16.10.2019

Mainz-Dijon-Studiengang

Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue - 1/2019

Einheit in der Vielfalt:
Pluridisziplinarität im Lehramtsstudium Mainz-Dijon

Studenten Mainz-Dijon
Die Studierenden im Mainz-Dijon-Studiengang 2019. - Quelle: Dijonbüro der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Der Blick in den Online-Studienführer der deutsch-französischen Hochschule (DFH) zeigt, dass das Angebot binationaler Lehramtsstudiengänge in den letzten Jahren gewachsen ist. Unter den aktuell drei Programmen im Bereich der gymnasialen deutsch-französischen Lehrer/innenausbildung ist der Studiengang Mainz-Dijon der einzige, dessen Angebot über die für die Zielgruppe naheliegendste und ‚klassische‘ Kombination der Schulfächer Deutsch und Französisch hinausgeht. Die Vielfalt der wählbaren Fächer – ein grundlegendes Merkmal des regulären Lehramtsstudiums – zeichnet den Mainz-Dijon-Studiengang seit seiner Einrichtung in den 1990er Jahren aus. Sie stellt die Programmbeauftragten immer wieder vor Herausforderungen in der Umsetzung, zieht regelmäßig auch die Kritik der Evaluatoren der DFH auf sich, die die klaren Strukturen eines auf wenige Fächer zugeschnittenen Programms vermissen und in der Fächervielfalt mangelnde Präzision zu sehen meinen, erweist sich jedoch für die Studierenden stabil als sehr attraktiver Ausbildungsweg, der im Bachelor of Education Mainz-Dijon jährlich 15-20 Studienanfänger/innen aus ganz Deutschland und Frankreich anzieht.

Freilich ist der Lehramtsstudiengang Mainz-Dijon weit entfernt von der völlig freien Fächerwahl des regulären Lehramtsstudiums, welche im Sinne des Zusammenhalts der Studierendengruppe und des gemeinsamen deutsch-französischen Lernens auch nicht erstrebenswert wäre. Verpflichtend ist im Lehramtsstudium Mainz-Dijon für alle deutschen und französischen Studierenden das Fach Französisch/Lettres Modernes, hinzu können sie eines der folgenden weiteren Fächer wählen: Deutsch, Englisch, Geschichte, Philosophie/Ethik oder Geographie. Ein weiteres Lehramtsfach ist aktuell in Vorbereitung: Mit dem Fach Schulmusik wird die Kooperation Mainz-Dijon ab dem Wintersemester 2020/21 Neuland betreten und Studierenden mit der Fächerkombination Musik-Französisch die einzigartige Möglichkeit einer binationalen Ausbildung bieten.

Die verbindenden Elemente, die dazu führen, dass sich die Gruppe der Erstsemester im Laufe des ersten Studienjahres zu einer festen Gruppe zusammenschließt, sind neben dem Französischstudium das im Lehramt verpflichtende Fach Bildungswissenschaften und das eigens für den Studiengang konzipierte „Deutsch-Französische Modul“, das sich im Bachelor mit sprachvorbereitenden und interkulturellen Veranstaltungen über alle sechs Semester erstreckt und sich im Master und im binationalen Vorbereitungsdienst mit einer deutsch-französischen Forschungswerkstatt zu unterrichtspraktischen Themen und interkulturellen Modulen für Referendar/innen fortsetzt.

Das Deutsch-Französische Modul im Bachelorstudium besteht aus vier verschiedenen Veranstaltungen bzw. Projekten, die sich über die gesamten sechs Semester des Studiums erstrecken. Im ersten Semester findet mit dem „fachsprachlichen Propädeutikum“ die einzige Veranstaltung des Moduls statt, die nur in der eigenen nationalen Gruppe absolviert wird. Das Propädeutikum als Einführungs- bzw. wissenschaftliche Vorbereitungsveranstaltung bezieht sich hier auf die für das Studium an der Partneruniversität notwendige geisteswissenschaftliche Fachsprache sowie die erforderlichen Arbeitsmethoden (z.B. französische Dissertation, deutsche Hausarbeit). Die sprachlichen und methodischen Kenntnisse werden durch ein im zweiten Semester durchgeführtes interkulturelles Training ergänzt, das die deutsch-französische Gruppe gemeinsam absolviert. Das Training bereitet auf den nicht selten eintretenden Aha-Effekt vor, dass deutsch-französische interkulturelle Zusammenstöße doch häufiger vorkommen, als man denken mag. Zudem absolvieren die Studierenden im zweiten Semester eine fünftägige Exkursion an die Partneruniversität. Gegen Ende des Studiums, wenn die Studierenden schon erfahrener sind, erfolgen im fünften und sechsten Semester die weiteren Teile des Deutsch-Französischen Moduls: ein eigenständig durchzuführendes deutsch-französisches Projekt sowie das Seminar „Interkulturelle Reflexionen und Analysen zum Unterrichtsgeschehen in Frankreich und Deutschland“.

Das Lehramtsstudium ist genauso vielfältig wie der Unterricht in der Schule. Warum sollte es in einer binationalen Lehramtsausbildung anders sein? Die Universitäten Mainz und Dijon begreifen es als Vorteil und Gewinn, zukünftige Lehrerinnen und Lehrer auszubilden, die auch über die Philologie des Nachbarlandes hinaus in ihrem Fach deutsch-französisch ausgebildet sind und somit den europäischen Gedanken auch denjenigen Schüler/innen vermitteln können, die sich vielleicht gar nicht explizit für Sprachen interessieren. Hunderte Absolventinnen und Absolventen sind inzwischen als Lehrkräfte in Deutschland und Frankreich tätig, oft auch an Schulen mit bilingualem Zweig, und sie wecken – so wollen wir es hoffen – auch bei den zukünftigen Studierenden das Interesse für das ‚franco-allemand‘.

 


 

Dr. Catherine Dedié, dijon@uni-mainz.de, Koordinatorin der integrierten Studiengänge in den Geistes- und Kulturwissenschaften Mainz-Dijon
Dijonbüro der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

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