelt Kanadas, z.B. die große Zahl an Wohnmobil-Reisenden, sowie umweltfreundliche Alternativen zu reisen („Le tourisme vert“) Themen des Geographieunterrichts entsprechen.

Es sind aber auch multilinguale Projekte denkbar, indem das Fach Englisch und Französisch zusammen arbeiten, die Sprache und Kultur Kanadas untersuchen und dabei unterschiedliche und gemeinsame Punkte durch Kurzgeschichten, Filme oder Lieder erarbeiten („le joual“). Die offizielle Zweisprachigkeit Kanadas und die Sprachgeschichte des Landes laden regelrecht dazu ein.

Daneben könnte ein bilinguales Projekt zwischen „Geschichte“ und „Französisch“ entstehen, indem auf die koloniale Geschichte, die Eroberung und Entstehung Kanadas und damit einhergehende Problematiken geschaut wird („La Mariouche, c’est pour un blanc“).

Für alle diese Themen bietet der Band „Enseigner le Québec et les Écologies canadiennes“ verschiedene Projektvorschläge, welche über kreative und ästhetische Zugänge (Lieder/Filme/Kurzgeschichte) hin zu sachlichen und faktischen Auseinandersetzungen reichen (Artikel, Karten, informative Videos).

Welche Relevanz und Motivation siehst Du in den Themen für Deine Schülerinnen und Schüler?

Sehr oft begegnet man Lerngruppen, die die Motivation am Fach Französisch verloren haben und sich nicht (mehr) besonders für das Land Frankreich interessieren. Der Blick auf die frankophone Welt, hier vor allem auf Kanada, eröffnet den Schülerinnen und Schülern eine andere französischsprachige Welt mit einer anderen Sprache und Kultur und auch Themen. Gerade diese Themen, die sich um die Umwelt, Ausbeutung von Ressourcen, Reisen in einer Zeit der Klimakrise drehen, stoßen bei der Generation „Fridays for Future“ auf großen Anklang. Die Aktualität dieser Themen motiviert die Schülerinnen und Schüler und schafft für sie relevante und authentische Sprechanlässe.

Inwiefern würdest Du das Buch und die Unterrichtskonzepte, die während des Projekts mit dem Kanada-Zentrum entstanden sind, empfehlen?

Der Band liefert viele interessante Themen rund um das französischsprachige Kanada und das Thema „Ökologie“. Hierbei wird jeweils zunächst durch Hintergrundwissen informiert und dann ein Unterrichtskonzept mit didaktisiertem Material vorgestellt. Dazu werden noch Alternativen zur weiteren Bearbeitung der Themen gegeben. Es gibt einen Einblick in die Möglichkeiten der Thematik für den Unterricht, wobei sich sehr viele Konzepte für einen bilingualen Rahmen anbieten.

Mittlerweile gibt es sehr viel (Unterrichts-)Material zum französischen Kanada, wobei meistens auf die Kultur und Geschichte Québecs und die Unterschiede in der Sprache eingegangen wird. Oft reichen die Themen nicht weiter. Daher finde ich es schön, dass dieser Band aktuelle und relevante Themen unserer Zeit und der aktuellen Kanada-Forschung aufgreift, die die aktuellen Schülergenerationen interessieren und sie nicht nur in den Unterricht bringen, sondern jenen um einen wichtigen Aktualitätsbezug bereichern. Dies ist eine Erweiterung und Weiterführung der bisher existierenden Konzepte.

 


 

Enseigner le Québec et les écologies canadiennes : Schulprojekt des Marburger Zentrums für Kanada-Studien / von Martin Kuester, Claire Köhling und Natascha Vonderschmitt.
Baden-Baden : Tectum Verlag, [2019]. - 115 S.
ISBN: 978-3-8288-4322-6
Preis: 26 €
Bestellung im Nomos-Shop

 


 

Claire Köhling, bordelou@mailer.uni-marburg.de, Lektorin für Französisch am Institut für Romanistik der Universität Marburg, Sprachpraxis und Landeskunde mit Didaktik.
Natascha Vonderschmitt, natascha.vonderschmitt@gmx.net, Lehrerin in Vorbereitungszeit seit Oktober 2018 an der Wöhlerschule Frankfurt am Main für die Fächer Französisch, Deutsch und DaF.

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