Les Caprices de Marianne - Komödie mit tragischem Schluss

 

 

Quoi de neuf 2020 - Les Caprices de Marianne

Quoi de neuf ? Nouvelles du bilingue 2020

Les Caprices de Marianne -
Komödie mit tragischem Schluss

Nach 20 Jahren Produktionen von zeitgenössischen Theaterstücken in französischer Sprache (einzige Ausnahme: Molière, Le Bourgeois Gentilhomme) begab sich die Theater-AG diesmal ganz mutig in das Zauberreich der Romantik: Les Caprices de Marianne von Alfred Musset (1810 – 1857). Im Vorjahr schon hatte Carla Jamet-Lange (Q2) signalisiert, sie würde gern die Rolle der Marianne übernehmen. Damals jedoch war die Mehrheit für das lange ernste Problemstück Le voyageur sans bagage von Jean Anouilh gewesen.

 

franzoesischsprachiges-Theater-4

Maskerade - Foto: Klaus Otterbach

 

Mit dem Titel Les Caprices de Marianne stellt Musset die Verführbarkeit einer Ehefrau, die als Inbegriff der Tugend („un dragon de vertu“) gilt, in den Mittelpunkt: ein psychologischer Konflikt einer Frau, die trotz ihrer gelebten und lautstark verkündeten Moralvorstellungen schließlich umkippt und der Versuchung erliegt.

Die Dynamik des Stückes vollzieht sich durch die Entwicklung der Titelfigur: von der treu ergebenen und in Zwängen und Konventionen verhafteten Ehegattin hin zu einer Frau, die sich einen Liebhaber wünscht.

Die Dialoge sind zum Teil sehr knapp und konzentriert, ökonomisch und auf das Wesentliche reduziert, und, obwohl Komödie, schließt das Stück tragisch (mit Mord und anschließender Szene am Grab) – genau wie unser Leben!

Da die Les Caprices de Marianne insgesamt sehr kurz und komprimiert sind, überaus bühnenwirksam, und sich einer einfachen Sprache bedienen, schienen sie für fremdsprachiges Schülertheater gut geeignet. Auch bot das Stück den zum Teil schon seit Jahren geübten Darstellern viele Möglichkeiten zum Gestalten ihrer Charakterrollen.

franzoesischsprachiges-Theater-1
Maskerade - Foto: Klaus Otterbach
franzoesischsprachiges-Theater-2
Marianne und ihr Ehemann Claudio - Foto: Klaus Otterbach

Nachdem wir lange vergeblich nach einer Besetzung der Rolle des Claudio gesucht hatten (Mariannes lächerlicher und wesentlich älterer Ehegatte), erklärte sich Anfang Dezember der bühnenerfahrene und vielfach erfolgreich erprobte Yari-Lasse Jäger (Q2) dann doch bereit, die Rolle zu übernehmen. Für die umfang- und facettenreichste, ja sicher anspruchsvollste Rolle hatten wir schon gleich zu Beginn Martin Steinau (Q2) gewinnen können, der am Schluss der Anouilh-Produktion schon den petit garçon so erstaunlich überzeugend gespielt hatte. Martin konnte schon früh große Teile seines Textes auswendig, was die Effektivität der Probenarbeit enorm steigerte, und spielte so souverän und nuanciert wie ein professioneller Darsteller.

Und noch eine große Überraschung: da sich für die dritte männliche Hauptrolle, den schwärmerischen, unglücklich in Marianne verliebten Cœlio, kein Junge gefunden hatte, betrauten wir Rose Bongert, eine Schülerin aus der 8. Klasse, mit dieser Herausforderung, die sie mutig annahm und erstaunlich gut bewältigte.

Mehr noch als bei früheren Produktionen zeigten fast alle Darsteller bei den täglichen Proben in den zwei Wochen vor der geplanten Premiere großes darstellerisches Können und ein ungewöhnlich hohes Maß an Bühnenpräsenz.

 

franzoesischsprachiges-Theater-3

Marianne und der in sie verliebte Coelio - Foto: Klaus Otterbach

 

Und genau wie die Caprices de Marianne als Komödie beginnen und tragisch enden, so schloss auch unsere Probenarbeit tragisch: am letzten Schultag vor der Generalprobe wurde die Schule im Rahmen der „Corona-Maßnahmen“ bis Ostern geschlossen und auch während der vorsichtigen Öffnung zwischen Oster- und Sommerferien blieben Theateraufführungen mit Publikum in der Schule weiterhin untersagt: Wir durften unsere aufführungsreife Produktion nicht aufführen!

Bei der Entlassungsfeier der bilingualen Abiturienten Ende Juni gab es dann aber noch eine große Überraschung:
Die vier Abiturienten aus der Theater-AG spielten mit viel Schwung und Verve und ungeheurer Bühnenpräsens eine selbsterstellte Kurzfassung des Stücks zum großen Erstaunen der geladenen Eltern, Lehrer - und des Regisseurs und konnten so eindrucksvoll zeigen, was sie sich in den Monaten vor dem Lockdown Mitte März alles erarbeitet hatten!
Doch kein so ganz tragischer Schluss ...!

 


 

Klaus Otterbach, willywolltaehr@gmx.de, Französischlehrer und Leiter der französischsprachigen Theater-AG an der Hildegardis-Schule, Bochum

Zurück zum Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 2020 von Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue


Den gesamten Newsletter zum Download als PDF-Datei finden Sie hier.

Wenn Sie "Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue" abonnieren wollen, folgen Sie bitte diesem Link.

Hier können Sie frühere Ausgaben von "Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue" online lesen.


Der Text dieser Seite ist verfügbar unter der Lizenz CC BY 4.0 International
Urheber: dfi

Bitte beachten Sie eventuell abweichende Lizenzangaben bei den eingebundenen Bildern und anderen Dateien.