Binationaler Diplom-/Master-Studiengang „Architektur“

 

 

Quoi de neuf 2020 - Binationaler Diplom-/Master-Studiengang „Architektur“

Quoi de neuf ? Nouvelles du bilingue 2020

Binationaler Diplom-/Master-Studiengang „Architektur“

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Seit dem Wintersemester 2008/09 wird von der Technischen Universität Dresden (TUD) gemeinsam mit der École Nationale Supérieure d’Architecture de Strasbourg (ENSAS) ein Deutsch-Französisches Doppeldiplom in Architektur angeboten. Durch das integrierte Haupt- bzw. Masterstudium sollen umfassende Kenntnisse der architektonischen Kultur und Praxis des Partnerlandes erlangt und durch vertiefte Sprachkenntnisse vielfältige Möglichkeiten auf dem internationalen Arbeitsmarkt eröffnet werden.

Grenzüberschreitender Redewettbewerb
Die Studierenden des binationalen Diplom-/Master-Studiengangs „Architektur“ im Sommer 2020 mit anlassbedingtem Sicherheitsabstand auf dem Campus der TU-Dresden. Die Autorinnen der studentischen Erfahrungsberichte Pauline Marais (rechts) und Friederike Roynard (2. v. r.) - Foto: TU-Dresden

Das Deutsch-Französische Doppeldiplom in Architektur ist ein durch die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) geförderter Studiengang.

Voraussetzungen für die Bewerbung für das Doppeldiplomstudium sind der erfolgreiche Abschluss der ersten drei Studienjahre an der TU Dresden oder der Nachweis gleichwertiger Kompetenzen sowie französische Sprachkenntnisse Sprachniveau B2 („selbständige Sprachverwendung“). Die Doppeldiplomstudierenden werden von einer gemeinsamen Kommission beider Hochschulen ausgewählt.

Nach dem erfolgreichen Grund- bzw. Bachelorstudium verbringen die Studierenden in diesem bi-nationalen Studiengang das erste Studienjahr des Haupt- bzw. Masterstudiums jeweils an der Partneruniversität. Der einjährige Studienaufenthalt an der Partnerhochschule beginnt jeweils im Wintersemester. In diesem Zeitraum sollen 50 % der Leistungen des Hauptfachstudiums (60 ects) erbracht werden. Die für das Doppeldiplom angemeldeten Studenten erhalten einen Stundenplan, der den Ablauf des Hauptfachstudiums sowohl in Dresden als auch in Straßburg regelt. Ein mindestens zweimonatiges Pflichtpraktikum in einem Architekturbüro des Partnerlandes schließt im Regelfall direkt an. Im zweiten Studienjahr studieren sie an ihrer Heimatuniversität.

Anschließend können sie auswählen, wo sie ihre Diplomarbeit / ihr Projet fin d’Études anfertigen, die sie in beiden Sprachen vor einer deutsch-französischen Kommission verteidigen. Mit dem erfolgreichen Abschluss des integrierten Studiengangs Architektur wird das Doppeldiplom verliehen, bestehend aus dem Diplôme d'Etat d’architecte der ENSAS (entspricht dem akademischen Grad „Master“), dem Diplom im Fach Architektur der Technischen Universität Dresden (akademischer Grad „Diplom-Ingenieur“) sowie dem DFH-Zertifikat.

Das Architekturstudium an der TU Dresden und der École Nationale Supérieure d’Architecture de Strasbourg sowie die beiden Hochschulstädte sind in vielerlei Hinsicht verschieden und ergänzen sich dadurch hervorragend. Beide Städte besitzen eine vielfältige Hochschullandschaft mit jeweils fächerübergreifender Zusammenarbeit. Die TU Dresden selber ist eine Volluniversität mit breitem Fächerspektrum. Sie zählt zu den forschungsstärksten Hochschulen in Deutschland. Austausch und Kooperation zwischen den Wissenschaften, mit Wirtschaft und Gesellschaft sind dafür die Grundlage.

Die gemeinsame Ausbildung von Architekten und Landschaftsarchitekten an einer Fakultät wie in Dresden stellt eine Besonderheit in der deutschen Hochschullandschaft dar. Sich überlagernde Themengebiete können so, obwohl es sich um getrennte Studiengänge handelt, gemeinsam bearbeitet werden.

Sowohl Dresden als auch Straßburg sind Kunst- und Kulturstädte von hohem internationalen Rang und bieten vielfältige Ergänzungen zum Studium. Straßburg mit Sitz zahlreicher europäischer Einrichtungen versteht sich zudem als „Hauptstadt Europas“.

Das Deutsch-Französische Doppeldiplom wird von der Professur Baugeschichte, Prof. Hans-Georg Lippert und Dipl.-Ing. Kerstin Zaschke, betreut, an die sich Studierende bei Fragen und Interesse wenden können.

Für Studieninteressierte hier der Link zum Diplom-Studiengang Architektur an der TU Dresden: https://tu-dresden.de/bu/architektur/studium/studieren-an-der-fakultaet-fachrichtung/studiengang

 


 

Pauline Marais: Erfahrungsbericht an der TU Dresden

Als Deutsch-Französin war es für mich mehr oder weniger klar, in Deutschland oder mit Bezug zu Deutschland zu studieren. Nachdem ich also das „AbiBac“ in Angers gemacht hatte, informierte ich mich über deutsch-französische Studiengänge im Bereich Architektur. Meine Wahl fiel sofort auf die École Nationale Supérieure d'Architecture de Strasbourg (ENSAS), denn diese Schule ist die einzige in Frankreich, die zwei deutsch-französische Masterstudiengänge anbietet. Tatsächlich stellt die ENSAS einen Doppelmaster mit dem KIT in Karlsruhe und mit der Technischen Universität Dresden zur Wahl.

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Präsentation des Städtebau-Projekts, an dem Pauline Marais teilgenommen hat. - Foto: TU-Dresden

Das erste Jahr des Master-Studiengangs findet an einer Partneruniversität, für mich die TU Dresden, statt. Für dieses Jahr im Ausland konnte ich von mehreren Stipendien profitieren.

Um mich auf dieses Jahr an der Technischen Universität in Dresden vorzubereiten, hatte ich zuvor ein Erasmus-Jahr in Wien, Österreich, absolviert. Diese Erfahrung half mir insbesondere bei der Sprache, um mir das technisch-lexikalische Feld der Architektur anzueignen, das ich vorher nicht kannte. So konnte ich die Kurse in Dresden entspannter angehen.

Das deutsche Universitätssystem ist völlig anders als das französische System, das ich kannte. Die Anpassung an dieses System ist nicht einfach. Anfangs fühlte ich mich schnell verloren. Der Vorteil eines Studiums in Dresden aber ist meiner Meinung nach die viel größere Autonomie der Studierenden.
Hier habe ich meine Kurse zwischen einem großen Angebot ausgewählt, was wirklich gut war, denn so konnte ich Kurse wählen, die mich interessierten und die nicht unbedingt an unserer Heimatuniversität angeboten werden.

Architektur ist eine Disziplin, die viel Gruppenarbeit erfordert. Es ist daher sehr interessant, sich mit deutschen und anderen ausländischen Studierenden auszutauschen und zusammenzuarbeiten, die einen ganz anderen Zugang zu diesem Fach haben. In den verschiedenen Projektarbeiten hatte ich den Eindruck, dass wir uns gegenseitig ergänzten, was aus persönlicher und beruflicher Sicht sehr bereichernd war.

Und trotzdem war in diesem Jahr alles anders. Während des zweiten Semesters gab es wegen der Corona-Krise den Lockdown. Kurz vor der Ausgangssperre kehrte ich nach Frankreich zurück und musste zwangsweise, was ich vorher nicht wissen konnte, zwei Monate dort bleiben. Ich kam erst wieder nach Dresden zurück, als die Grenzen wieder geöffnet wurden. Während dieser Zeit habe ich die Kurse online verfolgt. Das war für einige Kurse praktisch und gut. Aber zum Beispiel für unsere Gruppen-Projektarbeit war es sehr umständlich. Darum bin ich, sobald es wieder ging, nach Dresden zurückgefahren, um meine Arbeitsgruppe zu treffen und das Projekt fertigzustellen. Anfangs war es nicht einfach, sich an die Online-Kurse zu gewöhnen. Aber alle Beteiligten haben ihr Bestes gegeben, so dass trotz dieser Bedingungen mein Corona-Semester sehr befriedigend verlief.

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Stadtmodell, das im Rahmen der Gruppenarbeit von Pauline Marais entstanden ist. - Foto: TU-Dresden

Dresden ist eine sehr dynamische Stadt, die alles hat, um ein tolles Jahr zu verbringen. Wichtig zu wissen ist, dass sich das dynamische Studentenviertel in der Neustadt befindet. In diesem Viertel gibt es tolle Bars und die alternative Atmosphäre macht es zu einem einzigartigen und sehr schönen Ort. Die Universität liegt relativ weit entfernt vom Stadtzentrum und damit weit entfernt von dem Stadtteil Neustadt. Ich entschied mich aus praktischen Gründen, in der Nähe der Universität zu wohnen, aber das hielt mich nicht davon ab, dank unseres Studentenausweises, mit dem wir alle öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt kostenlos benutzen können, problemlos in die Neustadt zu gelangen.

Die geographische Lage der Stadt ist ideal. Tatsächlich habe ich dieses Jahr in Dresden genutzt, um Deutschland zu besichtigen. Man kommt schnell und einfach (und günstig) nach Berlin oder Prag. Eine Hin- und Rückreise innerhalb eines Tages ist durchaus machbar. Deshalb nutzte ich die Gelegenheit, diese Städte im Laufe dieses Jahres mehrmals zu besuchen. Mit unserem Studentenausweis können wir auch die Regionalzüge kostenlos benutzen. Das erlaubte mir Leipzig, Meißen und die sächsische-Schweiz zu besichtigen.

Abschließend möchte ich allen, die Interesse an Architektur und an Deutschland haben, dieses Doppeldiplom wärmstens empfehlen. Es ist ein Jahr voller Arbeit und Lernen, aber auch voller interessanter Begegnungen, Entdeckungen und Erfahrungen. Es ermöglichte mir, insgesamt meinen Horizont wie auch meine fachlichen Kompetenzen zu erweitern.

 


 

Friederike Roynard: Erfahrungsbericht an der ENSA Strasbourg

Als Deutsch-Französin war mir nach dem Abi klar, dass ich die Zweisprachigkeit auch gerne in meinem Studium weiter erleben wollte. Bei der Suche nach zweisprachigen Studiengängen stieß ich auf die Möglichkeit des Doppeldiploms. Für den Studiengang Architektur kamen hierfür Karlsruhe, Dresden oder Straßburg als Studienorte in Frage. Da ich etwas Fernweh hatte und gerne eine völlig neue Stadt kennenlernen wollte, zog ich zunächst nach Dresden. Im deutsch-französischen Studiengang der Partner-Universitäten Dresden und Straßburg wird Studenten angeboten, jeweils ein Jahr im Partnerland zu studieren und mit einem Deutsch-Französischen Diplom abzuschließen. Außerdem wird ein zweimonatiges Praktikum in Frankreich vorausgesetzt, das ich ebenfalls in Straßburg absolviert habe, weil ich mich zu diesem Zeitpunkt in der Stadt und in meiner WG so wohl gefühlt habe, dass ich gern noch ein bisschen länger blieb.

Über die Finanzierung hatte ich mir bis kurz vor der Bewerbung auf das Doppeldiplom nicht viel Gedanken gemacht und war sehr erfreut, als sich herausstellte, dass ich sogar zwei Förderungen beantragen konnte, eine finanzielle Unterstützung durch die DFH, sowie eine zweite aufgrund des ERASMUS Programms. Somit lebte ich ein Jahr lang vollkommen unabhängig.

Während der ersten zwei Wochen vor Studienbeginn durfte ich am ERASMUS Willkommensprogramm der ENSAS teilnehmen. Für jeden Tag hatte der ERASMUS-Beauftragte der ENSAS einen Ausflug organisiert und so ging es ins Vitra Design Museum in Weil am Rhein, zur Haut-Koenigsburg in den Vogesen, ins Unterlinden-Museum nach Colmar und in eine Käserei im Münstertal. Auch während des Semesters wurden jeden zweiten Samstag Ausflüge nach Marseille, Basel, Metz, Ronchamp, Mulhouse und in viele weitere Städte angeboten. Im Studium lernte ich eine völlig andere Art der Lehre kennen. Meine bisher eher technisch ausgerichtete Ausbildung konnte ich so noch mit einer stärker atmosphärischen und künstlerischen Sichtweise auf die Architektur vervollständigen. Im Vergleich zur Technischen Universität in Dresden, wo Baustatik und -physik eine große Rolle spielen, lernte ich in Straßburg viel über Darstellung, Raumwahrnehmung und Formensprache. Obwohl natürlich alle Bereiche an beiden Unis abgedeckt sind, kann man doch die Schwerpunkte gut erkennen.

Besonders gefallen hat mir eine Studienreise nach Indien, die mir und allen TeilnehmerInnen meines Kurses durch die ENSAS ermöglicht wurde. In Mumbai standen wir mit einer indischen Universität in Verbindung und das Projekt gestaltete sich wie ein Austausch, denn wenige Wochen später kamen auch die InderInnen nach Straßburg. Viele andere Kurse bezogen sich direkt auf Straßburg und die Region und waren somit sehr realitätsnah. Zwischen den Semestern nahm ich an einer Intensivwoche teil, in der man sich mit der Perspektive von Überwachungskameras beschäftigte. Das Atelier leitete ein Künstler, der sonst wenig mit Architektur zu tun hatte, was den Dialog umso interessanter machte. Ich habe die Zeit an der ENSAS genutzt, um vieles auszuprobieren und mich an Sachen zu trauen, die mir in Dresden vielleicht zu heikel gewesen wären. So habe ich auch eine wissenschaftliche Arbeit, die über zwei Semester ging, über das Wohnen auf dem Mars geschrieben.

Der gesamte Aufenthalt hat mir viel Spaß gemacht, ich habe viel dazu gelernt und würde das Doppeldiplom Dresden-ENSAS allen weiterempfehlen, die Interesse an der französischen Sprache, Kultur und Architektur haben. Es bringt frischen Wind in die Segel, motiviert dazu, Neues auszuprobieren und man lernt eine Menge netter Leute kennen. Ein bisschen finanzielle Unterstützung tut dabei natürlich sehr gut und am Ende hat man auch noch ein besonderes und sehr wertvolles Diplom in der Tasche!

 


 

Kontakt: Kerstin Zaschke, Technische Universität Dresden, Fakultät Architektur Kerstin.Zaschke@tu-dresden.de

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